Selbstständige werden benachteiligt

Eine Studie von Invoiz und dem Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) belegt, dass etwa jeder zehnte Erwerbstätige auf eigene Rechnung arbeitet, also selbstständig ist. Eine beachtliche Zahl, denn das heißt, dass etwa vier Millionen Menschen sich zum einen mit dem Geschäftsrisiko, zum anderen mit formalen Fallstricken auseinander setzen müssen. Welche diese Fallstricke sind und was du als Selbstständiger oder Selbstständiger beachten solltest, möchten wir dir im folgenden Beitrag näher erläutern.

Wer ist Invoiz?

Invoiz ist ein Unternehmen, das Software für Selbstständige entwickelt. In Zusammenarbeit mit dem VGSD wurden 3.000 Freiberufler befragt, mit welchen Hindernissen sie tagein-tagaus zu kämpfen haben.

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Das Ergebnis der Umfrage

Das Ergebnis der Umfrage von Invoiz und der VGSD bringt eigentlich ein ganz anderes Ergebnis zutage, als man vielleicht denken könnte. Es sind nicht die unsicheren Einnahmen oder das hohe Arbeitsaufkommen oder dass die Aussage „selbst und ständig“ zutrifft, nein, es sind die Bürokratie-Vorgaben, die Probleme bereiten. Und auch die hohen Kosten sowie die Rechtsunsicherheit sind Punkte, die von den befragten Freiberuflern aufgezählt wurden.

Einer der Nachteile: Die hohen Nebenkosten

Als Angestellter tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer den gleichen Anteil an Sozialabgaben und anderen Abgaben. Ein Selbstständiger dagegen zahlt den Beitrag in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung, welcher erheblich höher ist als bei dem Angestellten. Dies ist laut Moritz Guhl, Gründer von Invoiz, nicht einkommensgerecht. Die höhere Berechnungsgrundlage für Beiträge und die hohen Mindestbeiträge stellen für einen freiwillig versicherten Selbstständigen eine höhere Belastung dar als für einen Angestellten, der ein vergleichbares Einkommen erhält. Und genau dies sei ein Ungleich-Gleichgewicht, so Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des VGSD. Zwar würde das GKV-Versichertenentlastungsgesetz, das ab dem 01. Januar 2019 in Kraft tritt, die Mindestbeiträge halbieren, aber trotzdem liegen sie noch weit über den Beiträgen von Angestellten. Die Beitragsbelastung beträgt bei den Selbstständigen bis zu 41 Prozent – und das nur bei der Kranken- und Pflegeversicherung. Und das ist noch nicht alles, zu diesen hohen Kosten werden noch Gebühren und Beiträge für die IHK oder Handwerkskammer, für Versicherungen und auch für die Berufsgenossenschaft erhoben.

Und das ist der Grund, warum Selbstständige benachteiligt sind

Neben der Suche nach Kunden, der täglichen Arbeit und dem kontinuierlichen Kostendruck macht den Selbstständigen aber eher eines zu schaffen: die bürokratischen Hürden, die es zu überwinden gilt. Unter den 3.000 Freiberuflern haben 59 % an, dass sie sich durch die Bürokratie in ihrem Unternehmertum behindert werden.
Und dazu gibt es ein ganz aktuelles Beispiel zu nennen: die DSGVO. Klar, Freiberufler und Selbstständige möchten zum Datenschutz beitragen und auch ihre Pflichten ordnungsgemäß erfüllen, so die Aussage von Buhl. Allerdings müssten dann diese Pflichten auch entsprechend klar und verständlich kommuniziert werden. Selbst teure Berater hätten ihre Probleme, diese undurchsichtigen und weitreichenden Datenschutz-Auflagen richtig anzuwenden. Zudem vermissen die befragten Selbstständigen den Respekt durch die Politiker und die staatlichen Einrichtungen, ebenso fehlt ihnen eine faire Behandlung. 82,4 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in puncto fairer, sozialer Absicherung einen erheblichen Verbesserungsbedarf sehen würden.

Und dann ist da noch das Thema „Scheinselbstständigkeit“

Der Begriff der „Scheinselbstständigkeit“ kreist wie ein Damoklesschwert über die Selbstständigen und auch deren Auftraggeber. Andreas Lutz vom VGSD sagt, dass die negativen Folgen einer eventuellen Scheinselbstständigkeit angesichts unklarer Kriterien für eine gewisse Rechtsunsicherheit bei den Auftraggebern sorge – und das bereits seit Jahren. Etliche Unternehmen würden sich gar nicht mehr trauen, einen Auftrag oder ein Projekt an einen Freiberufler oder Selbstständigen zu vergeben. Und dies trage eben dazu bei, dass den Selbstständigen die Luft zum Atmen immer weiter abgeschnürt wird. Der Staat schnüre mit immer mehr unklar definierten Rechtsvorschriften und immer mehr Bürokratie den Selbstständigen den Hals zu. Gerade „Einzelkämpfer“ und Teilzeit-Selbstständige würden dadurch stark belastet. Die Befragung zeige ganz deutlich, dass die Politiker einfach mal genauer zuhören sollten, so Lutz. Vor allem wünschen sich die Befragten mehr Rechtssicherheit. Lutz erläutert auch, dass es viele IT-Projekte gäbe, die ins Ausland verlagert würden, da man in Deutschland diese Projekte nicht rechtssicher durchführen könne.

Wie sollte es weitergehen?

Wichtig wäre, dass Politiker und staatliche Einrichtungen mit den Selbstständigen kommunizieren. Denn so könnten pragmatische Lösungen gefunden werden, die die Akzeptanz der Selbstständigen deutlich verbessern können. So sieht der Vorstand der VGSD für die Politik drei Aufgaben, die abzuarbeiten wären:

  1. Beiträge für Selbstständige und Freiberufler zur Kranken- und Pflegeversicherung sollten einkommensgerecht gestaltet werden. Selbstständige dürfen nicht mehr zahlen als die Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Summe.
  2. Im Bezug auf die Scheinselbstständigkeit müsste die Politik eine gewisse Rechtssicherheit schaffen. Dies könne beispielsweise der Verzicht auf langjährige Rückwirkung und vor allem branchenspezifische und nachvollziehbare Kriterien sein.
  3. In manchen Fällen ist das Thema Abmahnungen bei Selbstständigen ein großes Thema. Aus dem Grund sollte eine Meldepflicht für Abmahnungen geschaffen werden, um den Abmahnmissbrauch zu reduzieren.

Immerhin sei im jüngsten Koalitionsvertrag eine Absichtserklärung zur Vereinfachung des Statusfeststellungsverfahrens enthalten, so Andreas Lutz. Zudem wolle die Bundesregierung die Leistung von Familienunternehmen, Handwerkern, Selbstständigen und freien Berufen zukünftig öffentlich stärker anerkennen und auch fördern. Zudem sollten die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen so gestaltet werden, dass die Wettbewerbs- und Entwicklungsfähigkeit gestärkt werden soll. Auch wenn mit der Halbierung der Mindest-Krankenkassenbeiträge ein erster Schritt in die richtige Richtung getan sei, müssten in vielen weiteren Bereichen Taten folgen, so die Aussage von Lutz.

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