Gründer FAQ: 3 Tage frei wegen Menstruationsschmerzen - Spanien geht in Europa voran

Ist Menstruationsurlaub in Deutschland rechtlich möglich?

In diesem Gründer FAQ dreht sich um die Menstruation. Denn aktuell wird in Spanien viel über einen Gesetzesentwurf diskutiert, der es Frauen ermöglichen soll, wegen Menstruationsbeschwerden mehrere Tage im Monat freizunehmen. Damit wäre Spanien dann das erste Land in Europa, das einen sogenannten Menstruationsurlaub einführt. Erfahre mehr!

Wir erklären in diesem Artikel, was es mit Menstruationsurlaub auf sich hat und ob ein solcher Urlaub theoretisch auch in Deutschland juristisch möglich wäre. Dazu beantworten wir diese Fragen:

  • Was ist Menstruationsurlaub?
  • In welchen Ländern gibt es Menstruationsurlaub?
  • Was sind die Vorteile bzw. Nachteile?
  • Ist Menstruationsurlaub auch in Deutschland möglich?

Definition

Als Menstruationsurlaub wird der rechtliche Anspruch für Frauen bezeichnet, jeden Monat abhängig vom Menstruationszyklus eine Form des bezahlten oder unbezahlten Sonderurlaubs zu erhalten. Allerdings ist der Begriff irreführend. Es handelt sich beim Menstruationsurlaub übrigens nicht um einen Urlaub im herkömmlichen Sinne. Er kann sich zum Beispiel auch auf Krankenstandstage beziehen, die Frauen in regelmäßigen Abständen in Anspruch nehmen können, ohne einen spezifischen Grund angeben zu müssen. Studien zufolge leidet mindestens ein Drittel aller Frauen während der Menstruation unter starken Schmerzen durch Unterleibskrämpfe. Auch Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen und Fiber sind typische Merkmale.

In diesen Ländern gibt es gesetzlichen Menstruationsurlaub

Einen gesetzlichen Menstruationsurlaub gibt es bisher nur in wenigen Ländern. Dazu zählen:

  • Taiwan
  • Südkorea
  • Japan
  • Indonesien
  • Zambia
  • China

Aktuell steht auch in Spanien die Einführung zur Diskussion. Ein Gesetzesentwurf liegt bereits vor. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es aktuell hingegen noch keinen gesetzlichen Menstruationsurlaub, sondern lediglich die Möglichkeit, sich bei schweren Menstruationsbeschwerden arbeitsunfähig schreiben zu lassen.

Die Debatte um menstruationsbedingte freie Tage läuft nicht nur auf politischer Ebene. Es gibt auch Firmen, die in ihren Unternehmensrichtlinien Menstruationsurlaube geregelt haben. So etwa Nike und Coexist. Schon 2007 hat Nike die Beurlaubung aufgrund von Menstruationsbeschwerden eingeführt. Und auch Coexist, eine britische Eventfirma, wirbt für Menstruationsurlaub. Einmal im Monat dürfen Frauen dort offiziell krank zu Hause bleiben. Und nicht nur das: Coexist fordert die Anerkennung von Regelschmerzen als Krankheit.

Menstruationsfrei: Das sind die Vorteile

Befürworter sehen einen großen Vorteil bezüglich einer Erhöhung der Produktivität am Arbeitsplatz. Auch Gesundheitliche Beschwerden und depressive Verstimmungen werden gemildert. Außerdem halten viele den Menstruationsurlaub für einen wichtigen Tabubruch. Aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive haben Menstruationsbeschwerden allerdings große ökonomische Auswirkungen. Alleine für Europa werden die Kosten, die der Wirtschaft durch die Krankheit Endometriose entstehen, jährlich auf 30 Billionen Euro geschätzt.

Gegner sehen in der Beurlaubung aufgrund von Regelschmerzen hingegen einen Rückschritt der Emanzipation. Auch gehen viele davon aus, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt für viele Frauen durch einen gesetzlichen Urlaubsanspruch bei starker Menstruation zusätzlich erschwert. Außerdem könnten Männer sich durch ein derartiges Gesetz benachteiligt fühlen.

Wäre Menstruationsurlaub auch in Deutschland möglich?

Doch wie wahrscheinlich ist die Einführung eines Anspruchs auf Beurlaubung bei Menstruationsbeschwerden in Deutschland? Rechtlich wäre ein solches Gesetz in Deutschland nicht per se unmöglich. Denn durch eine Beurlaubung könnten etwaige Nachteile, insbesondere der körperlichen Beeinträchtigungen aufgrund biologischer Unterschiede zwischen Männern und Frauen, ausgeglichen werden. Eine Benachteiligung für Männer besteht hierbei nicht. Es fehlt bereits an der Vergleichbarkeit der Geschlechter – genau wie beim Mutterschutz während der Schwangerschaft. Auch werden durch einen solchen gesetzlichen Anspruch nicht alle Frauen bevorzugt sondern nur diejenigen, die tatsächlich unter starken Beschwerden leiden.

Allerdings würde ein solches Gesetz in Deutschland nicht viel ändern, denn: Im Krankheitsfall, wie bei erheblichen menstruationsbedingten Beschwerden, steht Arbeitnehmerinnen in Deutschland bereits ab dem ersten Fehltag ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber zu. Die Einführung eines Menstruationsurlaubes ist damit theoretisch überflüssig.

Einen entscheidenden Vorteil hätte der gesetzliche Anspruch dennoch: Denn in Deutschland kann nach aktueller Rechtslage und Rechtsprechung eine krankheitsbedingte Kündigung bei häufiger Krankmeldung drohen. Auch juristisch betrachtet wäre ein menstruationsbedingter Urlaub für Frauen daher vorteilhaft.

Andererseits würde ein Menstruationsurlaub auch bedeuten, dass Frauen ihrem Arbeitgeber zur Offenlegung ihrer Menstruationsbeschwerden verpflichtet wären, um einen solchen Anspruch geltend zu machen. Allerdings empfinden gerade das Thema Menstruation viele Frauen als schambehaftet. Daher bleibt zweifelhaft, ob und inwieweit Frauen einen Menstruationsurlaub überhaupt wahrnehmen.

Fazit

Die Antwort lautet also: Ja! Theoretisch wäre ein Menstruationsurlaub auch in Deutschland juristisch denkbar. Ob ein solches Gesetz jedoch in den nächsten Jahren verabschiedet werden wird, bleibt fraglich. Unternehmen haben jedoch die Möglichkeit einen Menstruationsurlaub als Benefit einzuführen und können auf diese Weise Fachkräfte für sich begeistern.

Häufige Fragen (FAQ) zu Menstruationsurlaub

Was meint Menstruationsurlaub?

Als Menstruationsurlaub wird der rechtliche Anspruch für Frauen bezeichnet, jeden Monat abhängig vom Menstruationszyklus eine Form des bezahlten oder unbezahlten Sonderurlaubs zu erhalten.

In welchen Ländern gibt es Menstruationsurlaub?

Einen Anspruch auf Menstruationsurlaub gibt es in Taiwan
Südkorea, Japan, Indonesien, Zambia und China.

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Über den Autor

Autorenprofil: Luisa Kleinen

Luisa Kleinen

Luisa wurde 1996 in Bonn geboren und studierte nach ihrem Abitur Rechtswissenschaften mit Abschluss des ersten Staatsexamen (Schwerpunkt Internationales Strafrecht und Medienstrafrecht) an der Universität zu Köln. Parallel zu ihrem Studium war sie einige Jahre als Studentische Hilfskraft in der Forschungsstelle für Medienrecht an der TH-Köln tätig. Dadurch erhielt sie einen tiefen Einblick in das Medien-, IT- und Datenschutzrecht und sammelte erste redaktionelle Erfahrungen. Später arbeitete sie als Assistenz der Geschäftsführung in einem Gastronomiebetrieb und erweiterte hier ihre Kenntnisse im Personal- und Projektmanagement. Seit August 2021 ist sie als Praktikantin in der Online-Redaktion von Gründer.de tätig.

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