PayPal Kredite

Der Payment-Dienst PayPal vergibt jetzt Kredite an mittelständische Onlinehändler. Doch warum ist die Idee so gut, dass nicht nur PayPal, sondern auch die Händler davon profitieren? Allerdings gibt es bei diesem Deal einen Verlierer.

PayPal hat damit begonnen, sein Angebot für kleine und mittelständische Unternehmen zu erweitern. Der sogenannte PayPal-Business-Kredit richtet sich an Unternehmen, die auf der Suche nach einer Finanzierungslösung sind. Mit der Hilfe des PayPal-Business-Kredits bekommen Onlinehändler einen gewissen finanziellen Spielraum zur Verfügung gestellt und können deshalb ihr Geschäft weiter ausbauen, ohne die Rechnungen im Hinterkopf behalten zu müssen. Doch wieso entscheiden sich einige Onlinehändler für den PayPal-Business-Kredit? Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Der Kauf von neuem Inventar steht an, das Geld muss für Logistik oder Technologie ausgegeben werden oder bestimmte Marketingstrategien zwingen das Unternehmen dazu, sich etwas Geld zu leihen. Die Beantragung eines PayPal-Kredits dauert nur wenige Minuten und die Entscheidung seitens PayPal erfolgt umgehend.

Hat sich der Onlinehändler für die Höhe des Kreditrahmens sowie eines Rückzahlungsanteils entschieden, wird das Geld direkt auf das PayPal-Konto überwiesen. Bevor der Unternehmer den Kredit beantragt, bekommt er eine Mitteilung angezeigt, die ihn darauf verweist, dass er eine Festgebühr entrichten muss. Somit ist die Antragstellung seitens PayPal vollkommen transparent und weist keine versteckten Kosten auf, die erst im Nachhinein auffallen. Allerdings muss der Onlinehändler die Festgebühr sowie eine vereinbarte Rückzahlung des Kredits nicht sofort an PayPal überweisen, denn die Rückzahlung samt Festgebühr erfolgt im Rahmen der eingehenden PayPal-Umsätze des Händlers. Der Händler stellt beim Kreditantrag fest, in welcher prozentualer Höhe die Rückzahlung mit den eingehenden Umsätzen verrechnet werden soll. Üblich sind 10 bis 30 Prozent des eingehenden Umsatzes.

PayPal-Kredit: Die flexible Bedienung

Sobald eine Zahlung auf das Konto des Händlers eingeht, wird der Rückzahlungsanteil automatisch abgezogen, sprich der Onlinehändler muss nicht extra den prozentualen Betrag ausrechnen und an PayPal weiterleiten. Darüber hinaus besteht jederzeit die Möglichkeit, eine vorzeitige Tilgung vorzunehmen oder Sonderzahlungen verrechnen zu lassen. Dadurch erhält der Onlinehändler eine gewisse Flexibilität und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich auf seine Arbeit. Allerdings ist der Rückzahlungsplan so festgelegt, dass der Händler minimum alle 90 Tage eine Mindesteinzahlung in Höhe von 10 Prozent des aufgenommenen Kredits zurückzahlen muss.

Der automatisch verbuchte Rückzahlungsbetrag wird dabei berücksichtigt. Dazu ein Beispiel: Ein Onlinehändler nimmt einen PayPal-Business-Kredit in Höhe von 5.000 Euro auf. Anschließend macht er seit drei Monaten (90 Tagen) keine Umsätze und somit kann PayPal keine automatische Verbuchung des Rückzahlungsanteils vornehmen. Jetzt muss der Onlinehändler, falls er bis jetzt keinen einzigen Umsatz gemacht hat, 10 Prozent von den 5.000 Euro als Mindesteinzahlung tätigen. Folglich müsste der Onlinehändler nach drei umsatzlosen Monaten 500 Euro an PayPal zahlen.

PayPal weiß genau, worauf es sich einlässt

Auf diese Weise ergibt sich für den Onlinehändler die Möglichkeit, zum Beispiel kurzfristig für das Weihnachtsgeschäft sich etwas mehr Geld zu beschaffen, welches nach dem Weihnachtsgeschäft wieder erwirtschaftet wurde und schnell zurückbezahlt werden kann. Dem Payment-Dienst PayPal sind die Umsätze des Onlinehändlers bereits vor der Kreditantragstellung bekannt und PayPal weiß genau, welche Probleme mit welchen Kunden des Onlinehändlers vorliegen und mit welchen Kunden der Onlinehändler die meisten Umsätze erwirtschaftet. Außerdem bindet PayPal auf diese Weise noch mehr Händler enger an sich, denn sollte ein Onlinehändler viele Umsätze verzeichnen, wird er einen viel höheren Kreditrahmen bei PayPal erhalten.

Den höchstmöglichen Betrag, den ein Onlinehändler zurzeit in Deutschland von PayPal als Kredit bekommen kann, liegt bei 24.999 Euro. Dieser Betrag stammt nicht einfach so aus dem Finger. Es gibt ein spezielles PayPal-Umsatzvoluma, welches bei der Vergabe von Krediten berücksichtigt wird. Ferner verspricht PayPal, dass in Zukunft eine Erhöhung des Kreditrahmens durchaus möglich ist. Dazu muss der Onlinehändler über ein PayPal-Geschäftskonto verfügen, welches mindestens drei Monate lang erfolgreich geführt wird. Außerdem genießt PayPal eine weitere Sicherheitskomponente dadurch, dass alle eingehenden Zahlungen für PayPal sichtbar sind.

Auf dem internationalen Markt nimmt Deutschland den vierten Platz ein, was die Finanzierungslösung von PayPal anbetrifft. In Großbritannien, USA und Australien existiert diese Form der Finanzierung unter dem Namen „PayPal Working Capital“. In den USA wurde diese Finanzierungsform bereits im September 2013 eingeführt. Weiterhin folgten Großbritannien und Australien im Oktober des Jahres 2014. Nachdem im Jahr 2013 die Finanzierungslösung gestartet ist, erwirtschafteten über 170.000 Unternehmer mithilfe von 500.000 Finanzierungshilfen von PayPal, einen Betrag in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar. Nach der ersten Finanzierungslösung entscheiden sich rund 85 Prozent aller Onlinehändler für eine weitere Finanzierung von PayPal.

PayPal gewinnt als Kreditgeber an immer größerer Bedeutung: Ist die Rolle der Banken untergraben?

Dieser Schachzug wird vor allen den Banken nicht gefallen. Schließlich machten Banken sehr gute Geschäfte mit den Händlern, die sich jetzt in Anbetracht der zahlreichen neuen gesetzlichen Regelungen, mit kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht mehr machen dürfen. Folglich ziehen sich die meisten Banken unfreiwillig aus dem Geschäft zurück. Wahrscheinlich zum Glück der Unternehmer und zum Nachteil der Banken sind die Zeiten vorbei, an denen sich Händler noch stationär an ihre Hausbank wendeten und um einen Kreditrahmen fragten.

Ferner steht PayPal nicht alleine mit dieser Idee als ein E-Commerce-Player dar. In Japan, Großbritannien und den USA verleiht Amazon die finanzielle Unterstützung an die eigenen „Marketplace-Händler“. Die Situation ist hier ganz ähnlich wie bei PayPal. Amazon genießt die gleiche Sicherheit wie PayPal, denn sie bekommen ebenfalls Einblicke in die laufenden Umsätze und Einkünfte des Händlers. Folglich weiß der Kreditverleiher, ob der Kreditnehmer (Händler) auch kreditwürdig ist und wie hoch der maximale Kreditrahmen ausfallen sollte.

Beide Finanzierungslösungen haben noch etwas gemeinsam, und zwar die algorithmusbasierte Kreditvergaben. Außerdem erfolgt die Kreditwürdigkeitsprüfung automatisch auf der Basis von den hinterlegten Daten bei PayPal oder bei Amazon. Das ist ein neuer Zukunftstrend, der sich vermutlich in den kommenden Jahren immer stärker durchsetzen wird. Diese ganzen Maßnahmen führen letztendlich dazu, dass ein Händler mit dem kleinsten Aufwand an einen Kredit gelangt und sich verstärkt seiner Arbeit widmen kann. Ab Mitte November steht der PayPal-Business-Kredit den ausgewählten Onlinehändlern zur Verfügung. Anfang 2019 ist eine breite Verfügbarkeit geplant, die sich an praktisch alle Händler bei PayPal wendet.