Klischees der Selbstständigkeit

Der Großteil der arbeitenden Bevölkerung übt seinen Beruf als Angestellter aus. Das bietet Sicherheit, eine feste Struktur und ein geringes Risiko, mit einem eigenen Unternehmen zu scheitern. Entsprechend gering ist allerdings auch die Auseinandersetzung mit der Alternative, sodass der Selbstständigkeit Mythen nachgesagt werden, die nur teilweise oder gar nicht stimmen. Wir haben dir im folgenden Artikel zehn großen Klischees zur Selbstständigkeit zusammengestellt und zeigen dir, wie viel Wahrheit darin steckt.

1. Selbstständige arbeiten rund um die Uhr

Es ist tatsächlich so, dass die meisten Selbstständigen – gerade in der Startphase – mehr arbeiten als Angestellte. 60 bis 80 Stunden pro Woche sind dabei durchaus möglich. Das ist der Grund dafür, dass eine hohe Eigenmotivation im Tätigkeitsbereich die wichtigste Grundlage dafür ist, ein erfolgreiches Unternehmen zu führen. Diejenigen, die in ihrer Selbstständigkeit mehr arbeiten als andere, empfinden es aufgrund ihres persönlichen Interesses jedoch meist gar nicht als schlimm. Das liegt daran, dass sie ihre eigenen Lebensinhalte zu dem machen, womit sie sich beruflich auseinandersetzen. Zusätzlich gibt es zahlreiche Wege, um bei geringerer Arbeitszeit die Produktivität zu erhöhen. So sind auch bei enger abgesteckter Arbeitszeit gute Erfolge möglich.

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2. Freizeit gibt es in der Selbstständigkeit nicht

Es gibt sicherlich Unternehmer, die das so praktizieren und nur noch für ihre Arbeit leben. Wenn in der Selbstständigkeit Mythen dieser Art Realität werden, ist es jedoch der völlig falsche Ansatz. Die Balance zwischen Arbeit und Ausgleich im Privatleben ist elementar, um den Fokus auf ein erfülltes Leben nicht zu verlieren. Selbst der überzeugteste Unternehmer unterliegt einem gewissen Stress und muss diesen adäquat abbauen, um seine volle Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten. Sport, das soziale Umfeld sowie aktive und kreative Tätigkeiten sind als Ausgleich hervorragend geeignet. Einzig ein gutes Zeitmanagement ist erforderlich, wenn man als Unternehmer mehr arbeitet als ein Angestellter. Hier findest du weitere Tipps, wie ein gesunder Lebensstil deinen Erfolg steigern kann.

3. Selbstständige können ihre Arbeitszeiten frei wählen

Auf den ersten Blick hast du flexiblere Möglichkeiten, deine Arbeit zu terminieren. Zu einem gewissen Grad mag das sogar stimmen. Auf den zweiten Blick macht es jedoch die häufig recht ausgeprägte Arbeitszeit schwierig, völlig frei zu agieren. Außerdem wirst du gerade in der Anfangszeit damit beschäftigt sein, Kunden für dich zu gewinnen. Und je wichtiger es für dich ist, Kunden zu gewinnen, umso mehr wirst du dich nach ihren Anforderungen richten.

Das bedeutet auch, dass du manchmal unter Zeitdruck, in den Abendstunden oder an den Wochenenden arbeitest. Nicht unbedingt, weil du das willst, sondern weil du es eben musst, um deinen unternehmerischen Fortschritt zu sichern. Je länger das Unternehmen besteht, je etablierter es ist und je ausgeprägter das starke Team um dich herum ist, umso flexibler wirst du möglicherweise tatsächlich im Laufe der Zeit. Wie stark in der Selbstständigkeit Mythen dieses Typs der Realität entsprechen, ist also individuell vom jeweiligen Unternehmen abhängig.

4. Als Selbstständiger kümmerst du dich nur noch um Projekte, die du gerne machen möchtest

Das ist eine schöne Vorstellung, die so aber nicht tragbar ist. Unabhängig von der Größe deines Kundenstamms bestimmt die Nachfrage die Konditionen dafür, ob dein Angebot gut angenommen wird oder nicht. Natürlich kann es sein, dass du eine sensationelle Idee hast, die den Markt revolutioniert und ein Selbstläufer wird. Das wird jedoch bei Weitem nicht jedem Unternehmer gelingen. Außerdem kostet Projektentwicklung Zeit und Geld, sodass gerade Gründer mit wenig Startkapital in vielen Fällen erst einmal keine Luftschlösser bauen können.

5. Unsicherheit und Risiko sind deine ständigen Begleiter

Ein gewisses Risiko trägst du als Unternehmer auf jeden Fall. Das heißt jedoch nicht, dass du zwangsläufig größere Risiken eingehst als andere Menschen. Die Perspektive, dass das Leben im Angestelltenverhältnis immer genauso weitergeht wie in diesem Moment, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Stell dir vor, dein Unternehmen wird insolvent, zahlt dir möglicherweise über Monate dein Gehalt nicht aus, entlässt dich. Findest du direkt wieder einen neuen Job oder musst du dich gegebenenfalls auch erst einmal für eine gewisse Zeit einschränken?

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland fast 100.000 Privatinsolvenzen. Die Zahlungsunfähigkeit kann dir also genauso drohen, wenn du nicht selbstständig bist. Das musst du noch nicht einmal wirklich selbst verschulden, sondern nur durch unglückliche Umstände irgendwie da hineingeraten. Von möglichen Schicksalsschlägen, die die wirklich wichtigen Dinge im Leben betreffen, ganz zu schweigen. Todesfälle, Unfälle oder Erkrankungen, die zu Berufsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit und generell finanziell negativen Konsequenzen führen, können absolut jeden treffen.

Im Hinblick darauf ist das Risiko einer gut durchdachten Unternehmensgründung fast zu vernachlässigen. Es ist sogar sehr hilfreich, wenn du nicht unbedingt ein Zocker oder Adrenalinjunkie bist. Das hilft dir dabei, rationale Entscheidungen zu treffen und Risiken ihren Chancen sinnvoll abwägend gegenüberzustellen. Dadurch minimierst du unternehmerische Gefahren.

6. Für dich gelten nur noch deine eigenen Regeln

Eigene Regeln als Selbstständiger?

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Selbstständigkeit Mythen hervorbringt, die einer kurzen rationalen Prüfung kaum standhalten können. Im Grunde genommen verhält es sich ähnlich wie mit der Ansicht, dass man sich nur noch mit den Projekten beschäftigt und für die Kunden arbeitet, die man selbst auswählt. Als Unternehmer brauchst du Umsatz. Den bekommst du von deinen Kunden. Und deine Kunden werden dir diesen Umsatz nur gewähren, wenn du ihnen das bietest, was sie haben möchten. Entsprechend wirst du gerade bei der Auftragsbearbeitung eher penibel genau darauf achten, dass du dich an den Regeln der Kunden orientierst, statt das umzusetzen, was du gut findest. Natürlich solltest du als Experte auf deinem Gebiet durchaus Anregungen und Tipps geben, wie du es machen würdest. Entscheiden wird das letztlich jedoch dein Kunde.

7. Du brauchst ein Studium, um erfolgreicher Unternehmer zu werden

Es gibt im Regelfall keine Voraussetzungen dafür, um sich in einem Bereich selbstständig zu machen. Ausnahmen sind geschützte Berufsbezeichnungen, die nur mit entsprechender Ausbildung genutzt werden dürfen. Du kannst dich beispielsweise ohne Medizinstudium nicht als Arzt selbstständig machen. In vielen anderen Bereichen gibt es jedoch keine konkreten Anforderungen.

Hilfreich ist es natürlich, wenn du dich so gut wie möglich in deinem Bereich auskennst und eine große Leidenschaft dafür mitbringst. Das wird es dir erleichtern, Erfolge zu erzielen. Allerdings musst du keinesfalls vom Start weg perfekt in dem sein, was du machst. Durch den praktischen Umgang wirst du viel dazulernen und im Laufe der Zeit immer besser werden. Wichtig ist nur, dass du dich bei Misserfolgen konstruktiver Kritik und Verbesserungsvorschlägen nicht verschließt. Sonst verharrst du auf deinem Standpunkt und entwickelst dich als Unternehmer nicht weiter.

8. Eine erfolgreiche Selbstständigkeit kann nur in Vollzeit funktionieren

In diesem Fall bringt die Selbstständigkeit Mythen hervor, die zumindest teilweise einen gewissen Wahrheitsgehalt haben. Dafür spricht, dass du in Vollzeit deine unternehmerische Entwicklung fokussierter vorantreiben kannst als mit einer zusätzlichen Anstellung, die Zeit einfordert, dir gleichzeitig aber eine gewisse Absicherung bietet. Andererseits ist es so, dass du ein Unternehmen auch in Teilzeit aufbauen kannst. Gerade zum Übergang aus einer bestehenden Anstellung kann es sehr hilfreich sein, die finanzielle Sicherheit der Anstellung zunächst beizubehalten, um weniger existenziellen Druck bei der Gründung und Entwicklung zu haben. Ebenso stimmen bei Weitem nicht alle Annahmen, die man vielleicht irgendwo gehört hat oder aus dem Bauch heraus vermuten würde. Entsprechend ist die Selbstständigkeit in Teilzeit ein potenzieller Test, um herauszufinden, ob Struktur und Tätigkeit dir tatsächlich liegen. Mit einer Anstellung in der Hinterhand ist der Weg zurück wesentlich leichter, falls es dir doch nicht gefällt.

9. Selbstständige verdienen überdurchschnittlich viel Geld

Es stimmt Studien zufolge, dass Unternehmer im Durchschnitt mehr Geld verdienen als Angestellte. Im Jahr 2015 hatte ein Selbstständiger im Schnitt 2.015 Euro pro Monat zur Verfügung, während Angestellte sich im Schnitt mit 1.649 Euro begnügen mussten. Und auch die Chance, wirklich viel Geld zu verdienen, ist für Unternehmer höher als für Angestellte.

Allerdings gibt es zwei Faktoren, die bei der Selbstständigkeit Mythen zum Verdienst mehr oder weniger entkräften. Einerseits sind gerade die ersten Jahre nach Unternehmensgründung tendenziell etwas schwieriger. Speziell wenn ein Kundenstamm erst noch aufgebaut werden muss, kann es passieren, dass man sich finanziell erst einmal strecken muss. Mit fortschreitendem Unternehmenswachstum gleicht sich dieser Nachteil aus. Andererseits steht dem höheren Verdienst nicht selten auch eine höhere Arbeitszeit entgegen. Dadurch relativiert sich das Gehalt, wenn man es auf die Arbeitszeit umrechnet, auch häufig.

10. Zum Unternehmer muss man geboren sein

Eine Gegenfrage: Gibt es jemanden, der zum Angestellten geboren ist? Es ist das System, was uns von klein auf als das gängige Modell beigebracht wird. Man geht in den Kindergarten, um sich auf die Schule vorzubereiten. Zur Schule geht man, um zu lernen und später einen vernünftigen Job ausüben zu können. Ein Studium oder eine Ausbildung absolviert man, um eine spezielle Berufsqualifikation zu erlangen. Dann steht die Arbeit an, um endlich Geld zu verdienen – und das kann man besonders gut in einem Anstellungsverhältnis. Dafür braucht man nicht viele Voraussetzungen, außer eben die passende Ausbildung.

In den meisten Fällen ist es einfach so, dass die Selbstständigkeit als Alternative gar nicht richtig ausgeleuchtet wird und wir uns in die bequeme Norm der Anstellung fügen. Dabei ist der Mensch seit jeher als selbstständiges Individuum aktiv. Wer sich die Evolution des Menschen vom ersten Feuer bis zum industriellen Zeitalter anschaut, wird feststellen, dass immer wieder Menschen durch eigene Ideen und Handlungen Fortschritte erzielt haben. Die Selbstständigkeit liegt gewissermaßen in unserem Naturell.

Das bedeutet nicht, dass zwangsläufig jeder für die Selbstständigkeit geeignet ist. Zwei wichtige Voraussetzungen dafür sind die Fähigkeit zur Übernahme von Eigenverantwortung in Form von selbstständigem Arbeiten und ein gewisser Gestaltungswille, um unternehmerischen Fortschritt zu erzielen. Liegen diese Fähigkeiten vor, sind die zentralen Bedingungen dafür erfüllt.

Und, welche Mythen hast du geglaubt?

Dass sich um die Selbstständigkeit Mythen in großer Vielzahl ranken, hängt in vielen Fällen vor allem mit mangelnder Auseinandersetzung mit dem Unternehmertum zusammen. Dabei ist häufig bei logischer Betrachtung offensichtlich, dass die Klischees nicht oder nicht in dieser Form stimmen können. Viele Sachverhalte sind in Extremen formuliert. Teilweise widersprechen sie sich sogar, beispielsweise der hohe Verdienst und die finanzielle Unsicherheit oder die durchgehende Arbeit bei freier Wahl der Arbeitszeiten. Entsprechend hilft bei Interesse an einer selbstständigen Tätigkeit zunächst eine ausführliche Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gegebenheiten. So kann jeder für sich einen Einblick gewinnen, ob es sich möglicherweise um eine passende Berufsstruktur handelt oder nicht.

Die 10 größten Mythen der Selbstständigkeit: Nur typische Klischees?
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