Regel Nummer 1 beim MLM: Glaube nicht an fantastische Versprechungen

Die Verzweiflung muss schon recht groß sein, wenn man wirklich daran glaubt, dass man in „12 Monaten 129.468 Euro ohne Aufwand“ verdienen kann. Das schlichte Gesetz der Logik sagt doch schon, dass wir dann ja alle unsere anstrengenden Jobs hinschmeißen würden, so wie es der „ehemalige Postbote“ oder die „alleinerziehende Mutter“ aus der Werbung angeblich gemacht haben. Doch Multilevel Marketing/Direktmarketing muss nicht unseriös sein. Manche von uns erinnert sich noch an die Zeit, als sie von einer wohlriechenden Avon-Beraterin testgeschminkt wurde, beinahe jeder hat schon mal eine Tupperware Party besucht oder ist nach einem Abend voller Duftkerzen mit leichten Kopfschmerzen nach Hause gekommen, wo er sich mit einem Haushaltsgerät von Vorwerk abreagieren konnte.

Vorwerk, vor allem eines seiner neueren Produkte, der Thermomix, gehören zu den absoluten Stars am Direktmarketing-Himmel, während vor allem die weiblichen Leser, welche auf Facebook aktiv sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit schon unangenehme Erfahrungen mit Vertrieblern von Nahrungsergänzungsmitteln machen mussten. Viele finden es nervig, mehrfach Freundschaftsanfragen zu erhalten, nur um dann ungefragt Tipps und für eine bessere Figur und die Offerte für ach so natürliche Produkte zu bekommen. Hier zeichnet sich schon ein Problem beim Direktmarketing ab, nämlich der Grad an Unbeliebtheit, den man durch das Anpreisen verschiedener Waren mühelos erzielen kann, sei es nun bei der Familie, bei Freunden oder Wildfremden.

Digitales Business

Direktvertrieb, Multilevelmarketing, Strukturmarketing – was ist das eigentlich genau?

Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen dem bofrost Lieferanten, der wöchentlich neue Leckereien an die Haustür bringt, und dem Typen da vorne am Flipchart, der mir gerade erklärt, dass ich einen Sportwagen und eine extra Rentenversicherung bekommen kann, wenn ich nur genügend Leute anwerbe, die dann wieder Leute anwerben? Die Begriffe Direktvertrieb, Multilevel-Marketing und Strukturmarketing verschmelzen miteinander, sie sind nicht immer genau voneinander abzugrenzen. Ich will es dennoch versuchen:

Direktvertrieb ist der Oberbegriff für Verkäufe, die nicht an einem für den Einzelhandel bestimmten Ort stattfinden, sondern zum Beispiel in der Wohnung des Käufers oder Verkäufers. In erster Linie geht es dabei darum, Produkte zu verkaufen. Beispiele, die jeder kennt, sind bofrost, Avon und Vorwerk. Das Direktmarketing ist dadurch gekennzeichnet, dass es einen persönlichen Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer gibt. Der Versandhandel zählt also nicht dazu. Direktverkäufer handeln auf eigene Verantwortung, sie sind nicht angestellt und nicht sozialversichert. Wer im Direktvertrieb tätig ist, muss ein Gewerbe anmelden und hat alle diesbezüglichen Rechte und Pflichten. Aus diesem Grund ist die Firma Tupperware vor einigen Jahren in die Kritik geraten, weil die finanzielle Verantwortung, die ein Aufstieg in der Firmenhierarchie mit sich bringt, ohne kaufmännische Grundkenntnisse schwer zu händeln sein kann. Viele Frauen waren in eine finanzielle Schieflage geraten.

Bei den Begriffen Network-Marketing, Multilevel-Marketing und Strukturvertrieb handelt es sich jedoch um Konzepte, bei denen nicht der Verkauf von Produkten im Vordergrund steht, sondern das Anwerben neuer Mitglieder einen mindestens ebenso großen Raum einnimmt. Man verkauft also Produkte und wirbt Verkäufer an, wobei der Angeworbene immer die in der Hierarchie über ihm stehende Person mit einem Teil seiner Umsätze mitfinanziert. Das bedeutet, Person 1 wirbt Person 2, 3 und 4 an und verdient an deren Umsätzen mit, und in manchen Konstellationen ebenfalls an den Umsätzen aller folgenden Verkäufer, die von Person 2,3 und/oder 4 angeworben werden. Das Ganze kennt man auch unter dem Begriff: Pyramidensystem, wobei klar ist, dass nur Personen in den obersten Reihen der Pyramide tatsächlich profitieren.

Es kann also klar gesagt werden: Steht das Anwerben weiterer Verkäufer im Vordergrund, und nicht das Verkaufen von Produkten, dann solltest du hellhörig werden! Sind die Produkte geringwertig, dann dienen sie eventuell nur dazu, ein illegales Schneeballsystem zu maskieren. Finger weg

Was ist das Problem mit MLM?

In dieser Branche grasen sehr viele schwarze Schafe, die Einsteigern teure Starter-Sets, große Träume und Illusionen verkaufen. Wenn dir jemand ein solches Geschäft vorschlägt, dann prüfe sein Angebot in Ruhe und ausführlich auf mindestens die folgenden Punkte:

  • Was sollst du genau verkaufen? Ist das ein Produkt, von dem du wirklich überzeugt bist?
  • Musst du eine große Menge an Waren abnehmen, die du nicht wieder zurückgeben kannst?
  • Gibt es die Produkte auf dem freien Markt/online eventuell zu niedrigeren Preisen, als du dafür verlangen müsstest?
  • Gehst du in Vorkasse, oder bezahlen deine Kunden die Waren direkt?
  • Gibt es Mindestabnahmen oder -umsätze, und sind diese realistisch?
  • An wen willst du deine Produkte verkaufen? Die Familie ist meist schnell abgehakt und nicht alle deiner Freunde werden begeistert sein, wenn du sie als Kunden gewinnen willst. Eventuell kaufen sie ein, zweimal etwas ein, doch das genügt nicht, um dauerhaft Geld zu verdienen.

Das Problem bei jeder Art von Direktvertrieb ist, dass es nicht einfacher ist, mit dieser Methode Geld zu verdienen, sondern sogar etwas schwieriger. Wenn du dir ein Internetbusiness aufbaust, werkelst du in deinen vier Wänden und sorgst dann dafür, dass Leute dich online finden – schließlich suchen sie nach einer bestimmten Leistung oder einer Information. Beim Direktvertrieb musst du auf Menschen zugehen und auch bei Ablehnung stets deine gute Laune und die Zuversicht behalten. Eine Herausforderung, der nicht alle Menschen gewachsen sind! Zudem brauchst du natürlich kaufmännisches Wissen und das gleiche Know-how wie andere Selbstständige.

Beispiele für erfolgreichen Direktvetrieb

Direktvertrieb kann ein voller Erfolg sein, wie unter anderem das Beispiel von Jasmin Schulze zeigt. Die Unternehmerin arbeitet als unabhängige Demonstratorin von Stampin’ Up! und hat mit dem bekannten Bastelzubehör über 1 Million Umsatz generiert. Das hat sie geschafft, indem sie seit 2014 wöchentlich ein DIY Video veröffentlicht, in dem das Bastelmaterial verwendet wird und das sich ausdrücklich an Anfänger richtet. Videos sind ohnehin eine gute Methode, um auf die zu vermarktenden Produkte aufmerksam zu machen. So gibt es einige Younique Damen, die ihre Schminktipps und -anleitungen erfolgreich in sozialen Netzwerken veröffentlichen und so Umsätze generieren.

Die persönlichen Voraussetzungen für Erfolg im Direktvertrieb

Auch wenn die Verdienstchancen toll klingen und du das Produkt magst, bist du ein offener und lockerer Typ, der gerne auf andere zugeht? Macht es dir Spaß, dich eventuell in der Öffentlichkeit zu präsentieren und auch mal ablehnende Worte dafür zu kassieren? Hast du den nötigen Biss und den Willen, richtig durchzustarten und vollen Einsatz zu bringen, damit du erfolgreich sein kannst? Wenn das der Fall ist, dann kannst du mit Direktvertrieb gutes Geld verdienen. Such dir dann am besten ein seriöses Modell aus, wie du es zum Beispiel auf der Seite vom Bundesverband Direktvertrieb Deutschland findest.

Multilevel Marketing – wirklich eine seriöse Art, Geld zu verdienen?
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