Mehrwertsteuersenkung Pro und ContraQuelle: nmann77 - stock.adobe.com

Die Mehrwertsteuersenkung löst bei zahlreichen Unternehmen und Kunden Diskussionen aus.

Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu begrenzen und den Konsum anzukurbeln, gilt seit dem 1. Juli gilt eine niedrigere Mehrwertsteuer. Der reguläre Satz ist somit von 19 auf 16 Prozent gesunken, der ermäßigte von 7 auf 5 Prozent. Dadurch soll die Konjunktur einen neuen Schub bekommen und die Wirtschaft langfristig profitieren. Das klingt in der Theorie erstmal super, doch bei genauerem Hinschauen könnte sich diese Änderung für Unternehmen und Kunden als Enttäuschung entpuppen. Wir erklären, welche Pro- und Contra-Argumente die Mehrwertsteuersenkung mit sich bringt.

Der aktuelle Plan der Regierung, die Mehrwertsteuer für sechs Monate zu senken, sorgt für Diskussionen. Die Händler und Dienstleister sollen die niedrigere Mehrwertsteuer nämlich eigentlich an die Kunden weitergeben, so dass Waren und Dienstleistungen billiger werden. Die Unternehmen sind dazu jedoch nicht verpflichtet und somit entscheidet jede Firma selbst, inwiefern sie die Preis anpasst. Aus dieser Tatsache ergeben sich deshalb auch verschiedene Pro- und Contra-Argumente der Mehrwertsteuersenkung.

Pro-Argumente der Mehrwertsteuersenkung

Trotz der Diskussionen gibt es auch Vorteile, die durch die Mehrwertsteuersenkung ausgelöst werden.

1. Preissenkung für Verbraucher

Entgegen der vielen Diskussionen bleibt eine Tatsache bestehen: Die Preise sind durch die Mehrwertsteuersenkung für viele Produkte aktuell niedriger. Bei einem Einkauf von knapp 60 Euro sind also ca. 1,80 Euro Ersparnis drin, was zum Kauf animieren könnte. Wer nun tatsächlich in den nächsten Monaten ein Auto kaufen möchte, kann sogar mehrere hundert Euro dadurch sparen.

2. Entlastung der Unternehmen

Wenn ein Unternehmen den geringeren Steuersatz nicht durch eine Preissenkung an den Verbraucher weitergibt, kann es letztendlich davon profitieren und den eigenen Gewinn steigern. Viele Unternehmen, die aktuell Kredite aufgenommen haben, werden diese Chance nutzen und können somit immerhin kurzfristig durch die Mehrwertsteuersenkung ihren Umsatz steigern.

3. Preisänderung an der Kasse möglich

Ein großer Kritikpunkt der Mehrwertsteuersenkung ist die Auszeichnung der neuen Preise und die Umstellung der Kassen, denn das ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer. Das Bundeswirtschaftsministerium hat deshalb beschlossen, dass die Preise nicht an jedem Artikel oder am Regal geändert werden müssen. Es genügt, sie an der Kasse insgesamt zu reduzieren. Der Bon muss dann also am Ende den korrekten Steuersatz aufweisen.

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Contra-Argumente der Mehrwertsteuersenkung

Den Pro-Argumenten stehen allerdings auch zahlreiche Contra-Argumente gegenüber, die die negativen Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung bekräftigen.

1. kein Vorteil für Endverbraucher

Viele Unternehmen haben in der aktuellen Corona-Krise Kredite aufgenommen und müssen ihre Mitarbeiter bezahlen. Diese Unternehmen werden die Mehrwertsteuersenkung für sich beanspruchen müssen. Und weil die Steuer schon in sechs Monaten wieder erhöht wird, kann sich auch kein Wettbewerb einstellen.

2. bürokratischer Aufwand

Die Mehrwersteuersenkung wird trotz des Entgegenkommens des Bundesfinanzministeriums extrem aufwendig für die Unternehmen. Denn um die Transparenz für die Kunden zu gewährleisten, werden die meisten Firmen ihre Kassensysteme ändern, die Buchhaltung umstellen und auch neue Preisschilder drucken. Vor allem in der Gastronomie funktioniert die Idee nicht, den Preis nachträglich anzupassen. Und nach einem halben Jahr müssen diese Unternehmen dann wieder alles umkehren. Das allein beansprucht schon einen Teil der Steuersenkung, weshalb der eigentliche Vorteil nur zu einem hohen bürokratischem Aufwand führt.

3. Chaos bei langfristigen Verträgen

Die Mehrwertsteuersenkung gilt seit dem 01. Juli und das bedeutet, ab diesem Stichtag gilt dann der niedrigere Steuersatz. Doch besonders Anbieter von Abo-Verträgen und auch zum Beispiel geschäftlichen Mietverträgen müssen jetzt im Nachhinein in der Steuererklärung diese Veränderung anpassen. Dieser Schritt ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden, denn oftmals steht auch nicht fest, ob nun der Preis angepasst wird und wie genau diese Anpassung nun dokumentiert wird.

4. Konsum-Einbruch nach kurzem Aufschwung

Die Steuersenkung kann den Konsum tatsächlich kurzfristig ankurbeln. Das zeigen Erfahrungen aus Großbritannien, denn dort hat die Regierung während der Finanzkrise die Mehrwertsteuer abgesenkt. Doch kaum sprang die Mehrwertsteuer wieder nach oben, haben die Briten ihr Geld lieber gespart. Das Ergebnis lautete somit: Der Konsum bricht wieder ein und deshalb brachte die Mehrwertsteuersenkung langfristig keinen wirtschaftlichen Nutzen.

5. Preisunterschied ist zu gering

Drei Prozent Unterschied bei der Mehrwertsteuer machen bei vielen täglichen Artikeln nur ein paar Cent bzw. maximal ein paar Euro aus. So richtig sparen könnten Kunden also nur, wenn sie große Anschaffungen vornehmen und nun zum Beispiel ein Auto kaufen. Doch Angestellte, die momentan in Kurzarbeit sind und definitiv sparen müssen, werden sich wohl kaum in den nächsten Wochen ein neues Auto zulegen. Das bedeutet, der Unterschied zum vorherigen Preis bleibt bei den kleinen Anschaffungen zu gering, um einen tatsächlichen Kaufreiz auszulösen. Und die großen Anschaffungen sind für viele trotz Mehrwertsteuersenkung noch zu teuer.

Fazit

Die Übersicht zeigt, dass natürlich einige Pro-Argumente für die Mehrwertsteuersenkung vorhanden sind. Doch die versprochene Entlastung für die Kunden wird vermutlich nicht so hoch ausfallen wie erhofft. Zudem ist es fraglich, ob die geplanten Kaufanreize der Bundesregierung überhaupt wirken und der gewünschte Konjunkturaufschwung erreicht wird. Letztendlich müssen alle Unternehmen und Kunden diese aktuelle Gesetzesänderung akzeptieren und versuchen, in den nächsten Monaten den größtmöglichen Nutzen zu ziehen.

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