Millionen Menschen weltweit nutzen Instant-Messaging-Services. Führend sind hierbei WhatsApp und der Facebook Messenger. Ursprünglich zur privaten Kommunikation zu zweit oder in Gruppen konzipiert, funktionieren diese Social-Media-Plattformen anders als etwa Facebook oder Google+. Wenn es nach WhatsApp geht, bleibt die Anwendung auch werbefrei – was nicht bedeutet, dass Gründer kein Instant-Messaging-Marketing betreiben können oder sollten. Tatsächlich nutzen immer mehr Unternehmen WhatsApp, um auf unterschiedliche Art und Weise mit ihrer Zielgruppe zu kommunizieren. So können sie Kunden in Echtzeit über neue Produkte und Aktionen informieren oder ihnen Kundenservice 2.0 anbieten. Tools wie WhatsBroadcast machen es möglich. Im Interview mit Gründer.de stellt WhatsBroadcast-Gründer Max Tietz sein Produkt vor. Darüber hinaus sprechen wir unter anderem über die Gründe für WhatsApp-Marketing, die nötigen Vorüberlegungen und darüber, wie gelungenes Marketing via Instant Messenger aussehen kann.


Hallo Max, würdest Du uns WhatsBroadcast und Euer Produkt kurz vorstellen?

Max Tietz: Gerne! Unser Produkt WhatsBroadcast haben wir letztes Jahr im Januar gegründet und aufgebaut. Es diente ursprünglich dem Versand von Newslettern über IM-Dienste – zuerst nur über WhatsApp – mittlerweile auch über Facebook Messenger, Telegram und unsere eigene App Insta. In den letzten Monaten haben wir zusammen mit einigen Kunden diverse Bots entwickelt, die sowohl unseren Kunden als auch deren Empfängern einen hohen Mehrwert bieten können und nun Marktreife erlangt haben. Ab 1.8. geht es mit unserem eigenen Bot-Store los, welcher ab dann stetig erweitert wird. Unser Team besteht aus 20 engagierten Mitarbeitern aus allen Bereichen.

Inwiefern unterscheidet sich das Angebot von WhatsBroadcast von dem eurer Konkurrenz?

Max Tietz: Es gibt einige Unterschiede von uns zur Konkurrenz. Der Größte hierbei ist sicherlich unsere technische Implementierung von WhatsApp, bei der wir auf die Benutzung von jeglichen Drittanbieter-Schnittstellen verzichtet haben. Zudem bieten wir den Nachrichtenversand, Chats, mehrere Messenger und Bots in einem Tool an. Das gibt es in diesem Umfang meines Wissens kein zweites Mal und macht uns zum größten Anbieter weltweit.

Was war die größte Herausforderung beim Entwickeln und Etablieren von WhatsBroadcast?

Max Tietz: Das war die gerade angesprochene technische Umsetzung unseres WhatsApp-Dienstes. Es gibt Drittanbieter-APIs, die WhatsApp jedoch (aus deren Sicht aus sehr gutem Grunde!) stark bekämpft, indem regelmäßig Rufnummern gesperrt werden. Unser Fokus lag, kurz nach der Gründung, darauf, dass wir eine Lösung erarbeiten, die nicht auf derartigen APIs beruht, sondern tatsächlich die offizielle App von WhatsApp verwendet. Bei uns gab es nicht von Anfang an einen klaren Lösungsweg, sondern viele Experimente, schlaflose Nächte, Monate der Frustration, Erfolgserlebnisse, wieder Frustration und am Ende ein technisch sehr komplexes Produkt, das unseren Anforderungen gerecht wurde :-)
Zwei große ehemalige Konkurrenten gingen den „leichten“ Weg und haben sich dann im November letzten Jahres an uns gewendet, um unter einem Dach, mit vereinten Kräften und unserer Technologie das Beste für die Kunden zu bieten.

Was sind Deiner Meinung nach die drei Hauptgründe um WhatsApp-Marketing zu betreiben?

Max Tietz: Drei Hauptgründe? Conversion, Aufmerksamkeit, Targeting. Ich möchte die drei Punkte etwas vermischen. Wann habt ihr das letzte Mal unterwegs einen Email-Newsletter gelesen? Wie viele Email-Newsletter erhaltet ihr und lest sie gar nicht? Wer sich für einen WhatsApp-Newsletter anmeldet, der ist grundsätzlich stark an den Themen interessiert, die man ihm verspricht und bietet. Im Gegensatz zum E-Mail-Marketing erhält man keine Fremdangebote von Dritten, sondern nur genau das, was man lesen möchte.

Die Klickraten unserer Kunden variieren, je nach Anzahl der versendeten Newsletter und deren Content, jedoch bewegen sich viele oberhalb der 50% – das ist enorm viel. Eine Leserumfrage bei einem großen deutschen (und internationalen) Fernsehsender hat die größte Zufriedenheit von allen bisherigen Umfragen bei deren WhatsApp-Newsletter hervorgebracht. Die versandten Nachrichten sind aufgrund der technischen Gegebenheiten meist kurz und knackig und mit Links hinterlegt, so z.B. versendet CHIP.de ein bis zweimal täglich ca. 10 Artikel mit kurzen, knackigen Headlines und den zugehörigen Links. Hier kann ich, selbst wenn ich zu Fuß durch die Stadt gehe, innerhalb von wenigen Sekunden entscheiden, welche Themen mich interessieren und mich auf Wunsch tiefer einlesen. Clickbaiting funktioniert, kommt aber bei keinem Dienst auf Dauer gut an, also lasst es auch hier und nehmt euch ein Beispiel an CHIP :-)

Zeitungen/Verlage haben uns des Öfteren berichtet, dass ihre Schar an Leser-Reportern stark vergrößert wurde, da die Empfänger schnell und unkompliziert Nachrichten, Bilder oder Videos direkt in die Redaktionsräume schicken können.

Zusammenfassung: Ich habe ein Publikum, das so interessiert an meinen Themen ist, das es mich sogar in seinen privaten Messenger lässt. Durch Kategorien, die die User selbst wählen dürfen, lassen sich Themenbereiche gut trennen und ein präziseres Targeting ist möglich. Da ich dem User nur Themen / Nachrichten anbiete, die ihn aufgrund des Themas oder der Region stark interessieren, ist die Klickrate sehr hoch.

WhatsApp Marketing

© CC0 Public Domain/ pixabay.com

Welche Sorte Unternehmen profitiert am meisten davon, ihre Zielgruppe mit WhatsApp zu erreichen?

Max Tietz: Sämtliche Unternehmen, die ihre User / Kunden / Leser auf dem Laufenden halten und an sich binden möchten. Von der Zeitung/dem Blogger/dem Magazin, das die neuesten Nachrichten verschickt über den Fernsehsender, der Hintergrundinformationen zu der laufenden Sendung anbietet bis hin zu der Diskothek, die am Freitagabend nochmals auf das heutige Getränkespecial und den DJ des Abends hinweist. Auch im Support/CRM Bereich bieten immer mehr Unternehmen den Kundenservice auch via Messenger an. Der Kunde muss nicht in langen Telefonwarteschlangen verbringen, sondern kann sein Anliegen per Messenger melden und erhält die Antwort unterwegs.

Worüber sollten sich Gründer, bevor sie Whatsapp für ihr Business nutzen, auf jeden Fall Gedanken machen?

Max Tietz: Vorher sollte einem klar sein, was man den Empfängern bieten möchte. Ein Newsletter der sehr häufig verschickt wird, dabei aber wenig Interessantes bietet ist nervig. Es sollte einem immer bewusst sein, dass der User jedes Mal sein Handy in die Hand nimmt, um die gerade versendete Nachricht zu lesen. Macht er das 10 Mal am Stück, ohne was Lesenswertes vorzufinden, wird er sich irgendwann abmelden und voraussichtlich nie wieder anmelden. Es ist sicherlich nicht einfach, den perfekten Content zu versenden, aber sobald man den Dreh raus hat, danken einem die Empfänger mit hohen Klickraten und positiver Response.

In seinen Richtlinien verbietet WhatsApp den Versand von Werbung. Wo verläuft Deiner Erfahrung nach die Grenze zwischen Werbung und Info-Nachricht?

Max Tietz: Meiner Meinung nach bekämpft WhatsApp vor allem Spam. Dieses Jahr wurde angekündigt, dass WhatsApp seine Infrastruktur ganz offiziell für B2C-Kommunikation offener machen möchte. WhatsApp will auf keinen Fall, dass User von Unbekannten mit Nachrichten bombardiert werden. Es ist zum Beispiel unmöglich einen Link anzuklicken, der von einem unbekannten Kontakt kommt. Auch Bilder und Videos werden vorerst geblockt. Unsere Kunden verschicken Informationen ausschließlich an Empfänger, die diese ausdrücklich empfangen wollen – einen Import von vorhandenen / gekauften Rufnummern bieten wir gar nicht erst an. Jeder User muss sich selber für den Dienst anmelden. Ich denke, dass wir dadurch nicht gegen die Richtlinien von WhatsApp verstoßen, sondern diese im Gegenteil honorieren und im Sinne von WhatsApp arbeiten und Spam verbieten.

Welches Opt-in-Verfahren für WhatsApp-Newsletter würdest du empfehlen?

Max Tietz: Diese Entscheidung hat uns WhatsApp durch seine Limitierungen quasi abgenommen. Auch wir verwenden aufgrund der großen Empfängerzahlen natürlich Broadcast-Listen. Ein Broadcast kann nur an Personen verschickt werden, die mich in ihrer Kontaktliste haben. Ein Empfänger muss also die Nummer des Absenders zuerst bei sich im Telefon speichern und dann zusätzlich noch eine Nachricht schreiben. Das ist bei genauerer Betrachtung sogar mehr als ein Double-Opt-In :-)

Wann sollte man vom Gebrauch von WhatsApp zu Marketingzwecken absehen?

Max Tietz: Wenn man nur vorhat, Werbung in Form von Sonderangeboten, Rabatten etc. zu versenden oder mit Ach und Krach etwas zu verkaufen. Kein WhatsApp-User wird das auf Dauer dulden.

Wie glaubst du wird sich WhatsApp als Marketingkanal in Zukunft entwickeln?

Max Tietz: Wie bereits erwähnt und von Facebook angekündigt, wird voraussichtlich nächstes Jahr das Jahr von WhatsApp. In den USA ist dieser Messenger total uninteressant – die Nutzung liegt bei ca. 8%. In Europa/Südamerika ist WhatsApp jedoch der meistgenutzte Messenger. Ich denke, dass Messenger im Allgemeinen in Zukunft viel mehr für Unternehmenskommunikation genutzt werden. Sie sind für den Endkunden leichter und schneller zu bedienen als E-Mails und örtlich und zeitlich deutlich flexibler als das Telefon.

Gründer.de bedankt sich herzlich bei Max Tietz für das Interview!

Marketing per Instant Messaging
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