Noch keine Gleichberechtigung

Weltfrauentag 2022: So geht es Frauen in Deutschland

Seit 1911 gibt es den Weltfrauentag, um sich für die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern einzusetzen. Lag der Fokus zu Beginn vor allem auf dem Wahlrecht für Frauen, stehen inzwischen andere Faktoren im Vordergrund. Doch es zeigt sich: Auch im Jahr 2022 kann von Gleichberechtigung noch nicht die Rede sein.

Der 8. März ist seit über 100 Jahren der internationale Frauentag. Entstanden mit dem Ziel, das Frauenwahlrecht einzuführen, soll mit dem Aktionstag jährlich auf fehlende Chancengleichheit und mangelnde Gleichberechtigung aufmerksam gemacht werden. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, kämpfen Frauen in Deutschland am Weltfrauentag 2022 vor allem um die Anerkennung ihrer Arbeit.

Frauen mussten in der Pandemie oft zurückstecken

Gerade in den vergangenen beiden Jahren wurde deutlich, dass Frauen und Mütter hauptverantwortlich für die Erziehung und die Fürsorge waren. So geht es aus einer Befragung von Dr. Anna Buschmeyer, Soziologin und Genderforscherin am Deutschen Jugendinstitut in München, hervor. Deshalb sei der Weltfrauentag 2022 besonders wichtig.

War es zu Beginn der Pandemie noch so, dass sich Mütter und Väter verschiedene Aufgaben untereinander aufgeteilt haben, driftete diese Aufgabe wieder verstärkt an die Mütter ab. Diese sahen sich Herausforderungen wie Kinderbetreuung im Lockdown, Homeschooling, sowie der Versorgung von Eltern und Schwiegereltern oder Großeltern gegenüber. Ein gravierender Faktor war laut Buschmeyer der Wegfall der institutionellen Kinderbetreuung durch die Schließung von Schulen und Kindergärten. Die Entscheidung, wer beruflich zurückstecken müsse, sei oft auf Basis des Einkommens getroffen worden. Mit anderen Worten: Wer weniger verdiente, reduzierte seine Arbeitszeit.

Weltfrauentag 2022 nur ein Tag nach dem diesjährigen Equal Pay Day

Die Ungleichbehandlung in der Bezahlung siegelt sich in der sogenannten Gender Pay Gap wider: Im Durchschnitt verdienen Männer knapp 1.200 Euro im Monat brutto mehr als Frauen. Einer der Gründe: Die sozialen und pflegerischen Berufe, in denen vergleichsweise wenig gezahlt wird, haben einen hohen Anteil an Arbeitnehmerinnen. Außerdem arbeiten viele Frauen und Mütter in Teilzeit, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Am 7. März fand der Equal Pay Day 2022 statt. Als mobiler Aktionstag soll er auf die Gender Pay Gap aufmerksam machen. 2008, beim ersten Equal Pay Day, war dies noch der 14. April. Nun fand er einen Tag vor dem Weltfrauentag 2022 statt. Allerdings werden sich die Folgen der Corona-Pandemie erst in den kommenden Jahren bemerkbar machen.

Gewalt und Benachteiligung für Frauen bleibt

Die Gender Pay Gap ist jedoch nur ein Teil der Hürden zur flächendeckenden Gleichberechtigung. Nach wie vor erfahren Frauen Gewalt im privaten Umfeld oder am Arbeitsplatz. Seit 2017 macht die #MeToo-Bewegung darauf aufmerksam, dass vielfach Männer ihre Machtverhältnisse ausnutzen, um Frauen unter Druck zu setzen. Laut Bundesfamilienministerium wurde jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Ziel des Weltfrauentags 2022 ist es, mehr Unterstützung einzufordern, damit sich Frauen und Mädchen sicherer fühlen.

Ein weiterer Faktor ist die rechtliche Benachteiligung. Laut Anna Buschmeyer vom Deutschen Jugendinstitut ist die Vielfalt von Familie in der Rechtsprechung nicht sichtbar. So richten sich Unterstützungsmaßnahmen vielfach an „klassische“ Familien mit verheirateten Eltern und deren leiblichen Kindern. Ein Beispiel: Elternzeit wird nur dem biologischen Elternteil angerechnet.

Das Thema des Weltfrauentags 2022: #BrekTheBias

Der Weltfrauentag 2022 steht daher unter dem Motto #BreakTheBias. In diesem Jahr soll verstärkt darauf aufmerksam gemacht werden, Stereotypen, Vorurteile und Ungerechtigkeiten gegenüber Mädchen und Frauen zu stoppen bzw. abzubauen. Ziel ist eine gleichberechtigte, integrative und diverse Welt. Zahlreiche Demos und Kundgebungen am 8. März setzen ein Zeichen für dieses Ziel.

Die Geschichte des Weltfrauentags bis 2022

Die Ursprünge des Weltfrauentags finden sich im Jahr 1909 in Amerika. Frauen der Sozialistischen Partei riefen damals erstmals zu einem nationalen Aktionstag auf, um für das Frauenstimmrecht zu kämpfen. Bereits zwei Jahre später, am 19. März 1911, fanden erste Frauentage im europäischen Raum statt. Beteiligt waren das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, Dänemark und die Schweiz. 1921 wurde der internationale Frauentag dann auf den 8. März gelegt. Im Laufe der Jahre behandelte der Aktionstag viele Themen, darunter Mutterschutz, das Recht auf legale Abtreibung und Diskriminierung.

Der Weltfrauentag ist im Jahre 2022 international verbreitet und in vielen Ländern ein gesetzlicher Feiertag. In Deutschland trifft dies lediglich auf Berlin (seit 2019) zu – in allen anderen Bundesländern ist er ein gewöhnlicher Arbeitstag.

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Über den Autor

Autorenprofil: Andreas Fricke

Andreas Fricke

Andreas studierte 2013 nach seinem Abitur Journalismus & Unternehmenskommunikation in Köln. Parallel sammelte er Erfahrung bei den Redaktionen verschiedener Tageszeitungen. Nach dem Studium zog es ihn ins Online-Marketing, wo er mit dem Schwerpunkt auf SEO-Texte und Blogbeiträge fünf Jahre für verschiedenste Themen und Branchen schrieb. Seit März 2022 verstärkt er die Redaktion von Digital Beat und Gründer.de als Junior-Online-Redakteur.

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