Kooperation Mit Großunternehmen

Voll motiviert, mit der entsprechenden Vorfreude auf etwas Neues, Erfolgreiches, gehen manche Startups mit Konzernen an den Start. Allerdings kommt es recht häufig vor, dass nach der anfänglichen Euphorie sich plötzlich Ernüchterung zeigt. Und das Gold, was anfänglich so sehr glänzte, ist jetzt alles andere als glänzend. Doch worin liegt die Ursache, dass diese Kooperationen recht häufig scheitern und jeder wieder seines eigenen Weges geht?

Es sind die verschiedenen Sichtweisen

Eine Studie zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Branchengiganten und den Neugründern nicht funktioniert. Laut des Frühphasen-Venture-Fonds 500-Startups schaffen es weniger als 25 Prozent der Pilotprojekte der führenden Unternehmen weltweit überhaupt bis zu der Marktreife. Dabei zeigt sich, dass bereits etliche Kooperationen von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind: Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Arbeitsweisen und die Arbeitskulturen. Zudem können sich die Kooperationspartner eher selten aufeinander einstellen und miteinander kommunizieren und agieren.

Generell sind die Startups schnell, agil und setzen auf digitale Prozesse. Innerhalb weniger Tage lässt sich das Geschäftsmodell umstellen. Dagegen sind große Konzerne sehr schwerfällig und behäbig, was mitunter an ihrer Größe liegt. Zwar haben diese Unternehmen durch ihre langjährige Erfahrung und ihren Erfolg ein sehr hohes Ansehen. Allerdings führt dies auch dazu, dass sowohl Strukturen als auch Prozesse notwendig sind, die die wichtigen Regularien beinhaltet und das Unternehmen vor dem absoluten Chaos bewahren. Deshalb ist die Denkweise eines Konzerns, dass ein Startup mehr als sechs Monate benötigt, nicht selten. Allerdings bedeutet dies nicht selten für ein Startup, das nicht optimal vorbereitet wurde, direkt zu Anfang schon das Todesurteil. Auch wenn der Branchenriese innovativ ist – nicht viele können mehrere Monate überleben ohne dass ein Cent geflossen ist.

Das innovationsfeindliche Denken und die Vielzahl der Projekte in den Konzernen sowie eine gewisse Arroganz sind ebenfalls sehr häufig die Ursache von Problemen. Vor allem stellt sich bei einer Kooperation die Frage, von welcher Seite die Zusammenarbeit betrieben und „getrieben“ wird. Handelt es sich um eine neu gegründete Abteilung mit nur wenigen Mitarbeitern oder muss sich diese neue Abteilung noch gegenüber den Skeptikern im Unternehmen behaupten? Oder ist es so, dass sowohl Führungskräfte, Management und Team ganz und gar hinter der Sache stehen und für Innovationen und neue Ideen offen sind?

In Deutschland ist recht häufig zu beobachten, dass etablierte Unternehmen sich die Ideen von verschiedenen Startups abkupfern und diese dann nachbauen – doch teilweise mehr schlecht als recht. Gerade in der Automobilindustrie hält sich der Mythos, dass ein deutscher Ingenieur sozusagen Professor Allwissend ist, sehr stark. Die Folge: In Deutschland gibt es kein optimales System für Startups und Investments.

Weil die deutschen Konzerne es nicht gewohnt sind, sich mit externen Technologien zusammenzuschließen und die Innovationen umzusetzen, sind sie auch selten bereit, große Investitionssummen freizuschaufeln. Dagegen haben Startups in China oder den USA einen wesentlich besseren Start, da hier mitunter der Kapitalfluss wesentlich einfacher gehandelt wird.

Für Gründer gilt: Hausaufgaben machen!

Als Gründer und Startup solltest du dir genau ansehen, für welches Unternehmen du dich entscheidest. Prüfe im Vorfeld, um welches Unternehmen es sich handelt und wie es mit Startups im Allgemeinen umgehen kann. Die folgenden Fragen solltest du dir bei deiner Entscheidung, beziehungsweise bei der Prüfung einer möglichen Zusammenarbeit, stellen:

  • Hat das Unternehmen bereits Projekte erfolgreich abgeschlossen oder bist du das erste Startup für das Unternehmen?
  • Verfolgt das Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit dir eine Strategie oder ist es eher der Fall, dass „es auch mal bei einem Startup mitmischen“ möchte?
  • Hast du Unterstützung von den Mitarbeitern des Unternehmens, die die Ideen intern gegen eventuelle Skeptiker auch verteidigen?
  • Steht die Unternehmensführung hinter dir und deiner Idee?
  • Stehen dir Fachleute zur Seite, die inhaltlich auf deinem Level sind und dich unterstützen?
  • Oder ist es eher so, dass die involvierten Personen gar nicht wissen, was du machst, beziehungsweise, was gemacht werden soll?

Natürlich solltest du auch die Fragen beantworten, die deine Seite und deinen Standpunkt hinterfragen:

  • Bist du bereit, mit einem großen Konzern zu arbeiten und mit dem Unternehmen gemeinsam das Projekt umzusetzen?
  • Kannst du finanzielle Engpässe, weil nicht direkt Geld fließt, auf längere Sicht hin überbrücken oder wird es nach kurzer Zeit schon ziemlich eng?
  • Wie schätzt du dich, dein Wissen und deine Idee ein?

Generell ist es wichtig, dass du offen für Neuerungen und die gemeinsame Zusammenarbeit bist, denn nicht alle Startups mit Konzernen, scheitern. Vor allem kannst du in manchen Bereichen von dem Know-How des Unternehmens profitieren.

Für Konzerne gilt: Offen für Neues sein

Festgefahrene Strukturen und die Aussage „Das machen wir schon immer so“ sollten der Vergangenheit angehören. Als innovatives Unternehmen sollte man umdenken, mit der Zeit gehen und offen gegenüber neuen, auch externen, Technologien sein. Bei diesem Wandel ist es wichtig, dass das Management hinter dieser Entscheidung steht und diese Entscheidung auch lebt. Mitarbeitern muss der Rücken gestärkt werden und die entsprechende Unterstützung gewährt werden.

Auf diese Art können Startups zu einem Wandel im Unternehmen beitragen. Und für das eine oder andere Unternehmen ist es sogar sinnvoll, sich durch die Zusammenarbeit mit Startups neue Impulse zu holen. So kann nicht nur der Gründer von der Kooperation profitieren, sondern auch das Unternehmen. Ein Konzern, dessen Mühlen bisher nur langsam gemahlt haben, kann durch solche Kooperationen agiler und schlanker werden.

Die Mühe kann sich für beide Seiten lohnen

Für das Startup ist es natürlich ein großer Schub, wenn ein namhaftes Unternehmen hinter ihm steht. Für potentielle Kunden erhält das Startup direkt die Glaubwürdigkeit, die es zum „großwerden“ benötigt. Für das Unternehmen bedeutet eine solche Zusammenarbeit, an neue Technologien anzuknüpfen, davon zu profitieren und vielleicht auch daraus neue Ideen und Impulse zu erhalten.
Allerdings müssen bei einer solchen Kooperation beide Seiten die Hausaufgaben zur vollsten Zufriedenheit machen und vor der Zusammenarbeit das gemeinsame Für und Wider gegeneinander abwägen. Die Umsetzung kann zum vollen Erfolg werden – wenn beide Parteien es wollen und an einem Strang ziehen.