Der offizielle Launch von Kaufsafari wird im Frühjahr 2017 erwartet, jedoch geht die B2B-Handelsplattform, die Startups und Einzelhändler zum beidseitigen Vorteil zusammenbringen soll schon heute, am 13.01.2017 online. Aufstrebende Unternehmen mit Produktideen, die sich online oder offline vertreiben lassen, können bereits Kontakt zu Kaufsafari aufnehmen. Hinter dem Unternehmen steht ein vierköpfiges Gründer-Team, bestehend aus Malte Dietrich, Daniel Kolb, David Herzmann und Alexander Vogel. Mediale Aufmerksamkeit bekam das Projekt bereits Monate vor dem offiziellen Start, als es beim Existenzgründungswettbewerb der Gründungsinitiative Innovation Duisburg (GRIID) den zweiten Platz belegte. Gründer.de hat nun mit Kaufsafari-Co-Initiator David Herzmann gesprochen:

Im Gespräch mit David Herzmann

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Das Team hinter Kaufsafari (v.l.n.r): David Herzmann, Daniel Kolb, Alexander Vogel, Malte Dietrich.

Hallo David, würdest du uns kurz in eigenen Worten erklären, wie Kaufsafari funktioniert?

 

Gerne! Wir wollen als Bindeglied zwischen Einzelhandel und StartUps fungieren. Dazu bieten wir einen Marktplatz für Einkäufer und Händler auf dem neuartige StartUp Produkte zu kaufen sind. Im ersten Schritt bewerben sich die StartUps mit ihrem Produkt bei uns. Nach initialer Prüfung erfolgen dann Verhandlungen über Menge und Preise sowie eine gemeinsame Erstellung der Produktseite auf Kaufsafari. Danach wird das Produkt in Form einer Kampagne für einen Monat auf unserer Website freigeschaltet. In diesem Zeitraum ist jeder Händler in der Lage Teil der Einkaufsgemeinschaft für das jeweilige Produkt zu werden. Dank unserer Rabattstufen gilt: Je mehr Händler kaufen, desto günstiger wird der Preis. Nach erfolgreichem Ablauf der Kampagne (Ende der Zeit oder Maximale Menge gekauft) erhält das StartUp eine große Gesamtbestellung der vielen Einzelhändler. Nachdem die StartUps dann den Händler beliefert haben, erhält dieser dadurch die Rechnung und bezahlt den Hersteller. Kaufsafari wird anschließend durch einen Teil des Umsatzes bezahlt.

 

Nach welchen Kriterien prüft ihr die Bewerbungen von Startups, die sich auf eurer Plattform registrieren lassen wollen?

 

Da wir mit vielen verschiedenen Branchen in Kontakt treten und jede Branche ihre eigenen Kriterien mitbringt, ist es schwer eine pauschale Regel für alle StartUps festzulegen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass wir keine Experimente vertreiben wollen, sondern wir unseren Händlern fertige marktreife Produkte anbieten. Damit einher geht auch, dass wir die Preise als auch Händler-Zugehörigkeit prüfen und nicht blind Produkte freischalten. Wir wollen unseren Händlern frischen Wind für Ihr Sortiment bieten und StartUps eine riesige Reichweite, weshalb wir genau diesen Mittelweg suchen alle Seiten zufrieden zu stellen und richtig zu vermitteln.

 

Was kam bei euch zuerst, die Idee zu gründen oder die Geschäftsidee? Was hat die Initialzündung für Kaufsafari gegeben?

 

Tatsächlich kam die Geschäftsidee lange vor der Gründung. Die Initialzündung kam dabei vom Kaufsafari Mitgründer und Geschäftsführer Daniel Kolb. Während seiner Tätigkeit als Entwickler von e-Commerce Software für kleine bis mittelgroße Unternehmen erkannte er die Probleme der Einzelhändler und der StartUps. Bereits gegen Ende 2015 begann er damit das Konzept von Kaufsafari auszuarbeiten und baute sich nach und nach das heutige Kaufsafari Team auf. Seither haben wir viele Gespräche mit Händlern und StartUps geführt, durch die wir viel positives Feedback erhielten und die dabei halfen unser Konzept weiterzuentwickeln.

Im Interview mit Meinstartup.com erzählte Malte, dass ihr Kaufsafari anfangs gebootstrappt habt und euch anschließend auf das EXIST Gründerstipendium beworben habt. Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit den unterschiedlichen Finanzierungsmethoden gemacht? Was würdet ihr angehenden Gründern hinsichtlich der Finanzierung eigener Projekte raten?

 

Als Internetfirma mit digitaler Dienstleistung hielten sich die Kosten gerade zu Beginn noch recht überschaubar. Bootstrapping war da die logische Konsequenz und sollte in der Anfangsphase im Grunde von jedem StartUp zumindest überdacht worden sein.

Dank der Gründer-Förderlandschaft in Deutschland boten sich uns dennoch nach und nach immer mehr Gelegenheiten Förderungsmöglichkeiten zu erhalten, über die wir natürlich sehr glücklich sind. So konnten wir als einer der Gewinner beim GRIID Gründer-Wettbewerb auftreten und schlussendlich auch ein EXIST Gründerstipendium für uns sichern. Gerade EXIST gibt einem zu Beginn ein komfortables Polster mit dem man seine Idee sicher vorantreiben kann. Deshalb sollten StartUps sich definitiv auch mit Fördermöglichkeiten beschäftigen, jedoch auch gleichzeitig im Blick behalten, dass es nur eine limitierte Förderung ist und man deshalb von Anfang an Vollgas geben sollte.

 

Aktuell herrscht in Deutschland ein prinzipiell gutes Gründungsklima. Die Zahl der Existenzgründungen ist zwar rückläufig, aber dass es vor allem weniger Notgründungen gibt, spricht dafür, dass Menschen sich derzeit vor allem für die Selbstständigkeit entscheiden, weil sie von diesem Weg überzeugt sind. Wie nehmt ihr die Situation als Gründer eines jungen Unternehmens wahr? Was müsste aus eurer Sicht anders sein, um mehr angehenden Unternehmern den Weg in die Selbstständigkeit zu ebnen?

 

Tendenziell schätzen wir die Entwicklung der Neugründungen sehr gut ein! Die Leute machen sich Gedanken und die letzten Statistiken zeigen, dass die Qualität der Gründungen ebenfalls ansteigt. Wir selbst merken es ja an den StartUps mit denen wir im direkten Kontakt stehen: alle sind extrem motiviert und stehen hinter ihrer Idee bzw. ihrem Produkt.

Was noch getan werden könnte, um noch mehr Gründungen zu inspirieren ist eine gute Frage. Trotz einiger Kritik die man so mitbekommt, ist die Förderlandschaft in Deutschland je nach Region relativ gut aufgestellt. Angehende Gründer haben je nach Standort andere Voraussetzungen und Möglichkeiten. Oft ziehen deshalb bestimmte Orte Gründer an, wie beispielsweise Berlin. Jedoch sollten neue Gründer andere Orte nicht abschreiben und auch bestehende StartUps sollten in ihren Gegenden Ausschau halten, da die Gründungs-Umgebung oft besser ist als erwartet. Die Länder tun mehr als man zunächst wahrnimmt, auch wir wurden positiv von GRIID und dem kommenden Ruhr:Hub überrascht. Bemerkenswert für uns waren auch die direkten Nachbarn an der tu-Dortmund (tu-startups), welche hervorragende Arbeit für neue Gründungen leisten. Es heißt also Augen und Ohren offen halten!

 

Was waren die größten Herausforderungen bisher und welche brachte das größte Learning mit sich?

 

Unsere größte Herausforderung war es das Konzept in aller Vollständigkeit auszuarbeiten und alle wichtigen Themen geklärt zu haben. Von der Umsetzung her stecken wir noch mittendrin und sind da sehr zuversichtlich. Auf unserem Weg hatten wir ganz verschiedene Learning Effekte, der Größte war wahrscheinlich im Laufe der Zeit als ein Team zusammenzuwachsen und sich auf andere abzustimmen und verlassen zu können.

 

Um den Existenzgründerwettbewerb der GRIID zu gewinnen, musstet ihr anhand von Präsentationen und einem Businessplan zeigen, dass eure Geschäftsidee Potential hat. Habt ihr im Nachhinein Tipps, die helfen können mit der eigenen Geschäftsidee zu überzeugen?

 

Um andere und vor allem Entscheidungsträger für die eigene Idee begeistern zu können, sollte man sich zunächst selbst alle kritischen Fragen stellen (können). Was kann mein Produkt/meine Dienstleistung? Welches Problem löst es? Kann man damit Geld verdienen und wenn ja, wie? Wie ist der Markt aufgebaut? Was muss man in der Umsetzung beachten? Wie gehe ich bei der Planung vor? Welche Zahlen spielen eine Rolle? Sobald alle möglichen Fragen die einen direkt betreffen geklärt sind, hat man auf jede kritische Frage eine gute Antwort. Die meisten dieser Fragen werden ohnehin bei der Erstellung des Business Plans beantwortet, weshalb es nie schaden kann so früh wie möglich damit anzufangen. Ein guter Plan baut auf eigener Überzeugung auf, sollte jedoch vor allem mit Fakten gefüttert werden.

 

Was sind eure Pläne für die ersten drei Jahre nach dem Launch von Kaufsafari?

 

Für‘s erste konzentrieren wir uns vollkommen auf den Launch der Plattform im Frühjahr 2017. In Zukunft sehen wir Kaufsafari als Anlaufstelle für Innovationen, die im Einzelhandel gelistet werden möchten und streben eine dreistellige Zahl unseres Produktangebots an. Für Händler wollen wir in dieser Zeit ein fester Bestandteil der Sortimentserweiterung werden und ein Faktor, der den Einzelhandel stärkt und den Absatzerfolg steigert.

 

David, wir bedanken uns recht herzlich bei dir für das Interview und wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

Im Interview mit Kaufsafari
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