Stefan Wolf (GF passandu GmbH) im Interview

„Nachhaltigkeit in der Möbelbranche ist möglich“

Der Verkauf neuer Möbel und ein starker Wunsch nach Nachhaltigkeit schließen einander nicht aus. Immer mehr Kunden verändern ihr Konsumverhalten und wünschen sich nachhaltige Konzepte, sodass die Umwelt geschützt und Ressourcen geschont werden. Junge Unternehmen und Startups haben diesen Trend längst erkannt und verbinden hohe Qualitätsansprüche mit Nachhaltigkeit. Stefan Wolf, Geschäftsführer der passandu GmbH, erklärt uns im Interview, wie die Verbindung funktioniert.

Herr Wolf, ist Nachhaltigkeit im Handel überhaupt möglich?

Auf jeden Fall! Immer mehr Kunden wünschen sich nachhaltige Produkte, die gleichzeitig hohen Qualitätsansprüchen genügen. Sie möchten zwar neue Dinge besitzen, die Umwelt dabei aber so wenig belasten wie möglich. Umso wichtiger ist es, dass wir Konzepte entwickeln, um diesen Wünschen nachzukommen. Viele Unternehmen, die ich kenne, bieten mittlerweile nachhaltige Produkte an oder stellen ihre Produktion entsprechend um. Die Möbelbranche bildet da keine Ausnahme: So arbeitet unser Unternehmen mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, unser Lieferant ist FSC-zertifiziert und wir verwenden nur so viel Holz, wie wir wirklich benötigen.

Und was hat die hohe Qualität mit Nachhaltigkeit zu tun?

Es mag auf den ersten Blick so aussehen, als wäre ein hoher Anspruch an die Qualität der Rohstoffe eher hinderlich in Sachen Nachhaltigkeit, dem ist aber nicht so. Je hochwertiger ein verwendeter Rohstoff ist und je sauberer in der Fertigung gearbeitet wird, desto länger hält das Möbelstück später. passandu.de gibt daher fünf Jahre Garantie auf alle Möbel. Gleichzeitig arbeiten wir mit Maßanfertigungen, sodass das Möbelstück später perfekt in die Wohnung passt. Und wenn sich der Einrichtungsstil ändert, lassen sich Fronten schnell und unkompliziert austauschen. So ist es nicht nötig, ein neues Möbelstück zu kaufen.

Im Gegensatz dazu steht die Massenproduktion. Bei günstigen Möbelhäusern und Ketten werden Schränke und Co. als Massenware produziert und dann sehr günstig angeboten. Die Folgen für die Umwelt sind meist verheerend, denn nicht selten müssen viele dieser Möbel oder Bausätze weggeworfen werden, ganz abgesehen von den schlechten Bedingungen in der Fertigung solcher Möbel. Immer mehr Kunden kehren diesem Konzept den Rücken und wünschen sich nachhaltigere Modelle, die bessere Bedingungen für Umwelt und Mitarbeiter schaffen.

Individuell zugeschnittene Möbel klingen interessant. Doch wie funktioniert das im Einzelnen?

Die Grundüberlegung ist: Wäre es nicht toll, wenn ein Kunde über die Website eines Möbelherstellers seine Wunschmaße eingeben und das Design möglichst frei bestimmen könnte? Genau das haben wir bei uns umgesetzt. Über unseren Schrankplaner ist es möglich, verschiedenste Arten von Schränken quasi online selbst zu „bauen“. Dabei besteht die Wahl, den Schrank selbst zu entwerfen oder mit einer der Vorlagen zu starten. Durch die Online-Änderungen lässt sich der Schrank dann mehr und mehr den eigenen Bedürfnissen anpassen. Dabei findet zudem eine Preisberechnung in Echtzeit statt. Der Kunde weiß also immer, was ihn der selbst erstellte Schrank am Ende kosten wird.

Wie ist es möglich, nach Maß angefertigte Möbel online zu bestellen?

Maßanfertigungen ermöglichen es Kunden, Möbel zu kaufen, die perfekt in die eigenen vier Wände passen. Dabei ist es natürlich wichtig, korrekt zu messen. Online finden die Kunden deshalb Aufmaßhilfen, um den Platz, an dem das Möbelstück später stehen soll, perfekt auszumessen. Mit den gemessenen Maßen stellen sich die Kunden dann ihr ideales Möbelstück zusammen. So kommen die perfekte Optik, die sich in die Einrichtung einfügt, und die Zweckmäßigkeit von Möbelstücken zusammen. Bei passandu.de ist es dann so, dass wir die Angaben der Kunden vor der Fertigung einem Konstrukteur vorlegen, der überprüft, ob alles passt. So stellen wir sicher, dass die Kunden ein Möbelstück erhalten, das wirklich in ihre Wohnung passt und so funktioniert, wie es soll. Das führt einerseits zu höherer Kundenzufriedenheit und andererseits zu weniger Verschnitt und Reklamationen auf unserer Seite.

GebäudeplanQuelle: Puwasit Inyavileart - stock.adobe.com
Die richtigen Maße helfen dabei, wenig Verschnitt zu haben und die Kunden mit passenden Möbeln glücklich zu machen.

Sind nachhaltige Möbel immer teurer?

Selbstverständlich hat Qualität ihren Preis, das gilt vor allem für Möbel. Gerade, wenn es sich nicht um Massenproduktionen handelt, kann das die Preise steigern. Trotzdem ist es möglich, nachhaltige und qualitativ hochwertige Möbel zu einem akzeptablen Preis zu verkaufen. Wichtig ist es hier, die kleinsten Stellschrauben nicht außer Acht zu lassen. Es ist beispielsweise günstiger, wenn Kunden ihre gekauften Möbel selbst aufbauen. Eine sinnvolle Montageanleitung und ein hilfsbereiter Kundenservice ermöglichen es, dass fast jeder Holzmöbel selbst aufbauen kann. Wenig Verschnitt in der Fertigung sowie kurze Transportwege von Rohstoffen senken nicht nur die Kosten, sie schonen auch die Umwelt. Denn wenn wir Holz und andere Rohstoffe aus Deutschland und Europa verwenden, wird beim Transport weniger Kohlendioxid ausgestoßen, das die Umwelt massiv belastet. Wenig Verschnitt bedeutet weniger Müll und somit weniger Verschwendung.

Wie lässt sich Nachhaltigkeit in der Möbelherstellung erreichen?

Je länger ein Schrank ohne Schäden genutzt werden kann, desto später muss Ersatz beschafft werden. Eine längere Lebensdauer sorgt also insgesamt dafür, dass sich der Ressourcenverbrauch begrenzen lässt.

Der Produktionsprozess bietet zudem die Möglichkeit, den Verschnitt zu minimieren. Je weniger Material bei der Herstellung als Rest anfällt, desto geringer der Ressourcenverbrauch. Aus diesem Grund arbeiten wir nur mit entsprechend optimierten Maschinen, die zudem nur dann laufen, wenn sie wirklich gebraucht werden.

Ein dritter Ansatzpunkt ist die Verpackung. Setzen Hersteller hier auf passgenaue Größen, lässt sich Versandmaterial einsparen. Wir übernehmen für unsere Kunden auf Wunsch auch die umweltgerechte Entsorgung des Verpackungsmaterials.

Wagen wir einen Ausblick: Können Unternehmen ohne einen Sinn für Nachhaltigkeit heute noch erfolgreich sein?

Ich denke, dass ein gewisses Umweltbewusstsein und eine nachhaltige Arbeitsweise zukunftsweisend sind. Nicht nur in der Möbelindustrie oder im Handel ist es entscheidend, nachhaltig zu produzieren und gute Bedingungen für seine Mitarbeiter zu schaffen. Unternehmen, die einen sicht- und messbaren Beitrag zur Rettung des Klimas leisten, sind beim Kunden beliebt. Das schlägt sich auch im finanziellen und wirtschaftlichen Erfolg nieder.

Natürlich ist es nach wie vor möglich, auch ohne einen Nachhaltigkeitsfaktor zu gründen. Ich befürchte allerdings, dass diese Unternehmen es künftig ungleich schwerer haben werden. Außerdem ist Nachhaltigkeit so einfach: Einen CO₂-Ausgleich zahlen, auf nachhaltige Zulieferer und Produzenten achten, Müll trennen und recyceln – die Möglichkeiten für Unternehmen sind schier unendlich.

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