Die Digitalisierung der Gründungsprozesse

Wie zwei Startups Firmengründungen vereinfachen

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründen will, steht zunächst vor einem großen Berg an Bürokratie. Bis es mit der Geschäftstätigkeit richtig losgehen kann, vergehen teilweise Monate, vor allem wenn es sich um eine Kapitalgesellschaft handelt. Aber die Investoren wollen nicht warten, die potenziellen Mitarbeiter finden ein anderes Jobangebot. Stattdessen müssen die Gründer Formulare ausfüllen, unterschriebene Anträge in Briefumschläge stecken, um sie im Original an die zuständigen Stellen zu schicken. In der Zwischenzeit besetzen andere die Marktnische und realisieren die Gewinne. Für fast die Hälfte alle Gründer bilden Bürokratie, Regulierungen und Gesetze die größten Hürden bei einer Unternehmensgründung, noch vor den steuerlichen Aspekten.

Darüber sprechen wir mit zwei Experten für Firmenneugründungen, deren Startups sich zusammengeschlossen haben, um Gründungsprozesse in Deutschland zu digitalisieren und zu vereinfachen. Torben Rabe ist Country Manager Germany bei Qonto, einem FinTech, welches maßgeschneiderte und digitale Kontolösungen für Unternehmensgründer zur Verfügung stellt. Kristof Tomasz ist Gründer von GmbH-UG.com, einem Rund-um-Servicedienstleister im Bereich Vorratsgesellschaften.

Was läuft in Bezug auf Firmengründungen hierzulande falsch?

Torben Rabe
Torben Rabe, Country Manager Germany bei Qonto.

Torben Rabe: Diese Frage hat uns lange beschäftigt und wir sind zu folgendem Schluss gekommen: Wer hierzulande ein Unternehmen gründen möchte, muss einfach zu viele unnötige Hürden nehmen. Das beginnt schon bei der Anmeldung: Es gibt keine Möglichkeit, diese komplett online durchzuführen. Stattdessen kämpfen angehende Unternehmer mit langen Bearbeitungszeiten und überbordender Bürokratie.

Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit der GmbH-UG.com daran etwas zu verändern. Wie sieht dieses Angebot aus?

Torben Rabe: Wir haben unsere jeweiligen Kernkompetenzen in einer fruchtbaren Zusammenarbeit gebündelt und wollen angehende Unternehmer dabei unterstützen, binnen weniger Tage nach der Gründungsabsicht bereits mit der Geschäftstätigkeit beginnen zu können. Die GmbH-UG.com sorgt für die passende Vorratsgesellschaft und wir von Qonto stellen ein leistungsfähiges und individuell anpassbares Geschäftskonto zur Verfügung, auf dem bereits das nötige Stammkapital eingezahlt wird. Diese Eröffnung ist bei uns so unkompliziert gestaltet, dass sich diese Prozedur innerhalb von ca. 10 Minuten abschließen lässt. Somit sind Gründer bestmöglich für den Start gerüstet.

Wie werden sich Ihrer Meinung nach Gründungsprozesse durch die Digitalisierung verändern?

Torben Rabe: Ich gehe fest davon aus, dass immer mehr Schritte im Gründungsprozess tatsächlich digital funktionieren. Dabei bedarf es einer Kombination aus Digitalisierung und Entbürokratisierung. So sollte es möglich sein, nahezu alle wichtigen Dokumente digital einzureichen. Immerhin scheint die Regierung hier zumindest teilweise mitzuziehen. Bis Ende 2022 sollen laut Onlinezugangsgesetz (OZG) alle Verwaltungsleistungen digital verfügbar sein. So könnte ein Unternehmen gleichzeitig bei der Kommunalverwaltung, dem Finanzamt und allen weiteren wichtigen Behörden gleichzeitig angemeldet werden – und zwar mit einer einzigen Transaktion.

Unternehmen anmelden in 4 Schritten

Schritt 1: Gewerbe/Kleingewerbe anmelden

Grundsätzlich muss sich in Deutschland jeder beim Gewerbeamt anmelden, der sein eigenes Gewerbe betreiben möchte. Denn nur so bekommt man mit dem Gewerbeschein die offizielle Erlaubnis, seinen eigenen Betrieb führen zu dürfen. Freiberufler sind jedoch von dieser Pflicht ausgenommen. Zudem musst du dir die Frage stellen, ob du ein Gewerbe oder ein Kleingewerbe anmelden möchtest. Der Unterschied liegt darin, dass ein Kleingewerbe ein Unternehmen mit geringem Umsatz ist und die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt.

Schritt 2: Finanzamt informieren

Nachdem du dich mit deinem Unternehmen beim Gewerbeamt angemeldet hast, bekommst du meist automatisch einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Damit meldest du dein Unternehmen direkt beim Finanzamt an. Das Finanzamt teilt deinem Unternehmen dann die notwendige Steuernummer zu. Wer zudem Waren oder Dienstleistungen in der EU umsatzsteuerfrei verkaufen oder erwerben möchte, muss hier zudem die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragen.

Schritt 3: Ins Handelsregister eintragen

Bei dem Handelsregister handelt es sich um ein öffentliches Verzeichnis, in dem sich alle Kaufleute und Unternehmen eintragen lassen können. Dieses enthält alle wichtigen Informationen über ein Unternehmen. Daher sind grundsätzlich alle Kaufleute dazu verpflichtet, sich in das Handelsregister eintragen zu lassen. Kleingewerbetreibende sind hiervon ausgenommen, können sich aber wenn sie wollen, freiwillig eintragen lassen. Eingetragene Kaufleute (e.K.), Kapitalgesellschaften (GmbHUGAG) und Personengesellschaften (OHGKGGmbH & Co.KG) müssen sich ab dem Zeitpunkt der Gründung ins Handelsregister eintragen lassen.

Schritt 4: Ins Unternehmensregister eintragen

Auch bei dem Unternehmensregister handelt es sich um ein Verzeichnis, welches öffentlich aufrufbar ist. Dieses bündelt alle Informationen, die sich im Handelsregister, Genossenschaftsregister, Partnerschaftsregister und dem Bundesanzeiger finden lassen. Welche Unternehmen sich hier eintragen lassen müssen, hängt hauptsächlich von der Größe und Rechtsform des Unternehmens ab. Abhängig davon sind einige Unternehmen veröffentlichungs- bzw. hinterlegungspflichtig.

Herr Tomasz, Ihr Unternehmen stellt Gründern die Möglichkeit zur Verfügung, über eine Vorratsgesellschaft sofort mit ihrer Geschäftstätigkeit zu beginnen. Wie genau läuft das ab?

Kristof Tomasz
Kristof Tomasz, Gründer von GmbH-UG.com

Kristof Tomasz: Die GmbH-UG.com ist ein Rundum-Service-Dienstleister in Bezug auf Vorratsgesellschaften. Das bedeutet: Wir gründen Kapitalgesellschaften „auf Vorrat“, ohne diese für eine Geschäftstätigkeit zu nutzen. Solche inaktiven und garantiert schuldenfreien Gesellschaften (GmbH oder UG) stellen wir unseren Interessenten zur Verfügung. Dabei begleiten wir den Gründer von der Auswahl der richtigen Gesellschaft über die nötigen Registrierungen bis hin zum Start. Zu Beginn ist Zeit oft ein knapper Faktor, weshalb auch wir alles daransetzen, unseren Kunden ihre Gesellschaft so schnell wie möglich nutzbar zu machen.

In Zusammenarbeit mit Qonto können unsere Kunden eine Vorratsgesellschaft mit einem Geschäftskonto kaufen, auf dem das Stammkapital bereits hinterlegt ist.

Die Nachfrage nach Vorratsgesellschaften scheint recht groß zu sein. Worin liegen eigentlich deren Vorteile?

Kristof Tomasz: Sie haben Recht – die Nachfrage ist momentan wirklich groß. Wir betreuen mittlerweile Kunden von 4 Kontinenten aus 25 verschiedenen Ländern. Die Nachfrage erklärt sich dabei aus dem größten Vorteil einer Vorratsgesellschaft: Sie ist viel schneller startklar als eine Neugründung. Diese benötigt ca. 1-3 Monate, bis der Gründer am Ende tatsächlich loslegen darf.

Eine Vorratsgesellschaft können Sie hingegen bereits nach wenigen Tagen nutzen. Darüber hinaus ist eine Vorratsgesellschaft auch für Personen aus dem Ausland interessant, die in Deutschland eine Kapitalgesellschaft gründen möchten. Diese können bürokratische Hürden bei der Einzahlung des Stammkapitals (fehlendes deutsches Konto) umgehen und so unkompliziert starten.

Was unterscheidet die GmbH-UG.com von anderen Dienstleistern in diesem Bereich?

Kristof Tomasz: Wir gründen nicht nur Vorratsgesellschaften, sondern bieten zusätzlich einen Premium-Service. Unsere Kunden erhalten also eine Rund-um-Betreuung von der Reservierung der Gesellschaft über den Notartermin und die Gewerbeanmeldung bis hin zur Eintragung in das Transparenzregister und der Umschreibung des bereits eröffneten Geschäftskontos. Wir sorgen also dafür, dass alle wichtigen Schritte vollzogen werden und der Prozess reibungslos funktioniert. Ein nicht unerheblicher Teil unserer Vorratsgesellschaften verfügt zusätzlich bereits über eine Steuernummer und einen ELSTER-Zugang. Das minimiert die steuerliche Bürokratie zu Beginn und hilft letztlich dabei, dass sich die Gründer voll und ganz auf ihre Geschäftsidee konzentrieren können.

Zusätzlich entwickeln wir uns stetig weiter. Unsere neueste Entwicklung: Ein Online-Assistent, mit dem Gründer ihre GmbH-Satzung konfigurieren können. Auch hier ist wieder alles darauf ausgerichtet, dass der Aufwand bei der Übernahme der Gesellschaft minimiert wird.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

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