Co-Founder von Pexon Consulting Paul Niebler im Interview

Umstellung auf die Cloud im Mittelstand

Der fortschreitende digitale Wandel stellt viele Unternehmen vor Probleme, die zu einem drastischen, aber notwendigen Umbruch in der IT führen. Klassische Geschäftsfelder und Angebote richten sich immer mehr an den neuen Cloud Native Services aus, und die daraus folgende, zunehmende Komplexität der Applikations- und Infrastrukturlandschaften stellt eine immer wichtiger werdende Herausforderung da. Das Unternehmen Pexon hat sich zur Aufgabe gemacht, ihre Kunden im Wandel der Zeit bei der Modernisierung der IT zu unterstützen. Co-Founder Paul Niebler erzählt uns im Interview, welche Hürden zu meistern sind, aber auch welche Vorteile auf Unternehmen warten.

Stell dich bitte einmal kurz vor, mit deinem Namen und einer Zusammenfassung deines Werdegangs.

Hi, ich bin Paul Niebler. Ursprünglich habe ich BWL studiert und habe dann mit ca. 25 den Quereinstieg in die IT gemacht. Zwei Jahre später bin ich dann bei IBM gelandet und war dort in einem Team für Cloud Projekte zusammen mit dem anderen Pexon Gründer Phillip Pham. Das Potenzial der Cloud für Firmen und Deutschland wurde und dort klar, ebenso der massive Mangel an Fachkräften in dem Bereich und die einhergehende starke Nachfrage. Aus diesen Gedankengängen heraus haben wir dann Ende 2019 die Pexon Consulting gegründet, die sich auf Cloud Dienstleistungen fokussiert.

Fangen wir doch mit einer kurzen Einführung an: Was ist eigentlich „die Cloud“?

Die Cloud bietet IT-Ressourcen, wie Server und Datenbanken, zu einem flexiblen Preismodell. Statt einen Firmenwagen zu kaufen, ziehen viele Unternehmen ein Leasing vor, bei dem sich der Anbieter um alles kümmert. Genauso funktioniert es mit Servern. Der eigene Aufbau von Rechenzentren oder Serverräumen und das Verwalten dieser bringt hohe Kosten mit sich, durch die Nutzung von Cloud Services können sich Unternehmen besser auf ihre Kernkompetenzen fokussieren.

Wer kann von der Cloud profitieren und in welcher Weise?

Unternehmen aller Größen profitieren von der Cloud. Startups skalieren schneller, große Unternehmen können ihre IT vereinfachen und die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöhen. In der Cloud geborene Unternehmen wie Netflix oder AirBnB konnten durch die Nutzung von Cloud sehr schnell wachsen. Große Unternehmen haben oft eine sehr komplexe IT, die zu langsamen Prozessen führt. Wenn das Beantragen eines Datenbankservers zwei Wochen dauert, können die Entwickler noch so gut sein, das Unternehmen wird nicht so schnell Innovation vorantreiben wie es möglich sein könnte.

Wo stehen denn die meisten Unternehmen heute im Hinblick auf ihre Infrastruktur?

Junge Unternehmen und Startups bringen keine Altlasten mit und haben in der Regel automatisch eine moderne Infrastruktur. Jungen Firmen nutzen Tools wie Teams, Google Meet oder Slack, weil das inzwischen der Standard ist. Ist das Unternehmen größer, ist mehr Legacy Technologie vorhanden. So laufen die meisten Banken und Versicherungen noch immer mit COBOL auf Mainframes, was dazu führt, dass Banküberweisungen noch immer ein bis zwei Werktage dauern.

Je nach Statistik ist in Deutschland 70-80% der Infrastruktur noch auf eigenen Servern. Die meisten Unternehmen haben bereits Migrationsprojekte gestartet, der Umstieg wird aber noch viele Jahre andauern.

Warum spielt die Cloud heute eigentlich eine so tragende Rolle für die Wirtschaft?

Immer mehr Wertschöpfung ist digital und informationsbasiert. Der Digitalisierungsdruck wird immer stärker, nahezu alle Unternehmen sind gezwungen in Software zu investieren und digitaler zu werden. Covid hat den Prozess noch weiter beschleunigt, auch Schulen und Behörden waren auf einmal gezwungen, in ihre IT Infrastruktur zu investieren, um weiter remote funktionieren zu können. Wirtschaftlich hat sich das auch an der Marktkapitalisierung der großen Cloud Unternehmen gezeigt, der Umsatz der großen Cloud Providern ist nochmal weiter stark angestiegen. Microsoft Azure hatte zwischenzeitlich Probleme, neue Server bereitzustellen, weil die Anfragen so massiv angestiegen sind.

Was ist der Grund für das zögerliche Voranschreiten des deutschen Mittelstands in Sachen Digitalisierung?

Viele Bedenken und fehlendes Wissen. Wir benötigen in Deutschland mehr IT Fachkräfte mit entsprechendem Skillset und Mut zur Innovation. Es gibt hier nur wenige erfolgreiche internationale Softwarefirmen, eine SAP ist leider die Ausnahme. Die meisten Software die wir benutzen kommt aus den USA.

Wie sicher sind die in einer Cloud gespeicherten Daten?

Viele würden mir hier widersprechen: Sicherer als im eigenen Serverraum. Firmen wie Microsoft und Google beschäftigen eine hohe Anzahl an IT Sicherheitsexperten. Für gefunden Schwachstellen gibt es Bonusprogramme in 6-stelliger Höhe. Die IT Sicherheit wird doch ständig herausgefordert und weiterentwickelt.

Im Gegensatz dazu wird bei IT Projekten im eigenen Haus oft an der Sicherheit gespart, bis es zu spät ist. Auch das erforderliche Know-How, vor allem in mittelständischen Firmen, oft nicht vorhanden.

mt.

Wo liegen die größten Ängste, Probleme oder Hemmnisse von mittelständischen Kunden bei der Nutzung von Cloud-Services?

Neben dem praktischen Problem des IT Personals, das einen Umstieg in die Cloud bewältigen kann, besteht auch oft ein Misstrauen gegenüber den großen Public Cloud Anbietern aus den USA. Die eigenen Daten sind sehr schützenswert und ein Auslagern schafft ein ungutes Gefühl. Bei besonders sensiblen Daten, zum Beispiel von Banken oder Krankenhäusern, gibt es aber auch hier Lösungswege. Ein Beispiel sind Hybrid Cloud Lösungen, bei denen besonders sensitive Daten lokal gespeichert bleiben und nur ein Teil der Infrastruktur in die Cloud gebracht wird.

Welche Vorteile bietet die Umstellung auf die Cloud? Nenne uns 5 gute Gründe für die Umstellung auf die Cloud im Mittelstand.

Für mich ist der größte Vorteil der Fokus auf das Kerngeschäft. Ein Unternehmen will sich auf die eigenen Produkte und die Wertschöpfung für den Kunden konzentrieren und nicht nebenbei eine eigene IT Infrastruktur aufbauen und verwalten.

Weitere Vorteile sind geringere Ausfälle durch die Nutzung von regional verteilten Rechenzentren, eine schnelle Skalierung durch die sofortige Bereitstellung von neuen Servern und eine höhere Sicherheit. Nutzt man die Cloud Angebote richtig, insbesondere auch im Bereich Platform as a Service, spart man zudem auch noch Kosten im Vergleich zum eigenen Hosting.

Was würdest du Unternehmen allgemein raten, die künftig auf Cloud-Lösungen setzen möchten?

Es muss nicht gleich die ganze IT migriert werden, es kann einfach mit einem Testprojekt gestartet Es muss nicht gleich die ganze IT migriert werden. Ein Start mit einem Teilprojekt ist sinnvoll, um erste Erfahrungen zu sammeln. Wenn ein Unternehmen sich dann zu einer größeren Migration entschließt, ist es wichtig von Anfang an Hilfe zu holen. Ein bekannter Satz lautet „Cloud ist not about where you do computing, but how you do computing”. Konkret: Manche Unternehmen bauen ihre IT Landschaft einfach in der Cloud nach. Die gleichen Netzwerke, die gleichen Server, die gleichen Datenbanken. Bei diesem Vorgehen lässt man die Vorteile der Cloud außen vor. Bei einem Umstieg sollte auf eine cloud-native Infrastruktur geachtet werden. Beispiele sind das Containerisieren von Anwendungen, das Einsetzen von PaaS Services wie zum Beispiel Lambda Funktionen oder die Nutzung mehrerer Verfügbarkeitszonen um die Ausfallwahrscheinlichkeit zu minimieren.

Welche Hürden können mir als Unternehmen bei der Umstellung auf die Cloud begegnen und wie kann ich mich als Unternehmen darauf vorbereiten?

Die kleinere Hürde ist die technische. Ohne ein Konzept entstehen Fehler, die später teuer werden können. Wichtig ist ein klares Berechtigungskonzept bei dem jeder nur die nötigen Berechtigungen erhält. Außerdem sollte man sich eine Struktur überlegen. Wie werden Ressourcen gruppiert? Welche Abteilung oder Kostenstelle hat Verantwortung über welche Services? Auch einfache Themen wie ein einheitliches Namensschema sind sehr wichtig. Ich habe schon oft gesehen, wie das Ignorieren dieser Themen zu unnötig hohen Kosten geführt hat.

Die größere Hürde ist oft organisatorischer Natur. Die eine Abteilung will in die Cloud, die andere verteidigt ihre on-premise Server. Die nächste Abteilung baut eine DevOps Platform

auf, dem einen Team geht das zu langsam vorwärts und sie bauen ihre eigenen Pipelines. Das sehen wir bei Pexon Consulting oft, vor allem in großen Konzernen. Fehlt die einheitliche Umsetzung, führt das zu Ineffizienzen. Die Strategie muss als Firma definiert und dann einheitlich umgesetzt werden.

Welche Cloud sollte ich als Unternehmen nutzen und warum?

Die drei großen Public Clouds, AWS, Azure und Google Cloud, sind bei den wichtigsten Services sehr ähnlich. Die älteste und größte Cloud mit den meisten Services ist AWS. Wenn ein Unternehmen bereits viele Microsoft Dienste, wie zum Beispiel Windows Server oder Active Directory nutzt, bietet sich Microsoft Azure an. Google bietet einen sehr guten Kubernetes Service und eine einsteigerfreundliche Oberfläche

Welche Cloud benutzt wird, ist aber nicht entscheidend. Viel wichtiger ist es, die Vorteile einer cloud-nativen Architektur zu nutzen und nicht den Aufbau und Denkweise der eigenen IT blind nachzubauen, weil man das schon immer so gemacht hat.

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