Instagram VS Youtube

Instagram möchte mit seinem IG TV den Nutzern noch mehr Möglichkeiten bieten, Inhalte zu veröffentlichen und zu konsumieren. Weltweit zählt Instagram mittlerweile über eine Milliarde Nutzer, so der Mitbegründer und CEO von Instagram, Kevin Systrom. Bei dem neuen Feature von Instagram – Instagram TV – handelt es sich um eine eigenständige App, die analog einem TV-Sender funktioniert und es Nutzern möglich macht, Clips mit einer Länge von bis zu 60 Minuten, hochzuladen.

Nach der Vorstellung der neuen App mutmaßen die Medien – darunter auch Heise online – dass Instagram durchaus das neue Youtube werden könne. Und auch auf dem GoogleWatchBlog heißt es, dass Instagram mit IG TV Youtube mit neuer App und langen Videos herausfordere. Aus dem Grund stellt sich die Frage, was die App von Instagram kann, was Youtube bisher nicht konnte? Und das sind die Fakten:

Das zeichnet Instagram TV aus

Der Name der App „IG TV“ lässt sich zwar mit dem Fernsehformat assoziieren, allerdings ist das klassische Seitenverhältnis von 16:9 bei Instagram TV außen vor. Der Fokus in der App liegt aufgrund des primären Nutzerverhaltens auf dem vertikal dargestellten Content von 9:16. User können Videos von einer Länge von bis zu 10 Minuten hochladen. Nutzer mit einem verifizierten Account können sogar Videos mit einer Länge von bis zu 60 Minuten mit der App hochladen. Die Clips können entweder über die App oder über den Browser auf die Instagram-Plattform gepackt werden.

Was die Nutzung von Instagram TV angeht, ist folgendes festzustellen. Wird die App geöffnet, werden automatisch die Videos abgespielt. Die angezeigten Videos basieren auf den Nutzern, denen man in der Stories oder den Feeds folgt. Neues kannst du entdecken, indem du über die Suchfunktion oder das Empfehlungs-Feature gehst. Allerdings gibt es bei IG TV eine Einschränkung: Du kannst über die Suchfunktion Nutzer finden, spezielle Videos, Titel oder Themen kannst du nicht als Suchbegriff eingeben. Instagram legt hier den Fokus auf die Streaming-Erfahrung.

Wie sieht es mit den Einnahmen über die Businessprofile bei IG TV aus? Vom Mutterunternehmen Facebook waren bislang keine Pläne geäußert worden, was das Monetarisierungsmodell angeht. Wichtig sei in erster Linie, professionelle Instagramer bei ihrem Verdienst des Lebensunterhaltes und ihrer Karriere zu unterstützen. Im ersten Step von IG TV bleibt den Usern die Möglichkeit, in die Videobeschreibungen Links einzuarbeiten. Ansonsten sollen bei Instagram zukünftig neue Wege getestet werden, die die Nutzer weiterhin bei der Monetarisierung unterstützen würden.

Das zeichnet Youtube aus

Youtube ist die derzeit größte Videoplattform und zählt fast 2 Milliarden registrierte Nutzer. Dabei verwendet Youtube bei dem Player das Format 16:9. Entsprechen Videos nicht diesem Format, werden schwarze Balken am oberen und unteren Rand eingeblendet. Gerade Vlogs, Musikclips, Special-Interest-Formate oder Auszüge von Fernsehsendungen und -shows sind für dieses Format sehr gut geeignet. Hochladen kannst du das Video oder den Clip über die App oder den Browser. Bei Youtube spielt die Länge des Videos keine Rolle – es kann sich um ein kurzes Video, beziehungsweise ein Video über mehrere Stunden handeln.

Die Nutzerführung auf Youtube sieht dagegen ganz anders aus. Youtube setzt auf ein System von Einzelseiten und nicht auf Streaming oder Swipen, wie es Instagram macht. Über Youtube werden lediglich die Videos oder Clips abgespielt, die vom Nutzer ausgewählt und angeklickt wurden. Dabei basieren die vorgeschlagenen Videos auf kürzlich angesehenen Videos oder auf abonnierten Youtube-Inhalten. Youtube funktioniert wie eine Video-Mediathek, was die Suche nach Inhalten wesentlich einfacher macht. Zudem hast du die Möglichkeit, über die Suchfunktion nach Nutzern, Titeln oder Stichwörtern zu selektieren.

Bei Youtube hast du die Möglichkeit, durch ein Partnerprogramm die eigenen Videoinhalte finanzieren zu lassen, um anteilig an den Werbemaßnahmen beteiligt zu werden. Allerdings ist es in den letzten Jahren recht schwierig geworden, in die Partnerprogramme aufgenommen zu werden. Seit 2018 musst du, um am Partnerprogramm teilnehmen zu können, im Bewerbungszeitraum mindestens 1.000 Abonnenten vorzeigen können. Hinzu kommt eine Wiedergabezeit von 4.000 Stunden, die du innerhalb der letzten 12 Monate haben musst. Ist deine Registrierung am Partnerprogramm erfolgreich, erhältst du als Videoproduzent 55 Prozent der Werbeeinnahmen, Youtube die verbleibenden 45 Prozent. Du solltest wissen, dass sich die Einnahmen erst ab mehreren hunderttausend Klicks wirklich rechnen. Die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien in Offenburg hat festgestellt, dass man bei einer Klickanzahl von 1.000 gerade mal einen US-Dollar verdient.

Welches ist nun die bessere Plattform für Werbeeinnahmen?

Derzeit sehen die User auf IG TV noch keinen Euro für Instagram Stories oder Feeds. Dagegen können Youtuber bereits seit etlichen Jahren von Klicks profitieren und Werbeeinnahmen generieren. Vorerst bleibt bei IG TV ungewiss, ob die Nutzer an den Einnahmen beteiligt werden sollen.
Vielleicht ist die Ideen von IG TV diese: Durch lange Videoinhalte verbringen die Nutzer zukünftig viel Zeit in der App. Das hat zur Folge, dass der Wert der App steigt, wodurch Preise für die potentiellen Werbekunden eingebunden werden könnten.

So lange also Instagram TV noch keine konkreten Monetarisierungsmodelle präsentiert, ist dies als Schwachpunkt der Instagram App anzusehen und dies bedeutet, dass Youtube derzeit noch die bessere Wahl ist, um Werbeeinnahmen mit Videos und Clips zu generieren.

Instagram vs Youtube: Wer wird das Rennen machen?
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