Human Resources Hobbys

An der Relevanz von Hobbys in Bewerbungsgesprächen scheiden sich die Geister. Laut traditionellen Ratgebern sind sie überflüssig in deiner Bewerbungsmappe. Zahlreiche Karriereportale geben dir Antworten vor, mit denen du angeblich jeden Personaler überzeugen kannst.
Das Problem: Sowohl Ratgeber als auch Karriereportale verkennen, was Recruiter tatsächlich wollen. Denn wenn sie nach deinen Hobbys fragen, geht es ihnen um etwas ganz anderes.

Weshalb fragen Recruiter nach Hobbys?

Aber was steckt hinter dieser Frage? Insbesondere, wenn das bisherige Interview sehr gut verlief, kann das Interesse an deinen Hobbys dich als Bewerber aus dem Konzept bringen. Was haben schließlich deine Hobbys mit deinem (hoffentlich) neuen Job zu tun? Wenn du nicht gerade ein begnadeter Künstler bist und dich als Grafiker bewirbst, sollte es doch eigentlich egal sein, wie du deinen Feierabend verbringst.
Tatsächlich haben Hobbys keinen wirklichen Einfluss auf die Bewerbung. Laut der Karriereexpertin Alison Green sind sie niemals der Grund für eine Absage. Viel eher ist es die Art und Weise, wie du über dein Hobby redest, die überzeugt – oder auch nicht.
So sehen das auch Recruiter. Die Frage nach dem Hobby dient insbesondere einer Sache: Dich auf persönlicher Ebene kennenzulernen. Hier hast du die Chance, zu punkten und von dir als Mensch zu überzeugen. Immerhin geht es um etwas, das du aus Leidenschaft betreibst. Deshalb hören Recruiter hier genau hin: Wie sprichst du über etwas, das du sehr gerne tust? Bist du in der Lage, unverfänglich ein Gespräch zu führen?
Fragen wie die nach deinen Hobbys geben Recruitern wichtige Hinweise darauf, wer du bist. Dein zukünftiger Arbeitgeber möchte nicht nur eine neutrale Ansammlung von Fähigkeiten einstellen, sondern einen Menschen, der ins Unternehmen passt. Im lockeren Gespräch können sie dich kennenlernen. Und Hobbys sind ein gutes Thema, um ein wenig Smalltalk zu betreiben.

Gibt es „falsche“ Hobbys?

Musst du jetzt außergewöhnliche Hobbys haben, um zu überzeugen? Oder verdirbst du dir die Chancen auf den Traumjob, wenn der einzige Marathon, an dem du teilnimmst, ein Serien-Marathon auf Netflix ist? Kurzum: Was sind die richtigen Hobbys, um Personaler zu überzeugen? Wie kannst du am besten schon im Lebenslauf mit seltenen Hobbys neugierig auf dich machen?
An dieser Stelle kannst du beruhigt sein und getrost alle Listen mit „guten“ und „schlechten“ Hobbys vergessen. Da jeder Personaler andere Vorlieben hat, wäre es unmöglich, im Vorfeld zu wissen, mit welchem Hobby du punktest. Der eine ist ein begeisterter Sportler und versteht deine Leidenschaft fürs Joggen. Der nächste ist hingegen ein Hobbybastler und kann stundenlang mit dir über Modellbau fachsimpeln.
Es geht bei dieser Frage auch nicht darum, dass du Hobbys haben musst, die zu deinem angestrebten Job passen. Das kann ein Pluspunkt sein, ist aber keine Vorrausetzung für eine Einstellung.

Das Wichtigste: Bleibe ehrlich!

Das Schlimmste, das du tun kannst, ist, vermeintlich passende Hobbys auszuwählen und damit auftrumpfen zu wollen. Um sich von Mitbewerbern abzuheben, ist die Verlockung dazu sicherlich groß. Lass trotzdem die Finger davon. Zu einer guten Bewerbung gehört nämlich eines: Ehrlichkeit.
Denn Recruiter haben eine sehr gute Menschenkenntnis. Sie merken sofort, ob du tatsächlich Ahnung hast oder nur so tust. Und stell dir die peinliche Situation vor, dass der Recruiter nachfragt und dann herauskommt, dass du geflunkert und eigentlich gar keine Ahnung hast. Mit einer Lüge, die aufgedeckt wird, kannst du dir das beste Bewerbungsgespräch zunichtemachen.

Trotzdem wichtig: Die richtige Präsentation

Welche Hobbys du hast, ist also gar nicht so wichtig. Trotzdem solltest du die Frage nicht vorschnell als unwichtig abtun. In einem zeitlich begrenzten Bewerbungsgespräch würden Recruiter sie nicht immer wieder stellen, wenn sie bedeutungslos wäre.
Damit du mit deiner Antwort auch von dir überzeugen kannst, musst du ihr Substanz verleihen. Du ahnst es schon: „Ich lese gerne“ reicht alleine noch nicht wirklich aus.
Erinnere dich, es geht hier um ein lockeres Gespräch. Gibst du gute Antworten, muss der Recruiter nicht nachbohren in der Hoffnung, doch noch etwas Interessantes zu erfahren. Entsteht ein angenehmer und entspannter Austausch, spricht das eindeutig für dich als Bewerber. Denn nicht der Inhalt deiner Worte bleibt hängen, sondern das Gefühl, das du dadurch vermittelst.

Was bedeutet dir dein Hobby?

Spannend für Personaler ist die Frage, weshalb dich dein Hobby begeistert. Kriegst du hier neue Impulse, oder ist es deine Art, Dampf abzulassen? Welche Softskills erlernst du durch sie?
Bist du eine Leseratte, führe deine Antwort weiter aus: Welches Genre liest du gerne? Wie häufig liest du? Wer ist dein Lieblingsautor? Auf diese Weise unterfütterst du deine Antwort und, noch wichtiger, spielst den Ball zurück zum Recruiter. Jetzt kann er nachfragen und das Gespräch fortführen. Oder du wirst aktiv und fragst, ob er auch gerne liest.
Hobbys sind auch eine sehr gute Möglichkeit, subtil deine Stärken hervorzuheben. Du coachst in deiner Freizeit eine Jugendfussballmannschaft? Dann erwähne in ein, zwei Sätzen welche organisatorischen Aufgaben dazu gehören. Oder wie du das Team nach einer Niederlage motiviert und wieder aufgebaut hast.

Es geht hier um Persönlichkeit

Nicht jeder Mensch ist begnadet darin, Smalltalk zu führen. Und gerade in der nervenaufreibenden Situation eines Bewerbungsgespräches ist ein entspannter Plausch oftmals das Letzte, was man zustande bringt.
Wenn du zu den Menschen gehörst, die eher verschlossen sind, baue dies ins Gespräch ein. Personaler wissen, wie stressig eine Bewerbungssituation ist. Die ehrliche Aussage, dass du gerade sehr nervös bist, wird auf Verständnis stoßen. Spiegelt sich deine Introvertiertheit in deinen Hobbys wieder, kannst du auch dies positiv präsentieren: „Ich verbringe meine Freizeit gerne mit einem guten Buch, besonders historischen Romanen. So kann ich abschalten und meine Batterien wieder aufladen.“ Niemand erwartet von dir, ständig unter Menschen zu sein.
Mache dir auch bewusst, dass es bei der Frage nach deinen persönlichen Hobbys nicht darum geht, dich zu kritisieren. Der Recruiter möchte dich als Mensch kennenlernen, mehr nicht.

Human Resources: Darum fragen die besten Recruiter nach deinen Hobbys
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