Was kommt mit der Pflicht zur Arbeitszeiterfassung auf euch zu?

Pflicht zur Zeiterfassung kommt: Was bedeutet das?

Seit dem Urteil des EuGH im letzten Jahr herrscht Verunsicherung unter Arbeitgebern und Start-ups. Was kommt mit der Pflicht zur Arbeitszeiterfassung auf euch zu?

Die Hintergründe: das Urteil des EuGH

Bislang werden Arbeitszeiten eher oberflächlich erfasst. Handelt es sich laut Arbeitsvertrag beispielsweise um einen klassischen Nine-to-Five-Job, kommen und gehen Arbeitnehmer morgens und abends ungefähr zur gleichen Zeit. Ein leicht verspätetes Erscheinen ist ebenso wenig ein Problem wie früheres Gehen, zum Beispiel weil abends eine private Unternehmung ansteht. Dafür bleiben sie an einem anderen Tag länger im Büro oder – sofern möglich – holen die verlorene Zeit am Wochenende im Homeoffice nach.

In den letzten Jahren hat sich die Balance jedoch immer stärker zu unbezahlten Überstunden verschoben. In einigen Branchen gehört es zum guten Ton, morgens früh zu erscheinen und abends länger zu bleiben. Chefs erwarten, dass ihre Mitarbeiter abends und am Wochenende am Firmen-Smartphone erreichbar sind. Von der vereinbarten 38- und 40-Stunden-Woche bleibt nicht mehr viel übrig. Daran störte sich eine spanische Gewerkschaft, die gegen die spanische Niederlassung der Deutschen Bank vorging: Sie wollte eine exakte Erfassung der Arbeitszeiten erzwingen und so die Einhaltung der vereinbarten Regelarbeitszeit kontrollieren. Der Streit landete schließlich vor dem Europäischen Gerichtshof, der im Sinne der Gewerkschaft urteilte.

Stechuhr für alle: Was Arbeitgeber wissen müssen

Wann das EuGH-Urteil in Deutschland umgesetzt wird, ist derzeit noch nicht klar. Bekannt ist jedoch schon, dass die Art der Zeiterfassung egal ist, solange diese objektiv, verlässlich und zugänglich ist. Du musst also keine klassische Stechuhr mit Stempelkarten in deinem Büro anbringen. Die ideale Lösung für heutige Unternehmen ist eine leistungsfähige Software zur Zeiterfassung, die sich modular auf jedes Unternehmen anpassen lässt. Jeder Mitarbeiter trägt täglich seine Arbeitszeiten ein oder lässt sie unkompliziert an einem Terminal erfassen. Die Personalabteilung hat so im Blick, wer wie lange gearbeitet hat. Gerade für Start-ups ist es wichtig, auch die Heimarbeit zu erfassen. Setzt sich der Mitarbeiter am Freitagabend nochmal zu Hause an den PC, um ein Projekt abzuschließen, muss dies ebenfalls honoriert werden.

Überstunden bezahlen oder abfeiern

In Deutschland werden aktuell rund fünf Milliarden unbezahlte Überstunden im Jahr geleistet. Genau hier soll das Urteil des EuGH ansetzen und Erleichterung bringen. Mit Hilfe moderner Zeiterfassungssysteme kann jeder Arbeitnehmer seine Arbeitszeit in Zukunft viel besser kontrollieren. Überstunden müssen dann entweder bezahlt oder gegen zusätzliche Freizeit eingetauscht werden. Daneben soll die Zeiterfassung dokumentieren, dass Ruhepausen eingehalten werden. Denn eigentlich sollte nach dem Arbeitszeitgesetz zwischen Arbeitsende und dem nächsten Arbeitsbeginn eine 11-stündige Ruhezeit liegen. Damit wird es unmöglich für den Chef, den Mitarbeiter abends um 22 Uhr noch einmal aufzufordern, sich um eine aus den USA eingegangene E-Mail zu kümmern, wo der Arbeitstag noch nicht zu Ende ist.

Allerdings hat die Sache auch einen Haken: Viele Arbeitnehmer wissen die Flexibilität der Vertrauensarbeitszeit zu schätzen. Viele mögen es zum Beispiel, nachmittags früher zu gehen, um einen privaten Termin wahrzunehmen und dafür abends noch einmal zwei-drei Stunden zu arbeiten. Letztendlich wird sich zeigen, ob das Urteil eher Vor- oder Nachteile bringt. Bis dahin ist es für Arbeitgeber und Gründer auf jeden Fall sinnvoll, sich darauf vorzubereiten und mit dem Thema korrekte Zeiterfassung auseinanderzusetzen. So bist du gewappnet, wenn es soweit ist.

Bild: ©istock.com/busracavus

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Über den Autor

Autorenprofil: Sascha Ahlers

Sascha Ahlers

Sascha Ahlers ist Geschäftsführender Gesellschafter bei What The Funnel GmbH und war zuvor von 2017 bis 2019 zuständig für die Projektleitung von Gründer.de. Für diese Aufgabe hat er zuvor 10 Jahre Erfahrung in der Berliner Startup-Szene gesammelt und war dort vor allem für das Marketing zahlreicher Unternehmen verantwortlich. Seit 2014 ist er zudem selbst Gründer und unterstützt Startups und KMUs im Online-Marketing.

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