Gründer FAQ: So könnte sich die Gasknappheit aufs Arbeiten auswirken

Gaskrise: Darf ich meine Mitarbeiter ins Homeoffice schicken?

Der Ukraine-Krieg und damit einhergehende geringen Gasliefermengen aus Russland lassen die Gaspreise in Deutschland in die Höhe schnellen. Deutschland droht daher in diesem Winter ein Engpass bei der Gasversorgung. Kurz- und mittelfristig ist daher nicht mit sinkenden Preisen zu rechnen. Angesichts dessen denkt die Politik derzeit darüber nach, die Mitarbeiter wieder ins Homeoffice zu schicken. Damit könnten die Heizungen in Firmengebäuden heruntergedreht werden. Aber darfst du als Arbeitgeber deine Mitarbeiter ins Homeoffice schicken um Energie zu sparen?

Eines ist klar: Deutschland muss Gas einsparen, damit wir über den Winter kommen. Ein Notfallplan muss her. Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bringen nun eine Idee ins Gespräch: Arbeitnehmer sollen aufgrund der Gaskrise im nächsten Winter vom Homeoffice aus arbeiten. In der verstärkten Nutzung von Homeoffice sieht der Wirtschaftsminister eine Möglichkeit zum Energiesparen. Denn wenn keine Mitarbeiter im Büro sind, muss dieses auch nicht beheizt werden. Die FDP befürwortet diesen Vorschlag. Ob Arbeitnehmer dann auf eine finanzielle Entschädigung hoffen können, ließ Habeck zunächst offen.

Angestellte zahlen die Kosten

Doch nicht bei allen trifft die Idee von Habeck und der FDP jedoch auf Gefallen. Viele befürchten, dass die Arbeitnehmer auf den anfallenden Mehrkosten im Homeoffice sitzen bleiben. Das sei ungerecht: Immerhin würden die Angestellten die Ausgaben tragen, während die Unternehmen kosten sparen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert deshalb eigene Entscheidungsfreiheit darüber, ob Angestellte von zu Hause arbeiten möchten oder nicht.

Was darf ich als Arbeitgeber grundsätzlich bestimmen?

Du als Arbeitgeber darfst kraft deines Direktionsrechts gemäß § 106 GewO den Inhalt, Ort und die Zeit der Arbeitsleistung der Mitarbeitenden nach billigem Ermessen bestimmen. Der Arbeitsort ist dabei der Ort, an dem diese überwiegend ihrer Tätigkeit nachgehen. Normalerweise ist die Arbeit im Betrieb zu leisten. Möglich ist es auch, Arbeitnehmende an verschiedenen Orten zu beschäftigen oder den Arbeitsort frei wählen zu lassen. Entsprechende Regelungen sind im Arbeitsvertrag festzuhalten. Grundsätzlich gilt jedoch: Der Arbeitgeber hat einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.

Wann darf ich als Arbeitgeber Homeoffice anordnen?

Der Arbeitgeber darf also nicht einseitig entscheiden, ob jemand im Homeoffice arbeitet oder nicht. Du musst dich also entsprechend an den Arbeitsvertrag und das Arbeitsgesetz halten. Eine Homeoffice-Pflicht zum Energiesparen während der Gaskrise ist somit nicht erlaubt. Arbeiten im Homeoffice ist also nur einvernehmlich und nach Absprache möglich. Das heißt, es braucht ein Einverständnis sowohl von dir als Chef wie auch vom Arbeitnehmer.

Könnte die Politik ein entsprechendes Gesetz erlassen?

Allerdings kann die Bundesregierung grundsätzlich Energiesparmaßnahmen aufgrund der Gaskrise verordnen. Diese Möglichkeit regelt das Energiesicherungsgesetz. Auf dieser Grundlage ist es zum Beispiel denkbar, dass Vorgaben zu Mindesttemperaturen fürs Heizen in Büros abgesenkt werden. Aber auch das Energiesicherungsgesetz gestattet der Politik nicht Arbeitnehmer ohne weiteres ins Homeoffice zu schicken. Die eigenen vier Wände sind immerhin durch das Grundgesetz besonders geschützt. Artikel 13 Grundgesetz garantiert die Unverletzlichkeit der Wohnung. Zudem ist nicht erwiesen, dass auf diese Weise effektiv Energiekosten gesenkt werden können. Und nicht nur das: Eine gesetzliche Homeoffice-Pflicht würde ebenfalls deine verfassungsrechtlich geschützte Unternehmerfreiheit berühren. Die Auswirkungen einer Homeoffice-Verpflichtung sind also so wesentlich, dass mindestens die Verabschiedung eines formellen Gesetzes nötig ist.

Fazit: Trotz Gaskrise keine Homeoffice-Pflicht

Ganz gleich ob im Büro oder Zuhause: Die Energiepreise werden im kommenden Winter stark steigen. Erwartet wird einer Steigerung der Heizkosten für Gasheizungen um etwa 300 Prozent. Die Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro soll den Preisschock bei den Energiekosten zumindest etwas abmildern. Du als Arbeitgeber kannst selbstverständlich versuchen die Energiekosten durch verschiedene Maßnahmen zu senken. Eine Homeoffice-Pflicht ist jedoch nur in Absprache möglich.

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Häufige Fragen (FAQ) zu „Gaskrise und Homeoffice“

Was ist die Gasumlage?

Mit deutlich gesunkenen Gas-Lieferungen aus Russland sind die Energiepreise kräftig angestiegen und die ausgefallenen Mengen müssen nun ersetzt werden. Mit der Gasumlage will der Gesetzgeber Unternehmen bzw. Gasimporteure stützen. Dafür werden die dafür notwendigen Kosten an Verbraucher durchgereicht. Zum Beispiel: Eine Familie mit einem Verbrauch von 20.000 kWh pro Jahr wird wohl eine Umlage in Höhe von 520 Euro brutto zahlen.

Wird Gas nun noch teurer?

Der Krieg in der Ukraine und die politisch angespannte Lage zu Russland treibt die Gaspreise in die Höhe. Mit einer baldigen Erholung der Preise ist vorerst nicht zu rechnen.

Darf der Arbeitgeber Mitarbeiter ins Homeoffice schicken?

Homeoffice ist nur bei entsprechender Absprache zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erlaubt. Eine einseitige Verpflichtung durch den Arbeitgeber ist nicht zulässig. Das gilt auch, wenn er Homeoffice anordnet um Energiekosten aufgrund der Gaskrise zu sparen.

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Über den Autor

Autorenprofil: Luisa Kleinen

Luisa Kleinen

Luisa wurde 1996 in Bonn geboren und studierte nach ihrem Abitur Rechtswissenschaften mit Abschluss des ersten Staatsexamen (Schwerpunkt Internationales Strafrecht und Medienstrafrecht) an der Universität zu Köln. Parallel zu ihrem Studium war sie einige Jahre als Studentische Hilfskraft in der Forschungsstelle für Medienrecht an der TH-Köln tätig. Dadurch erhielt sie einen tiefen Einblick in das Medien-, IT- und Datenschutzrecht und sammelte erste redaktionelle Erfahrungen. Später arbeitete sie als Assistenz der Geschäftsführung in einem Gastronomiebetrieb und erweiterte hier ihre Kenntnisse im Personal- und Projektmanagement. Nach ihrem Praktikum in der Redaktion von Gründer.de, ist sie seit Juli 2022 als Junior Legal Managerin bei Digital Beat und Gründer.de tätig.

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