Die Voraussetzungen, Infos zur Kündigung sowie Vor- und Nachteile im Check

Betriebsratsgründung: Warum sich das Risiko für Angestellte lohnt

Der Betriebsrat setzt sich für die Rechte der Arbeitnehmer ein – so viel ist den meisten noch bekannt. Aber beim genauen Ablauf einer Betriebsratsgründung ist es dann schon schwieriger. Denn oftmals ist nicht klar, wann genau eine Betriebsratswahl stattfinden darf und welche Voraussetzungen dafür nötig sind. Viele Angestellte fürchten sich zudem vor dem ersten Schritt, weil sie negative Konsequenzen und einen hohen Aufwand fürchten. Deshalb erklärt der folgende Artikel die Aufgaben eines Betriebsrats, wie er sich gründen lässt, alle Besonderheiten zur Kündigungsfrist sowie die Vor- und Nachteile.

Definition Betriebsrat

In einem klassischen Arbeitsvertrag ist der Angestellte wirtschaftlich von seinem Arbeitgeber abhängig und besitzt dadurch automatisch eine schwächere Position. Zwar gibt es Arbeitnehmerschutzgesetze, doch die werden selten eingesetzt. Zum einen sind sie oftmals nicht exakt bekannt und zum anderen aus Angst vor negativen Konsequenzen. Der Betriebsrat springt in diesem Moment ein und kann die Interessen der Angestellten besser vertreten. Er ist sozusagen ein unabhängiger und gleichberechtigter Gegenspieler des Arbeitgebers und handelt nach dem Betriebsverfassungsrecht.

Wie der Name es schon vermuten lässt, wird er im „Betrieb“ gewählt und vertritt auch nur ein ausgewähltes Unternehmen. Seine Mitglieder dürfen von allen Angestellten gewählt werden, die zum Betrieb gehören und das 18. Lebensjahr erreicht haben. Diese Vorgabe gilt auch für die Kandidaten der Wahl, die ebenfalls 18 Jahre alt sein müssen und im Betrieb angestellt sind. Zudem darf die Betriebsratsgründung jederzeit stattfinden, es gibt also keine gesetzlichen Vorgaben für den Zeitpunkt.

Aufgaben eines Betriebsrats

Der Betriebsrat vertritt die Interessen aller Angestellten gegenüber dem Arbeitgeber. Ausgenommen hiervon sind nur die leitenden Angestellten. Prinzipiell sind damit die folgenden Aufgaben gemeint:

  • Der Betriebsrat kann und muss die Verschlechterungen der Situation der Beschäftigten abwehren.
  • Er kann sich bei Versetzung, Abmahnung, Kündigung usw. für die Angestellten einsetzen.
  • Der Betriebsrat überwacht, dass Gesetze, Verordnungen, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen eingehalten werden.
  • Er hat die Aufgabe, die Bedürfnisse besonders schutzbedürftiger Personen zu vertreten.
  • Die Regelung der Arbeitszeit kann er mit dem Arbeitgeber festlegen.
  • Er kann bei der Urlaubsplanung mitbestimmen.
  • Er hat die Aufgabe, die Durchsetzung der tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu garantieren.

Voraussetzungen einer Betriebsratsgründung

Wer glaubt, dass es sich bei einer Betriebsratsgründung um eine komplizierte Angelegenheit mit großen Hürden handelt, wird vom Betriebsverfassungsgesetz überrascht. Der allererste Paragraph lautet nämlich: „In Betrieben mit in der Regel mindestens fünf ständigen wahlberechtigten Arbeitnehmern…werden Betriebsräte gewählt.“ Diese Formulierung bedeutet allerdings nur, dass die Möglichkeit zur Wahl besteht. Und dass der Staat die Gründung eines Betriebsrats für angebracht hält.

Wie im ersten Paragraph schon angedeutet, braucht es für eine Betriebsratsgründung dann mindestens fünf wahlberechtigte Beschäftigte. Die Größe des Betriebsrats hängt dabei von der Größe des Betriebes ab: Sind somit weniger als 20 wahlberechtigte Angestellte vorhanden, besteht der Betriebsrat aus einem einzelnen Mitarbeiter. Ab 20 Wahlberechtigten steigt somit die Anzahl der Ratsmitglieder.

Mögliche Kündigung durch eine Betriebsratsgründung?

Es kann passieren, dass sich ein Arbeitgeber gegen eine Betriebsratsgründung wehrt und mit Konsequenzen oder sogar einer Kündigung droht. Deshalb gibt es auch einen Sonderkündigungsschutz für die Initiatoren einer Betriebsratswahl. Dieser Kündigungsschutz endet sechs Monate nach der Verkündung des Wahlergebnisses. Kommt die Wahl allerdings doch nicht zustande, dann dauert der Schutz bis drei Monate nach der Einladung oder Antragsstellung.

Wer inzwischen schon Wahlvorstand oder auch Betriebsratskandidat geworden ist, wird ebenfalls besonders vor Kündigungen geschützt. Denn bei jedem Betriebsratsmitglied ist nur noch die sogenannte „außerordentliche Kündigung“ möglich. Das heißt, nur wenn schwerwiegende Fehler vorliegen, lässt sich ein Betriebsratsmitglied entlassen. Will der Arbeitgeber dem Mitglied unabhängig davon kündigen, muss der Betriebsrat zustimmen oder er muss ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht einleiten.

Ablauf der Betriebsratsgründung

Wer sich dazu entschließt, eine Betriebsratsgründung durchzuführen, sollte dafür die drei folgenden Schritte beachten:

1. Die Initiative ergreifen

Drei Mitarbeiter sind mindestens nötig, um die Betriebsratswahl einzuleiten. Diese Mitarbeiter können auch Teilzeitkräfte oder Auszubildende sein. Wichtig ist, dass sie das 18. Lebensjahr erreicht haben. Die drei Initiatoren laden dann alle Mitarbeiter zu einer Betriebsversammlung ein, um ihr Vorhaben zu präsentieren. Dort werden dann auch drei Mitglieder des Wahlvorstands gewählt.

2. Die Organisation der Betriebsratswahl

Die Organisation der Betriebsratswahl ist die Aufgabe des Wahlvorstands, der aus drei Mitarbeitern besteht. Dieser Wahlvorstand muss dann zahlreiche Aufgaben zur Vorbereitung und Durchführung der Wahl bewältigen. Zum Beispiel existieren einige Formvorschriften, damit die Betriebsratsgründung danach auch offiziell anerkannt wird. Um keine Fehler zu machen und so womöglich die Wahl zu gefährden, lohnt sich eine entsprechende Fortbildung.

3. Die Vergabe des Betriebsratsamtes

Nachdem die Arbeitnehmer ihre Kandidatenvorschläge für den Betriebsrat eingereicht haben, folgt der Tag der eigentlichen Stimmabgabe. Danach müssen die Stimmen nur noch ausgezählt und das Wahlergebnis bekannt gemacht werden. Wie viele Mitglieder der Betriebsrat besitzt, hängt dabei von der Größe des Unternehmens ab. Die neu gewählten Mitglieder treffen sich dann zu einer „konstituierenden Sitzung“ und können anschließend sofort mit der Betriebsratsarbeit loslegen.

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Vorteile einer Betriebsratsgründung

Wer sich für eine Betriebsratsgründung entscheidet, kann somit insgesamt von den folgenden Vorteilen profitieren:

  • die Interessen der Arbeitnehmer lassen sich bei wichtigen Entscheidungen berücksichtigen
  • der Betriebsrat kann durch eigene Ideen die betrieblichen Abläufe verbessern
  • gutes Betriebsklima durch ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen den Angestellten und dem Management
  • bessere Mitarbeiterbindung, da neutrale Ansprechpartner vorhanden sind
  • Arbeitgeber können durch eine erfolgreichen Zusammenarbeit ihre Offenheit beweisen und für Motivation sorgen

Nachteile einer Betriebsratsgründung

Trotz der zahlreichen Vorteile sollten die folgenden Nachteile einer Betriebsratsgründung mit in die Entscheidung einfließen:

  • die Wahlvorbereitung ist komplex und setzt Wissen voraus
  • die persönliche Beziehung zwischen dem Arbeitgeber und seinen Angestellten kann darunter leiden
  • Konkurrenzkampf unter den Mitarbeitern bei der Wahl sorgt möglicherweise für schlechtes Arbeitsklima

Fazit

Die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile zeigt, dass die Betriebsratsgründung nur wenige Nachteile mit sich bringt. Sie lohnt sich deshalb auch für kleine Unternehmen und Startups, um die Kommunikation zwischen Arbeitgebern und Angestellten zu verbessern. Trotzdem braucht es dafür drei Initiatoren, die den ersten Schritt wagen und den Vorschlag im Unternehmen vorstellen. Die weiteren Schritte lassen sich dann mit den Kollegen abstimmen, um am Ende gemeinsam von einem anerkannten Betriebsrat zu profitieren.

Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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