Die wichtigsten Portale, Regeln und Vor- bzw. Nachteile

Arbeitgeber bewerten: Sinnvoll für Bewerber oder Unternehmen?

Der Chef ist nett, die Aufstiegschancen könnten besser sein, doch die Kollegen sind echte Teamplayer – so ungefähr könnte eine Arbeitgeberbewertung auf einem der zahlreichen Bewertungsportale aussehen. Diese Möglichkeit nutzen zum einen immer mehr Jobsuchende, um sich über ihren zukünftigen Arbeitgeber zu informieren. Aber auch für Arbeitgeber sind die Portale interessant, um ihr Image aufzubessern und mehr Bewerbungen zu erhalten. Der folgende Artikel erklärt deshalb, worauf es beim Arbeitgeber bewerten ankommt, stellt die wichtigsten Portale vor und erklärt die Vor- bzw. Nachteile.

Das Prinzip beim Arbeitgeber bewerten

Beim Arbeitgeber bewerten bekommen Mitarbeiter die Möglichkeit, im Internet anonym Erfahrungen zu ihrem Arbeitgeber zu veröffentlichen und konstruktives Feedback zu geben. Dadurch bekommen die Leser eine Orientierungs- und Entscheidungshilfe, um das potenzielle neue Unternehmen einzuschätzen. Andererseits bietet eine Arbeitgeberbewertung die Möglichkeit, seine eigene Attraktivität für potenzielle Bewerber zu steigern und auf öffentliche Bewertungen zu reagieren.

Für eine solche Bewertung existieren zahlreiche Portale, die die Erfahrungsberichte in verschiedene Kategorien einteilen. Mit dabei sind zum Beispiel das Arbeitsklima, Vorgesetztenverhalten, Work-Life-Balance, Gehalt etc. Aber auch die erlebten Bewerbungsgespräche lassen sich von einem Arbeitgeber bewerten, dazu gehört beispielsweise der generelle Umgang, die Wertschätzung oder die Feedbackzeit. Als System wird für die Arbeitgeber Bewertung herbei entweder ein Punkte- oder Notensystem verwendet, oftmals sind aber noch zusätzliche Bemerkungen durch ein Textfeld möglich.

Die 4 wichtigsten Portale, um Arbeitgeber zu bewerten

Es existieren zahlreiche Plattformen für das Arbeitgeber bewerten, allerdings konnten sich die vier folgenden Portale insgesamt durchsetzen und bieten daher die meisten Arbeitgeberbewertungen:

kununu

Das Bewertungsportal kununu wurde 2007 gegründet und ist mit über 900.000 Unternehmensprofilen und mehr als 4 Millionen Bewertungen Marktführer unter den Portalen beim Arbeitgeber bewerten. Die Bewertungen sind dabei für die drei Kategorien Arbeitgeber, Bewerbung und Ausbildung und anhand eines fünf-Punkte-Systems möglich. Die Arbeitgeberbewertung erfolgt dann anhand von 13 Kriterien, zum Beispiel zur Arbeitsatmosphäre, den Gehalt- und Sozialleistungen oder dem Kollegenzusammenhalt.

Jobvoting

Das Bewertungsportal Jobvoting wurde 2006 gegründet und ermöglicht Arbeitgeberbewertungen per Sternebewertung. Dafür sind sieben Kriterien vorhanden, zum Beispiel Kollegen, Vorgesetzte, Entlohnung und Karriere. Die Plattform bietet ein Ranking der bewerteten Unternehmen und zeichnet zudem den Arbeitgeber des Jahres aus. Momentan sind ca. 100.000 Unternehmen dort registriert. Für Arbeitgeber ist es hier ebenfalls möglich, ein Profil anzulegen und freie Jobs anzubieten.

glassdoor

Das Bewertungsportal glassdoor wurde ursprünglich für den US-amerikanischen Raum konzipiert, ist seit kurzem jedoch auch in Deutschland aktiv und konnte dank eines großen Budgets auch schon viele Nutzer generieren. Diese Nutzer können die Arbeitgeber oder das Vorstellungsgespräch anhand eines 5-Punkte/Sterne-Systems bewerten. Außerdem wird eine Weiterempfehlungsquote und eine Bewertung des Geschäftsführers errechnet. Der Gesamttrend aller Bewertungen lässt sich zudem auf einer Zeitachse nachverfolgen.

MeinChef

Das Portal wurde 2010 gegründet und es ermöglicht eine Arbeitgeberbewertung anhand einer 5-Punkte-Skala. Die unterschiedlichen Kategorien, zum Beispiel Kollegen, Arbeitsbedingungen oder Chancengleichheit, werden nochmals in Unterkategorien unterteilt. Dadurch lassen sich dann auch Aussagen wie „ergonomische Arbeitsplätze sind gegeben“ und „Kollegen fühlen sich als Team“ bestätigen. Dadurch wird die Übersicht beim Arbeitgeber bewerten verbessert.

Die Regeln beim Arbeitgeber bewerten

Eine Arbeitgeberbewertung ist eine subjektive Schilderung der Ereignisse und damit gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung. Trotzdem gibt es dabei ein paar Regeln zu beachten, damit die Bewertung so auch vom Arbeitgeber und den Nutzern akzeptiert wird.

  • Nur eigene Eindrücke schildern: Generalisierungen vermeiden, immer aus der eigenen Sicht formulieren.
  • Keine Namen nennen: Auch auf Vornamen und Berufsbezeichnungen beim Arbeitgeber bewerten verzichten.
  • Betriebsgeheimnisse sind tabu: Auch wenn die Methoden nicht gefallen, dürfen keine Infos über interne Vorgänge ins Internet gestellt werden.
  • Keine rufschädigenden Aussagen: Für jede Behauptung braucht es Fakten und es lohnt sich zu überdenken, ob die negative Kritik tatsächlich in einer Arbeitgeberbewertung auftauchen sollte.
  • Auf die Wortwahl achten: Trotz einer schlechten Erfahrung sollte die Wortwahl sachlich, konstruktiv und vor allem respektvoll bleiben.

Insgesamt lohnt es sich, diese Regeln beim Arbeitgeber bewerten einzuhalten, um keine unerwünschten Reaktionen auszulösen. Denn obwohl die Arbeitgeberbewertungen anonym sind, lassen sich durch zu viele Details umso leichter Rückschlüsse auf eine bestimmte Person ziehen.

Vorteile beim Arbeitgeber bewerten

Die Portale für Arbeitgeberbewertungen sind sehr beliebt und täglich kommen neue Nutzer hinzu. Deshalb lohnt es sich, die Vorteile beim Arbeitgeber bewerten zu betrachten.

Transparenz

Bewertungsportale sorgen für Transparenz. Das hilft einerseits dem Bewerber, der sich auf Jobsuche befindet. Aber auch Arbeitgeber profitieren davon, denn sie bekommen die Möglichkeit, Fragen und Meinungen der Kandidaten sowie der Bewerber und Mitarbeiter besser zu verstehen.

Employer Branding

Durch die Arbeitgeberbewertungen kann das sogenannte Employer Branding positiv beeinflusst werden. Das bedeutet, wer nach dem Arbeitgeber bewerten auf Aussagen eingeht und Fragen beantwortet, unterstützt seine positive Außenwahrnehmung. Diese Wahrnehmung wirkt sich dann wiederum auf eine höhere Anzahl an Bewerbungen aus.

Kommentarfunktionen

Damit sich Bewerber nicht direkt von negativen Firmenbewertungen abschrecken lassen, lohnt es sich, die Kommentarfunktion zu nutzen. Zum Beispiel können sich Arbeitgeber für positive Bewertungen bedanken und bei negativen Arbeitgeberbewertungen dagegen versprechen, sich darum zu kümmern. Generell hinterlässt es beim Arbeitssuchenden einen guten Eindruck, wenn sich ein Unternehmen aktiv um jede Stellungnahme bemüht.

Beantwortung von Fragen

Oftmals tauchen im Bewerberprozess Fragen auf, die die Firmenwebsite nicht beantworten kann. Deshalb bietet es sich an, die Fragen zum Unternehmen auf den Portalen zu beantworten. Somit zeigt das Unternehmen, dass jede Frage beim Arbeitgeber bewerten ernst genommen wird und die Jobsuchenden können gleichzeitig das Unternehmen besser kennenzulernen.

Nachteile beim Arbeitgeber bewerten

Trotz der zahlreichen Vorteile, ergeben sich auch die folgenden Nachteile beim Arbeitgeber bewerten:

Die Bewertungen sind dauerhaft

Die Bewertungen lassen sich auf den Portalen nicht manuell löschen oder ändern. Das hat den Vorteil, dass geschilderte Abläufe glaubhafter erscheinen, gerade weil Unternehmen nicht einfach jede Kritik löschen können. Allerdings hat es auch zur Folge, dass schlechte Bewertungen dauerhaft auf dem Profil bestehen bleiben. Umso wichtiger ist es deshalb, auf die Kritik zum Beispiel in Form von Kommentaren einzugehen und Stellung zu nehmen.

Falsche Informationen

Die Portale bemühen sich darum, unechte Kommentare beim Arbeitgeber bewerten zu löschen. Doch trotzdem ist es möglich, dass ehemalige Mitarbeiter ihren Frust ablassen oder gerade beförderte Personen eine ausgiebige positive Bewertung hinterlassen. Beide Kommentare entsprechen dabei möglicherweise nicht dem Alltag, deshalb lohnt sich ein Blick auf den Gesamteindruck.

Schwerer Einstieg

Jedes Portal ist anders aufgebaut und bietet unterschiedliche Chancen bzw. Risiken. Deshalb ist es wichtig, sich mit jedem Bewertungssystem zu beschäftigen, um auf die einzelnen Faktoren reagieren zu können. Dieser Einstieg kann zu Beginn etwas komplex erscheinen, doch jedes Portal besitzt auch Hilfe-Seiten und einen Kundenservice, der den Einstieg erleichtern kann.

Fazit

Für Arbeitgeber sind Portale für Arbeitgeberbewertungen eine gute Möglichkeit, um das Image des eigenen Unternehmens zu stärken und Bewerber zu überzeugen. Dabei ist es jedoch wichtig, konstruktiv auf Kritik zu reagieren und nach Lösungen zu suchen. Aber auch für Jobsuchende lohnt sich der Blick auf ein solches Portal, um sich vorab zu informieren. Wer aktiv einen Arbeitgeber bewerten möchte, sollte sich hingegen auf sachliche Aussagen fokussieren, denn nur so wirkt die Stellungnahme glaubhaft und löst im Nachhinein keine unangenehmen Diskussionen aus.

Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.