Wie wichtig ist deine Unternehmerpersönlichkeit wirklich?

Unternehmerpersönlichkeit – warum Gründer sie nicht so wichtig nehmen sollten

Braucht es eine bestimmte Persönlichkeit, um als Unternehmer erfolgreich zu sein? Und wenn ja, wie sähe die wohl aus, welche Eigenschaften und Fähigkeiten gehörten dazu, welche nicht – und was heißt überhaupt „erfolgreich“? Oder ist es vielleicht an der Zeit, mit der Vorstellung einer „Unternehmerpersönlichkeit“ aufzuräumen? Was würde das dann für die modernen Gründer und das Bild von ihnen als Unternehmer bedeuten?

In jedem Fall kann es nicht der schlechteste Ansatz sein, in einem vielfältigen Umfeld wie der Gründerszene eine Begrifflichkeit genauer zu beleuchten, die vor allem zum Schwarz-Weiß-Denken animiert. „Unternehmer ist man oder eben nicht“, das scheint kein Denkansatz zu sein, der dem Potenzial der Startup-Gemeinschaft heute noch gerecht werden kann.

Die Eignung zum (erfolgreichen) Gründer

Es ist nicht sonderlich schwer, selbst mit einer vergleichsweise kurzen und oberflächlichen Internet-Recherche zwischen fünf und 20 Eigenschaften zu finden, die – in weitgehendem Konsens – ein Gründer vorweisen sollte. Tatsächlich ist es nicht ganz falsch, dass es für den Aufbau eines Unternehmens und dessen längerfristigen Erhalt mehr notwendig ist, als Kreativität, um sich eine spannende Geschäftsidee auszudenken. Niemand wird in Abrede stellen wollen, dass es verschiedenste Faktoren gibt, durch die ein Gründer mit seiner Art über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann.

Was es allerdings zu hinterfragen gilt ist, ob sich daraus schon eine Unternehmerpersönlichkeit ableiten lässt, die gewissermaßen der alleinige Maßstab für den Unternehmenserfolg ist. Dazu ist es notwendig, grundsätzlich zu klären, was genau eine Unternehmerpersönlichkeit überhaupt ist. Die Psychologie, genauer gesagt, die ökonomische Psychologie hat darunter solche Eigenschaften zusammengefasst wie Leistungsmotivation, Machtmotiv und Unabhängigkeit.

Die Überschneidungen mit der Leistungs-Motivations-Theorie, die zu Beginn der 1960er vom US-amerikanischen Verhaltens- und Sozialpsychologen David Clarence McClelland aufgestellt wurde, sind kein Zufall. McClelland ging davon aus, dass die menschliche Motivation vor allem durch drei Bedürfnisse beeinflusst wird:

  • das Streben nach Erfolg
  • das Streben nach Macht
  • das Streben nach Zugehörigkeit

Das erste Bedürfnis umschreibt das Leistungsmotiv, das unter ökonomischen Gesichtspunkten besonders wichtig ist. Immerhin beinhaltet es etwa das Streben nach Effizienz und Nutzenmaximierung, also Eigenschaften, die ein wahrer homo oeconomicus klassischerweise vorweisen können sollte. Gleichzeitig kann man wohl davon ausgehen, dass Unternehmer hinsichtlich der beiden Ausprägungen dieses Bedürfnisses (Hoffnung auf den Erfolg, Angst vor dem Misserfolg) in erster Linie von der Erwartung des Erfolges getrieben sind.

Die Zahlen müssen stimmen, wenn das Leistungsmotiv das Sagen hat.

Hinzu kommt häufig ein mehr oder weniger ausgeprägtes Machtstreben, das wie das Leistungsmotiv eine ambivalente Eigenschaft ist. So geht es zwar durchaus um Konkurrenzdenken und den Wunsch nach Überlegenheit, allerdings gehören ebenso Kooperation und Anpassung dazu. Das kann trotzdem nicht über den vorrangigen Wunsch hinwegtäuschen, einen bestimmten Grad der Kontrolle über das Verhalten anderer erlangen zu wollen.

Beinahe gegensätzlich muss es einem vorkommen, dass auch die soziale Initiative, das Streben nach Zugehörigkeit und Gesellschaft einen Teil der Unternehmerpersönlichkeit ausmacht. Natürlich ist Hierarchie- und Konkurrenzdenken nur innerhalb einer Gruppe von Menschen sinnvoll, aber für den Unternehmer geht es schließlich auch darum, die richtigen Leute zu kennen, die richtigen Netzwerke aufbauen zu können. Hierzu ist es wiederum notwendig, mit einem gewissen Hang zur Geselligkeit ausgestattet zu sein.

Wie sich das Zusammenwirken dieser Motive auf das Führungsverhalten auswirken kann, ist im Übrigen Thema einer wissenschaftlichen Untersuchung, deren Ergebnisse Marco R. Furtner vom Psychologischen Institut der Universität Innsbruck vorgelegt hat. Eine Arbeit, die für Gründer, die Mitarbeiter anleiten sollen, sicher nicht uninteressant ist.

Wo die Probleme anfangen

Schon am Beispiel von McClelland lässt sich aufzeigen, wie schwierig es werden dürfte, so etwas wie eine homogene Unternehmerpersönlichkeit zusammenzufassen. Die Auseinandersetzung offenbart nicht nur den Facettenreichtum an Eigenschaften, die es im unternehmerischen Milieu braucht, sondern auch dessen Widersprüchlichkeit.

Vielfach wird davon ausgegangen, dass unternehmerischer Erfolg und bestimmte Konstellationen der Big Five-Persönlichkeitsfaktoren unmittelbar zusammenhängen.

Das wird auch kaum besser, wenn man einen anderen Ansatz zu Rate zieht, um mögliche Indikatoren für eine Unternehmerpersönlichkeit ausfindig zu machen. Dabei sind die Big Five der Persönlichkeitsfaktoren ein anerkanntes Modell, um eine umfassende Beschreibung der menschlichen Persönlichkeit zu liefern, basierend auf empirischen Untersuchungen von Persönlichkeitsmerkmalen.

Exkurs: Ausgangspunkt für den Big Five-Ansatz ist die sogenannte „lexikalische Hypothese“. Nach dieser können alle wichtigen Persönlichkeitsaspekte aus den Eigenschaftswörtern einer Sprache gefiltert werden. Dazu werden diese zunächst zusammengetragen und zu einer Selbst- und Fremdbeschreibung von Personen an Studienteilnehmer weitergegeben. Mittels einer Faktorenanalyse gelangt man schließlich zu den Eigenschaftswörtern, mit denen gleiche Persönlichkeitsfaktoren umschrieben werden.

Die Big Five der Persönlichkeitsfaktoren bestehen aus:

  1. Neurotizismus, was die emotionale Stabilität beschreibt, also ob die Neigung eher zu Ruhe und Gelassenheit oder Ängstlichkeit und Traurigkeit geht.
  2. Extraversion, also die Neigung zu Geselligkeit und Optimismus.
  3. Offenheit für Erfahrung, worunter Eigenschaften wie Wissbegierde oder das Interesse an allem Neuen fallen.
  4. Verträglichkeit als sozialem Faktor, zu dem die Neigung zum Altruismus, zur Kooperation und eine gewisse Nachgiebigkeit gehören.
  5. Gewissenhaftigkeit, was mit Diszipliniertheit, einer hohen Leistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit verbunden wird.

Das ist prinzipiell der Standard, an dem sich die Persönlichkeitsforschung orientiert, wenn auch bisweilen in Abwandlungen (zum Beispiel mit mehr oder weniger Eigenschaften). Sie haben außerdem eine gewisse Aussagekraft bezüglich des Zusammenhangs zwischen Persönlichkeit und unternehmerischem Erfolg – je höher die Werte bei Offenheit, Gewissenhaftigkeit, emotionaler Stabilität und Extraversion, so haben Beobachtungen gezeigt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit des Erfolges.

Die Frage, die sich nun im Zusammenhang mit den Gründern unserer Zeit stellt, ist jedoch: Sind diese nach einem klassischen Modell, wie dem von Joseph Schumpeter, überhaupt noch als Unternehmer nach dessen Verständnis durch? Oder anders gefragt: Was hatten Schumpeters Unternehmer, was heutige Gründer womöglich nicht mehr haben?

Gemäß der Theorie des in Österreich geborenen Ökonomen zeichnet sich ein dynamischer Unternehmer dadurch aus, dass er sich auf seiner wirtschaftlichen Position nicht ausruht, sondern diese durch Innovation zu verbessern versucht. Die Leistungsmotivation (und gleichzeitig die Gewinnmotivation) rührt bei ihm von dem Wunsch her, die Bedürfnisbefriedigung der Konsumente mit den kleinstmöglichen Produktionskosten erreichen zu können. Innovation und Wachstum sind die Eckpfeiler dieses Unternehmertums, das bei Schumpeter noch erweitert wird durch den Gedanken, den aufgebauten Betrieb irgendwann in die Hände eines Nachfolgers geben zu können.

Immer höher hinaus, immer besser als die Konkurrenz – das treibt den dynamischen Unternehmer an.

Ungeachtet des Eindrucks in denen Gründer mit exorbitanten Gewinn- und Wachstumsprognosen aufwarten und so zumindest scheinbar im Geiste Schumpeters handeln – für die meisten Gründer geht es in erster Linie um den Schritt in die Selbständigkeit. Sie wollen „ihr Ding“ durchziehen, ihre Ideen verwirklichen, endlich das tun, was ihnen Spaß machen und dabei von niemand anderem mehr Anweisungen entgegennehmen. Die ein funktionsfähiges Unternehmen schaffen wollen und keines, das wirtschaftlich „durch die Decke geht“.

Ist es unter diesen Voraussetzungen nicht obsolet, immer noch auf einer Unternehmerpersönlichkeit zu beharren, wenn diese Art zu denken für die meisten Gründer/Unternehmer/Selbständige auf den ersten Blick gar keine wirkliche Relevanz mehr hat? Nicht unbedingt, denn auch wer eine Existenz gründet, um sich vornehmlich mit sich selbst und seiner Arbeit auseinandersetzen zu müssen und dabei erst einmal gar nicht Erwägung zieht, diese Existenz zu etwas Größerem zu machen, darf nicht blauäugig vorgehen.

Die Sache mit der Persönlichkeitsentwicklung

Das gilt im Übrigen in vielerlei Hinsicht, wobei die Unternehmerpersönlichkeit als Eignungsmaßstab und vermeintlicher Erfolgsgarant ganz besonders kritisch betrachtet werden muss. Die Gründe hierfür sind folgende:

Es gibt ohne Frage eine Reihe von Eigenschaften, die es für die Unternehmensführung – ganz gleich, wie groß oder klein dieses Unternehmen ist – braucht oder die zumindest vorteilhaft sind. Die müssen aber nicht zwingend auf die Persönlichkeit beschränkt sein. An dieser Stelle ließe sich eine fast beliebig lange Liste von Eigenschaften aufführen, die allgemeinhin als Voraussetzung für das Gründen betrachtet werden.

Von der Geschäftsidee bis zur Gründung haben junge Unternehmer viel Zeit, ihre Persönlichkeit entsprechend der Erfordernisse zu entwickeln.

Manche dieser Eigenschaften sind auf den ersten Blick recht abstrakt, wie die intrinsische Motivation etwa oder die Befähigung zu konstruktiven Problemlösungsstrategien. Andere scheinen da klarer, wie Risikobereitschaft – immerhin ist es grundsätzlich ein Wagnis, den Schritt in die Selbständigkeit zu tun. Das ist es umso mehr, wenn die Gewissenhaftigkeit fehlt, sich mit den vorher zu vollziehenden Schritten auseinanderzusetzen. Die wiederum ist nur bedingt hilfreich, wenn die Kreativität für eine interessante Geschäftsidee fehlt.

Viele dieser Eigenschaften lassen sich leicht auf das Big Five-Modell zurückführen und ebenso leicht lässt sich darüber vergessen, dass es neben den (zahlreichen) psychologischen Faktoren eine mindestens genauso große Zahl an Voraussetzungen gibt, die ebenfalls ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmens sein können: eine solide Ausbildung etwa oder Berufserfahrung, Startkapital, grundlegendes Wissen in Sachen Buchführung oder ein generelles Verständnis für die Funktionsweise wirtschaftlicher Zusammenhänge. Alles Dinge, die eher nicht durch Persönlichkeitsfaktoren erfasst werden, aber zum Gründen unerlässlich sind.

Keine Unternehmerpersönlichkeit ist statisch

Was alle diese Voraussetzungen und Eigenschaften wiederum gemeinsam haben, was durch Persönlichkeitstest und Modelle aber nicht abgebildet werden kann: Sie können sich verändern. Die Betrachtungsweise der Unternehmerpersönlichkeit ist viel zu oft noch bestimmt von dem Gedanken, dass die damit verbunden Eigenschaften entweder vorhanden sind – oder eben nicht. Tests für potenzielle Gründer, fragen in erschreckender Knappheit ab, ob die erforderliche Eignung der Persönlichkeit für die Selbständigkeit vorliegt.

Dabei kann ein solcher Test bestenfalls eine Momentaufnahme sein (und selbst die wäre nicht ansatzweise vollständig). Wo bleibt denn in dieser Konstellation der notwendige Raum, um Fähigkeiten und Eigenschaften zu entwickeln? Die irrige Annahme von Eignungstests – die im Übrigen auch beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zwecks Entscheidungsfindung absolviert werden können – ist ja schlicht und ergreifend, die Unternehmerpersönlichkeit mit all ihren Eigenschaften sei entweder vorhanden oder nicht.

Am Computer und mit Online-Tests lässt sich nur in begrenztem Maße herausfinden, ob man zum Unternehmer/Gründer tatsächlich geeignet ist.

Entweder ist man also ein Unternehmer, dann steht der Gründung und dem Erfolg nichts im Wege, oder man ist kein Unternehmer. In diesem Fall, so scheint es, müssten viele innovative Geschäftsideen bereits im Vorfeld abgeschrieben werden, weil offenbar die unternehmerische Eignung fehlt, sie mit Erfolg zu verwirklichen. Dabei ist es doch gerade die Grundidee hinter Startups – sofern sie nicht in erster Linie darauf hinauslaufen, eine wohlvertraute Tätigkeit nun nicht mehr als Angestellter, sondern als Selbständiger auszuüben –, etwas vollkommen Neues zu schaffen.

Ausgehend von der Idee für eine neue Dienstleistung oder ein neues Produkt beginnen in vielen Fällen ja erst die Überlegungen, ob diese Idee überhaupt in ein Geschäftsmodell übertragbar ist – und ob das mit den eigenen Mitteln machbar ist. Ist für die nächsten Schritte zwingend eine Unternehmerpersönlichkeit notwendig, sofern es sie überhaupt gibt? Höchstwahrscheinlich nicht, aber das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

  • Zum einen geht es um den persönlichen Antrieb, eine Idee weiterzuentwickeln und ein Geschäft daraus zu machen. Wie oben bereits angedeutet wurde, muss dieser Antrieb nicht unbedingt in der Schumpeter’schen Vorstellung eines leistungs-, wachstums- und gewinnorientierten Unternehmers liegen. Selbstverwirklichung kann ebenso gut ein wichtiger Antriebsgrund sein.
  • Der andere Grund ist darin schon implizit enthalten, denn Erfolg – persönlicher oder Unternehmenserfolg – liegt letztlich im Auge des Einzelnen. Es muss nicht immer jede Geschäftsidee global gedacht werden, es muss nicht immer um stetige Verbesserung und das Überflügeln der Konkurrenz gehen. Das macht viele der heutigen Gründer nicht weniger zu Unternehmern, es gelten für sie nur andere Maßstäbe.

Die eigene (Unternehmer)Persönlichkeit entwickeln

An dieser Stelle kann also festgehalten werden, dass es so etwas wie eine inhärente, von Anfang an vorhandene Unternehmerpersönlichkeit nicht gibt und die Begrifflichkeit unter den besonderen Voraussetzungen heutiger Existenzgründungen ohnehin als inadäquat betrachtet werden muss. Das heißt gleichwohl nicht, dass es nicht durchaus Eigenschaften gibt, die für einen Gründer, ganz gleich wie groß das von ihm angestrebte Geschäftsmodell werden soll, von Vorteil sind (wie sie im Übrigen für jeden Berufstätigen von Vorteil sein können, ob angestellt oder selbständig).

In unserem Beitrag „Hast du das Gründer-Mindset in dir?“ erläutert Christian Neumann beispielsweise, wie wichtig die richtige Denkweise für Gründer ist. Wichtig ist aber auch zu wissen, dass diese Denkweise nicht zur Grundausstattung eines Gründers gehören muss, denn jeder kann sie sich aneignen. Wer der mitgelieferten Anleitung folgt und die angeführten sieben Faktoren beherzigt, dürfte es auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmertum deutlich leichter haben.

Ganz gleich, ob man es Unternehmer- oder Gründerpersönlichkeit nennt, es besteht immer die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Das gilt für Fähigkeiten genauso wie für die Persönlichkeit oder – wie in diesem Fall – die Art und Weise zu denken.

Trotz allem – die wichtigsten Voraussetzungen

Der Mindset-Beitrag verweist aber gleichzeitig auch auf einige „Eckpfeiler“, auf denen eine Gründerpersönlichkeit ruhen sollte – unabhängig davon, wie weit sie bereits entwickelt ist. Offenbar geht es am Ende doch nicht ohne eine gewisse „Grundausstattung“. Das soll hier auch keineswegs abgestritten werden, denn ungeachtet empirischer Belege sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass bestimmte Eigenschaften dabei helfen, ein Geschäft aufzubauen, am Leben zu halten und vielleicht doch zu vergrößern.

Die richtige Denkweise, die richtige Motivation oder Stressresistenz – welche Eigenschaften machen denn nun einen erfolgreichen Unternehmer aus?

Nur zum Verständnis sei noch einmal wiederholt, dass die nachfolgend aufgelisteten Eigenschaften und Persönlichkeitsfaktoren zwar vorteilhaft, aber bei weitem keine Ausschlusskriterien für eine Existenzgründung sind. Es geht dabei auch nicht um die Frage, ob Persönlichkeitsfaktor XY vorhanden ist oder nicht, vielmehr sollten sich angehende Gründer fragen, wie weit dieser Faktor bei ihnen entwickelt ist – und wie weit er noch entwickelt werden kann.

  1. Intrinsische Motivation

Kann auch mit der Fähigkeit zur Selbstmotivation umschrieben werden. Das heißt, anders als bei McClelland speist sich die Motivation nicht aus dem Streben nach Leistung, Macht oder sozialer Anerkennung, sondern aus der gestellten Aufgabe (und deren Lösung) selbst.

  1. Selbstwirksamkeit

Wer den Schritt hin zu einer Gründung wagt, muss über ein Mindestmaß an Selbstwirksamkeit verfügen. Denn hinter dieser Entscheidung steht normalerweise die Erkenntnis und Überzeugung, dass nur durch das eigene Handeln etwas bewegt werden kann. Auf der anderen Seite kann die Selbstwirksamkeit aber auch noch weiterwachsen, wobei Meilensteine auf dem Weg zum ersten eigenen Unternehmen oder erste Erfolge mit demselben beitragen.

  1. Kalkulierte Risikobereitschaft

Die Fähigkeit zum eigenverantwortlichen Handeln geht für Gründer einher mit der Bereitschaft, gewisse Risiken in Kauf zu nehmen – aber in vollem Bewusstsein der möglichen Konsequenzen, wenn diese Risiken doch zu groß werden sollten. Etwas zu wagen ist die eine, alles auf eine Karte setzen die andere Seite der Medaille.

  1. Toleranz gegenüber Ungewissheit

Ein ganz ähnlicher Faktor ist die Fähigkeit, Situationen mit ungewissem Ausgang zu begegnen. Der akribischste Businessplan mit der fundiertesten Analyse der Marktchancen sagt am Ende nur wenig darüber aus, ob die Existenzgründung ein Erfolg wird oder nicht. Vor allem sehr strukturierten Menschen dürfte es schwerfallen, diese Toleranz zu entwickeln. Wer sich eher von seiner Intuition leiten lässt, hat es in dieser Hinsicht leichter.

  1. Effizienz und Zeitmanagement

Umgekehrt sind Strukturen ein unbedingter Erfolgsfaktor, wenn es beispielsweise um die Einteilung von Arbeitszeit und das Erreichen von Zielen (im Sinne erledigter Aufgaben) geht. Damit die tägliche/wöchentliche Arbeitszeit in einem erträglichen Rahmen bleibt und die Arbeit dabei trotzdem nicht liegen bleibt, ist ein strukturiertes Vorgehen unerlässlich. Bei Schwierigkeiten hilft es womöglich, auf die altbekannte To-Do-Liste zurückzugreifen, um den Überblick zu behalten und produktiv zu bleiben.

  1. Problemlösungsstrategien

In einer ähnlichen Kategorie bewegt sich die Fähigkeit, neuen Aufgaben mit konstruktiven Problemlösungsstrategien begegnen zu können. Allerdings ist es in diesem Bereich weniger wichtig, ob auftretende Probleme analytisch oder intuitiv angegangen werden – wichtig ist am Ende nur, aus schwierigen Situationen einen Ausweg finden zu können.

  1. Emotionale Stabilität

Ein Punkt, der bereits im Zusammenhang mit den Big Five-Persönlichkeitsfaktoren genannt wurde. Während es bei den zuvor genannten Problemlösungsstrategien darum geht, Schwierigkeiten aufzulösen, meint emotionale Stabilität die Fähigkeit, solche Schwierigkeiten (bis hin zu schwerwiegenden Misserfolgen) mit kühlem Kopf ertragen zu können. Auch hierbei handelt es sich um eine Eigenschaft, die mit der Zeit wachsen kann. Gleichzeitig hilft sie selbst dabei, an einem möglichen Scheitern zu wachsen und danach trotzdem weiterzumachen, ohne angesichts einer Krise die Fassung (oder den Mut) zu verlieren.

  1. Durchsetzungsvermögen

Das darf nicht falsch verstanden werden, denn hiermit ist keineswegs das kompromisslose Durchsetzen der eigenen Meinung oder Vorstellung gemeint. Natürlich ist es für Gründer wichtig, ihre Interessen und Standpunkte vertreten und behaupten zu können. Allerdings sollte immer noch genug Nachgiebigkeit und Offenheit vorhanden sein, um auch andere anzuhören.

  1. Belohnungsaufschub

Die größte Aufmerksamkeit bekommen üblicherweise Startups, die in kurzer Zeit enorme wirtschaftliche Erfolge erzielen können. Der Normalfall ist das aber nicht, ausbleibende Gewinne in der Anfangszeit eines Unternehmens hingegen schon. Es ist deshalb wichtig, eine gewisse Toleranz zu entwickeln, wenn sich die Neugründung nicht umgehend finanziell auszahlt. Die Psychologie hat in diesem Zusammenhang jedenfalls belegen können, dass Selbstkontrolle absolut erlernbar ist.

Das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein dieser oder weiterer Persönlichkeitsfaktoren sagt aber letzten Endes nur wenig über den tatsächlichen Erfolg als Unternehmer aus. Die Wahrscheinlichkeit mag sich erhöhen, aber es gibt neben der Persönlichkeit des Gründers so viele Einflussfaktoren, die rein gar nichts mit der Person und ihren Eigenschaften und Fähigkeiten zu tun haben, aber dennoch mitentscheiden über Erfolg oder Misserfolg.

Erfolg liegt immer auch im Auge des Betrachters und kann deswegen ganz nach den persönlichen Vorstellungen definiert werden – frei von den gängigen Vorstellungen einer erfolgreichen Unternehmerpersönlichkeit.

Viel wichtiger ist deshalb das Zusammenwirken einer zu Ende gedachten Geschäftsidee, der notwendigen Zeit, um diese in ein Unternehmen zu übertragen und vor allem der persönliche Antrieb. Ist letzterer in ausreichendem Maße vorhanden, ist zumindest die Grundvoraussetzung gegeben, um all die Eigenschaften im Verlauf des Gründungsprozesses und darüber hinaus zu entwickeln, die das eigene Unternehmen für den Erfolg braucht. Sogar ganz ohne „Unternehmerpersönlichkeit“.

Fazit

Von einer festgeschriebenen und gewissermaßen „angeborenen“ Unternehmerpersönlichkeit auszugehen, kann und sollte für Gründer nicht der Ansatz sein, die eigene Befähigung zu überprüfen. Genauso falsch wäre es, diese ominöse Unternehmerpersönlichkeit zum alleinigen Grund für den wirtschaftlichen Erfolg zu machen. Am Ende sprechen also viele Gründe dafür, sich von dieser Vorstellung zu lösen:

  • Obwohl es Persönlichkeitsfaktoren gibt, die sich nach empirischen Studien als positiv für den Unternehmenserfolg erwiesen haben, sind diese allein kein Garant für diesen Erfolg.
  • Die Eigenschaften, die einem Gründer/Unternehmer bei der Verwirklichung seines Vorhabens helfen, können auch „erlernt“ werden. Die Persönlichkeit ist schließlich nicht statisch und die Eigenschaften, die als unerlässliche Voraussetzung für das Gründen gelten, entwickeln sich vielfach erst im Zuge dessen – durch die schiere Notwendigkeit.
  • Bei der Definition der Unternehmerpersönlichkeit wird für gewöhnlich von einem bestimmten Typus Unternehmer ausgegangen, in dem sich viele Gründer der heutigen Zeit gar nicht mehr wiederfinden. Dadurch werden sie aber nicht automatisch weniger zu Unternehmern, sie werden es nur unter anderen Vorzeichen.
  • Dazu gehört auch die eigene Definition von Unternehmenserfolg. Persönliche Wünsche wie Selbstverwirklichung oder Unabhängigkeit sind ebenso legitime Gründe für eine Firmengründung wie das Streben nach wirtschaftlichem Wachstum.

Was am Ende wirklich zählt, um das eigene Unternehmen zum gewünschten Erfolg zu führen, ist deshalb der richtige Antrieb und unumstößliche Beharrlichkeit. Alles Weitere ergibt sich zwar nicht von selbst, aber durch Eigeninitiative und die Offenheit dafür, sich als Gründer auch gelegentlich verändern zu müssen.

 

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Benedikt Voigt