Das Jahr 2021 überrascht mit vielen neuen Gründungen

Wieder mehr Gründer! Steigende Existenzgründungen nach Corona-Knick

Was die Zahl der Neugründungen betrifft, war 2020 das Jahr des Tiefpunkts. Unsicherheit prägte das Pandemie-Jahr und so fehlte vielen der Mut, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Doch es scheint bergauf zu gehen. Daten der KfW, die jetzt veröffentlicht wurden, zeigen: die Zahl der Existenzgründungen ist im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Eventuell hatten viele Gründer ihre Pläne nur verschoben und sie jetzt in einer gesicherten Umgebung umgesetzt.

Sinkende Zahlen im Corona-Jahr

2020 waren die Zahlen für Unternehmensgründungen im Vergleich zum Vorjahr 2019 stark gesunken. So hatten sich 537.000 Menschen selbstständig gemacht, insgesamt sind das elf Prozent weniger als im Jahr zuvor. Nach den hohen Zahlen in 2019 lautete die Prognose eigentlich: weitere Steigerung zu erwarten. Dem machte die Pandemie allerdings einen Strich durch die Rechnung. Aber auch bereits bestehende Selbstständigkeiten gerieten ins Wanken. So mussten ca. 40 Prozent der Gründer, die kürzer als 5 Jahre selbstständig waren, ihr Business wieder schließen. Bei mehr als der Hälfte war laut einer Umfrage der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) die Corona-Krise verantwortlich.

Steigende Existenzgründungen

Wie KfW veröffentlicht, haben sich im vergangenen Jahr 607.000 Menschen selbstständig gemacht. Das bedeutet, dass 70.000 Menschen bzw. 13 Prozent mehr Existenzgründungen vorgenommen wurden als noch im Krisenjahr. Einer der Gründe für die plötzliche Steigung könnte sein, dass viele Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit nur aufgeschoben hatten. Insgesamt sind sowohl die Gründungstätigkeit im Vollerwerb als auch im Nebenerwerb gestiegen. Der Trend geht bei den Existenzgründungen in Richtung Solokarriere. So liegt auch die Zahl derer, die sich alleine in die Selbstständigkeit wagen, mit 81 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Der Geschäftsführer beim Bundesverband Deutsche Start-ups, Christoph J. Stresing, ist außerdem positiv gestimmt, da die Zahl der Unternehmen, die externe Investoren gewonnen haben, um 27 Prozent gestiegen ist. Potenzial gäbe es in Deutschland allerdings weiterhin, insbesondere bei den Ausgründungen aus Universitäten beispielsweise.

Wo werden die meisten Startups gegründet?

Die Bundeshauptstadt ist hier Spitzenreiter. 22 Prozent aller Gründungen finden hier statt. Stresing führt das auf das Startup-Ökosystem von Berlin zurück, das aus Investoren und Gründern, aber auch Forschenden aus Universitäten und Hochschulen besteht. Laut der Analyse von Start-updetector gab es aber auch in anderen Regionen hohe Gründungszahlen. So konnte Baden-Württemberg ein Plus von 21 Prozent und Niedersachsen eine Steigerung von 30 Prozent verbuchen. In Sachsen stieg die Zahl um 54 Prozent, in Sachsen-Anhalt sogar um 166 Prozent. Außerdem gab es überraschende Neuigkeiten aus dem Landkreis Starnberg. Hier ist die Gründungsdichte je Einwohner am höchsten und liegt damit noch vor Berlin.

Chancengründungen auf dem Vormarsch

Die Corona-Krise hat letztendlich nicht für steigende Existenzgründungen im Jahr 2020 gesorgt, die Zahlen sind stattdessen gesunken. Dabei haben sich Unsicherheiten der Pandemie vor allem in den frühen Phasen der Gründung bemerkbar gemacht. Das hat sich in einem sehr hohen Anteil an Chancengründungen niedergeschlagen. So lag der Anteil hier bei 80 Prozent, im vergangenen Jahr sogar bei 82 Prozent. Die Gründer sind die Existenzgründungen also zu großem Teil aufgrund einer sich ergebenen Geschäftsgelegenheit eingegangen. Sogenannte Notgründungen werden hingegen meist aufgrund des Mangels an besseren Erwerbstätigkeiten geschlossen. Diese sanken jedoch auf 15 Prozent. Bei den restlichen 3 Prozent handelt es sich um Mischformen aus Not- und Chancengründungen.

Neue Startups werden vor allem in den Bereichen Software, Medizin und E-Commerce gegründet. Letztere Branche musste allerdings einen kleinen Rückgang verbuchen. Insbesondere durch die Corona-Pandemie wurden in den vergangenen Jahren hier vermehrt Gründungen gemessen, das scheint jetzt zurückzugehen. Die Branchen Gaming, Medien und der Umwelttechnologie scheinen hingegen im Trend zu liegen, hier stehen neue Methoden zur Bekämpfung der Klimakrise im Vordergrund. Ein Blick auf die Geschlechterverteilung verrät außerdem: Der Anteil von weiblichen Gründerinnen ist weiterhin gering, aber auch hier wurde Zuwachs gemessen. Erstmal sind so 20 Prozent der Gründer Frauen.

Neugründungen als Risiko?

Während sich viele sicher über die steigenden Existenzgründungen freuen, so bereiten vor allem die Zahlen der Neugründungen dem Mittelstand große Sorge. Der Anteil dieser erreichte ein neues Hoch von 85 Prozent. Viele Unternehmen haben Probleme eine Nachfolge zu finden. Die veröffentlichten Zahlen sind also definitiv mit Vorsicht zu genießen und sollten aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet werden.

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Über den Autor

Autorenprofil: Luisa Färber

Luisa Färber

Luisa kommt ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Oberfranken und entschied sich nach dem Abitur für ein Studium der Angewandten Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau in Thüringen. Durch die vielen praxisnahen Projekte konnte sie bereits Erfahrungen in verschiedenen Tätigkeiten innerhalb der Medienbranche sammeln. In mehreren Praktika entdeckte sie ihre Leidenschaft für die redaktionelle Arbeit und feilte an ihrem Textgefühl. Neben dem Studium war sie ehrenamtlich im Studierendenradio und in verschiedenen anderen Projekten tätig. Im Anschluss an ihren Bachelor macht sie nun seit Februar 2022 ihr Volontariat in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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