So startest du mit deiner eigenen Praxis durch

Selbstständig machen als Physiotherapeut: Erfolgreich im Gesundheitsbereich

Wer Physiotherapeut ist, einige Erfahrungen gesammelt hat und schon ein paar Jahre im Angestelltenverhältnis arbeitet, stellt sich vielleicht irgendwann die Frage, ob man den Schritt in die Selbstständigkeit wagen sollte. Doch für den Traum der eigenen Praxis muss man mehr vorweisen können, als ein paar Jahre Berufserfahrung. Wir wollen dir in diesem Artikel aufzeigen, welche Voraussetzungen du mitbringen musst, welche Herausforderungen warten können und welche rechtlichen und formellen Rahmenbedingen erfüllt sein müssen.

Selbstständig machen als Physiotherapeut: Das tägliche Geschäft

Die Selbstständigkeit im Gesundheitsbereich gilt als krisenfestes Standbein. Wer einen schmerzhaften Rücken hat, einen Unfall hatte oder körperlich beeinträchtigt ist, muss in den meisten Fällen zum Physiotherapeuten. Denn dieser gilt als Experte Nummer eins, wenn es um die Regeneration des Körpers geht. Ob alte Patienten oder ganz junge – die Schmerzleidenden gibt es in jeder Altersstufe und machen den Beruf des Physiotherapeuten so spannend. Denn mit jedem Patienten verändert sich auch das Krankheitsbild und ermöglicht somit ein vielseitiges Arbeitsumfeld.

Dass Physiotherapeuten immer Arbeit haben werden, zeigt der demografische Wandel. Denn die deutsche Bevölkerung altert rasant und macht den Therapeuten somit zu einem gefragten Experten im Gesundheitsbereich. Oftmals entsteht der Wunsch zur Selbstständigkeit im Zuge des Angestelltenverhältnisses. Nach mehreren Jahren in einer Praxis weiß man irgendwann, wie das tägliche Geschäft aussieht und wie eine Praxis laufen muss. Damit du dir über die wirklich wichtigsten Voraussetzungen für eine eigene Praxis bewusst wirst, wollen wir diese zusammengefasst präsentieren.

Das sind die Voraussetzungen

Die wichtigste Voraussetzung für die Selbstständigkeit als Physiotherapeut ist eine staatlich anerkannte physiotherapeutische Ausbildung. Diese erfolgreich absolvierte Ausbildung zeigt, dass du die nötigen Fachkenntnisse über den menschlichen Körper hast und auch weißt, wie du bestimmte Krankheitsbilder mit passender Therapie heilen kannst. Besonders hilfreich ist hier, wenn du zusätzlich einige Jahre Berufserfahrung mitbringst, bereits ausreichend Patientenkontakt hattest und daher genau weißt, was auf dich zukommen wird. Durch deine Erfahrungen kannst du vielleicht auch einschätzen, ob du dich auf eine bestimmte Richtung spezialisieren willst und welches Leistungsangebot du deinen Patienten anbieten möchtest.

Neben den fachlichen Kenntnissen, solltest du dir auch organisatorische und kaufmännische Fähigkeiten zutrauen. Denn bei einer Gründung musst du neben allen notwendigen To-Dos, die einen reibungslosen Betrieb ausmachen, auch an die finanzielle Seite denken. Wie sieht es mit der Buchführung aus? Was sind notwendige Versicherungen? Welche Kosten entstehen überhaupt bei einer Praxis? Was muss ich dann bei meinen privaten Lebenshaltungskosten beachten? Und wie viele Patienten muss ich behandeln, sodass der Laden rentabel ist? Wenn dein Wissen vor der Gründung in diesem Bereich sehr begrenzt ist, informiere dich erst einmal, sammle Erkenntnisse und Erfahrungen von Kollegen, die bereits selbstständig sind oder spreche mit Finanzexperten darüber. Je mehr du deine kaufmännischen Fähigkeiten ausweitest, desto besser für deine Praxis.

Arbeiten als Freiberufler: Steuerliche Vorteile

Grundsätzlich gehört die Tätigkeit eines Physiotherapeuten zu den Freien Berufen. Somit arbeitest du dann als Freiberufler und wirst auch steuerlich als einer behandelt. Dies bedeutet, dass du nicht gewerbesteuerpflichtig bist, solange sich nichts anderes aus deiner Gesellschaftsform ergibt. Daher meldest du deine Selbstständigkeit auch nicht beim Gewerbeamt an, sondern lediglich beim Finanzamt. Dieses lässt dir dann auch die benötigte Steuernummer zukommen.

Zusätzlich bist du als Physiotherapeut und selbstständiger Freiberufler nicht umsatzsteuerpflichtig, da Heilberufe davon befreit sind. Egal ob du alleine eine Praxis führst oder mit jemandem zusammen – solange deine Behandlungen auf die Heilung ausgerichtet sind, sind deine Einnahmen umsatzsteuerfrei. Führst du aber Behandlungen durch, die lediglich Wohlfühl- oder Entspannungsbehandlungen sind, die also kosmetische oder Schönheits-Massagen gleichkommen, dann wird auf diese Einnahmen die Umsatzsteuer erhoben.

Ein weiterer steuerlicher Vorteil als Freiberufler ist die Gewinnermittlung im Einkommensteuergesetz. Mit der Einnahmen-Überschuss-Rechnung kannst du den Jahresabschluss erstellen, der als Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben berechnet wird. Somit kannst du deine Gewinnermittlung vereinfachen, was besonders für kleine Betriebe von Vorteil ist. Ob dein Betrieb unter diese Regelung fällt, kannst du dann mit einem Rechtsexperten bzw. Steuerberater genauer erörtern. Grundsätzlich solltest du dich einmal grundlegend beraten lassen, da einem als Einsteiger und Neugründer oftmals das tiefgreifende Verständnis fehlt.

Anmeldungen bei Ämtern

Um als Physiotherapeut deine Praxis eröffnen zu können, musst du deine Selbstständigkeit und dein Vorhaben bestimmten Ämtern vorstellen. Folgende Ämter und Institutionen musst du auf deinem Weg dahin „abklappern“:

  • Ein Besuch beim Finanzamt ist erforderlich. Hier meldest du deine Tätigkeit an und musst darüber hinaus nicht mehr zum Gewerbeamt. Das Finanzamt schickt dir dann im Zuge deine Steuernummer zu.
  • Deine Praxis musst du zudem dem Gesundheitsamt melden. Was du dafür brauchst, findest du auf der Webseite des jeweiligen Bundeslandes.
  • Auch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege sollte von deinem Vorhaben Bescheid wissen. Hierbei handelt es sich nämlich um die gesetzliche Unfallversicherung gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, zu der alle Selbstständigen im Gesundheitsbereich verpflichtet sind.

Neben diesen Stationen solltest du auf dem formellen Weg zur Selbstständigkeit auch wichtige Versicherungen nicht vergessen, wie bspw. Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung oder auch die Berufshaftpflicht.

Ab wann ist meine Praxis ein Gewerbe?

Wenn du dich für eine Rechtsform wie die UG oder die GmbH entscheidest, dann bist du gewerbesteuerpflichtig. Grundsätzlich gibt es ein paar Faktoren, die dazu führen, dass es bei dir zu einer Gewerblichkeit kommt. Dies tritt ein wenn du bspw.

  • eine weitere Praxis eröffnest
  • mehr als drei Mitarbeiter beschäftigst
  • Therapiematerialien an deine Patienten verkaufst
  • einen fachfremden Freiberufler einstellst
  • einen Nicht-Freiberufler beschäftigst

Kommt es also zu einem dieser Fälle, solltest du diesem Umstand ebenfalls mit einem Steuerberater besprechen und wenn notwendig ein Gewerbe anmelden. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden und sorgt auch dafür, dass du mit deinem Betrieb wachsen kannst.

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Über den Autor

Autorenprofil: Lisa Goldner

Lisa Goldner

Nach ihrem Abitur 2013 entschied sich Lisa für ein Studium des Journalismus als auch der Unternehmenskommunikation und konnte durch den nahen Praxisbezug ein breit gefächertes Repertoire an Kenntnissen beider Branchen sammeln. Während des Studiums arbeitete sie als Assistenz der Öffentlichkeitsarbeit in einem öffentlich-rechtlichen Kulturbetrieb und erlernte somit auch essenzielle Aufgaben des Eventmanagements. Im Anschluss begann sie in Kiel den Masterstudiengang ”Angewandte Kommunikationswissenschaft“, in dem sie ihre Erfahrungen durch Projekte und wissenschaftliche Arbeiten besonders in den Bereichen Journalismus und Marketing ausbauen konnte. Seit Januar 2020 ist Lisa Volontärin in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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