Gründerinnen-Kolumne

Konkurrenz versus Win-Win-Wettbewerb

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Immer wieder begegnen unserer Kolumnistin die Copy-Cats der Konkurrenz. Produkte, Formate und sogar ganze Wordings werden von anderen übernommen. Was kann man dagegen tun? Es als Kompliment nehmen? Rechtlich gegen die Kopie vorgehen? Unser Kolumnistin wählt den Weg der Aufklärung und erklärt der Konkurrenz wie Kooperation funktioniert.

Die Konkurrenz schläft nicht, sie kopiert. Immer wieder werden mir Produkte oder Formate angeboten, die so heißen oder aussehen, wie die meiner Company. „Was machst Du denn da? Du findest doch gerade gar nicht statt?“, sagte ich zum Post. Doch dann sah ich, dass der Text von einem mir fremden Unternehmen kam. Was war da los? Affiliate-Werbung? Nein, offenbar eine neue Konkurrenz auf dem Markt. Hol Dir lieber noch einen Glühwein. Es wird so besinnlich.

Wettbewerb ist die nettere Konkurrenz

Nicht nur Gründer befassen sich mit der Konkurrenz. Schon in meinem ersten Job in einer Werbeagentur durfte ich mich tagelang durch Geschäftsberichte und Webseiten wühlen. Doch schon beim Titelbild meiner Präsentation stoppte mich mein Chef: „Wir sagen nicht Konkurrenzanalyse. Wir sagen Wettbewerb!“ Ich fragte zurück: „Was ist der Unterschied?“ „Wettbewerb klingt netter“, war die Antwort.

In einem Co-Working-Space lernte ich Jahre später, dass auch Gründer sich lieber konkurrenzlos fühlen möchten. Der Satz „Auf dem Markt gibt es noch nichts Vergleichbares“ sollten auf keiner Bullshit-Bingo-Tafel für Gründersprüche fehlen.

In Wettbewerben müssen Gründerinnen noch aufholen

Gründerinnen meiden das Thema Konkurrenz sogar noch mehr. Während der Anteil von Gründerinnen grundsätzlich steigt, sind weibliche Gründer bei Gründerwettbewerben noch immer eine Minderheit. Einige Gründerwettbewerbe richten sich darum inzwischen ausschließlich an Female Founders.

Während es sich bei diesen offiziellen Wettbewerben um kompetitive Einzelveranstaltungen handelt, sprechen sich weibliche Gründerinnen in Interviews und auf ihren Social Media Kanälen auch öffentlich häufig für Kooperation statt Konkurrenz aus. Der Hashtag #strongertogether hat inzwischen über 3,6 Millionen Einträge. Beim Durchscrollen findet man überwiegend weibliche User.

Rivalen bringen sich gegenseitig Reichweite

Konkurrenz ist für Gründer und Gründerinnen aber eigentlich eine großartige Sache. Denn Konkurrenz treibt nicht nur Innovationen an, sondern auch Reichweiten und Umsätze. Richtigen Beef unter Rivalen kennen wir aus der Bild-Zeitung, von Sportlern und Promis. Da „hatet“ und „dissed“ man sich gegenseitig, während das Publikum zwischen Schadenfreude und Fremdschämen oszilliert. Gründer und erst recht Gründerinnen würden nie eine so öffentliche Schlammschlacht austragen. Dabei gibt es von genau diesem Verhalten doch einiges für das #strongertogether zu lernen. Während sich die Promis anfeinden, werden nicht nur Schamgrenzen überschritten, sondern auch Reichweiten-Milestones.

Kooperation und Konkurrenz funktionieren (nicht immer)

Experimente mit Teams zum Thema Kooperation und Rivalität zeigten einen wichtigen Mechanismus von Konkurrenzverhalten auf. Wurden die Testpersonen erst angewiesen eine Aufgabe gemeinsam zu lösen und später in eine kompetitive Situation versetzt, verbesserten sich die Leistungen. Traten jedoch zuerst Konkurrenten gegeneinander an, die sich später zu einem gemeinsamen Ziel verbünden sollten, verlief die Kooperation weitaus schlechter als zuvor. Und auch eine Studie unter Marathon-Läufern fand heraus, dass die Läufer in kompetitiven Situationen besser performten.

Von der Konkurrenz (sehr gut) leben

Affiliate-Marketing ist ein Business-Beispiel für das erfolgreiche Zusammenbringen von Konkurrenz und Kooperation. Über Affiliate-Werbung empfehlen Gründer und Unternehmer ihren Zielgruppen nicht nur eigene Produkte, sondern auch die anderer. Statt die Konkurrenz zu meiden, machen sie Werbung für sie. Sie profitieren über eine Marge vom Verkaufswert, die sie erhalten und über den Reichweiten-Zuwachs. Denn dem Publikum bzw. den Kunden ist es häufig gar nicht so wichtig, dass Gründer A das Feuer zuerst erfunden hat. Sie wollen es einfach warm und hell haben.

Win-Win für Kunden und Konkurrenten

Beim Affiliate-Marketing werden nicht nur Produkte der Konkurrenz geteilt, sondern auch Informationen und Learnings. Die kooperative Aufgabe mehr Menschen mit Feuer zu versorgen, kommt zuerst. Im zweiten Schritt treten die Teilnehmer des Affiliate-Experiments mit einander in den Wettbewerb darum, wer die meiste Begeisterung für das Produkt bei den Kunden entflammen kann. Eine Win-Win-Wettbewerbs-Situation.

Besser als die Konkurrenz zu kopieren, ist tatsächlich mit ihr zu kooperieren

Doch selbst ohne Anteile und Provisionen können aus Konkurrenz profitable Kooperationen entstehen, ganz im Sinne des Strongertogether-Hashtags. Dazu brauchen die Rivalen eine gemeinsame Mission, die größer ist als ihre kurzfristigen wirtschaftlichen Ziele. Die Mission meines Unternehmens ist Vereinbarkeit. Das ist ziemlich groß. Das erreichen wir weitaus besser zusammen, #strongertogether. Darum sind wir auch so erfolgreich damit und nicht, weil wir Produkte, Eventformate oder Wordings von anderen kopieren.

 

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Über den Autor

Autorenprofil: Juliane Schreiber

Juliane Schreiber

Juliane Schreiber gründete 2018 das Startup Mama Meeting und lernte dabei nicht nur viel über’s Gründen, sondern auch darüber, wie es ist sich als Female Entrepreneur in Start-Up- und Geschäftswelt behaupten zu müssen. Zuvor war sie in leitender Position an der Universität zu Köln tätig, verantwortete den Oberbürgermeisterwahlkampf 2014 für die SPD in Düsseldorf, bloggte und veröffentlichte Bücher rund um Digitalisierung und Beziehungen. Bei TV- und Printredaktionen, sowie in Agenturen in Deutschland und Dubai lernte sie das journalistische Handwerk. Ihre Gründerinnen-Kolumne erscheint wöchentlich auf Gründer.de.