Gründerinnen-Kolumne

Die beste Gründungsidee aller Zeiten

Zum Starten brauchst Du eine richtig gute Gründungsidee. Der Weg zum erfolgreichen Business breitet sich dann quasi von selbst, ohne Um- und Irrewege, vor Dir aus. So easy kann Gründen sein, oder? Gründer-Kolumnistin Juliane Schreiber fragt sich, wie Du auf die ultimative Geschäftsidee kommst, wie Deine Chancen stehen damit Erster zu sein und ob Du nicht mal aufhören willst, Dir was vorzumachen.

Die Sache mit der Gründungsidee nimmt langsam biblische Ausmaße an. Am Anfang war die Idee. DIE Idee! Die beste, schönste, innovativste Lösung für ein Rätsel, das vor Dir noch keiner sehen konnte. Am Anfang war die Idee und dann hast Du in sieben Tagen die Welt neu erfunden, mit einem Fingerzeig. Is klar. Am Anfang war die Idee, dicht gefolgt von der Ernüchterung. Denn was sich heute Nacht um halb drei im Bett, wie die Erfindung der Glühbirne angefühlt hat, verdampft mit dem Duft des Kaffees zum Frühstück. Die süße Euphorie, die Dich denken lässt, Du wirst der nächste Elon Musk ist eine Lügnerin.

Kaum ein erfolgreicher Gründer hatte mit der ersten Gründungsidee Erfolg

Gibt es sie überhaupt? Oder ist die einzig wahre Gründungsidee nur eine Illusion? Möglicherweise braucht es eher Quantität für Deinen Erfolg. Wie viele Ideen hatten die Gründer dieser Welt, bis die eine kam, die wirklich was war? Schon mal von Traf-O-Data gehört? Bill Gates versuchte mit diesem Device lange vor den Microsoft Computern Verkehrsdaten auszulesen, die direkt an Fahrzeugingenieure und den Staat weitergeleitet würden, um Verkehr und Fahrzeuge zu verbessern. Klingt nach einer richtig geilen Idee. Weltverbesserung und so. Und dann wurde doch nichts draus. Ähnlich ging es Ariana Huffington. Die hatte statt einer Gründungsidee erstmal die Idee Governeurin von Kalifornien werden zu wollen. Fand sie cool, die Wähler eher nicht so.

Dein Gehirn feiert Deine Geschäftsidee, die anderen auch?

Eine Idee zu haben, löst in unseren Gehirnen eine ähnliche Reaktion aus, wie der Konsum von Alkohol und Drogen. Die Synapsen feuern mit Konfetti! Der Blutdruck jubelt! Boah, bist Du clever! Du schaffst es beim Freudentanz über Deine Genialität kaum Deine Mega-Idee ordentlich in Dein Smartphone zu tippen. Doch Puls und Atmung erleben ein spontanes Down, als Dir Google (noch so ne tolle Idee, die jemand vor Dir hatte) sagt, dass es Deine Idee längst schon auf dem Markt gibt. Glückhormone und Idee Löschen und wieder von Vorne anfangen.

Es gibt immer einen Ersten mit Deiner Gründungsidee, meisten bist Du’s aber nicht

Zu merken, dass man zu spät dran ist mit einer Gründungsidee weckt bei mir das Kindergartentrauma, beim Aufsagen der Lieblingsfarbe, zu spät an der Reihe gewesen zu sein. Ich hatte es schon auf der Zunge. Da sagt Tobi, seine Lieblingsfarbe sei grün. Wie kannst Du nur, Tobi? Die Bauklötze liegen schon wurfbereit in meiner geballten 4-jährigen Faust. Grün ist damit vergeben, für immer verloren, für mich, für Dich, für alle. Ich glaube ich lade Tobi nicht mehr zu meinem Geburtstag ein.

Jetzt muss ich von vorne anfangen und mir eine neue Lieblingsfarbe aussuchen. Prozess anhalten, Produkt einstampfen, alles auf Anfang. Und alles nur, weil Tobi zuerst dran war. Same same für die Businesswelt. Was also tun? Schneller sein? Zuerst hier schreien? Das ist schon mal keine schlechte Idee. Hat schon ein paar mal funktioniert. Aber doch nur so lange, bis einer die Idee hat, deine geniale Erfindung noch besser, billiger oder breiter zu verkaufen.

Eine wirklich gute Gründungsidee macht Bestehendes besser

Möglicherweise ist das sogar die allerbeste Idee. Warum nicht einfach das bessere Grün machen? Oder Grün dort hin bringen, wo es noch keiner kennt? Tobi, behalt Dein Grün! Ich verkauf mein Luxus-Smaradgrün zum doppelten Preis! Und das Bio-Farngrün für das Dreifache!

Ideen sind eben doch nicht verloren, nur weil sie schon jemand hatte. Verloren ist nur, wenn man nach der einen Idee aufhört weiterzudenken.

Über den Autor

Autorenprofil: Juliane Schreiber

Juliane Schreiber

Juliane Schreiber gründete 2018 das Startup Mama Meeting und lernte dabei nicht nur viel über’s Gründen, sondern auch darüber, wie es ist sich als Female Entrepreneur in Start-Up- und Geschäftswelt behaupten zu müssen. Zuvor war sie in leitender Position an der Universität zu Köln tätig, verantwortete den Oberbürgermeisterwahlkampf 2014 für die SPD in Düsseldorf, bloggte und veröffentlichte Bücher rund um Digitalisierung und Beziehungen. Bei TV- und Printredaktionen, sowie in Agenturen in Deutschland und Dubai lernte sie das journalistische Handwerk. Ihre Gründerinnen-Kolumne erscheint wöchentlich auf Gründer.de.