Warum gründen Eltern?

Ein Unternehmen zu gründen oder in eine freiberufliche Tätigkeit zu starten, ist nicht gerade typisch für Eltern. Die abhängige Beschäftigung bietet hier mehr augenscheinliche Sicherheit, die gerade Väter gern in Anspruch nehmen. Viele Männer arbeiten mehr, wenn sie Vater geworden sind, nämlich im Durchschnitt eine Stunde pro Woche, während es für Frauen tendenziell eher schwieriger wird, nach der Babypause wieder in den Job einzusteigen. Frauen mit Kindern arbeiteten in 2013 rund 10 Stunden weniger als ihre Kolleginnen ohne Nachwuchs.

Dennoch ist eine Gründung gerade für frischgebackene Eltern, besonders Mütter, eine gute Gelegenheit, um wieder ins Berufsleben einzusteigen, und zwar zu den eigenen Regeln. Ein Kind stellt nämlich das ganze Leben auf den Kopf und bringt dich dazu, dich ganz neu sortieren zu müssen. Was will ich? Und vor allem auch: Was will ich nicht (mehr)? Während du aus dem Alltagstrott herausgerissen und in ein neues Leben hineinkatapultiert wirst, bist du auf dich selbst zurückgeworfen und stellst die alten Werte und Vorstellungen infrage. Viele Eltern können sich nicht vorstellen, einfach wie bisher weiterzumachen – und das muss auch nicht sein. Die Babypause ist ein guter Zeitpunkt für eine Gründung.

Warum die Babypause ein guter Zeitpunkt zum Gründen ist

Eltern zu werden verändert das eigene Leben deutlich und macht offen für Neues. Da man ohnehin einen Neustart hinlegt, kann sich dieser neben der Einfindung in die neue Rolle auch auf die berufliche Zukunft beziehen. Was manchen Menschen Angst macht, nämlich die scheinbare Unsicherheit einer Selbstständigkeit, ist für den anderen eine gern gesehene Herausforderung. Wie ist es bei dir, bist du bereit, zu neuen Ufern aufzubrechen? Mit dem passenden Support in Form von Know-how und Tipps kann es auch dir gelingen!

Finanziell gesehen ist die Elternzeit ein recht guter Zeitpunkt für eine Gründung, vorausgesetzt, die Arbeit im eigenen Unternehmen nimmt nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich in Anspruch. Und: Dein Arbeitgeber muss seine Zustimmung geben, die er allerdings nur aus wichtigen Gründen verweigern kann, zum Beispiel, wenn ihm das neu entstehende Unternehmen Konkurrenz machen würde. Du kannst also neben dem aktuellen Hauptjob als Mutter/Vater nebenberuflich in die Selbstständigkeit einsteigen, ohne ein zu großes Risiko eingehen zu müssen.

Der hauptsächlich betreuende Elternteil, das ist meist die Mutter, kann bis zu zwei Jahre Elterngeld bekommen. Nimmt der andere Elternteil ebenfalls pro Elternzeitjahr eine zweimonatige Babypause in Anspruch, verlängert sich der Anspruch um diesen Zeitraum. Zwei mögliche Jahre Elterngeld in Höhe von mindestens 300 Euro und 67% des letzten Einkommens, jedoch maximal 1800 Euro, stehen hier drei Jahren möglicher Elternzeit gegenüber. Ein guter Zeitpunkt, um einen Neuanfang zu wagen, denn gerade für Frauen ist es ohnehin nicht einfach, als Mutter wieder voll in das abhängige Berufsleben einzusteigen. Aus diesem Grund haben mehr als die Hälfte aller Gründerinnen, aber nur ein gutes Drittel aller Gründer, Verpflichtungen als Eltern.

Das Kindergeld bekommen übrigens alle Eltern, ganz gleich, welcher Art von Tätigkeit sie nachgehen.

Selbstständig mit Kind

Die Vorteile der Selbständigkeit mit Kind

Als Elternteil selbstständig zu sein, birgt viele Vorteile, die natürlich eng mit der Art der Tätigkeit zusammenhängen.

Der erste und wichtigste Vorteil einer Selbstständigkeit ist die freie Zeiteinteilung. Wenn du Hause bzw. im eigenen Büro selbstbestimmt arbeitest, entscheidest du selbst, wann genau du das tust. Zwar arbeiten Selbstständige tendenziell mehr, aber eben auch dann, wenn sie es wollen. Du kannst für die Kinder da sein, bei den Hausaufgaben helfen, ein offenes Ohr haben und auf unvorhergesehene Situationen reagieren, und danach immer noch an den eigenen Projekten arbeiten. Das übliche 9 to 5 kann genau diese Flexibilität, die Kinder ihren Eltern abverlangen, nicht bieten.

Der zweite wichtige Vorteil zeigt sich, wenn die Kinder krank sind, was mit der Eingewöhnung in Krippe oder Kindergarten häufig vorkommen kann. Ein krankes Kind im Homeoffice ist sicherlich kein Zuckerschlecken, aber eine händelbare Situation, in der die Arbeit nicht ganz brachliegen muss. Viele Mütter arbeiten, während das kranke Kind auf der Couch schläft. Das ist nicht die schlechteste Option!

Die Nachteile der Selbstständigkeit mit Kind

Eine freiberufliche oder selbstständige Tätigkeit kann dich sehr fordern, sodass du vielleicht einen Konflikt zwischen deinen Elternpflichten und deinen Projekten spürst. Gerade, wenn du im Homeoffice tätig bist, kann es für deine Familie so wirken, als seist du „zu Hause“ und nicht „bei der Arbeit“. Du wirst eventuell Probleme bekommen, in Ruhe arbeiten zu können. Das lässt sich umgehen, indem man ein separates Büro anmietet, was jedoch einerseits Kosten verursacht und andererseits die genannten Vorteile, jederzeit für die Kinder da sein zu können, wieder aushebeln kann. Schaffe dir auf jeden Fall einen Bereich, in dem du ungestört arbeiten kannst, sei es ein extra Zimmer oder eine Arbeitsecke. Ein kleines Stoppschild an der Klinke kann größeren Kindern signalisieren, wann sie nicht ins Zimmer dürfen.

Wer angestellt arbeitet, hat immer einen sicheren Verdienst und Urlaubstage sowie (meistens) Wochenenden. Selbstständige verdienen nur dann Geld, wenn sie arbeiten, und müssen sich ihre freien Zeiten manchmal erkämpfen. Das kann, gerade wenn man Familie hat, schnell zu einem Nachteil werden.

Musst du voll durchstarten oder reicht ein Zuverdienst?

Wer ein Start-up gründen will und sich von Anfang an finanziell auf dessen Einnahmen stützen will, braucht bereits zum Start eine ordentliche Kapitaldecke und einen langen Atem. Einfacher ist es, nebenberuflich zu gründen und die eigene Idee erst einmal austesten zu können. Auch, wenn die Selbstständigkeit bessere Möglichkeiten bietet, sich um die Kinder kümmern zu können, gilt das umgekehrt nicht in gleicher Weise. Gerade, wenn der Nachwuchs noch klein ist, nimmt er natürlich keine Rücksicht auf deine Projekte. Wer zahnt, schreit vielleicht die halbe Nacht und fordert dich damit heraus. Wer nach einer solchen Nacht hat einen 12 Stunden-Tag stemmen will, kommt schnell an seine Grenzen.

Steht die Familie hinter dir?

Es gibt eine wichtige Voraussetzung für das Gründen mit Kind, die bisher noch nicht zur Sprache gekommen ist: Dein Partner und deine Familie müssen hinter dir stehen. Wenn du selbstständig bist, brauchst du den Rückhalt der Menschen, mit denen du dein Leben teilst. Es wird immer Phasen geben, in denen du mehr arbeiten musst – dabei kannst du es nicht gebrauchen, dass dir jemand Vorwürfe macht, sondern dass dir zu Hause Arbeit abgenommen wird. Großeltern, die als Babysitter einspringen können, sind für alle arbeitenden Eltern ein Segen, sind jedoch leider nicht immer greifbar. Baue dir ein soziales Netz und sichere so deine Einsatzfähigkeit. Auch Freunde und andere Eltern können Partner sein – es ist ein Geben und Nehmen.

Rund um deine Idee

Wie sind die Erfolgschancen deiner Geschäftsidee?

Bevor du dich in das Abenteuer Selbstständigkeit stürzt, solltest du einschätzen können, wie gut deine Idee eigentlich wirklich ist. Es nützt nicht viel, sich mit vollem Elan einer Sache zu widmen, die am Ende zum Scheitern verurteilt ist. Das Problem ist jedoch: Niemand weiß vorher wirklich, ob eine Sache funktioniert!

Die erste Frage, die du dir stellen solltest, ist, ob deine Idee jemandes Problem lösen kann. Wenn das der Fall ist, dann sind ihre Erfolgschancen recht hoch.

Um das Risiko gering zu halten, solltest du zudem das Prinzip des Lean Start-up anwenden. Das bedeutet, dass du mit den geringsten möglichen Mitteln an den Markt gehst, mit dem minimal funktionsfähigen Produkt.

Eines der bekanntesten Lean Start-ups hatte der Gründer von Zappos, in Deutschland später Zalando. Er wollte einen Onlineshop für Schuhe aufbauen, wusste jedoch nicht, ob die Idee überhaupt funktionieren kann. Wer kauft schon Schuhe online? Zudem hatte er nicht die logistischen Mittel, um das Ganze aufzubauen. Er startete also mit einem rudimentären Webshop, in dem er in Läden fotografierte Schuhe zum Kauf anbot, die er erst erwarb, wenn sie bestellt wurden. Die Idee schlug voll ein, wie wir heute wissen! Was kannst du daraus lernen? Starte mit kleinen Mitteln und lass deine Idee sich durchsetzen. Es braucht nicht immer ein riesiges Equipment.

Wie gut passt deine Geschäftsidee zu deinem Leben als Elternteil?

Vielleicht hast du eine großartige Idee, die aber nicht zu deinem Leben als Mama oder Papa passt, weil du zum Beispiel sehr viel reisen musst oder große Investitionen zu tätigen sind, die zudem ein hohes Risiko mit sich bringen? Oder die geplante Idee lässt dir nicht die nötige Freiheit, dich immer noch um deine Familie kümmern zu können? Dann solltest du diesen Plan eventuell auf einen späteren Zeitpunkt in deinem Leben verschieben.

Auf unserer Seite findest du zahlreiche Anregungen für eine Gründung, die perfekt mit deinem Leben als Familienmensch harmoniert. Du kannst nebenberuflich durchstarten, du kannst dein Business am Rechner starten und dir die Zeit frei einteilen, du brauchst keine großen Mittel zu investieren. Was zählt, ist die Idee – und auch dabei stehen wir dir zur Seite.

Wie läuft es mit der Krankenkasse?

Eventuell warst du bisher familienversichert, was ab einem Zuverdienst von rund 450 Euro monatlich (inklusive Werbungskosten) nicht mehr möglich ist. Du musst dich dann freiwillig versichern, wobei du in der Wahl der gesetzlichen oder privaten Krankenkasse frei bist.

Gesetzliche Krankenkassen gehen meist davon aus, dass Selbstständige gut verdienen, was den Beitrag natürlich in die Höhe schellen lässt. Kannst du ein geringeres Einkommen nachweisen, wird der Beitrag angepasst. Kinder können kostenfrei familienversichert werden. Anders ist es bei den privaten Krankenversicherungen, deren günstigsten Tarife bei knapp 400 Euro monatlich beginnen – hier wählst du, wie gut deine Leistungen sein sollen, ob du zum Beispiel immer die Chefarztbehandlung und das Einbettzimmer im Krankenhaus bekommen möchtest. Danach richtet sich der Tarif. Als Selbstständiger kannst du jederzeit in die PKV eintreten, solltest jedoch genügend Geld auf der Seite haben, da diese Krankenkassen nach dem Erstattungsprinzip arbeiten. Du musst die Kosten also erst einmal vorlegen. Zudem können Kinder nicht kostenfrei mitversichert werden.

So wirst du erfolgreich

Digitales Business

Liquidität und Rücklagen

Rund die Hälfte aller neu gegründeten Unternehmen kommen nicht weit über ihren ersten Geburtstag hinaus. Viele Gründer scheitern dabei an der mangelnden Liquidität. Liquide zu sein bedeutet, alle Rechnungen pünktlich zahlen zu können. Falls du Dienstleistungen anbietest, wirst du weniger Rechnungen begleichen. Handelst du hingegen mit Waren, flattern dir regelmäßig Lieferantenrechnungen ins Haus. Zudem hast du Kosten für deine Website, dein Büro oder deinen Laden, Versicherungen, Krankenversicherung und nicht zu vergessen: die Steuern. Wenn du mehr als 17.500 Euro Umsatz erzielst, musst du 19% deines Umsatzes an das Finanzamt abführen. Auch die Einkommensteuer solltest du nicht das ganze Jahr über aus den Gedanken verbannen, denn die nächste Steuererklärung kommt bestimmt.

Betrachte deine Einkünfte also als Bruttoverdienst und lege rund 40% für die Steuer beiseite. Weitere 10% – 20% solltest du für Rücklagen verwenden, um auch in schlechten Zeiten liquide zu sein. Bedenke ebenfalls: Auch deine Geschäftspartner können Probleme mit der Liquidität haben und kommen mit fälligen Zahlungen eventuell in Verzug. Manche große Unternehmen zahlen aus Prinzip spät. Es gibt Finanzdienstleister, an die du offene Rechnungen verkaufen und den Betrag von ihnen direkt ausgezahlt bekommen kannst.

Marketing und Akquise

„Wer nicht wirbt, der stirbt“, dieser Satz gilt heute wie damals, nur dass die die Möglichkeiten für Werbung und Akquise durch die Digitalisierung wesentlich vielfältiger geworden sind. Du kannst mit einer Landingpage, die du auf Basis von WordPress nahezu kostenlos erstellen kannst, einer coolen Marketingidee und ein, zwei Social Media Profilen heute schon eine Menge erreichen, ohne viel Geld investieren zu müssen. Nutze diese Gelegenheiten auf jeden Fall und baue dir online eine markante Präsenz auf.

Auch die Akquise ist heute mehr Netzwerken, Präsenz und Reputation als kalte Neukundengewinnung. Gerade die verschiedenen Onlineportale bieten dir viele Möglichkeiten, die passenden Kunden, ob B2B oder B2C, zu gewinnen. Investiere deine Zeit oder delegiere die Aufgaben an einen Profi.

Selbstmanagement

Der letzte Punkt auf meiner Liste rund um deinen Erfolg als selbstständiger Gründer mit Kind ist das Selbstmanagement. Das ist natürlich auch für alle Nicht-Eltern wichtig, stellt jedoch an dich besondere Herausforderungen.

Du musst dich selbst straff organisieren, die Zeit, die deine Kids dir zum Arbeiten lassen, effektiv nutzen und mit deinen Kräften haushalten. Jegliche Tools, dir die dabei hilfreich sind, solltest du einsetzen. Ob To-Do Liste, der wöchentliche Massagetermin, feste Zeiten bei den Großeltern und Projektmanagement-Tools, probiere alles Mögliche aus und gestalte dir deinen Arbeitsalltag nach deinen Vorlieben. Du musst dir eine optimale Work-Life Balance kreieren, um einerseits bei Kräften zu bleiben und andererseits kein schlechtes Gewissen der Familie gegenüber zu haben. Nutze die Gelegenheit, deinen Alltag so zu gestalten, wie es für dich optimal ist!

Selbständigkeit mit Kind: Die wichtigsten Tipps zur Gründung
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