Gesetzliche Grenzen von Kundenbewertungen

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Das Kaufen von Produkten oder Dienstleistungen im Internet hängt bei den meisten Usern von der Bewertung des Unternehmens und dem seriösen Auftritt über die Homepage ab. Das Erstellen einer seriösen Seite stellt in der Regel kein großes Problem für die Unternehmen da, jedoch ist das Generieren von positiven Bewertungen umso wichtiger aber auch schwieriger.Die enorme Wirkung der Kundenrezensionen ist dabei ganz einfach erklärt, bewerten Kunden die Produkte oder Dienstleistungen negativ, verurteilen sie den weiteren Erfolg dieser zum Scheitern.

Viele Unternehmen nehmen verfügen hierbei über die Sichtweise, dass viele Kunden unberechenbar seien und sich meist nicht über das wirtschaftliche Ausmaß ihrer Bewertung im Klaren sind.

Aus diesem Grund wollen sich viele Unternehmen schon im Voraus gegen solche Bewertungswillkür schützen und die Bewertungen schon im Voraus lenken.

Dies geschieht im Regelfall über das Kaufen von Fans und Bewertungen oder dem anonymen Selbstanpreisen der Produkte.

So verwundert es kaum, dass auch kleine Anbieter gegen eine kleine finanzielle Aufwandsentschädigung positive Bewertungen abgegeben und somit die Kernbewertung erheblich regulieren können.

Das Ausmaß geht so weit, dass Branchenverbände davon ausgehen, dass durchschnittlich bis zu einem Drittel aller Kundenbewertungen gefälscht und kommerziell geprägt sind und zu Lasten der Verbraucher und den ehrlichen Unternehmen geht.

Rechtliche Folgen:

Bei den Bewertungsfälschungen handelt es sich nicht, wie viele es denken, lediglich um ein Kavaliersdelikt, sondern um eine richtige Straftat.

Diese Schleichwerbung ist laut Gesetz verboten, denn jeder Verbraucher muss immer erkennen können, ob Kundenbewertungen und Empfehlungen aus freien Stücken erfolgte oder unerlaubt durch wirtschaftliche Vorteile motiviert wurden (§ 4 Nr.3 UWG).

Bei einem nachweisbaren Verstoß drohen den Unternehmen Unterlassungsklagen und Geldstrafen von bis zu 2000 Euro, welche von den Wettbewerbszentralen ausgesprochen werden.

Dafür ist der immaterielle Schaden aber umso größer, denn erfahren die Kunden erst einmal von den kommerziellen Bewertungen, erfassen diese es auch direkten „Betrug“ am Kunden und das Image des Unternehmens nimmt enormen Schaden.

Wo liegt die Grenze zwischen legal und illegal?

Im Allgemeinen ist die Aufforderung zu z.B. positiven Bewertungen keine gesetzliche Schwelle, bei der sich Unternehmen Sorgen machen müssten.

Es ist sogar völlig zulässig, dass die Aufforderung zum Bewerten grafisch hervorgehoben wird oder eine Anleitung zur Verfügung gestellt wird, wonach die User sehen können, wo sie ihre Beurteilungen abgeben können.

Die Schwelle zum Illegalen wird aber dann überschritten, wenn aus der Bewertung ein wirtschaftlicher Vorteil zum Bewerten motiviert.

Eine positive Bewertung muss nicht einmal direkt monetär belohnt oder ausdrücklich gefordert werden, sondern es reicht schon ein Rabattversprechen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der folgende Kommentar von positiver oder negativer Natur ist, denn laut Gesetzeslage wurde derjenige, der bewertet, in seiner objektiven Bewertungsfähigkeit negativ beeinflusst.

In genau solch einem Fall befand das Oberlandesgericht Hamm ein Online-Unternehmen für schuldig.

Ein weitere illegaler Schwellenbereich ist das Schaffen von Bewertungshürden durch die zu bewertenden Unternehmen. Dieser Tatbestand liegt vor, wenn das Abgeben negativer Bewertungen erschwert wird und wenn Negativbewertungen herausgefiltert werden.

Wie sieht es indessen bei Likes, Votes und Kommentaren aus?

Auch hier gilt der selbe Grundsatz: entstehen wirtschaftliche Vorteile aus dem Like, Vote oder Kommentar, liegt ein klarer Wettbewerbsverstoß vor.

Werden etwa auf Facebook und Co. Bewertungen mit einem Gewinnspiel versüßt, befindet sich der Bewertungsprozess in einem unzulässigen Bereich.

Begründet wird dies damit, dass die meisten Teilnehmenden denken, sie könnten ihre Gewinnchancen durch eine positive Bewertung deutlich erhöhen. Daher geben sie in solchen Fällen wieder um einen wirtschaftlichen Vorteil willen eine gute Bewertung ab.

Fazit:

Die Bewertungen zu Produkten oder Dienstleistungen tragen maßgeblich zur Kaufentscheidung bei. Unternehmen fürchten sich daher vor den Auswirkungen negativer Kundenbewertungen und versuchen diese oft mit unterschiedlichen Mitteln zu verhindern.

Doch diese versuchte Regulierung überschreitet oftmals die gesetzliche Grenze und kann auch enormen Schaden beim Unternehmen anrichten. Die Unternehmen sollten sich am besten im Voraus die ganz einfache Frage stellen, ob der Nutzen größer als eventuelle Kosten solcher kommerziellen Bewertungen, Likes, etc. ist!

Zudem leiden unter dem dadurch schwindenden Vertrauen in die Bewertung die Unternehmen, welche durch vorbildliche und ehrgeizige Arbeit sich positive Kundenbewertungen erarbeitet haben.

Mit besten Grüßen

Fabian Strohdiek
Content Manger Gründer.de

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