Gründen ohne Geld? – Realistischer ist: Gründen mit wenig Geld. Es ist durchaus möglich, ein Unternehmen ohne fremdes Kapital aufzubauen. Die Kunst durch Selbstfinanzierung ein Business auf die Beine zu stellen nennt sich auch Bootstrapping – in Anspielung auf die englische Redewendung „to pull oneself up by one’s bootstraps“ („sich an seinen eigenen Stiefelriemen hochziehen.“) Im Idealfall werden Ausgaben hier bald aus den ersten Einnahmen bestritten, während man sich in der Wachstumsphase durch Sparsamkeit und Improvisationstalent über Wasser hält. Bootstrapping ist Teil des Gründungsmythos von Unternehmen wie Gopro, Shutterstock oder des englischsprachigen Tech-News-Portals TechCrunch.

Aber wer seinen Traum allein finanziert, trägt auch allein das Risiko.
Hinzu kommt, dass das eigene Unternehmen gerade in der frühen Phase oft nichts oder zu wenig abwirft. Wachstum und Gewinn stehen dann in keinem Verhältnis zur investierten Zeit, Arbeit und Mühe. Wenn es sich nicht um eine Gründung im Nebenerwerb handelt, müssen zudem die Lebenserhaltungskosten berücksichtigt werden. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…

Finanzierungshilfe für Gründer oder übers Gründen ohne Geld

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Eigentlich spricht ansonsten nichts dagegen, sein Unternehmen zunächst zu bootstrappen. Aber warum sollte man es sich mit einer Idee, die Potential hat, unnötig schwer machen? Für Gründer gibt es zahlreiche Möglichkeiten, ihr Projekt aus privaten oder staatlichen Mitteln in unterschiedlichem Maße zu finanzieren. Diese Finanzierungshilfen werden im Zuge des Start-up-Booms auch genutzt: Allein 2015 wurden in Europas rund 13 Milliarden Euro Risikokapital in junge, innovative Unternehmen investiert.

Prinzipiell gibt es bei der Finanzierung des eigenen Unternehmens zwei Möglichkeiten: Entweder einen Kredit aufnehmen oder Teilhaber/Investoren finden. Wenn es sich bei Teilhabern und Teilhaberinnen oder Kreditgebern nun nicht um Personen aus dem Freundeskreis oder der Familie handelt, gibt es dabei folgende Optionen:

Business Angel, Beteiligungsgesellschaften & Co.

Persönlich, zeitgemäß und Start-up-affin sind Business Angel. Diese Investoren sind oft erfahrene Unternehmer. Während ihrer in der Regel zwischen vier und sechs Jahre währenden Teilhabe am Unternehmen stellen sie nicht nur ihr Kapital zur Verfügung, sondern auch ihr Knowhow und ihr Netzwerk. Sie können dem Gründer darüber hinaus auch helfen, weitere Kapitalgeber zu finden. Im Gegenzug erhalten sie für ihren Einsatz Unternehmensanteile und Mitspracherecht. Business Angel bieten in der Regel eine Minderheitenbeteiligung von 25.000 bis 1,5 Millionen Euro.

Bei Summen ab 500.000 Euro und einem vielversprechenden Gründungskonzept kommen Venture-Capital-Gesellschaften als Investoren in Frage. Diese unterstützen Unternehmer auf dem Weg zum Erfolg auch bei allen wichtigen Entscheidungen. Hinter VC-Gesellschaften stehen die Industrie, Banken oder Einzelpersonen, die international agieren.

Möchte man als Gründer in Deutschland auf Finanzierung vor Ort setzen, bieten sich mittelständische und private Beteiligungsgesellschaften an. Viele mittelständische Beteiligungsgesellschaften bieten Förderprogramme für Existenzgründer an, bei denen sie Summen ab 20.000 Euro zu vergünstigten Konditionen zur Verfügung stellen. Ansonsten sind Beteiligungssummen ab 100.000 Euro üblich. Mittelständische Beteiligungsgesellschaften sind insofern unkompliziert, als dass sie stille Teilhaber sind, die sich nicht in die Entscheidungen des Gründers einmischen und am Ende der Beteiligungsphase nur so viel Geld verlangen, wie sie ursprünglich auch zur Verfügung gestellt haben.

Die Suche nach einer passenden privaten Beteiligungsgesellschaft wird hierzulande dadurch erleichtert, dass die Beteiligungsbranche vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) vertreten wird. Über ihre Webseite bietet sie nicht nur umfassende Informationen und einen Eventkalender an, sondern auch eine Suchfunktion, um Gründer und Gründerinnen mit der passenden Beteiligungsgesellschaft zusammenzubringen.

Hilfe vom Schwarm

Crowdfunding

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Crowdfunding dürfte inzwischen jedem ein Begriff sein: Die Idee wird online auf speziellen Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo vorgestellt. Überzeugte und Begeisterte können dann Geld für die Umsetzung bereit stellen. Wenn die benötigte Summe zusammenkommt, fordert die entsprechende Plattform dann einen Anteil von üblicherweise zwischen 5-10%. Außer beim Donation-based-Crowdfunding im Zuge gemeinnütziger Projekte, bekommen die Investoren am Ende etwas für ihr Geld. Viele Projekte bieten ab einer gewissen Summe ein Dankeschön, das im jeweiligen Verhältnis zum Beitrag des Investors steht. Hier muss der Gründer kreativ werden und attraktive Anreize bieten, die zumindest ideellen Wert haben. Nicht jedes Projekt eignet sich für Crowdfunding, auch wenn es für unterschiedliche Sparten inzwischen spezielle Crowdfunding-Plattformen gibt. Neben der Plattform-Gebühr muss natürlich auch der Preis für die vorgesehenen Goodies in den Businessplan einfließen.

Weniger bekannt sind die Optionen Crowdinvesting und Crowdlending. Beim Crowdlending leiht man sich das Geld vom Schwarm. Dieses Geld wird natürlich verzinst. Das deutsche Crowdlending-Portal auxmoney, zum Beispiel, verspricht Kreditgebern dabei durchschnittlich 5,5% Zinsen. Anders als beim Bankkredit werden bei dieser Form des Geldverleihs keine Sicherheiten verlangt, was für den Gründer von Vorteil sein kann.
Beim Crowdinvesting indessen investiert der Schwarm in das Unternehmen. Wie ein größerer Investor profitiert er von seiner Investition in Form von Zinsen oder Beteiligungen am Gewinn oder beim Ausstieg.

Selbst wenn Du scheitern solltest und über Crowdfunding nicht die benötigte Summe aufbringst, bedeutet das nicht, dass alles umsonst war.

Finanzierungshilfen vom Staat – Grow your own Wirtschaftswunder

Wenn es um staatliche Finanzierungshilfen für Gründer geht, denkt manch einer möglicherweise an den Existenzgründerzuschuss vom Arbeitsamt. Voraussetzung für diesen Zuschuss ist, dass der Gründer in spe Arbeitslosengeld bezieht, wird sein Antrag nach Vorlage des Businessplans bewilligt, erhält er einmalig für neun Monate zusätzlich zum Arbeitslosengeld 300 Euro. Arbeitsamt und Arbeitslosengeld sind nun nicht unbedingt der Stoff, aus dem Erfolgsgeschichten gemacht werden, aber staatliche Finanzierungshilfen für Gründer sind zum Glück etwas vielseitiger als das. Es gibt eine Vielzahl staatlicher Förderprogramme für Gründer wie zum Beispiel das EXIST-Programm, das sich vor allem an Studierende und Akademiker richtet, die ein Tech Start-up gründen oder wissensbasierte Dienstleistungen anbieten möchten. Bei der Suche nach dem jeweils passenden Förderprogramm hilft: www.foerderdatenbank.de

Mein Mikrokredit
Benötigt man eine Finanzierungshilfe im kleineren vier- bis fünfstelligen Bereich, eignet sich die Aufnahme eines Mikrokredits. Das Bundesamt für Arbeit und Soziales bietet unter dem Namen „mein Mikrokredit“ in Zusammenarbeit mit der GRENKE BANK AG ein Kleinkredit-Programm für Gründer und Gründerinnen an. Kleinen und jungen Unternehmen, die von der Bank ansonsten keinen Kredit erhalten, werden von Mikrofinanzinstituten kleinere Beträge bis zu einem Gesamtbetrag von 20.000 Euro zur Verfügung gestellt. Der Zinssatz beläuft sich dabei auf 9,9% und die Laufzeit auf maximal vier Jahre, wobei die finanzielle Belastung der jeweiligen Situation des Kreditnehmers oder der Kreditnehmerin angepasst wird. Das jeweilige Mikrofinanzinstitut steht ihm oder ihr dabei kostenlos beratend zur Seite und greift ein, wenn die Unternehmung zu scheitern droht. Als Sicherheit werden zudem auch Kleinbürgschaften von Geschäftspartnern, Bekannten oder Familienangehörigen akzeptiert. Finanziert wird das Ganze über einen speziellen Fonds.

Mikromezzaninkredit
Benötigt man einen Kredit bis zur nächsthöheren Größenordnung stellen das ERP und der Europäische Sozialfonds aus dem Mikromezzaninfonds bis zu 50.000 Euro zur Verfügung, mit denen, ohne Sicherheiten geben zu müssen, das Eigenkapital gestärkt werden kann. Daher rührt auch die Bezeichnung „Mezzanin“. „Mezzo“ bedeutet im Italienischen „halb“, wobei das zur Gründung benötigte Kapital in diesem Falle aus einem Teil persönlichem und einem Teil Fremdkapital besteht. Ein auf diese Art vergrößertes Eigenkapital wiederum erleichtert das Aufnehmen weiterer Kredite. Bei einem Zinssatz von 8% pro Jahr agieren die Kapitalgeber hier als stille Teilhaber. Sie werden mit maximal 1,5% am Gewinn beteiligt.

ERP wiederum steht für European Recovery Program. Das Geld aus diesem Fonds stammt noch aus der Zeit des Wiederaufbaus. Die ab 1948 im Zuge des Marshallplans geleisteten Finanzhilfen der USA, wurden von Deutschland bis 1966 abgegolten. Es verblieb jedoch ein gewisses Vermögen im entsprechenden Fonds, das bis 2007 auf 12 Milliarden Euro angewachsen war. Dieses wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bzw. der KfW Bankengruppe verwaltet und für die deutsche Entwicklungshilfe sowie Wirtschaftsförderung verwendet. Dabei werden revolvierende Kredite vergeben, also Geld verliehen, das bei Rückzahlung wieder in den Fonds zurückfließt. Die Finanzierunghilfen des ERPs verhelfen Gründern und Gründerinnen also bis heute zu ihren eigenen, kleinen Wirtschaftswundern. Um diese Hilfen zu erhalten, müssen über die Hausbank vor Beginn des Vorhabens die jeweiligen Anträge bei der KfW Bankengruppe gestellt werden.

ERP-Kapital für Gründung
Dieser Kredit ähnelt dem Mirkomezzaninkredit. Die Summe, mit der das Eigenkapital gestärkt wird, kann sich jedoch auf bis zu 500.000 Euro belaufen. Das ist davon abhängig, wie hoch das Eigenkapital ist. Dieses kann in Westdeutschland um bis zu 45% und in Ostdeutschland um bis zu 50% aufgestockt werden, um davon nötige Investitionen zu tätigen. Die ersten zehn Jahre erhält man diesen Kredit zu vergünstigten Konditionen. Es handelt sich dabei auch um ein Nachrangdarlehen, was bedeutet, dass sich dieser Geldgeber im Fall, dass sich eine Schlange von Gläubigern bildet, ganz hinten anstellt.

ERP-Gründerkredit: Universell
Kann man die banküblichen Sicherheiten aufbringen ist es möglich den ERP-Gründerkredit Universell aufzunehmen. Dieser kann sich auf bis zu 500.000 Euro belaufen, die in Investitionen oder Betriebsmittel fließen müssen. Der Zinssatz variiert dabei in Abhängigkeit der gegebenen Sicherheiten und der Bonität des Gründers.

ERP-Gründerkredit: StartGeld
Bei Investitionen kleinerer Größenordnung oder einer Gründung im Nebenerwerb, die zum Vollerwerb werden soll, aber auch bei einem Neuanfang nach einer gescheiterten Gründung kann StartGeld beantragt werden. Hier stellt der ERP-Fonds bis zu 100.000 Euro zu einem festen Zinssatz zur Verfügung. Neben den banküblichen Sicherheiten, haftet die KfW Bankengruppe gegenüber der Hausbank hier auch zu 80%. Bedingung für die Vergabe des StartGeld-Kredits und des universellen ERP-Gründerkredits ist, dass das Unternehmen nicht älter als fünf Jahre ist.

Staatliche Bürgschaft
Hapert es nur beim Kredit von der Hausbank, kannst Du Unterstützung von der Bürgschaftsbank Deines Bundeslandes bekommen. Diese tritt als Bürge auf und übernimmt bis zu 80% des Risikos für die entliehene Summe. Sie nimmt dafür eine Bearbeitungsgebühr sowie eine Provision zwischen 0,75 und 1,5% des laufenden Kreditbetrages. Im ungünstigsten Fall wird sie statt des ursprünglichen Geldgebers Dein Gläubiger.

INVEST – Zuschuss für Wagniskapital
Solche staatlichen Finanzierungshilfen zielen nicht nur darauf, die Bereitschaft zur Kreditvergabe von Banken zu erhöhen, sondern auch die von privaten Investoren. Gründer.de hatte vor einger Zeit bereits über das INVEST-Programm berichtet. Hier können dem Investor auf einen Antrag hin bis zu 20% der investierten Summe vom Staat geschenkt werden. Bedingung ist, dass der Antrag vor dem eigentlichen Zustandekommen des Vertrages zwischen Unternehmer und Investor gestellt wird. Dies geschieht – verhältnismäßig unbürokratisch – online über die Seite des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Bedingung ist auch, dass Investor und Unternehmen ihren Sitz in der EU haben, dass das Unternehmen jünger als zehn Jahre und so klein wie innovativ ist.

Weitere Infos zu Finanzierungshilfen für Existenzgründer findest Du auf existenzgruender.de

Zusammengefasst:

Du bist nicht gezwungen nur mit Eigenkapital zu gründen. Auf privater und staatlicher Seite stehen Dir viele Möglichkeiten zur Finanzierung Deines Unternehmens offen:

  • Private Investoren: Business Angel, Beteiligungsgesellschaften und die Crowd
  • Der Staat über unterschiedliche Förderprogramme…
    • A. …die Banken oder Investoren motivieren sollen, Dir Geld zur Verfügung zu stellen.
      B. ….die spezielle Gründer-Kredite beinhalten: Das ERP-Kapital für Gründung, der ERP-Kredit Universell, StartGeld, Mein Mikrokredit, Mikromezzaninkredite u.v.m.