So kannst du deine Liquiditätsprobleme ermitteln und passende Maßnahmen einleiten

Liquiditätsengpass – und dann? Einfache Maßnahmen und Corona-Hilfen

Wenn Kunden ihre Rechnungen später oder gar nicht bezahlen, kann bei jedem Unternehmer schnell ein Liquiditätsengpass entstehen. Besonders während der aktuellen Corona-Krise geraten Selbstständige dadurch schnell in eine Abwärtsspirale, da keine Mittel für die Kundenakquise zur Verfügung stehen. Der folgende Artikel zeigt deshalb, welche sechs Maßnahmen aus dieser Lage der negativen Liquidität herausführen. Mit dabei ist zudem die Definition, wie sich Liquidität berechnen und ermitteln lässt sowie die aktuellen Fördermittel und Zuschüsse für negative Liquidität während der Corona-Krise.

 

Definition – Was sind Liquiditätsengpässe?

Als Liquidität wird laut Definition die Fähigkeit eines Unternehmen bezeichnet, seine Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu erfüllen. Beim Liquiditätsengpass berechnen sind also mehr Verbindlichkeiten als finanzielle Mittel zum Zeitpunkt der Fälligkeit vorhanden. Somit schuldet die Firma Lieferanten, Banken, Ämtern oder Versicherungen Geld, das gerade nicht da ist. Diese Zahlungsschwierigkeiten können laut Definition verschiedene Gründe haben, entstehen meistens aber aus offenen Kunden-Rechnungen oder verzögerten Kredit-Auszahlungen. Fehlt dann laut Definition dauerhaft die Fähigkeit, Rechnungen zu begleichen, kann ein Liquiditätsengpass und die negative Liquidität sogar zur Insolvenz eines Unternehmens führen. Damit ist laut Definition bei Liquiditätsproblemen eine Zahlungsunfähigkeit durch Überschuldung gemeint.

Liquiditätsengpass berechnen

Wer einen möglichen Liquiditätsengpass berechnen und ermitteln möchte, muss seinen Zahlungsverkehr komplett analysieren. Das bedeutet, alle Einnahmen und Ausgaben werden beim Berechnen berücksichtigt und verglichen. Diese Werte und die negative Liquidität lassen sich dann wiederum in einen sogenannten Liquiditätsplan eintragen, wobei auch das Datum bei Liquiditätsproblemen entscheidend ist. Denn bestimmte Versicherungen für Selbstständige sind beispielsweise nur pro Quartal fällig. Andere Ausgaben, wie zum Beispiel Gehälter, müssen dagegen immer ein bestimmtes Datum einhalten. Daher ist es wichtig, sich beim Berechnen einen Überblick über alle Einnahmen bzw. Ausgaben zu verschaffen und die bestehenden Forderungen der negativen Liquidität sowie Verbindlichkeiten bei Liquiditätsproblemen genau zu terminieren.

6 Maßnahmen bei einem Liquiditätsengpass

Wer einen Liquiditätsengpass beim Berechnen bemerkt, sollte schnellstmöglich verschiedene Maßnahmen einleiten, um eine mögliche Insolvenz zu verhindern. Die folgenden Maßnahmen lassen sich bei Liquiditätsproblemen und negativer Liquidität umsetzen:

  1. Prüfen, ob der Firma staatliche Förderungen oder sonstige Unterstützungen zustehen und diese beantragen.
  2. Einen Kredit zur Überbrückung der Liquiditätsprobleme bei einer Bank aufnehmen.
  3. Das eigene Forderungsmanagement verbessern und damit offene Beträge energischer einfordern.
  4. Einen detaillierteren Liquiditätsplan erstellen, der auch zum Beispiel Abo-Gebühren für Mitgliedschaften enthält.
  5. Alle Ausgaben genau prüfen und ungenutzte Mitgliedschaften bei Liquiditätsproblemen kündigen.
  6. Beim Finanzamt oder Lieferanten nach einer Verlängerung der Zahlungsfristen aufgrund negativer Liquidität fragen.

Generell ist es bei einem Liquiditätsengpass auch möglich, nach Investoren zu suchen oder ungenutzte Gegenstände im Unternehmen zu verkaufen. Doch diese Entscheidung sollte bei Liquiditätsproblemen immer auch langfristig sinnvoll erscheinen. Denn Firmenanteile lassen sich bei Liquiditätsproblemen und negativer Liquidität zum Beispiel nur schwer oder gar nicht wieder zurückkaufen.

Corona-Hilfen bei einem Liquiditätsengpass

Durch die Corona-Krise sind aktuell sehr viele Unternehmen von einem Liquiditätsengpass betroffen. Denn oftmals können Kunden ihre Rechnungen nicht begleichen oder die Kunden-Aufträge werden komplett storniert. Teilweise sind Einnahmen durch negative Liquidität auch gar nicht mehr möglich, da zum Beispiel Freizeiteinrichtungen komplett geschlossen bleiben müssen. Deshalb stellt die Regierung zahlreiche Corona-Hilfen zur Verfügung, um Unternehmen und Selbstständige mit Liquiditätsproblemen zu unterstützen. Die folgenden Förderungen und Corona-Hilfen sind dabei möglich:

KfW-Kredite für Liquiditätsprobleme

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist eine Förderbank, die auch unabhängig von der Corona-Pandemie Kredite für Gründer und Selbstständige gewährt. Seit Beginn der Corona-Krise bietet sie nun jedoch auch zusätzliche finanzielle Unterstützungen bei Liquiditätsproblemen an. Dazu gehört beispielsweise der KfW-Schnellkredit für negative Liquidität, der 25 Prozent des Jahresumsatzes für Unternehmen ausgleicht, die mindestens seit 2019 am Markt sind.

Landes-Bürgschaftsbanken bei Liquiditätsproblemen

Im Rahmen der Corona-Hilfen haben auch die Landes-Bürgschaftsbanken eine Anhebung der Bürgschaftsobergrenze auf 2,5 Mio. Euro beschlossen. Dabei sind auch verschiedene Maßnahmen zur Beschleunigung der Entscheidungen bei Liquiditätsproblemen inbegriffen. Von dieser finanziellen Unterstützung für negative Liquidität sollen alle gewerblichen kleinen und mittleren Unternehmen sowie die Freien Berufe profitieren können.

Kurzarbeitergeld der Arbeitsagentur

Beim sogenannten Kurzarbeitergeld der Arbeitsagentur werden die anfallenden Sozialversicherungsbeiträge der Angestellten für ausgefallene Arbeitsstunden zu 100 Prozent erstattet. Dabei besteht bei einem Liquiditätsproblem Anspruch auf Kurzarbeitergeld, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10 Prozent haben. Insgesamt ist die Auszahlung bei einem Liquiditätsengpass und negativer Liquidität bis zu 12 Monate möglich.

Corona-Hilfen des BMWi bei Liquiditätsproblemen

Wer durch die Corona-Krise einen Liquiditätsengpass besitzt, kann beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unter anderem die sogenannte Corona-Soforthilfe beantragen. Diese Hilfe beinhaltet bis zu 15.000 Euro als Einmalzahlung für drei Monate und das ohne Rückzahlung. Beantragt werden kann diese finanzielle Unterstützung von Kleinstunternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen mit bis zu zehn Beschäftigten, von Selbstständigen ohne Angestellte und Angehörige der Freien Berufe. Allerdings darf das Unternehmen nicht schon vor dem 31.12.2019 in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sein und somit Liquiditätsprobleme und eine negative Liquidität besitzen.

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Fazit für einen Liquiditätsengpass

Wer sich selbstständig macht oder ein eigenes Unternehmen führt, sollte dringend alle Einnahmen und Ausgaben im Blick haben. Denn werden bestimmte Fristen nicht eingehalten oder Rechnungen zu spät erstellt bzw. bezahlt, droht sehr schnell ein Liquiditätsengpass. Deshalb ist es wichtig, den Status regelmäßig zu überprüfen und wenn nötig auch Maßnahmen bei Liquiditätsproblemen einzuleiten. Denn nur so lassen sich Liquiditätsprobleme oder sogar eine mögliche Insolvenz durch negative Liquidität vermeiden.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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