Besserer Lohnausgleich in anderen europäischen Ländern

Kurzarbeit-Studie: Deutschland zahlt in Europa am wenigsten

In Zeiten der Corona-Krise arbeiten mittlerweile immer mehr Menschen in Kurzarbeit. Dies ist eine durchaus sinnvolle Maßnahme, wenn z.B. die Produktion aufgrund des Coronavirus still liegt oder die Absatzzahlen hinter den Erwartungen bleiben. Mit dem Kurzarbeitergeld erhalten Arbeitnehmer in Deutschland 60 beziehungsweise 67 Prozent (mit Kind) ihres entgangenen Nettogehalts. Wie eine nun veröffentlichte Kurzarbeit-Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt, ist Deutschland damit jedoch in Europa Schlusslicht unter den Ländern, die eine vergleichbare Regel besitzen. Daher fordern die Forscher des zur Hans-Böckler-Stiftung gehörenden Instituts nun eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes in Deutschland.

Wenn Kurzarbeit droht, dann lebt es sich in Irland, Dänemark, Norwegen und den Niederlanden unter den 15 europäischen Ländern, die bei der Kurzarbeit-Studie berücksichtigt wurden, am besten. Diese Länder kompensieren den Lohnausfall teilweise bis zu 100 Prozent. Abhängig vom Umfang der Kurzarbeit variiert in Schweden das Kurzarbeitergeld zwischen 92,5 und 96 Prozent.

Auch in Österreich, Großbritannien, Italien und der Schweiz sind die Ausgleichszahlungen prozentual deutlich höher als in Deutschland. Hier werden Menschen in Kurzarbeit 80 Prozent oder mehr gezahlt. Zudem erhalten in Österreich Menschen mit einem besonders niedrigen Lohn einen Aufschlag auf bis zu 90 Prozent. Mit 70 Prozent Lohnausgleich stehen Spanien, Belgien und Frankreich ebenfalls besser als Deutschland dar. Zwei Drittel (66,66 Prozent) erhalten die Portugiesen als Auszahlung.

Kurzarbeit: Die wichtigsten Regeln in Zeiten von Corona

Kurzarbeit-Studie zeigt Unterschiede zwischen Netto- und Bruttobasis

Außerdem geht aus der Kurzarbeit-Studie hervor, dass in den Ländern Unterschiede bei der Bezugsart herrschen. Während Irland, Österreich und Spanien sowie Deutschland ebenfalls das ausgefallene Nettogehalt als Basis nehmen, setzt sich in den elf anderen Ländern der Ausgleich auf Basis des Bruttolohns zusammen. Somit kann die Ausgleichszahlung in den Brutto-Ländern im Vergleich zu Deutschland sogar nochmals höher ausfallen. Dies ist z.B. in Frankreich der Fall. Denn die Franzosen zahlen aufgrund der Steuerbefreiung ein Kurzarbeitergeld von brutto 70 Prozent. Dies wiederum entspricht einer Nettokompensation von 84 Prozent.

Forscher fordern Anhebung des Kurzarbeitergeldes

Durch tarifliche Regelungen wird in einigen Branchen in Deutschland das Kurzarbeitergeld teilweise auf Werte von 75 bis 100 Prozent aufgestockt. Allerdings profitiert von dieser Regelung nur eine Minderheit. Denn die Tarifbindung in Deutschland ist insbesondere in Niedriglohnbranchen sehr gering. Doch gerade hier droht den Beschäftigten aufgrund der Kurzarbeit ein starker finanzieller Engpass. Laut den Forscher der Kurzarbeit-Studie sei abzusehen, dass das Kurzarbeitergeld während der Corona-Krise vor allem von Beschäftigten aus dem Dienstleistungssektor mit geringem Einkommen in Anspruch genommen werde. Daher fordern die Forscher eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf mindestens 80 Prozent – für Beschäftigte im Niedriglohnsektor auf 90 Prozent.

!! UPDATE 23.04.2020: Kurzarbeitergeld wird erhöht !!

In einer Sondersitzung hat die Große Koalition die schrittweise Erhöhung des Kurzarbeitergeldes beschlossen. Arbeitnehmer, die ihr Kurzarbeitergeld für eine um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit beziehen, erhalten nun ab dem 4. Monat des Bezugs 70 Prozent. Für Haushalte mit Kindern gelten im vierten Monat 77 Prozent. Auf 80 bzw. 87 Prozent erhöht sich das Kurzarbeitergeld ab dem 7. Monat des Bezugs. Die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes gilt bis Ende des Jahres.

Kurzarbeitergeld wird schrittweise angehoben

Quelle: WSI / Hans-Böckler-Stiftung

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Über den Autor

Autorenprofil: Katharina Schell

Katharina Schell

Bereits gut die Hälfte ihrer Lebenszeit ist Katharina als Journalistin aktiv, denn sie startete mit 15 Jahren als freie Journalistin in der Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau. Nach ihrem Abitur 2010 folgte ein sehr praxisnahes Bachelorstudium der Medienwissenschaft an der Universität Siegen. Während des Studiums absolvierte sie Stationen bei Bild.de sowie in Fernsehproduktionen für ARD und ZDF. Danach entschied sie sich 2013 für ein Volontariat bei inside-digital.de und baute in den Jahren danach als Chefredakteurin unter anderem das Magazin von handy.de auf. Seit Dezember 2019 verantwortet sie als Redaktionsleitung und Portalmanagerin die redaktionelle Gestaltung von Gründer.de.

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