Wenn der Kredit zu platzen droht - So umgehst du eine mögliche Insolvenz

Die Bank hat den Kredit gekündigt – So musst du reagieren

Stell dir vor, die Bank hat dir für deine Unternehmensgründung einen Kredit gewährt. Du beginnst also, nach und nach dein Unternehmen aufzubauen und beschaffst dafür immer mehr Sachen. Doch dann kommt es plötzlich zu einer unerwarteten Wende: Die Bank wird gewährten Kredit kündigen, wenn du nicht kurzfristig zusätzliche Sicherheiten stellst. So eine Situation stellt für viele Selbstständige eine Katastrophe dar. Doch leider passiert das häufiger mal. Doch die gute Nachricht lautet: Wehrlos bist du nicht!

Wenn einem der Kredit gekündigt wird, ist das für Viele erstmal ein riesiger Schock. Doch eines vorweg: Eine (angedrohte) Kreditkündigung kommt nicht aus heiterem Himmel. Diese Drohung folgt meist dann, wenn du mehrfach Zinsen und Tilgung nicht fristgerecht gezahlt hast, ohne dies vorher mit der Bank besprochen zu haben. Allerdings kann auch eine geänderte Kreditpolitik deiner Bank ein Auslöser sein.

Wichtig ist, dass du jetzt nicht den Kopf in den Sand steckst, sondern zweigleisig vorgehst:

  1. Gehe offensiv auf deine Bank zu und suche das persönliche Gespräch. Kopf in den Sand zu stecken ist in dieser Situation die denkbar schlechteste Strategie!
  2. Halte parallel dazu Ausschau nach alternativen Kreditgebern. Hintergrund: Ein Wechsel des Kreditgebers ist in vielen Fällen noch sehr viel einfacher, solange ein Kreditvertrag noch nicht gekündigt ist.

Überlege parallel dazu, was du deiner Bank im Gespräch anbieten könntest. Gründe, die eine Bank zur Kündigung eines Kredits veranlassen, sind nach den AGB der Banken (meist § 19 in den AGB der Bank):

Blitzübersicht: So reagierst du auf jedes Bankverhalten richtig

  1. Zinsen und Tilgung wurden mehrfach von dir nicht gezahlt.
    Hinweis auf verbesserte Geschäftslage, Gründe benennen (z. B. wichtiger Kunde hatte nicht gezahlt) und aufzeigen, welche Vorsorge du getroffen hast, um solche Ausfälle zukünftig zu vermeiden.
  2. Die Bank hat festgestellt, dass du beim Abschluss des Vertrags unrichtige Angaben über deine Vermögenslage gemacht hast.
    Darstellen, wie es zu diesem Missverständnis kam, aktuelle (verbesserte) Vermögenslage darstellen, ggf., zusätzliche Sicherheiten oder Bürgen anbieten.
  3. Die Vermögenslage deines Unternehmens / deine persönliche Vermögenslage (bei Einzelfirmen) hat sich deutlich verschlechtert.
    Gründe benennen und Perspektiven aufzeigen (z. B. neues Geschäftsmodell, neue Kunden in Aussicht, zweites Standbein angegangen usw.).
  4. Eine Verschlechterung der Werthaltigkeit der von dir gegebenen Sicherheiten ist eingetreten.
    Konkret nach dem Grund fragen, warum die Sicherheit nun schlechter bewertet wird und wie hoch der Abschlag ausfällt. Sicherheiten nur in der Differenzhöhe (oder auch Bürgschaft) anbieten.

Ist die Kündigung überhaupt zulässig?

Vor allem dann, wenn eine Bank ihre Kreditpolitik ändert, versucht sie schon einmal, ihr unliebsam gewordene Kunden loszuwerden. Dann wird in den Raum gestellt, dass ein Kredit gekündigt wird. Doch wenn Sie genauer hinschauen, stellst du fest, dass dies im konkreten Fall gar nicht möglich ist. Denn selbst dann, wenn einer der oben genannten Gründe vorliegen sollte, ist nicht immer automatisch eine Kündigung möglich. Allerdings kommt es hier auf den konkreten Einzelfall an. Das heißt:

Schalte zur Klärung möglichst einen Anwalt oder einen Kreditsachverständigen ein. Denn Gerichte erklären Kündigungen durchaus für unwirksam. Hier einmal ein paar Beispiele:

1. Keine Kündigung bei Verstoß gegen Treu und Glauben

Hat sich deine finanzielle Lage zwar verschlechtert, kann die Bank den Kredit trotzdem nicht kündigen, solange du ausreichende Sicherheiten gestellt und die Kreditraten bislang ordnungsgemäß gezahlt hast (Kammergericht (KG) Berlin, Urteil vom 29.8.2005, 16 U 113/03).

2. Keine Kündigung zur Unzeit

Das ist dann der Fall, wenn deine Gläubiger bereits gemeinsam mit dir einen Sanierungsversuch unternehmen. Der darf nicht durch die Bank behindert werden. Eine Kündigung bleibe zwar wirksam, zöge aber eventuell Schadenersatzforderungen nach sich. Hiervor schrecken Banken zurück.

3. Keine Kündigung wegen bekannter Umstände

Deine Bank kann nicht wegen Umständen kündigen, die ihr bereits beim Vertragsabschluss bekannt waren (BGH, Urteil vom 7.5.2002, Az. XI ZR 236/01). Hast du also beim Abschluss des Kredits die Bank z. B. über deine angespannte Liquiditätslage bzw. die deines Unternehmens unterrichtet, kann diese nicht mit der Begründung kündigen, deine Liquiditätslage sei schlecht.

Das bedeutet aber auch, dass du deiner Bank gegenüber immer mit offenen Karten spielen solltest. Sorge für einen engen Kontakt mit deinem Bankberater und vereinbare regelmäßige Gesprächstermine. Je besser der persönliche Kontakt, desto besser bist du vor den manchmal eigentümlichen Entscheidungen und Vorgehensweisen der deutschen Banken geschützt.

Versuche auf jeden Fall, deine Kreditwürdigkeit wieder herzustellen, du bist hierbei nicht allein. Helfen kann dir ein Beratungsangebot der KfW (runder Tisch oder Turnaround), Deine IHK oder Handelskammer oder auch ein Kreditmediator. Damit sieht deine Bank, dass du alles tust, um die Situation zu entschärfen.

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Über den Autor

Autorenprofil: Sascha Ahlers

Sascha Ahlers

Sascha Ahlers ist Geschäftsführender Gesellschafter bei What The Funnel GmbH und war zuvor von 2017 bis 2019 zuständig für die Projektleitung von Gründer.de. Für diese Aufgabe hat er zuvor 10 Jahre Erfahrung in der Berliner Startup-Szene gesammelt und war dort vor allem für das Marketing zahlreicher Unternehmen verantwortlich. Seit 2014 ist er zudem selbst Gründer und unterstützt Startups und KMUs im Online-Marketing.

Eine Antwort

  1. Auch wichtig: Beim Abschluss von Krediten darauf achten, dass man nicht auf eine Anschlussfinanzierung angewiesen ist – und wenn doch, sollte man die frühzeitig klären. Und man sollte den Kredit mit seinen Raten auch wirklich tilgen.

    Ich kenne z.B. einen Spediteur, der hatte sein Betriebsgebäude finanziert, allerdings mit einem tilgungsfreien Darlehen und einer Lebensversicherung als Tilgungsersatz. Zum Ende der Vertragslaufzeit zeigte sich – oh Wunder – dass die LV nicht ausgereicht hat, um den Kredit abzulösen. Eine Anschlussfinanzierung wurde nicht angeboten … weil die Bank keine Speditionen mehr finanziert.

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