Alle Zuschüsse, Hilfsprogramme und Kredite erklärt

Corona-Krise: Hilfsmittel für Selbstständige und Unternehmen im Überblick

Die Corona-Krise zwingt immer noch die Wirtschaft in die Knie. Es gibt kaum Unternehmen, die in der Krise unbeschadet dastehen. Vor allem kleine und mittelständige Unternehmen, Freiberufler und Selbstständige kämpfen um ihre Existenz, weil nicht klar ist, wann die Corona-Krise überstanden sein wird. Deshalb hat der Staat einige Hilfsmittel ins Leben gerufen, die Unternehmer entlasten sollen. Diese Hilfsmittel wollen wir dir in diesem Artikel zusammenfassend darstellen, damit du weißt, auf welche Hilfe du womöglich zurück greifen kannst.

Fast jede Branche ist von der Corona-Krise betroffen. Noch immer sind Clubs geschlossen, Restaurants und Bars dürfen nur eine verminderte Zahl an Gästen bewirtschaften, Geschäfte nur einen Bruchteil von Kunden hereinlassen und Kitas und Schulen sind teilweise wieder geschlossen. Das öffentliche Leben macht noch immer eine Atempause. Und das merken auch Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler. Bestellungen, Aufträge und Buchungen jeglicher Art gehen zurück oder werden storniert. Ein Horror für jeden Unternehmer, denn der Umsatz bricht radikal weg oder geht stark zurück. Damit Unternehmer und Selbstständige trotzdem durch die Krise kommen, hat der Staat einige Hilfsprogramme bereit gestellt. Diese wollen wir gebündelt vorstellen, da je nach Unternehmensart unterschiedliche Hilfsmittel sinnvoll erscheinen.

Hilfe für Selbstständige, Freiberufler und kleine Betriebe

Für Selbstständige, Freiberufler und kleine Betriebe stellt der Bund spezielle Hilfsmittel bereit, um Unternehmer so gut es geht zu unterstützen. Die wichtigsten stellen wir dir hier vor.

Soforthilfe

Mit der Soforthilfe vom Bund bekommen Einzelunternehmer einen direkten Zuschuss gewährt, der nicht zurückgezahlt werden muss. Um diesen zu beantragen müssen Unternehmer jedoch Voraussetzungen erfüllen. Grundsätzlich muss eine wirtschaftliche Notsituation infolge der Corona-Krise vorliegen. Hier wird also geprüft, ob du als Selbstständiger nur durch die momentane Krise in finanzieller Not steckst oder auch schon vorher. Somit darf dein Unternehmen nicht vor März 2020 in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sein. Erfüllst du die Voraussetzung, erhältst du je nach Größe deines Unternehmens folgende Zuschüsse:

  • mit bis zu 5 Beschäftigten: 9.000 Euro für 3 Monate
  • mit bis zu 10 Beschäftigten: 15.000 Euro für 3 Monate

Für die Abwicklung der Anträge sind die jeweiligen Bundesländer zuständig, sodass du dich daher an die Vorgaben deines Bundeslands halten musst.

Grundsicherung

Mit zusätzlichen 3 Milliarden Euro möchte die Bundesregierung einen leichteren Zugang zur Grundsicherung für Selbstständige ermöglichen. Damit sind dann trotz Verdienstausfall der Lebensunterhalt und der Verbleib in der eigenen Wohnung gesichert. Dafür müssen Antragsteller sechs Monate lang weder Vermögensverhältnisse offenlegen, noch ihr Vermögen antasten. Doch damit die Leistungen schnell ausgezahlt werden können, werden alle Anträge auf Grundsicherung vorläufig erst einmal bewilligt. Ob dann eine wirklich Bedürftigkeit vorliegt, wird erst nachträglich geprüft.

Kredite

Bei diesem Milliarden-Schutzschild für Soloselbstständige und Kleinstunternehmen handelt es sich um Kreditangebote der Förderbank „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW). Den KfW-Unternehmerkredit können alle Unternehmen beantragen, die seit mindestens fünf Jahren bestehen. Jüngere Unternehmen, die noch nicht seit fünf Jahren bestehen, können den sogenannten ERP-Gründerkredit beantragen. Doch der Höchstkreditbetrag liegt je nach Unternehmensgruppe bei einer Milliarde Euro. Dabei werden unterschiedliche Laufzeiten von bis zu fünf Jahren angeboten. Mithilfe dieser Kredite ist es kleineren Unternehmen möglich, Betriebsmittel zu finanzieren. Dazu zählen all die Kosten, die während des laufenden Betriebs entstehen, wie bspw. Mietkosten.

Wie genau der Prozess der Beantragung verläuft, findest du auf der Webseite der KfW.

Kurzarbeitergeld

Um zu verhindern, dass Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren, wird die sogenannte Kurzarbeit als mögliches Hilfsmittel angeboten. Demnach können Arbeitgeber Kurzarbeit beantragen, wenn das Unternehmen einen Arbeitsausfall von zehn Prozent verzeichnet. Dabei beträgt das Kurzarbeitergeld für Arbeitnehmer 60 Prozent des vormaligen pauschalierten Nettogehalts, berufstätige Eltern mit Kindern erhalten 67 Prozent. Das Ganze ist jedoch auf 12 Monate begrenzt. Der Arbeitgeber bekommt dann die Sozialversicherungsbeiträge erstattet. Wichtig ist, dass es sich um eine vorübergehende und nicht vermeidbare Maßnahme handelt. Somit müssen alle anderen Optionen wie Urlaub, Überstundenabbau und Homeoffice bereits ausgeschöpft sein.

Arbeitnehmer, die ihr Kurzarbeitergeld für eine um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit beziehen, erhalten zudem ab dem 4. Monat des Bezugs 70 Prozent. Für Haushalte mit Kindern gelten im vierten Monat 77 Prozent. Auf 80 bzw. 87 Prozent erhöht sich das Kurzarbeitergeld ab dem 7. Monat des Bezugs. Die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes gilt bis Ende des Jahres. Ebenso sollen die bereits vorhandenen Hinzuverdienstmöglichkeiten ab 1. Mai bis Ende 2020 erweitert werden.

Das Bundeskabinett hat jedoch am 16. September 2020 beschlossen, diese Regelung bis Ende 2021 zu verlängern. Somit ist bis Ende 2020 unter bestimmten Voraussetzungen eine Bezugsdauer von längstens 21 Monaten möglich. Was sich außerdem an den Bestimmungen ändert, kannst du auf der Seite des Bundesagentur für Arbeit nachlesen. Weitere Zusatz-Informationen zur Kurzarbeit kannst du auch unserem Artikel Kurzarbeit: Die wichtigsten Regeln in Zeiten von Corona – Diese Vorschriften gilt es für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu beachten entnehmen.

Hilfe für kleine, mittlere und große Unternehmen

Auch für kleine, mittlere und große Unternehmen hat der Bund individuelle Hilfspakete zusammengestellt, die langfristige ökonomische und soziale Schäden verhindern sollen.

Schutzfonds

Der Wirtschaftsstabilisierungsfond richtet sich vor allem an große Unternehmen. Denn im Fokus stehen größere Unternehmen ab 250 Mitarbeitern, mit der Möglichkeit, auch kleinere Unternehmen zu berücksichtigen. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds soll mit folgenden Stabilisierungsinstrumente Arbeitsplätze sichern:

  • Liquiditätsgarantien: Garantie-Rahmen in Höhe von 400 Milliarden Euro
  • Kapitalmaßnahmen: Kreditermächtigung in Höhe von 100 Milliarden Euro
  • Refinanzierung: Kreditermächtigung in Höhe von 100 Milliarden Euro

Kredite

Auch für diese Art der Unternehmen stellt die KfW im Rahmen des Corona-Schutzschilds Hilfskredite zur Verfügung. Mit den KfW-Sonderprogramm 2020 und dem KfW-Schnellkredit können Unternehmen aller Größen finanzielle Unterstützung bekommen.

  • KfW-Sonderprogramm 2020: Die KfW übernimmt hier ca. 80 bis 90 Prozent der Haftung für diese Kredite. Diese Regelung erleichtert Banken, Sparkassen und anderen Finanzierungspartnern die Kreditvergabe an die Unternehmen und ermöglicht einfache und zügige Prozesse.
  • KfW-Schnellkredit 2020: Die KfW ermöglicht Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten, einen KfW-Kredit von bis zu 800.000 Euro aufzunehmen. Dabei werden die Hausbanken der Unternehmen zu 100 Prozent von der Haftung freigestellt.

Genauere Informationen zu den einzelnen Krediten, den Anforderungen und Leistungen bekommst du ebenfalls auf der Webseite der KfW.

Hilfe für Startups

Besonders Startups hat die Krise bisher schwer getroffen. Deshalb sollen Gründer individuell unterstützt werden, um eine Stagnation von Unternehmensgründungen zu verhindern. Damit Gründer auch weiterhin den Kopf frei haben und ihre Ideen umsetzen können, umfasst das Maßnahmenpaket drei zentrale Elemente:

  • kurzfristige öffentliche Mittel für Wagniskapitalinvestoren
  • Übernahme der Anteile von ausfallenden Fondsinvestoren
  • erleichterte Finanzierung mit Wagniskapital und Eigenkapitalersetzenden Finanzierungsformen, wenn keine Wagniskapitalgeber im Gesellschafterkreis sind.

Wie du diese Maßnahmenpakete anfordern kannst, erfährst du auf der Webseite des Bundesfinanzministeriums.

Fazit

Während dieser schwierigen Zeit für alle Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler, gilt es sich auf neue Gegebenheiten einzustellen und all seine Optionen zu betrachten. Du solltest dich mit allen notwendigen Voraussetzungen und Vorgaben auseinandersetzen, sodass du die Chance erhältst, mit deinem Unternehmen diese Krise zu meistern. Wenn du zusätzliche Informationen rund um das Thema Corona-Krise erhalten möchtest, siehe dir gerne unsere Themenseite dazu an.

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Über den Autor

Autorenprofil: Lisa Goldner

Lisa Goldner

Nach ihrem Abitur 2013 entschied sich Lisa für ein Studium des Journalismus als auch der Unternehmenskommunikation und konnte durch den nahen Praxisbezug ein breit gefächertes Repertoire an Kenntnissen beider Branchen sammeln. Während des Studiums arbeitete sie als Assistenz der Öffentlichkeitsarbeit in einem öffentlich-rechtlichen Kulturbetrieb und erlernte somit auch essenzielle Aufgaben des Eventmanagements. Im Anschluss begann sie in Kiel den Masterstudiengang ”Angewandte Kommunikationswissenschaft“, in dem sie ihre Erfahrungen durch Projekte und wissenschaftliche Arbeiten besonders in den Bereichen Journalismus und Marketing ausbauen konnte. Seit Januar 2020 ist Lisa Volontärin in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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