Exklusives Interview mit Envioteq-Gründer Bjarne Hufenbach

wachstumsstark. Award 2023: Envioteq macht EHS für Jedermann verständlich

Im Januar 2020 wurde die Envioteq Digital Engineering GmbH durch Bjarne Hufenbach und Sebastian Litfin gegründet. Das Unternehmen ist ein Anbieter und Entwickler von EHS-Systemen. Die Abkürzung EHS steht für die englischen Worte Environment, Health und Safety, übersetzt Umweltschutz, Gesundheitsschutz und Arbeitsschutz. Diese Systeme dienen der Planung, Umsetzung, Überwachung wie auch der Optimierung von betrieblichen Prozessen und Abläufen in den Bereichen Umweltmanagement und Gesundheits- und Arbeitsschutz. Mit der Software-Entwicklung selbst hat der Mitgründer Bjarne Hufenbach in seinem Arbeitsalltag allerdings nur wenig zu tun, sein Fokus liegt auf dem operativen Geschäft. Im wachstumsstark. Award-Interview verrät er uns, was sein Unternehmen einzigartig macht.

Bjarne Hufenbach, wie genau ist das Geschäftskonzept von Envioteq entstanden?

Das Geschäftskonzept von Envioteq ist tatsächlich schon relativ alt. Ich muss dazu vorweggreifen, dass bereits mein Vater eine Unternehmensberatung in diesem Bereich besitzt. In den 90er Jahren wollte er für interne Zwecke ein System entwickeln lassen, was unserem heutigen Produkt sehr ähnlich ist. Und so kam es dann, dass ich als Unternehmerkind mit 4 Jahren das erste Mal auf einem Termin war, wo es quasi um die Weiterentwicklung von diesem Produkt ging.

Mein Vater hat mich damals tatsächlich auch so ein bisschen mit einbezogen, wenn auch eher zum Spaß. Beispielsweise stellte er mir Fragen wie „Gefällt das Design?“ und „Was könnte man hier anders machen?“. Und seit diesem Tag, so könnte man sagen, hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.

Wie ging es dann weiter?

Währenddessen andere Kinder irgendwie Astronaut oder sonst irgendwas werden wollten, kam ich auf die Idee, irgendwann ein eigenes Unternehmen für Arbeitsschutz zu gründen. Mit den Jahren habe ich mich dann weitergebildet und mich mehr und mehr im Unternehmen meines Vaters eingebracht. Ich habe schon früh viel Zeit – auch meine Freizeit – dem Thema EHS-Systeme gewidmet. In der Oberstufe startete ich dann meinen ersten eigenen Versuch, der ist allerdings leider gescheitert.

Wie sahen deine ersten Versuche genau aus?

Zunächst habe ich versucht, das bestehende System so zu verkaufen, wie es eigentlich schon war. Aber daraus ist nicht wirklich was geworden. Erstens war es nicht mehr wirklich ’state of the art‘ und zweitens war mein Vater nicht bereit, das System weiterzuentwickeln. Seine Aussage war immer: „Wir sind kein Softwareunternehmen“. In einem zweiten Versuch wollten wir das System neu entwickeln lassen. Aber da ich selbst nicht entwickeln kann, war ich auf externe Hilfe angewiesen.

Dieser Ansatz ist wieder schiefgegangen und das ist wahrscheinlich auch meine Schuld gewesen. Denn ich habe dabei quasi erklärt, wie ich mir das Konzept dahinter vorstelle. Ich wollte ein möglichst einfaches Programm, aber das ist schwer, da bereits die Themen, auf denen das Programm basiert, sehr komplex sind. Insgesamt ist das ein sehr, sehr mühsamer Prozess, bei dem man dranbleiben und sich immer weiterentwickeln muss.

Wie hast du deinen Geschäftspartner kennengelernt?

Anfang 2019 bin ich neben meinen heutigen Geschäftspartner gezogen, wir waren also Nachbarn. Er holte dann eines Tages mal ein Paket von mir ab und lud mich spontan zum Grillen ein. So haben wir uns kennengelernt. In rasanter Geschwindigkeit hat sich eine Freundschaft zwischen uns entwickelt. Und wie das dann so ist, irgendwann spricht man auch über Ideen. Er erzählte mir, dass er Software-Entwickler ist und er bereit wäre, mir zu helfen. Ehrlich gesagt war ich damals noch ein bisschen skeptisch. Immerhin verliefen meine bisherigen Erfahrungen mit Programmierern vorher nicht allzu aussichtsreich.

Trotzdem nahm ich seine Hilfe an und das war letztlich genau der richtige Schritt. Gemeinsam sind wir das Vorhaben komplett anders angegangen. Wir entwickelten jede Kleinigkeit zusammen und versuchten nicht mehr etwas an Dritte abzugeben. Und jetzt ist er ein gleichberechtigter Partner, auf den ich mich verlassen kann. Ohne die vorherigen Fehlversuche würde ich hier heute wahrscheinlich nicht sitzen. Das war sozusagen die Geburtsstunde der Envioteq Digital Engineering GmbH. Wie heißt es so schön: Alle guten Dinge sind 3.

Welche Produkte und Dienstleistungen bietet ihr genau an?

Unsere Software ist ein modulares System, das heißt, wir sind browserbasiert. Wir konzentrieren uns bei Envioteq auf den EHS-Bereich. Die Envioteq-Software dient der Planung, Umsetzung, Überwachung wie auch der Optimierung von betrieblichen Prozessen und Abläufen in den Bereichen Umweltmanagement und Gesundheits- und Arbeitsschutz. Dazu zählt bspw. die Überwachung bzw. Pflege von Gefahrstoffkatastern, um mal einen Use-Case zu nennen.

Oft ist es in der Praxis so, dass sich aufgrund des Fachkräftemangels fachfremdes Personal auf einmal um irgendwelche arbeitsschutzrechtlichen Belange kümmern soll. Diese Person kriegt dann üblicherweise 1-2 Schulungen und soll jedes Gesetz, jede Norm und alles andere auch noch auswendig lernen. Das ist natürlich faktisch einfach nicht möglich. Und genau hier setzt Envioteq an. Das heißt, wir greifen diese ganzen Anforderungen, die sich aus den Gesetzen ergeben, auf, um sie dann in unserer Software anschaulich darzustellen. Envioteq nimmt EHS-Managern also effektiv Arbeit ab und erleichtert komplizierte Abläufe.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal der Envioteq Digital Engineering GmbH?

Ehrlicherweise eine relativ simple Sache. Denn ich habe mir in den vergangenen Jahren viele Konkurrenzprodukte gesehen, beispielweise mit meinem Vater oder auch mit Mitarbeitern. Und es gibt viele gute Konkurrenzprodukte. Diese sind von der Funktionalität her top, aber leider oft für den Anwender völlig unverständlich. Wer das Programm nicht versteht, kann es nicht benutzen.

Das bedeutet, wir legen bei Envioteq unfassbar viel Wert auf Usability. Das ist das, was uns auszeichnet. Wir haben es bisher in nahezu jedem Bereich hingekriegt, komplizierte Themen verständlicher darzustellen als unsere Konkurrenz. Übrigens: In dem einen Bereich, den wir bisher noch nicht komplett erschlossen haben, bieten wir unser Tool daher zur Zeit noch kostenlos an.

Mit welcher Strategie beschleunigt ihr euer Wachstum?

Wir sind vor allem durch Fremdkapital gewachsen. Sprich wir haben Investoren und finanzielle Mittel gesammelt, die unser Wachstum unterstützt haben. Gerade Firmen und Personen, die in der Vergangenheit bereits mit EHS-Systemen in Berührung gekommen sind, wissen, wie wichtig die Arbeit ist, die wir machen. Durch eine Empfehlung sind wir so zu unseren Investor und mittlerweile auch Mentor gekommen.

Ein weiterer wichtiger Wachstumsbeschleuniger war das Einstellen von Mitarbeitern. Denn man kommt dann doch irgendwann an seine Grenzen. Auch als Gründer muss man verstehen, dass man nicht alles alleine schultern kann. Durch jeden neuen Mitarbeiter kam mehr Erfahrung und Know-How bei Envioteq zusammen. Das hat uns logischerweise weiter voran gebracht.

Welche Meilensteine habt ihr mit Envioteq bisher erreicht?

Für mich war die zweite Finanzierungsrunde ein riesiger Meilenstein. Hier haben wir zunächst einige Absagen bekommen. Am Ende hat diese Phase 6 Monate länger gedauert als gedacht. Und zugegeben: Das Thema Arbeitsschutz klingt auf den ersten Blick leider nicht wirklich sexy. Es hat länger gedauert als gedacht, andere von der Wichtigkeit unserer Idee zu überzeugen. Aber am Ende haben wir es geschafft und darauf kommt es an. Und ich bin mir sicher: Die nächsten Meilensteine erreichen wir schon bald.

Wo siehst du die Envioteq Digital Engineering GmbH in 5 Jahren?

Das ist eine komplizierte Frage. Natürlich wollen wir organisch weiter wachsen. Doch unabhängig davon ist es natürlich unser Ziel, die Envioteq-Software weiter zu verbessern. Auch möchten wir mehr Schnittstellen schaffen, damit unsere Software noch besser in bereits vorhandene Prozesse integriert werden kann.

Zudem möchten wir mit unserem vollumfänglichen System zum Marktführer werden. Dazu brauchen wir neue, motivierte Mitarbeiter, denen die Themen Arbeits- und Umweltschutz am Herzen liegen. Zusammengefasst kann man sagen, dass wir in 5 Jahren eine ganze Ecke weiter an einem vollumfänglichen, generischen System sein wollen, um für kleine und mittelständische Unternehmen tatsächlich alle EHS-Prozesse zu managen. Das ist unsere Vision bei Envioteq.

Welche Fehler sind dir bzw. euch in der Wachstumsphase unterlaufen?

Also zum einen haben wir Kaltakquise viel zu voreilig abgelehnt. Wir dachten einfach, dass sich das nicht lohnt. Ein sehr erfahrener Mitarbeiter von uns hat lange gebraucht, um uns vom Gegenteil zu überzeugen. In diesem Punkt haben wir unser Wachstum damals leider selbst ausgebremst. Ansonsten das Thema Kosten. Gerade als Startup fängt man schnell an hier und da irgendwelche Anschaffungen zu machen, die man eigentlich nicht wirklich braucht.

Auf der anderen Seite wartet man allerdings auch mit anderen Sachen wieder zu lange. Das Thema geht in beide Richtungen. Aber das Gute ist: Man lernt aus seinen Fehlern. Mittlerweile bin ich oft etwas mutiger, aber auf der anderen Seite auch zurückhaltender, wenn ich mir nicht sicher bin. Am Ende gilt aber vor allem eines: Man darf auch als Gründer und Unternehmer Fehler machen. Das gehört irgendwie dazu.

Was bedeutet es für euch, beim wachstumsstark. Award dabei zu sein?

Am Anfang war ich – das muss ich fairer Weise sagen – ein bisschen skeptisch. Denn es gibt eine Menge Awards da draußen. Viele Unternehmen kommen auf die Idee, eine Marke zu gründen und einen Award rauszugeben und naja, viele verschwinden auch wieder nach ein paar Jahren. Ich hatte durch Zufall allerdings ein paar Tage vorher was vom Gründerkongress gelesen und fand es total interessant. Danach habe ich erst erfahren, dass wir fremd nominiert wurden. Wir haben also nicht einfach irgendwas zugeschickt bekommen. Das war eine großartige Erfahrung, weil es bedeutet: Da draußen glaubt jemand an Envioteq. Das macht mich unfassbar stolz. Selbst wenn ich bis heute nicht weiß, wer uns nominiert hat.

Welchen ultimativen Tipp könnt ihr unseren Lesern geben, die jetzt gerade auch an ihrer Wachstumsstrategie feilen?

Mein Tipp lautet: So viel externe Hilfe dazu holen wie möglich. Denn gerade wenn man jung ist, fehlt einem einfach viel Erfahrung. Wir haben bei Envioteq dafür einen Beirat, der uns unterstützt. Unser Beirat ist bunt aufgestellt, vom Managing-Partner bis hin zum CEO eines Softwareunternehmens. Diese Menschen helfen uns tagtäglich weiter und beschleunigen unser Wachstum. Wir profitieren von dem Expertenwissen und der Erfahrung unserer Beiräte. Aktuell helfen uns diese Menschen sogar kostenlos.

Außerdem ist Automatisierung in vielfacher Hinsicht ein wichtiger Punkt. Es gestaltet Prozesse einfach und schnell. Man kann nicht alles manuell steuern. Und am Ende des Tages kann man mit einer Automatisierung skalieren und das ist das, was Wachstum ausmacht.

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Über den Autor

Autorenprofil: Luisa Kleinen

Luisa Kleinen

Luisa wurde 1996 in Bonn geboren und studierte nach ihrem Abitur Rechtswissenschaften mit Abschluss des ersten Staatsexamen (Schwerpunkt Internationales Strafrecht und Medienstrafrecht) an der Universität zu Köln. Parallel zu ihrem Studium war sie einige Jahre als Studentische Hilfskraft in der Forschungsstelle für Medienrecht an der TH-Köln tätig. Dadurch erhielt sie einen tiefen Einblick in das Medien-, IT- und Datenschutzrecht und sammelte erste redaktionelle Erfahrungen. Später arbeitete sie als Assistenz der Geschäftsführung in einem Gastronomiebetrieb und erweiterte hier ihre Kenntnisse im Personal- und Projektmanagement. Nach ihrem Praktikum in der Redaktion von Gründer.de, ist sie seit Juli 2022 als Junior Legal Managerin bei Digital Beat und Gründer.de tätig.

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