Der Experte im Finanzkongress-Interview

Dr. Hendrik Schulz: ,,Finde deine Basisstrategie!“

„Über Geld spricht man nicht.“ Solche und andere Sprüche hat doch sicher jeder schonmal gehört. Aber kaum jemand weiß, wie viel Schaden davon ausgehen kann. Denn wie kann man etwas über Geld lernen, wenn man nicht darüber spricht? Unsere Generation kann es sich gar nicht leisten, sich für das Thema nicht zu interessieren. Die Rente wird später nicht reichen und den Rest erledigt die Inflation. In seinen praxisnahen und verständlichen Büchern zeigt der Autor und Investor wie jedem der erfolgreiche Einstieg an der Börse gelingt. Als Speaker des Finanzkongress 2021 hat Dr. Hendrik Schulz uns im Interview verraten, was finanzieller Erfolg für ihn bedeutet und wie seine ultimativen Finanz-Tipps lauten, insbesondere in Krisenzeiten.

Wie hat bei dir alles angefangen: Warst du schon immer an Finanz-Themen interessiert oder gab es einen Auslöser?

Tatsächlich fand ich die wirtschaftlichen Zusammenhänge schon seit meiner Schulzeit hoch spannend. Die Bedeutung und der Einfluss auf unsere Entwicklung als Gesellschaft hängt maßgeblich mit dem Aufkommen der Zweckgemeinschaft Wirtschaft + Forschergeist zusammen. 

Zwar bin ich dann vorerst beruflich ins eine ganz andere Richtung gegangen, aber mein Interesse – besonders für den Aktienmarkt – habe ich nie verloren. Viele Menschen glauben, dass Aktien langweilig und eintönig sind, weil man ja nur auf die Kurstafeln schaut. Aber zu investieren, also Teilhaber eines Unternehmens zu sein, dieses zu verstehen, zu analysieren, auf dem neuesten Stand von Finanzpolitik und Weltgeschehen zu sein, ist unheimlich spannend. Hinzukommt, dass man sich mit den verschiedensten Branchen und Themen auseinandersetzt. Wer im Pharmabereich investiert, wird automatisch etwas über Erkrankungen und Medikamente lernen. Diese Vielseitigkeit wird oft gar nicht gesehen. 

7 Aktien-Tipps, um mit Wertpapieren Geld zu verdienen

Tipp 1: Verstehe, in was du investierst

Aktien machst, ist, dass du weißt, in welche Firma du investierst. Lese dich daher genau in die vergangenen Geschäftskennzahlen, den Geschäftsbericht und die volkswirtschaftlichen Prognosen ein, um einen besseren Eindruck von den bisherigen Entwicklungen des Unternehmens zu bekommen. Hilfreich kann es hier auch sein, sich an erfolgreichen Investoren zu orientieren, die schon jahrelange Erfahrungen haben. Diese teilen regelmäßig ihre Einschätzungen und Prognosen.

Tipp 2: Investiere nur das Kapital, was du zur Verfügung hast

Ebenfalls einer der wichtigsten Aktien-Tipps ist, dass du nur das Kapital in Aktien investierst, welches du übrig hast. Wenn du beispielsweise vorhast, in den nächsten Jahren ein Haus zu bauen und du schon beginnst dafür zu sparen, solltest du dieses gesparte Geld nicht in Aktien anlegen. Denn wenn du das Geld angelegt hast und die Börse gerade in dem Moment eine Schwächephase hat, in dem du das Geld brauchst, musst du deine Aktien mit Verlust verkaufen.

Tipp 3: Nicht alles auf eine Karte setzen

Wenn du dich nun genau über eine Aktie informiert hast und gerne in diese investieren möchtest, solltest du das niemals mit deinem gesamten verfügbaren Kapital tun. Du solltest dir mindestens noch eine andere Aktie, besser sogar mehrere, raussuchen, in die du ebenfalls investieren möchtest. So lässt sich das Risiko eines hohen Verlustes, sollte die jeweilige Aktiengesellschaft starke Verluste machen oder Pleite gehen, minimieren.

Tipp 4: Nicht spekulieren sondern lieber anlegen

Viele Menschen stellen sich den Handel mit Aktien so vor, dass es einen ständig Wechsel zwischen Kaufen und Verkaufen von Aktien gibt. Tatsächlich ist dies aber meistens nicht der Fall. Dass man eine Aktie, die man gerade erst gekauft hat, nach wenigen Tagen wieder verkauft, sollte nur eine Ausnahme darstellen. Der wer ständig schnell wieder verkauft produziert mehr Kosten als Gewinne. Denn bei jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren fallen Kosten an, die durch die Aktie erstmal wieder reingeholt werden müssen. Hier lohnt es sich also, Aktien länger zu halten.

Tipp 5: Geduld zahlt sich aus

Wer glaubt, dass er mit Aktien schnell Geld verdienen kann, der muss sich leider nach einer anderen Geldanlage umschauen. Denn wer sehr schnell Geld braucht, der wird unweigerlich auf ein risikoreiches Investment setzen müssen. Und das kann schnell in hohen Verlusten enden. Wer hingegen Geduld beweist und langfristig anlegt, hat wesentlich höhere Chancen, mit Gewinnen aus der Sache herauszugehen. Mit der Zeit sinkt auch das Risiko deutlich, mit Aktien Geld zu verlieren.

Tipp 6: Kursschwankungen aussitzen

Natürlich kann es immer mal dazu kommen, dass sie Aktienkurse eine Zeit lang in den Keller gehen. Schwankungen sind hier völlig normal und werden auch immer wieder vorkommen. Wichtig ist hierbei nur, dass man sich nicht davon verunsichern lässt. Es bringt rein gar nichts, wenn man in Panik gerät und schnell alle Aktien verkauft. Es bringt in den meisten Fällen mehr, wenn man einfach abwartet, bis sich die Kurse wieder erholt haben und man wieder im Plus ist. Wer sich absichern will, kann eine sogenannte „Stop-Loss“-Grenze setzen. Dabei handelt es sich um einen Wert, ab dem die Anlage in jedem Fall verkauft wird. Auf der anderen Seite kann so ein Tiefpunkt des Kurses ein guter Zeitpunkt sein, um weitere Aktien günstig nachzukaufen.

Tipp 7: Anlage ständig im Auge behalten

Auch wenn es sich lohnt Aktien langfristig anzulegen, heißt das nicht, dass du diese in den nächsten Jahren nicht mehr beachten musst. Auch Zukunftsprognosen können sich ständig ändern. Hier kann es sich empfehlen, sich einen Anlageberater zur Hilfe zu nehmen, mit dem man einmal im Jahr sein Depot bespricht und zusammen überlegt, welche Anlagestrategie in Zukunft Sinn macht.

Was waren finanziell gesehen, deine größten Pleiten und Erfolge?

Zu meinen finanziell größten Erfolgen am Aktienmarkt zählt einmal, dass ich im März 2020 mutig große Summen investiert habe. Auch einige Trades sind teilweise sehr gut gelaufen. 

Zum Beispiel: Ich habe Plug Power bei knapp unter 7€ gekauft. Verkauft habe ich dann bei weit über 40€. In der volatilen Phase in 2020 nach dem Sommer habe ich mit Hebelzertifikaten oft erfolgreich gehandelt. 

Das führt mich dann auch zu den größten Pleiten: Leider möchte man an der Börse oft zu viel. Gerade mit den besagten Hebelzertifikaten habe ich auch einigen Verlust eingefahren, weil sich die Märkte doch nicht so verhielten, wie ich es dachte. Hinzukommen viele kleine Trades, die ich entweder zu ungeduldig oder zu zögerlich gehandelt habe. 

Welche Strategien verfolgst du, um langfristig finanziell erfolgreich zu sein?

Die Basis für ein erfolgreiches Investment steckt meiner Meinung nach bereits in der Frage. Man muss eine passende Strategie finden, die langfristig orientiert ist. Das wichtigste ist, den Umgang mit Geld zu lernen. Money Management ist das Stichwort. Man muss sich im ersten Schritt über seine Finanzen klar werden. Wie viele Einnahmen und Ausgaben habe ich, wo liegt meine Sparrate? Dann kann man Schrittweise langfristige Investments aufbauen, die breit gestreut am Markt laufen. Hier ist auch das Mindset ganz wichtig. Wer mit der falschen Einstellung rangeht, wird eher scheitern, als jemand, der optimistisch in die Zukunft blickt. Wenn du deine langfristige Basisstrategie gefunden hast, lasse sie in Ruhe und konzentriere dich auf etwas anderes, wenn du möchtest. Das mächtigste Instrument, das du als Privatanleger hast, ist der Zinseszinseffekt. Und der funktioniert am besten über Zeit. 

Inwiefern hat die Corona-Krise in den vergangenen Monaten deine finanziellen Entscheidungen beeinflusst?

Abgesehen davon, dass ich versucht habe natürlich immer den Trend zu treffen (Corona-Profiteure, dann doch wieder Short gehen, Tourismus und Öl Sektor erholt sich, jetzt kommt doch einen Korrektur…), hat mir die Krise gezeigt, dass die Finanzmärkte stabiler sind, als viele Experten vermuten. Natürlich gibt es dort auch immer Gefahren und Risiken, aber die Wirtschaft will wachsen. Hinzukommt, dass so viele neue Anleger an die Börse gegangen sind. Das ist etwas, was mich grundsätzlich sehr freut, weil ich glaube, dass wir uns nicht mehr auf unsere Rente verlassen können. Jeder sollte sich privat absichern und mein persönlicher Wunsch ist es, die Aktienkultur in Deutschland zu fördern und jeden, der es möchte, zu einem mündigen und selbstbewussten Privatanleger zu machen. Daher habe ich ja auch meine Bücher geschrieben. 

Welchen ultimativen Finanz-Tipp würdest du unseren Lesern für Krisenzeiten mitgeben?

Jeder, der nicht aktiv darauf reagieren möchte, sollte bestenfalls folgendes tun: nichts.

Das klingt vielleicht im ersten Moment etwas komisch, doch ein Kursrückgang ist erst dann ein Verlust, wenn man auch mit niedrigem Kurs verkauft. Die panikartigen Verkäufe bei fallenden Kursen ist der häufigste Fehler bei Anlegern. Die Geschichte der Börsen hat gezeigt, dass es max. 10 bis 15 Jahre gedauert hat, um sich nicht nur von einem Crash (egal wie furchtbar er war) zu erholen, sondern auch noch Gewinn zu machen. 

Das Aussitzen ist vielleicht auch die schwierigste Angelegenheit, weil man so viel Geduld und starke Nerven braucht. Aber gerade die Corona-Krise hat noch einmal bestätigt, was sich in der Vergangenheit bisher gezeigt hat: Wer im März verkauft hat, hat Verluste realisiert. Wer im März ruhig geblieben ist, und nichts gemacht hat, hatte bis Juli bereits alles ausgeglichen und bis Februar noch viel mehr Gewinne erzielt. Man hat also nicht einmal ein Jahr warten müssen, um ordentliche Rendite einzufahren.

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Über den Autor

Autorenprofil: Victoria Heinzlmeier

Victoria Heinzlmeier

Victoria machte 2019 ihr Abitur in Köln. Vor Beginn ihres Studiums absolviert sie ein Praktikum in unserer Online-Redaktion und ist somit als Redakteurin vor allem für die Content-Erstellung zuständig. Insbesondere unterstützt sie uns bei den Finanzkongress-Interviews, baut das Gründerverzeichnis weiter aus und schreibt fleißig aktuelle News. In ihrer Freizeit liest sie gerne Romane und Biografien und spielt seit Kindheitstagen Tennis.

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