Europa ist viel mehr als nur eine Idee. Europa ist ein gemeinsamer Gedanke, ein Wunsch nach Kooperation und ein Sehnsuchtsort für Unternehmen, an dem sich die Expansion tatsächlich noch lohnt.

Zu viele deutsche Gründer scheuen sich vor dem entscheidenden Schritt, sich auch aufs europäische Parkett zu wagen und den E-Commerce-Markt Europa zu nutzen. Immerhin bietet der Online-Handel nicht nur ein riesiges Wachstumspotential, sondern lockt Unternehmer, die es richtig angehen, auch mit enormen Umsätzen.

Rund 45 Prozent der EU-Bevölkerung gehörten im Jahr 2016 zu der Gruppe der Online-Käufer – am meisten Geld gaben die Britten im Online-Handel aus. Von insgesamt 345,5 Milliarden US-Dollar, die digital umgesetzt wurden, entfielen gerade einmal 51,7 Milliarden auf Deutschland. Da wäre es geradezu töricht für Unternehmen, sich Europa zu verschließen.
Hier findest du einen Überblick, um dein Unternehmen durch die europäischen Gewässer zu navigieren und als Online-Händler das zu erreichen, was schon Napoleon versuchte: Europa erobern.

Europa in Zahlen – so behältst du den Überblick über den europäischen Markt

Der größte Teil des Gesamtumsatzes im Online-Handel (die Rede ist hier ausschließlich von B2C) entfiel in den letzten Jahren auf Großbritannien. Das Königreich zahlte noch mehr als Frankreich und Deutschland – das bevölkerungsreichste Land Europas, in dem die Wirtschaft seit Jahren boomt.

Doch nicht nur die großen Länder mit einer bereits nahezu ausgeschöpften, digitalen Infrastruktur und einer Vielzahl lokaler Unternehmen, die sich digital erneuert haben, geben ihr Geld im Online-Handel aus. Suchst du Wachstumspotential im E-Commerce-Sektor, so wachsen Ungarn, die Türkei und Belgien am schnellsten.

Gemessen am Brutto-Inlandsprodukt beeindruckt E-Commerce als Wirtschaftsfaktor nicht nur in Großbritannien, wo das digitale Portemonnaie lockerer sitzt, sondern auch in Dänemark und Finnland. Kein Wunder, schließlich besitzt Skandinavien auch eine höhere Netzdurchdringung als Deutschland (90 im Vergleich zu 89 Prozent). Gerade die ländlichen Regionen Deutschlands sind was das Internet angeht, ja immer noch Entwicklungsland.

Doch nicht nur Unternehmen müssen nachziehen, wenn es um den grenzenlosen Handel innerhalb Europas geht, auch bei den Kunden besteht nach wie vor Nachholbedarf. Nur rund 16 Prozent der europäischen Kunden shoppen im World Wide Web auch wirklich im Ausland, das ist etwa jeder Sechste. In Deutschland sogar nur rund jeder Achte; das mag am guten Angebot deutscher Unternehmen liegen oder an einem generellen Unmut zur Innovation hierzulande. Am offensten zeigen sich Luxemburg (mit 68 Prozent grenzüberschreitender Einkäufe) und Österreich (immerhin noch 44 Prozent). Der Hauptgrund hierfür liegt aber darin, dass die Anrainer deutsche Angebote von Großhändlern wie Amazon nutzen.

Besonders hart ist der Cross-Border-Markt in Rumänien, Polen und Bulgarien, wo nur wenig Waren den Weg über die Grenzen finden. Polen ist sicherlich ein Extrembeispiel, hier scheut sogar Amazon die Expansion.
Aber Polen ist abseits des Internets ein riesiger Markt. Deutschland ist wichtigster Handelspartner für Polen und die alten Strukturen sind reif, aufzubrechen. Der Markt polnischer Online-Shopper wächst immer weiter und wird von Experten in den nächsten Jahren auf 15-20 Prozent Wachstum beziffert. Im Vergleich dazu wirken 11,5 Prozent in Deutschland geradezu mager.
Die besten Karten hast du als Online-Händler mit den Steckenpferden Kleidung (beliebteste Ware zum Bestellen) und Flugbuchungen (beliebtester Service). Doch Unternehmer können auch dann besonders erfolgreich sein, wenn sie eine Nische bedienen und die Expansion nach Europa wagen. Ein Beispiel hier wäre etwa das Berliner Start Up Autodoc.

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Von Berlin auf europäische Straßen

Inzwischen ist die Geschichte des Start Ups Autodoc eine echte Erfolgsgeschichte. Im vergangenen Geschäftsjahr 2016 verbuchte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 118,5 Millionen Euro, dabei begann das Unternehmen ursprünglich als E&S Pkwteile GmbH und arbeitet erst seit 2015 als Autodoc. Eine modernisierte Struktur und der Verkauf von Ersatzteilen und Teilen zur Individualisierung bescherten dem Start Up ein rasches Wachstum und inzwischen agiert der Online-Shop in 16 Sprachen und von der App oder der Website aus werden Kunden in 25 europäischen Ländern beliefert.

Mit einer ungewöhnlichen, individuellen und noch nicht besetzten Idee unter einem leicht verständlichen Branding konnte Autodoc sich einen europäischen Gesamterfolg sichern.
Willst du mit deinem Unternehmen nachziehen? Erst im Mai hat die EU-Kommission ein E-Commerce Paket verabschiedet, mit dem etwa Länderschranken (wie Geoblocking) ein für allemal der Vergangenheit angehören sollen. Das soll natürlich auf der einen Seite den Nutzern helfen, greift aber gerade auch kleinen und mittleren Händlern unter die Arme und öffnet auch für Gründer den Wachstumsmarkt Europa. Denn während Amazon, eBay und Co. es sich leisten können, Geschäftssitze in der ganzen EU zu unterhalten, ist für Start Ups die beste und einzige direkte Handelsverbindung häufig der Paketversand.

Schlüssel zur europäischen Expansion

Nicht nur innerhalb Europas ist das Begehren stark, auf den europäischen Markt vorzudringen, auch die Amerikaner zieht es vermehrt nach Europa. Dabei hadern viele amerikanische Händler mit den gleichen Punkten, die vielleicht auch die Expansion deines Unternehmens zumindest erschweren.
Unterschiedliche Sprachen erfordern eigene Teams zur Lokalisierung, unterschiedliche Länder haben unterschiedliche Vorlieben bei der Zahlung und dann wären da noch die logistischen Eigenheiten der verschiedenen EU-Länder.

In Deutschland etwa zahlt fast die Hälfte aller Kunden (etwa 40 Prozent) mit PayPal, während in Skandinavien längst elektronische Wallets den Markt erobert haben.
Das erfordert etwas Sensibilität bei der Expansion, um die länderspezifischen Prioritäten auch gebührend zu würdigen.

Doch nicht nur in den Zahlungsmethoden unterscheiden sich die Europäer, auch in Punkten wie M-Commerce gibt es teilweise harsche Differenzen. Auch die sonst gar nicht Online-Shopping-müden Franzosen besitzen beim mobilen Einkauf noch Wachstumspotential.
Und während in Deutschland am liebsten Kleidung online gekauft wird, liegt in Frankreich die Touristik ganz vorne und in Dänemark etwa setzen Finanzdienstleistungen im E-Commerce-Sektor am meisten Geld um.
Es kann sich also durchaus lohnen, die Statistiken zu prüfen, in welcher europäischen Nation dein Unternehmen beste Chancen hätte, noch stärker zu wachsen oder in eine noch nicht besetzte Nische vorzudringen.

Der Weg nach Europa ist dein Weg zum Erfolg

Natürlich sind die Zeiten der extrem hohen Wachstumsraten im E-Commerce-Bereich in Europa vorbei. Europäische Märkte, in denen der Online-Handel noch wirklich stark wächst, sind eher Nachzügler, in Vorläufernationen wie Großbritannien und den skandinavischen Ländern hat sich die Kurve längst abgeflacht.

Das heißt natürlich nicht, dass dein Unternehmen den Weg nach Europa vermeiden sollte, im Gegenteil: Deutschland macht gerade einmal etwas mehr als ein Siebtel des europäischen Gesamtumsatzes im Online-Handel aus. Und dank weicher Grenzen und bald noch besserer Bedingungen für Online-Portale in Europa sind die Weichen auf innereuropäischen Erfolg gestellt. Du musst dich nur noch entscheiden, ob dein Unternehmen den Vorstoß wagen möchte.
Der europäische Markt lockt und Start Ups wie Zalando oder Autodoc haben in den letzten Jahren gezeigt, dass sich auch von Deutschland aus europäische Erfolgsgeschichten schreiben lassen