Geschäftsidee muss kein neues Rad sein

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Jedes erfolgreiche Startup begann als eine Idee im Kopf eines ehrgeizigen Gründers. Ob nun Taxidienst 2.0 von Uber oder ein stylischer Musikplayer von Apple, rund um diese Ideen ist ein regelrechter Startup-Kult entstanden. Immer wieder hört man von neuen revolutionären Ideen, die das Potenzial haben, eine ganze Industrie umzukrempeln. Da ist es nur natürlich, dass angehende Gründer mitmischen wollen. Geschäftsideen sind zu einer Ware geworden und Menschen bezahlen Geld für die Ideen Anderer. Doch warum sind Leute bereit, Geld für etwas so Unfertiges wie eine Idee auszugeben und warum scheitern so viele Unternehmen mit ihren bahnbrechenden Ideen? Genau diese Fragen werden wir beantworten und herausfinden, wie man dem selben Schicksal entgehen kann.

Die Legende von der Millionen-Dollar-Idee

Wenn man sich die einschlägigen Magazine und Blogs anschaut, kann man den Eindruck bekommen, dass die richtige Idee sofort Millionen von Dollar wert ist. Hier hat ein Unternehmen eine 3-stellige Millionensumme eingesammelt, dort legt ein junges Startup einen märchenhaften Exit hin. Diese Berichte sind inspirierend und man kann einiges von ihnen lernen. Was sie nicht vermitteln ist der reale Wert einer Idee. Keine reine Idee ist Millionen Dollar wert. Nun kann man argumentieren, dass Investoren scheinbar bereit sind, Millionen für eine reine Idee zu bezahlen. Diese Fehlinterpretation kommt von den wenigen Informationen, die uns die Nachrichten zu den Einzelfällen hinwerfen. Wir erhalten nur einen groben Überblick eines Endergebnisses, dem wahrscheinlich eine längere Periode aus Investorensuche und harten Verhandlungen vorausgegangen ist. Kein Investor wird sich hinstellen und ein paar Millionen für eine Idee hinlegen. Stattdessen treffen sich Gründer und Investoren und es wird über alle wichtigen Aspekte des geplanten Startups gesprochen. Kunden, Wachstum, Gewinnschätzungen, und, und, und. Am Ende steht dann das, was die Millionen wert sind: Das Geschäftsmodell. Die Geschäftsidee ist schließlich „nur“ die Basis für das Geschäftsmodell. Ein viel größerer Teil ist aber Planung und Durchführbarkeit der verschiedenen Geschäftsbereiche. Darüber werden allerdings in der Regel keine Artikel geschrieben, denn das Ganze ist nicht wirklich spannend. Also wird lieber über die Idee und das Geld geschrieben.

Die unsichtbare Mehrheit

Nicht jede Gründung ist ein Airbnb oder SpaceX. Ein großer Teil würde sich nicht einmal als Startup bezeichnen. Die Startup-Szene lebt in einer relativ kleinen Filterblase und übersieht dabei ganz schnell, dass wir eigentlich tagtäglich von Gründern umgeben sind. Der Franchisebäcker um die Ecke: Gründer. Der Spätkauf daneben: Gründer. Die Bar auf der anderen Straßenseite: auch Gründer. Ein sehr großer Anteil der Läden und Dienstleistern, mit denen wir im täglichen Leben in Kontakt kommen, wurden von einem Gründer eröffnet. Genau wie die gehypten Startups hat dieser Gründer auch ein Geschäftsmodell entwickelt und ist häufig Geld einwerben gegangen. Nur nicht zu Investoren, sondern eher zur Bank. Trotzdem sind diese Unternehmen oft erfolgreich. Das steht natürlich der Idee entgegen, dass Erfolg eine innovative und disruptende Idee als Grundvoraussetzung braucht. Diese Unternehmen machen allerdings die deutliche Mehrheit aller Gründungen aus. Aber es gilt eben: Bäckereieröffnungen ergeben keinen spannenden Artikel.

Erfolg braucht kein neues Rad, nur ein runderes

Wie also bekommt man die hochvolatile Startup-Szene und die ruhigeren Alltagsgründer unter einen Hut? Man erkennt an, dass beide Herangehensweisen ihre entsprechenden Einsatzgebiete haben. Ein angehender Gründer mit einer guten Geschäftsidee und einer soliden Vorstellung von der Umsetzung sollte diese auf jeden Fall durchziehen und zum Erfolg führen. Doch auf diesen Gründer zielt die Geschäftsideen-Industrie gar nicht. Hier werden eher Gründer angesprochen, die allein von dem Wunsch nach einem eigenen Unternehmen getrieben werden und denen die entsprechende Idee fehlt. Was diese Gründer oft nicht realisieren ist, dass sie gar keine superinnovative Idee brauchen.
Stattdessen reicht eine neue und/oder bessere Umsetzung einer schon bestehenden Idee. Die meisten großen Unternehmen basieren auch auf diesem Konzept. Tesla hat keine neue Art der Fortbewegung erfunden, sondern eine Bestehende umweltfreundlicher und nachhaltiger gemacht. Airbnb hat das Vermieten von Räumen nicht erfunden, sondern einfacher gemacht und ein Netzwerk aufgebaut. Diese Liste kann man beliebig fortführen. Es kommt also nicht darauf an, ein komplett revolutionäres neues Konzept zu entwickeln, sondern Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten in bestehenden Konzepten zu finden und sodann clevere neue Lösungswege anzubieten.
Dafür sucht man sich am besten einen Bereich, in dem man sich auskennt und für den man brennt. Das sorgt für die nötige Motivation und meist gibt es bereits einen Grundstock an Spezialwissen. Jetzt muss man nur herausfinden, womit die Kunden noch nicht zufrieden sind. So haben die Gründer von Towell selbst gemerkt, dass sie und andere Sportler davon genervt waren, dass man sein Handtuch beim Fitnesstraining nicht richtig anhängen kann, um die Hände frei zu haben. Also haben sie einen Magneten an ein Handtuch genäht und das zu ihrem Produkt gemacht. Das ist ein Fall klassischer Gründung in der Textilbranche mit innovativem Problemlösungsansatz.
Man muss aber nicht immer mit einem neuen Feature auf den Markt gehen. Meist genügt es schon, bei der Produktion zu innovieren. Gelingt es zum Beispiel, allein durch Optimierung einen Arbeitsschritt aus der Produktionskette zu eliminieren, bringt einem das schon einen Wettbewerbsvorteil. Diese Option bietet sich vor allem bei lange bestehenden Branchen mit fest eingefahrenen Angewohnheiten.
Statt Innovation oder Optimierung kann man sich aber auch ganz einfach durch Qualität behaupten. Bio-Lebensmittel sind ein gutes Beispiel dafür. Ein Bio-Bäcker arbeitet nahezu genauso wie ein konventioneller Bäcker und trotzdem können beide nebeneinander existieren. Ganz einfach dadurch, dass sie ihr Angebot so modifizieren, dass es ein ausgesuchtes Publikum anzieht. Bio-Bäckerei steht für Qualität und Nachhaltigkeit. Konventionelle Bäckerei steht für Tradition und günstige Preise. Beide stehen aber um 3 Uhr morgens auf und backen Brötchen.

Fazit

Ein kritischer Leser könnte jetzt argumentieren, dass der Erfolg der Gründung wieder ganz von der Idee abhängt. Die Antwort darauf ist ein eindeutiges Jein. Natürlich wird sich jeder Gründer ohne eigene Idee damit schwertun, wie er sein Unternehmen von der breiten Masse abheben kann. Genauso ist aber die Idee als einzelnes Gut wertlos, denn ohne eine gut geplante und ambitionierte Durchführung führt auch die beste Idee nicht zum Erfolg. Also, liebe Gründer, schaut auch mal über den Tellerrand und prüft, ob ihr nicht in einem anderen Bereich mit Optimierung mehr erreichen könnt – statt ewig auf eure Millionen-Idee zu warten.

 

Über den Autor

Julius Pankoke von Smart BusinessPlanJulius Pankoke ist Content Contributor und Startup-Enthusiast. Seine Spezialgebiete sind Entrepreneurship, Business Development und Digitales Marketing. Er schreibt und liest gern gute Blogartikel. Bei SmartBusinessPlan hilft er Gründern exzellente Businesspläne zu schreiben.

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