Eigener Friseursalon

Was ist der Unterschied zwischen Selbständigkeit, Franchising- und Lizenzkonzept, welche Bestandteile sind in diesen unterschiedlichen Modellen enthalten und was solltest du beachten, wenn du dir deinen Traum vom eigenen Friseursalon verwirklichen möchtest? Wir geben Antworten auf diese Fragen und stellen die Vor- und Nachteile der einzelnen Konzepte gegenüber.

Einen eigenen Friseursalon zu betreiben, ist für viele Friseurinnen und Friseure ein großer Traum. Doch neben diversen positiven Aspekten ist der Schritt zur Saloneröffnung auch mit einigen Risiken verbunden. Deshalb lohnt es sich, im Vorfeld gut zu durchdenken, ob und auf welche Art und Weise dieses Vorhaben realisierbar ist.

Konzept Nr. 1: Als Friseurmeister/-in in die Selbständigkeit

Der „klassische“ Weg zum eigenen Friseursalon ist wohl der, sich selbständig zu machen. Wenn du dich dafür entscheidest, liegt wirklich alles in deiner Hand. Von A bis Z sind deine eigene Motivation, deine Zeit, dein Engagement gefragt. Jeder einzelne Schritt muss gut geplant und durchdacht sein.

Jetzt das Gratis-Ebook "Dein digitales Business" anfordern:
Ich erkläre mich damit einverstanden, dass meine Daten zu Versandzwecken verarbeitet werden und ich weitere Informationen per e-Mail erhalten werde. Lies dazu hier bitte unsere Datenschutzerklärung.
 

Die Standortsuche

Der Standort für deinen Salon muss gut gewählt sein. Du musst auf eine ausreichend ausgebaute Infrastruktur zurückgreifen und sicherstellen können, dass deine Kundinnen und Kunden deinen Salon gut erreichen. Es muss Parkmöglichkeiten geben und auch die Außenfassade sowie die Geschäfte, die rundherum liegen, solltest du mit kritischem Auge betrachten. Ungünstig wäre auch ein Standort, bei dem es gleich zwei Straßen weiter schon einen Friseursalon gibt.

Die Räumlichkeiten

Die raumbezogenen Anforderungen an einen Friseursalon sind sehr vielfältig. Du brauchst genügend Platz für den Arbeits-, Warte- und Empfangsbereich, musst sanitäre Einrichtungen sowie vorgeschriebene Räume (Toilette, Umkleide- und Pausenräume) bereitstellen können, dich um ausreichende Belüftungsmöglichkeiten, die Wasser- und Abwasserinstallationen kümmern, Stromanschlüsse an geeigneten Stellen legen lassen etc. Wenn die Räumlichkeiten, die du angemietet hast, vorher auf andere Weise genutzt worden sind, musst du einen Antrag auf Nutzungsänderung beim Ordnungsamt stellen und entsprechende Renovierungsarbeiten vornehmen lassen.

Von der ersten Planungsphase bis zur Eröffnung können auf diese Weise durchaus mehrere Monate (oder sogar Jahre) ins Land gehen. Daher hilft es, zentrale Tätigkeiten auszulagern und andere Dienstleister hinzuzuziehen wie etwa Einrichter, Innenarchitekten und diverse Handwerksunternehmen.

Das Konzept

Was ist dein Alleinstellungsmerkmal? Was kannst nur du deinen Kundinnen und Kunden bieten? Was hebt dich ab von deiner Konkurrenz? Diese Fragen solltest du beantworten können, Friseursalons gibt es schließlich viele. Um dich erfolgreich über Jahre am Markt zu halten, musst du ein treffsicheres Konzept haben und deinen USP herausarbeiten. Überleg dir also, worin dieser liegen könnte:

  • Im besonderen Service à lange oder flexible Öffnungszeiten, die Kombination aus Salonbetrieb und mobilem Friseurdienst, besondere Events außer der Reihe etc.
  • In der Philosophie und Einrichtung à vegane Produkte, nachhaltige Einrichtungselemente aus Naturholz, Fairtrade- und Secondhand-Möbel etc.
  • Im Salonkonzept à immer die neusten Haarschneidetrends und Färbetechniken der Saison, besondere Konzepte wie Barbershops oder die enge Verzahnung zwischen Salonbetrieb und digitaler Welt: interaktive Website, YouTube-Tutorials, Präsenz auf Facebook, Instagram & Co., Aufrufe für Kundinnen und Kunden, selbst interaktiv (online) mitzuwirken im Salonbetrieb (Abstimmen über Öffnungszeiten, eigene Handyvideos drehen etc.)

Der Name

Der Name deines Salons ist absolut wichtig! Er sollte kreativ, aber auch angemessen, prägnant und ansprechend sein. Deine Kundinnen und Kunden sollten ihn wiedererkennen und ihn sich am besten schon beim ersten Hören oder Lesen einprägen. Der Name deines Salons sollte dich selbst widerspiegeln und den Stil deines Salons charakterisieren.

Die Ausstattung

Hair Salon

Die Ausstattung und Einrichtung deines Salons liegen komplett in deiner Hand. Dabei kannst du dich also vollkommen kreativ austoben. Allerdings solltest du die Raumaufteilung in jedem Falle strategisch angehen und im Vorfeld einen guten Überblick darüber haben, was du alles brauchst:

  • Wasch-, Schneide- und Styling-Stationen – wie viele benötigst du?
  • Sitz- und Wartegelegenheiten – wie viele brauchst du und wie sollen sie aussehen?
  • Spiegel – wie viele sollen es sein und wo sollen sie angebracht werden?
  • Arbeitsmittel und Produkte – was brauchst du alles, welche Dienste möchtest du anbieten und mit wie vielen Leuten wirst du arbeiten?
  • Welche Produkte möchtest du verwenden? Brauchst du Komplementär-Artikel, möchtest du Cross-Selling betreiben?
  • Wie soll das Ambiente deines Salons sein?
  • Welche Wandfarben möchtest du verwenden?
  • Wie soll die Dekoration aussehen?
  • Welcher Bodenbelag eignet sich?
  • Wo sollen welche Lampen angebracht werden (heller Arbeitsbereich, angenehm gedimmter Wartebereich etc.)?
  • Was kannst du tun, um deinen Salon möglichst groß, hell und freundlich wirken zu lassen (Spiegel, Farben, Mobiliar)?

Wichtig bei der Ausstattung und Einrichtung deines Friseursalons ist das Gesamtkonzept. Würfele nicht alles durcheinander, sondern setz auf EINEN Einrichtungsstil und EINE strategische Ausstattungslinie und bleib dann auch dabei.

Die Markt-, Zielgruppen- und Konkurrenzanalyse

Einer der wichtigsten Aspekte bei der Eröffnung eines Friseursalons ist es, den Markt zu kennen. Du musst also im Vorfeld analysieren, ob es für dein Angebot überhaupt eine ausreichend große Nachfrage geben wird, ob du an deinem Standort auch die Zielgruppe erreichen kannst, die du ansprechen möchtest und ob du dich deutlich genug von deiner Konkurrenz abhebst.

Die Vorschriften und Gesetze

In Deutschland liebt man es bürokratisch. Und auch du wirst einige bürokratische Hürden nehmen müssen, bis du die Türen deines eigenen Friseursalons das erste Mal öffnen darfst. Dein erster Gang sollte zur Handwerkskammer gehen, um deine berufliche Qualifikation (deinen Meisterbrief) nachzuweisen und deinen Salon in die Handwerksrolle eintragen zu lassen. Beim Gewerbeamt folgt die Gewerbeanmeldung und beim Finanzamt erhältst du schließlich deine Steuernummer, die du bei allen steuerlichen Vorgängen angeben musst.

Ebenfalls solltest du dich bei der Bauaufsichtsbehörde und beim Ordnungsamt erkundigen, ob es noch etwas zu bedenken gibt bzw. ob du alle baurechtlichen und behördlichen Vorgänge korrekt abgewickelt hast. Es kann immer sein, dass du bauliche Veränderungen vornehmen oder eben – wie oben schon beschrieben – einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen musst. Auch deine Versicherung(en) solltest du nicht außer Acht lassen. Gesetzlich unfallversichert bist du über die Berufsgenossenschaft. Aber du solltest dir gut überlegen, ob das ausreicht oder du eventuell noch weitere Versicherungen wie etwa eine Betriebshaftpflichtversicherung abschließen möchtest, um dein finanzielles Risiko im Fall der Fälle möglichst gering zu halten.

Die Finanzierung

Das liebe Geld! Dieser Punkt ist ebenfalls wichtig. Du musst deinen Salon ja erst einmal finanzieren können. In der Regel brauchst du dafür einen Kredit. Und um den zu bekommen, brauchst du einen Businessplan. Dieser muss deine Geschäftsidee und einen wirtschaftlich tragfähigen Finanzierungsplan enthalten. Ohne Businessplan wirst du keinen Geldgeber überzeugen können, dir einen Kredit (zu guten Konditionen) zu gewähren. Und auch für dich selbst ist ein solcher Plan eine hervorragende Möglichkeit, um herauszufinden, ob du alles gut durchdacht hast und ob deine Überlegungen auch erfolgversprechend sind.

Übrigens: Wenn du deine Hausaufgaben in puncto Markt-, Zielgruppen- und Konkurrenzanalyse gut gemacht hast, sollte zumindest der erste Teil des Businessplanes kein Problem sein. Dieser beinhaltet im Rahmen der Geschäftsidee nämlich genau diese Punkte und weist auf deine Marketing- und Vertriebsstrategie sowie auf mögliche Risiken und Chancen hin.

Wie hoch die Kosten für deinen Salon letztendlich ausfallen, hängt von sehr unterschiedlichen Faktoren ab und lässt sich nicht einfach pauschal an einer Summe X festmachen. Bedenken solltest du aber auf jeden Fall, dass du

  1. die Kosten für die Gründung (Eröffnung) deines Salons berechnen musst mit allem, was dazugehört (Ausstattung, Einrichtung, Renovierungsarbeiten, Dienstleister, Genehmigungen, Behörden, Installations- und Instandsetzungsarbeiten, Werbung etc.) sowie auch
  2. die Kosten, die monatlich auf dich zukommen (Miete, Nebenkosten, Personal, Reparaturkosten, Ausstattung, Versicherungen etc.).

Das Personal und die Arbeitsplatzgestaltung

Mit der Eröffnung eines eigenen Salons machst du dich nicht nur selbständig, sondern avancierst gleichzeitig zum Arbeitgeber/zur Arbeitgeberin. Überleg dir also, wie viel Personal du einstellen möchtest/musst und welche Referenzen deine zukünftigen Angestellten haben sollen. Stell nur die Leute ein, die das können, was du suchst und was dich ergänzt. Deine Mitarbeiter/-innen müssen zu deinem Konzept passen und das Angebot bedienen können! Setz dabei nicht nur auf die Referenzen der Bewerberinnen und Bewerber, sondern lass sie einen Tag bei dir „probearbeiten“.

Mit der Einstellung des Personals ist es aber nicht getan. Du musst deine Preise und Öffnungszeiten festlegen und entscheiden, wie du die Abläufe in deinem Salon organisieren möchtest:

  • Wie sollen die Kundentermine vergeben werden – online, telefonisch oder einfach ohne Termin?
  • Wer macht die Buchhaltung und regelt die Verwaltung – du selbst oder möchtest du dafür jemanden einstellen?
  • Inwieweit möchtest du Computerprogramme einsetzen, um organisatorische Abläufe zu koordinieren?
  • Wer pflegt deine Website und deine Social-Media-Kanäle?
  • Wer hat alles Zugriff auf welche Daten?
  • Wie sieht es aus mit dem Datenschutz? Hast du eine rechtskonforme Lösung für die Speicherung und Pflege von Kundendaten?
  • Welche Serviceleistungen möchtest du überhaupt anbieten und wer kümmert sich um welche Bereiche?
  • Wer managt den Salon? Du selbst oder ein/e angestellte/r Geschäftsführer/-in?

Im Zuge der Arbeitsplatzgestaltung gibt es wahrscheinlich noch tausend Fragen mehr, die hier aufgelistet werden könnten. Du wirst feststellen, dass vieles geregelt und durchdacht werden muss, damit sich alle Abläufe nach und nach einspielen können. Und manches regelt sich auch im Alltag ganz von selbst. Wichtig ist nur, dass du im Blick hast, dass bei dir als Chef/Chefin alle Fäden zusammenlaufen und du Lösungen finden musst, egal, welches Problem auch auftauchen sollte.

Das Marketing

Mach Werbung für dich und deinen Salon! Dein oberstes Ziel muss es sein, Kundinnen und Kunden anzulocken und diese in begeisterte Stammkunden zu verwandeln. Dafür brauchst du eine gezielte und gute Marketingstrategie. Dabei kommt wieder deine Marktanalyse ins Spiel. Nur wenn du weißt, wer deine Zielgruppe ist, weißt du auch, wie du sie ansprechen musst.

Dann gilt: Sei präsent und ansprechbar!

Lass dir eine professionelle, userfreundliche und suchmaschinenoptimierte Website erstellen. Heutige Kundinnen und Kunden suchen als Erstes im Internet und deine Website muss deinen Salon und dich selbst widerspiegeln, deine User „einfangen“ und bei Google ein gutes Ranking erzielen.

Setz auf Werbung sowohl auf klassischen als auch auf modernen Kanälen. Mach dir Visitenkarten und Flyer. Schalte Werbung in regionalen Medien, aber mach auch auf Facebook, Twitter, Instagram & Co. auf dich aufmerksam. Und auch hier gilt wieder: Je gezielter du deine Zielgruppe ansprechen kannst, desto besser ist es. Das spart dir nämlich viel Zeit, Geld und Nerven. Hast du vorranging eher junge Kundinnen und Kunden, die sich vermehrt in den Social-Media-Kanälen tummeln, solltest du darauf setzen und nicht unbedingt dein Geld in eine Tageszeitungsanzeige investieren. Betreibst du deinen Salon allerdings in einer Region, in der sich die meisten Einwohnerinnen und Einwohner über regionale Medien informieren, ist eine Anzeige in einer Zeitung vielleicht genau das Richtige.

Ein Tipp: (Online-)Marketing und Werbung sind in der heutigen Zeit manchmal ziemlich kompliziert. Lass dir also keine grauen Haare wachsen und engagiere für diesen Bereich – zumindest in der Anfangsphase – eine Werbeagentur, die dir diese Arbeit abnimmt und genau weiß, welche Strategien dir helfen können.

Konzept Nr. 2: Franchising im Friseursalon

Willst du nicht alles selbst machen, gibt es für dich die Möglichkeit, dich in ein Franchise-Konzept einzukaufen. In diesem Fall musst du „das Rad nicht komplett neu erfinden“. Dein Franchise-Anbieter stellt dir ein bereits erprobtes Geschäftsmodell zur Verfügung, welches du dann für deinen Salon übernehmen und umsetzen musst. Im Zuge dessen schließt ihr einen sog. Franchisevertrag ab. Rechtlich gesehen bist du dann ein/e selbständige/r Unternehmer/-in (musst du also Konkurs anmelden, liegt das unternehmerische Risiko bei dir), der Franchise-Geber hat jedoch richtlinienähnliche Kompetenzen. Das bedeutet, dass er sehr wohl kontrollieren kann, ob du dich an alle vertraglich geregelten Bestimmungen hältst.

Welche Bestimmungen musst du als Franchise-Nehmer einhalten?

  • Du musst das Geschäftsmodell umsetzen: Corporate Identity, Corporate Design, Name, Markenidentität, Produkte und Lieferanten – alles muss franchise-konform sein.
  • Um das Geschäftsmodell betreiben zu können, musst du eine monatliche Gebühr an deinen Franchise-Anbieter zahlen. Diese besteht entweder aus einer fixen vereinbarten Summe oder hängt prozentual vom Umsatz ab. Auch die Erstausstattungs-, Marketing- und Seminargebühren sind von dir aufzubringen.
  • Um dich in das Franchise-Unternehmen einzukaufen, musst du ebenfalls eine (meist recht hohe) Summe investieren. Die Höhe dieser Summe hängt vom jeweiligen Franchise-Anbieter ab.
  • Vom Franchise-Geber durchgeführte Coachings, Seminare und Workshops (z.B. zu Hair-Styling, Haarprodukten, Färbemittel etc.) müssen von dir und deinen Angestellten besucht werden.
  • Auch du selbst musst dafür Sorge tragen, dass die Markenidentität des Franchise-Unternehmens gefördert und weiterverbreitet wird. Dahingehende verkaufsfördernde Marketingmaßnahmen obliegen dir und deinem Team und müssen regelmäßig durchgeführt werden. Damit verbunden gibt es oft vereinbarte Unternehmensziele und Umsatzvorgaben, die du einhalten musst.

Was sind die Aufgaben und Pflichten des Franchise-Anbieters?

  • Dein Franchise-Geber muss dich in der Gründungsphase unterstützen: Standortsuche, Einrichtung, Ausstattung, Businessplan, Absprachen mit Behörden, Verhandlungen mit Lieferanten, Versicherungen, Marketing – bei all diesen Aspekten erfährst du Unterstützung und Begleitung.
  • Der Franchise-Geber ist verpflichtet, dich und dein Team regelmäßig zu schulen und zu beraten (du musst dich also nicht selbst um alles kümmern und darauf achten, dass alles auf dem neuesten Stand ist).
  • Die Geschäftsidee muss bereits erprobt sein, die komplette Corporate Identity muss dir zur Verfügung gestellt werden.

Konzept Nr. 3: Lizenzvergabe im Friseursalon

Auch wenn die Lizenzvergabe im Friseursalon kein vollkommen eigenständiges Salonkonzept darstellt, wollen wir es dir hier näherbringen. Oftmals werden nämlich die Begriffe „Franchise“ und „Lizenz“ synonym verwendet oder zumindest nicht klar voneinander abgegrenzt. Das liegt daran, dass beide Begrifflichkeiten im allgemeinen Sprachgebrauch nicht klar geregelt sind. Franchising und Lizenzvergabe ist aber nicht dasselbe!

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass Franchising weit über eine reine Lizenzvergabe hinausgeht. Sowohl Franchise-Geber als auch -Nehmer haben Rechte UND Pflichten, welche im Franchise-Vertrag geregelt sind. Das ist bei einem Lizenzsystem nicht der Fall.

Wie aber funktioniert nun das Lizenzsystem?

Einfach ausgedrückt kaufst du dir bei deinem Lizenz-Anbieter die „Rechte zur Nutzung von gewerblichen Schutzrechten“. Das ist entweder eine patentgeschützte Erfindung oder – in deinem Falle wahrscheinlich eher – eine geschützte Marke (z.B. eine besondere Haarfärbeproduktlinie). Du darfst diese Marke dann also in deinem Salon verwenden und die entsprechenden Produkte anwenden und verkaufen. Dein Lizenz-Geber hat damit aber lange nicht einen derart großen Einfluss auf deine Geschäftspraktiken wie ein Franchise-Anbieter. Du bist weder an ein Marketing- und Vertriebssystem gebunden, noch musst du unter der Corporate Identity des Lizenz-Gebers auftreten.

Dein Salon bleibt also dein Salon

Du führst deinen Friseursalon also unter deinem Namen, setzt deine Ideen um und bist in allen Bereichen „Herr/-in der Lage“. Du hast mit dem Einkauf in ein Lizenzsystem aber die Möglichkeit, in verschiedenen Bereichen einzelne Lizenzen zu nutzen und bspw. beliebte und exklusive Markenprodukte mit hohem Bekanntheitsgrad zu verwenden.

Merk dir also immer: In jedem Franchisevertrag stecken Bestandteile eines Lizenzvertrages (Teil des Franchisings ist ja die Verwendung bestimmter Produkte und Marken)! ABER: In keinem Lizenzvertrag sollten Aspekte eines Franchisevertrages stecken. Sonst ist es kein Lizenzvertrag, sondern eben ein Franchisevertrag und der zieht ganz andere Rechte und Pflichten nach sich. Also niemals ohne Steuerberater oder Rechtsanwalt in derartige Verhandlungen einsteigen und immer ganz genau prüfen lassen, um was es sich denn nun handelt: um Franchising oder reine Lizenzvergabe.

Vor- und Nachteile aller drei Konzepte im Überblick

Selbstständigkeit Vorteile:

  1. Du kannst mit deinem eigenen Salon etwas Einzigartiges aufbauen, mit Menschen arbeiten und dein ganz eigenes Konzept umsetzen.
  2. Du bist an kein übergeordnetes System gebunden.
  3. Du kannst dich bzw. deinen Salon verändern, erweitern, verkleinern – je nach Bedarf und musst keine Rücksprache halten.
  4. Du kannst weiterhin kreativ sein in deiner Arbeit, aber bist nicht länger in einem Angestelltenverhältnis.
  5. Du musst nach einer gewissen Zeit nicht mehr alles selbst machen, sondern kannst Personal einstellen für die Bereiche, die du abgeben möchtest.

Selbstständigkeit Nachteile:

  1. Du allein trägst das unternehmerische und finanzielle Risiko.
  2. Du bist nicht nur für dich selbst verantwortlich, sondern auch für deine Angestellten.
  3. Du musst eine entsprechende Qualifikation bei der Handwerkskammer nachweisen (in der Regel deinen Meisterbrief), um dich überhaupt selbständig machen zu können.
  4. Wenn du deinen Beruf als Friseur/-in liebst und gerne selbst zur Schere greifst, kann es passieren, dass dieser Teil der Arbeit sehr kurz kommt, da du dich auch um alles andere kümmern musst.
  5. Selbständigkeit bedeutet: Du arbeitest „selbst und ständig“ und an diesem Spruch ist viel Wahres dran. Mal so eben nebenbei lässt sich kein eigener Friseursalon erfolgreich führen. Du solltest also mit ganzer Kraft, Energie und Motivation dabei sein – und dabei einen guten Blick für Finanzen und unternehmerische Aspekte haben!

Franchising Vorteile:

  1. Du setzt ein bereits erfolgreich laufendes Geschäftsmodell um und erhöhst damit deine Chancen auf Erfolg.
  2. Du bekommst Unterstützung bei der Gründungsphase (außer in finanzieller Hinsicht) sowie regelmäßige Schulungen und Weiterbildungsmöglichkeiten.
  3. Wenn dein Franchise-Anbieter die Verhandlungen mit Lieferanten und Behörden übernimmt, erhältst du meist günstigere Konditionen.
  4. Du brauchst dir keine neue Marketingstrategie zu überlegen, sondern übernimmst diesen Bereich komplett vom Franchise-Unternehmen.
  5. Bei einigen Franchise-Anbietern benötigst du KEINEN Meisterbrief, du kannst dich also auch ohne entsprechende Qualifikation in einem Salon selbständig machen.

Franchising Nachteile:

  1. Du bist trotz eigenem Salon an Vorgaben gebunden. Du profitierst nicht nur von den Pflichten deines Franchise-Anbieters, sondern musst selbst auch welche einhalten. Damit trägst du zwar viel Risiko, hast aber nicht dieselben Freiheiten wie bei einem eigenen Salonbetrieb.
  2. Der Einkauf in ein Franchise-System ist oftmals mit hohen Kosten verbunden. Auch die Anschaffungskosten in der Gründungsphase sind hoch, da alles in deinem Salon den Vertragsvorgaben entsprechen muss.
  3. Die Ziel- und Umsatzvorgaben des Franchise-Anbieters können insbesondere in schwächeren Geschäftsjahren großen Druck auf dich ausüben. Du bist gezwungen, möglichst viele (vielleicht unnötige) Dienstleistungen anzubieten und teure Produkte zu verkaufen.
  4. Das Unternehmensrisiko bleibt in vielen Fällen dennoch bei dir, wenn dies so im Vertrag geregelt wurde.

Lizenz Vorteile:

  1. Durch den Einkauf in ein Lizenzsystem bist du in der Lage, bekannte und beliebte Markenprodukte anzubieten, die dir zum Erfolg helfen können.
  2. Du bist trotz Lizenzkonzept dein eigener Herr in deinem Salon und bist deinem Lizenz-Geber nicht verpflichtet (außer in den Geschäftsbereichen, die die Lizenz direkt betreffen).
  3. Du erhältst Schulungen zu den Lizenz-Produkten und erwirbst dir somit mehr Kompetenz.

Lizenz Nachteile:

  1. Ein Lizenzkonzept ersetzt keinen eigenen Salon – du erhältst also keine (finanzielle oder organisatorische) Unterstützung vom Lizenz-Geber.
  2. Lizenz- und Franchising-Verträge werden teilweise nicht scharf voneinander getrennt, bedürfen also einer fachmännischen und genauen Prüfung.

Fazit

Ob Franchising, Lizenzkonzept oder Selbständigkeit – das Betreiben eines eigenen Friseursalons ist immer mit viel Arbeit verbunden und birgt so manches Risiko. Wichtig bei der Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Geschäftsmodell sind eine genaue Recherche und Analyse im Vorfeld. Du musst dir über die Vor- und Nachteile bewusst werden (denn jedes Modell hat sowohl ein „Pro“ als auch ein „Contra“) und realistisch abschätzen, was für ein Typ du selbst bist. Willst du alles selbst machen oder ist es dir ganz recht – trotz Chefposten – Vorgaben „von oben“ zu erhalten?

Und denk immer daran: Bevor du einen Vertrag abschließt, Räumlichkeiten anmietest oder hohe finanzielle Investitionen angehst, hol dir Rat von Experten. Steuerberater, Rechtsanwälte, Existenzgründungsberater, aber auch die Handwerkskammer selbst bieten Unterstützung in allen Bereichen an, die du brauchen wirst.

Der eigene Friseursalon: Franchising, Lizenzkonzept oder lieber selbständig?
Artikel bewerten