Der Wandel zur Nachhaltigkeit

Das Umweltbewusstsein der Bevölkerung steigt. Davon zeugen auch Bewegungen wie „Friday for Future“, die Wahlergebnisse der letzten Europawahl oder die zahlreichen wissenschaftlichen Beiträge über unseren ökologischen Fußabdruck. Die Nachfrage nach „Grünen Produkten“ steigt stetig. Der Klimawandel ist auf dem Vormarsch und in den Köpfen der Menschen manifestiert sich der Wunsch nach Nachhaltigkeit. Sog. „Grüne Produkte“ erfreuen sich einer erhöhten Nachfrage, obwohl das Angebot oft nicht sehr groß ausfällt und die Preise dementsprechend hoch sind. Es ist zu hoffen, dass es sich bei den Bemühungen um Nachhaltigkeit um einen dauerhaften Wandel und nicht nur um einen temporären Trend handelt. Die junge Generation macht es bereits vor und protestiert mit „Friday for Future“ für ein besseres Umweltbewusstsein.

Doch, Nachhaltigkeit, was ist das überhaupt?

Nachhaltigkeit – Eine Definition

Der Begriff Nachhaltigkeit ist seit Jahren der Inbegriff für eine zukunftsfähige Entwicklung der Welt. Er wurde vor ca. 300 Jahren geprägt, als Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz aus Sachsen erstmals verordnete, nur so viel Holz zu schlagen, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen könne. Die heutzutage präsenteste Definition stammt von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung: „Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.” Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Sinne, dass die Bedürfnisse einer Generation befriedigt werden, ohne die zukünftige Generation ihrer Chance zu berauben, auch ihre Bedürfnisse befriedigen zu können.

Bei Nachhaltigkeit geht es also darum, die negativen Auswirkungen der ökonomischen Aktivitäten zu minimieren. Ökologe Herman Daly bringt das Beispiel des Fischerboots auf einem See, in dem es keine Fische gibt, und veranschaulicht damit die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns.

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Der Mensch als Regulativ

Nach aktuellem Stand wird der Mensch der oben genannten Definition nicht gerecht. – Wir leben im Anthropozän, das Zeitalter, in dem der Mensch aktiv als primärer Einflussfaktor auf seine Umgebung fungiert. Seit ca. 4,5 Milliarden Jahren besteht die Erde, den Menschen gibt es erst seit knapp 160.000 Jahren, aber er hinterlässt einen größeren Fußabdruck als alle anderen Lebewesen. Die Rohstoffe aus der Erde haben sich mehrere hunderttausend Jahre gehalten, werden aber voraussichtlich in ca. einem Jahrhundert aufgebraucht sein. Der Energiehunger auf der Welt wird immer größer: In China und Indien ist der Energiebedarf zwischen 1990 und 2008 um 146% bzw. 91% gestiegen. Sämtliche Einsparmaßnahmen kommen nicht mehr gegen diesen Hunger an. Die Kohlendioxid-Emission ist in den letzten Jahren nicht wesentlich gesunken.
Unternehmen und Verbraucher können gleichermaßen für eine bessere Nachhaltigkeit sorgen. Der Mensch besitzt als eines der wenigen Wesen im Tierreich die Möglichkeit der Extrapolation (gedankliche Simulation), d.h. Bedenken ist ein konstitutives Element des Homo sapiens und ein jeder sollte sich die Zeit nehmen, über Optionen und Konsequenzen nachzudenken.

Was können Unternehmen tun?

Aufgrund der Globalisierung haben große Unternehmen einen immer größeren Einfluss auf das Weltgeschehen: Sie expandieren, bauen Fabriken mit hunderttausend Beschäftigten und haben Einfluss auf den Welthandel. Angesichts der derzeitigen Lage wird es deshalb umso wichtiger, dass Unternehmen künftig stärker auf eine nachhaltige Struktur in ihrer Unternehmenspolitik setzen. Dies ist möglich, indem:

  • Lokale Zulieferer unterstützt oder Produkte nachhaltiger hergestellt werden.
  • Produktion und Verpackung umweltfreundlicher oder vermehrt biologische Materialien verwendet werden.
  • Auf nicht biologisch abbaubare Kunststoffe und fossile Brennstoffe verzichten
  • Lieber in erneuerbare Energien investieren.
  • Mitarbeiter gezielt gefördert und geschult werden, um umweltbewusster zu leben: Durch Schulungen für Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz können Emissionen in Büros gesenkt werden.
  • Kooperationen im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaftsweise sind förderlich: z.B. stellt der WWF freiwillige Zertifizierungssysteme, welche naturschonende Rohstoffe befürworten, die Verbraucher schützen und zum Kauf fairer Produkte anregen.
  • achhaltigkeit ist auch im Kleinen gefragt. Es ist durchaus erstrebenswert im Sinne einer nachhaltigen Unternehmenspolitik auch auf umweltfreundliche Werbeartikel und Gimmicks zu setzen. Wer verspricht, nachhaltig und verantwortungsbewusst zu handeln, der sollte das auch außen konsequent kommunizieren. Ein organisch produziertes Notizbuch kann ein schickes Aushängeschild bei einem Kundenmeeting für das Unternehmen sein und demonstriert Interesse an den derzeit präsenten Bestrebungen der Gesellschaft und Wünschen der Verbraucher.
  • Grüne Produkte innerhalb der Firma nutzen.
  • Für den täglichen Weg zur Arbeit können auch Fahrgemeinschaften für ein angenehmes Klima, nicht nur firmenintern, sorgen.

Sind der biologische Fußabdruck und seine Konsequenzen verstanden, führt dies oft dazu, dass auch im Privaten eine zunehmend nachhaltige Lebensweise angestrebt wird.

Was können Verbraucher tun?

Vor allem eines: Sich im Vorfeld gut informieren. Sobald man sich über die Auswirkungen seines bisherigen Lebensstils klar geworden ist, sollte man eine Änderung desselbigen herbeizuführen. Dies kann bereits anhand von Kleinigkeiten einen erheblichen Beitrag für die Umwelt leisten. Plastiktüten und Kunststoff-Verpackungen sollten gemieden werden, stattdessen lieber eigene Stofftüten mitbringen oder notfalls an der Kasse zur Papiertüte statt zur Plastiktüte greifen. Wenn weniger Absatz generiert wird, sinkt das Angebot.
Dies ist auch bei den Verkaufszahlen für nicht-nachhaltige Produkte zu verzeichnen. Der Verbraucher kann für ein besseres Angebot sorgen, indem er aktiv die Nachfrage steigert. Es ist deshalb sinnvoll, in nachhaltige Produkte zu investieren, auch wenn diese etwas teurer sind. Anhaltspunkte auf Nachhaltigkeit geben Textil- und Gütesiegel, Energieeffizienzklassen, sowie der CSR (Corporate Social Responsibility Index).
Und auch wenn es schön ist, alle zwei Jahre ein neues Smartphone vom Händler zu erhalten, wirklich umweltfreundlich, geschweige denn nötig, ist es nicht. In unserer Gesellschaft steht fast alles unter dem Imperativ der unmittelbaren Rendite und des Gewinns, die anhaltende Produktion technischer Geräte angesichts des Konsumterrors unserer Wegwerfgesellschaft ist massiv umweltschädlich und verbraucht Ressourcen, die anderweitig effizienter genutzt werden könnten. Es ist zwar schön sich selbst etwas Gutes zu tun, man sollte aber verstärkt für andere etwas Gutes machen.
Auch in den Bereichen Wohnen, Elektronik, Mobilität, oder Ernährung – vermehrt sollte eine hohe Umweltrelevanz berücksichtigt werden.

Fazit

Es wird Zeit den Klimaskeptizismus beiseitezulegen: Wissenschaftler werden oft mit politisch motivierten Verdrehungen von eindeutigen Forschungsergebnissen konfrontiert. Dabei steckt die gleiche Physik, die den Treibhauseffekt erklärt, auch in jedem Smartphone und lässt sich nicht verleugnen. Diese populistischen Strömungen machen allesamt den gleichen Fehler: Sie meinen, einen Klimawandel könne es nicht geben, schon gar nicht einen vom Menschen verursachten.

Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit „Die Menschheit schafft sich ab“, von Astrophysiker Harald Lesch, stellt die entscheidende, kritische Frage angesichts der Klimakrise: Was wird von der Menschheit übrig bleiben?

Jeder sollte einen Beitrag zur Transformation in eine ökologisch sinnvoll handelnde Gesellschaft leisten. Es ist wichtig, unsere Welt zu beschützen und das gelingt nur solidarisch im Kollektiv. Man sollte bestrebt sein so zu handeln, dass ein gedeihliches Leben für alle weiterhin möglich ist und sich Gedanken machen, wie das künftige Zusammenleben aussehen soll. Nachhaltigkeit kann aktuell als erfolgreicher Trend bezeichnet werden. Es bleibt abzuwarten, ob Verbraucher langfristig am Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit interessiert sind. Für Unternehmen und Produzenten ist es wichtig, entsprechende Anreize zu schaffen. Natur ist eine Größe, mit der man nicht verhandeln kann: Es gibt kein Plädoyer, aber ein Urteil.