Mit Crowdfunding kannst Du den Traum vom eigenen Business verwirklichen. Dieser Möglichkeit der Finanzierung hatten wir in einem unserer letzten Beiträge bereits 128 Wörter gewidmet. In diesem Artikel werden wir nun ins Detail gehen. Wir stellen Dir kurz die größten Schwarmfinanzierungs-Plattformen vor und liefern Dir 3 Tipps für die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne.

Reward-based Crowdfunding

Wir gehen hier von der klassischen Form von Crowdfunding aus, bei der vom Konzept überzeugte Menschen angehenden Unternehmern Geld zur Verwirklichung ihrer Ideen zur Verfügung stellen. Sie werden dadurch weder zu Teilhabern noch zu Kreditgebern, sondern erhalten in Abhängigkeit ihres Beitrags am Ende ein Dankeschön. Für Summen ab einer gewissen Höhe gibt es am Ende oft das fertige Produkt, für niedrigere unterschiedliche Goodies. Man spricht deshalb vom Reward-based Crowdfunding.

Die Finanzierungsmethode 2.0 nahm ihren Anfang, als Künstler um das Jahr 2000 herum begannen, ihre Werke online über Fans zu finanzieren. So konnten etwa Musikalben unabhängig von den großen Plattenfirmen eingespielt und herausgebracht werden. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden erste Crowdfunding-Plattformen, Artistshare, Kickstarter, Indiegogo, Sellaband.

Crowdfunding

Die Musikerin Amanda Palmer finanziert ihre Kunst seit 2012 extrem erfolgreich über die Crowd. Quelle: Screenshot, Kickstarter

Inzwischen werden nicht nur Musik und Filme schwarmfinanziert, sondern auch Bücher, Comics, Spiele, journalistische und gemeinnützige Projekte, die Entwicklung von Gadgets, sogar Forschungsprojekte – eben alles, was entweder einen Nutzen für die Allgemeinheit hat oder ein Produkt hervorbringt, das mit anderen Menschen geteilt werden kann. Wenn Du also angehender Gründer oder angehende Gründerin bist und nicht gerade vor hast, eine Dienstleistung anzubieten, kommt Crowdfunding als Finanzierungsmethode für Dich in Frage. Wenn Deine Idee innovativ ist und Dein Produkt Alleinstellungsmerkmale aufweist umso besser.

Die Vorteile

Der größte Vorteil am Crowdfunding ist, dass das Scheitern Deines Projekts nicht zwingend mit Deinem finanziellen Ruin endet. Du musst noch immer das Geld für Deine Kampagne und den Bau etwaiger Prototypen aufbringen, aber wenn Du die im Vorfeld festgelegte Summe erreicht hast, dann stehst Du nicht in einem teuer angemieteten Büroraum oder vor einem Lager voller unverkaufter Produkte. Du musst dann auch nur wenige – oder sogar keine – Kredite zurückzahlen.

Prinzipiell zäumst Du beim Crowdfunding das Pferd von hinten auf: Du beginnst mit der Idee und dem Marketing und gehst dann in die Entwicklungs- oder Produktions- und Verkaufsphase.
Wenn es Dein Projekt nicht bis zur Fundingschwelle schafft, bekommen Deine Unterstützer ihren Beitrag einfach zurück. Danach bist Du klüger: Du hast zum einen wertvolle Erfahrungen im Bereich Online Marketing gemacht und zum anderen seine Idee getestet und mehr über den Markt gelernt.

Umgekehrt hast Du bei erfolgreicher Finanzierung den Vorteil, dass auf Seiten von Unterstützern und Sympathisanten bereits eine emotionale Bindung zum Produkt besteht. Wenn Menschen sich an Kickstarter-Kampagnen beteiligen, dann tun sie das nicht nur finanziell, sondern auch emotional. Sie werden aktiv Teil des Projekts. Die Finanzierung durch den potentiellen Endverbraucher bedeutet auch, dass Du keine doppelte Überzeugungsarbeit leisten musst, wenn Deine Zielgruppe demographisch nicht dem typischen Investor (männlich, zwischen 30 und 50 Jahre) entspricht.

Die größten Crowdfunding-Plattformen

Aber wo das Projekt starten? Allein im deutschsprachigen Raum existieren eine Vielzahl an Plattformen für Schwarmfinanzierungen. Viele davon sind auf bestimmte Projekttypen spezialisiert. So hilft Correct!v journalistische Unternehmungen umsetzen, während Bergfürst Immobilien crowdfunden. Andere Plattformen wiederum arbeiten regional. Die Wahl der Crowdfunding-Plattform hängt nun davon ab, was Du konkret vor hast, wen Du erreichen willst und welche Konditionen die jeweiligen Anbieter haben. An dieser Stelle möchten wir die größten Plattformen kurz vorstellen.

Startnext
Die Schwarmfinanzierungsplattform Startnext wurde 2010 gegründet. Seitdem hat sie sich zum größten Community im deutschsprachigen Raum entwickelt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hilft Startnext Menschen ihre Ideen und Projekte umzusetzen.
Bedingung ist, dass die jeweilige reale oder juristische Person ihren Sitz in einem der drei Länder hat. Ein Pitch-Video und der Abdruck des Logos auf den Dankeschöns sind Pflicht. Anders als andere Plattformen nimmt Startnext für seine Dienste keinen prozentualen Anteil von der Fundingsumme, sondern verlangt bei jeder Beteiligung 4% Anteil und eine Provision von mindestens 1% und soviel, wie der Starter gern zahlen möchte.

VisionBakery
Mit ihrem Status als zweitgrößte Crowdfunding-Plattform Deutschlands wirbt das Leipziger Unternehmen sogar. 2011 ging die VisionBakery online und stellt ihre Dienste nebst Beratung kostenlos zur Verfügung. Geld fließt erst, wenn die Fundingsumme erreicht ist. Dann verlangt VisionBakery 11,9% der Fundingsumme. Eine Kampagne bei ihnen ist daher ihrerseits so gut wie risikolos.

Kickstarter
Seit 2015 können Projekte auch in Deutschland über das Corwdfunding-Urgestein Kickstarter finanziert werden. Die Internetplattform wurde 2009 gegründet und hat ihren Hauptsitz in New York. Kickstarter erhebt eine Gebühr von 5% der Fundingsumme. Für jede Summe, die dem Starter zukommt, fallen nochmal 3% an.

Indiegogo
Deutsche Gründer können seit 2014 die Us-amerikanische Plattform IndieGogo nutzen. IndieGogo unterstützt Kampagnen weltweit. Ansonsten fallen auch hier 5% der Finanzierungssumme an, unabhängig davon, ob das Projekt erfolgreich gefunded wird oder nicht. Hinzu kommen, wie bei Kickstarter, je nach Zahlungsmethode variierende Beiträge für die einzelnen Beiteligungsbeträge.

Schwarmfinanzierung

© CC0 Public Domain/ pixabay.com

Harte Arbeit – Die Crowdfunding-Kampagne

Es ist nun nicht so, dass das Projekt damit beginnt, dass Du Deine Idee einfach auf der Plattform Deiner Wahl online stellst.
Du kannst Dich auch nicht zurücklehnen und darauf setzen, dass Deine Idee so gut war, dass Du nur bis zum Ende der Kampagne warten musst. Deine Crowdfunding-Kampagne beginnt schon lange zuvor.

0. Hippe Finanzierungsmethode – Oldschool Businessplan
Natürlich hast Du am Anfang einen Businessplan geschrieben. Du hast daran gedacht, die Lebenserhaltungskosten mit in die Fundingsumme einzurechnen, falls Du im Haupterwerb gründen willst. Und dann hast Du auch sicher an die Belohnungen für Deine Unterstützerschaft gedacht.

1. Zielgruppenanalyse
Du solltest Deine Crowd (besser) kennenlernen, damit Du Deine Kampagne besser an sie adressieren kannst. Hier kannst Du damit beginnen auf unterschiedlichen Crowdfunding-Plattformen nach Projekten zu suchen, die Deinem ähnlich sind und dann versuchen mehr herauszufinden. Wichtig ist dabei die Frage, in welchem Sozialen Netzwerk Du Deine Crowd am ehesten erreichst.

2. Lass die Profis ran
Deine Kampagne bekommt nach Möglichkeit auch eine eigene Webseite. Da ein professioneller Auftritt wichtig ist, sollte diese, wenn Du selbst kein Webdesign-Profi bist, von einem solchen erstellt werden. Ähnlich sieht es mit Deinem Kampagnen-Video aus. Professionelle PR-Beratung kann ebenfalls hilfreich sein, zumal Storytelling extrem wichtig ist, um Unterstützer zu gewinnen. Es ist gut die Sache mit dem größtmöglichen Medienecho anlaufen zu lassen. Hier ist Pressearbeit zu leisten. Blogger, Multiplikatoren und Journalisten sind wertvolle Hilfe, um Deine Kampagne bekannt zu machen.

3. Der Schwarm ist Dein Partner
Auch in der Finanzierungsphase ist deine Crowdfunding-Kampagne dann kein Selbstläufer. Dein Schwarm verlangt zum einen Transparenz, zum andern auch stetige Updates. Da er emotional involviert ist, ist er kein stiller Teilhaber – und das obwohl er offiziell kein Stimmrecht besitzt. Er will wissen, was Du mit seinem Geld machst. Am besten, Du hast Dir im Vorfeld auch sog. Stretch Goals überlegt, also Dinge, die Du auf Dein Produkt draufsetzt, wenn Du mehr Geld bekommst, als Du eingeplant hattest. Ein Beispiel: Ein Spielehersteller versuchte 2012 über Kickstarter 400.000 Dollar für die Entwicklung eines PC-Spiels zu bekommen. Unter anderem wegen des hohen Nerdfaktors und Nostalgiewerts kam dabei mehr als das Vierfache zusammen. Er investierte das Geld schließlich in Abstimmung mit den Fans in eine erweiterte Fassung des Games.

Zusammengefasst:

Crowdfunding ist Finanzierung 2.0: Es ist netzbasiert und die erfolgreiche Finanzierung durch den Schwarm erfordert einen versierten Umgang mit den Neuen Medien. Denn Deine Crowdfunding-Kampagne ist gleichzeitig auch eine Medien-Kampagne. Das ist extrem viel Arbeit, hat aber den Vorteil, dass Du Dein Produkt bereits erfolgreich vermarktet hast, bevor Du die größten Investitionen tätigen musstest. Du trägst dadurch deutlich weniger Risiken als im Fall einer Finanzierung über Kredite.

Mehr Tipps und O-Ton von schwarmfinanzierten Start-ups kannst Du an dieser Stelle finden.

Crowdfunding Ratgeber
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