Erwartete Pleitewelle bleibt vorerst aus

Weniger Insolvenzen trotz Corona-Krise

Wochenlang stand die deutsche Wirtschaft still und erlitt einen der heftigsten Einbrüche in der Geschichte. Obwohl die Bundesregierung Hilfspakete, Förderungen und finanzielle Unterstützung offerierte, mussten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder sogar entlassen. Langsam erholt sich die wirtschaftliche Situation, aber nicht so schnell wie erwartet. Experten prognostizierten eine Welle der Insolvenzen – doch die blieb bisher aus.

Trotz Corona-Krise weniger Insolvenzen als im Jahr zuvor

Der Wirtschaftseinbruch, den die Corona-Krise hierzulande auslöste, legte die Produktion und den Handel für Wochen lahm. Doch trotz der Pandemie haben in den ersten sechs Monaten 2020 weniger deutsche Firmen Insolvenz angemeldet als noch im vergangenen Jahr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gibt es einen Rückgang von 3,2 Prozent auf 9006 Fälle. Obwohl viele Unternehmen in wirtschaftliche Not gerieten und es immer noch sind, spiegelt sich dieser Umstand nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider. Der Grund dafür liegt in einer Ausnahmeregelung. Denn der Gesetzgeber hat die Insolvenzantragspflicht für Firmen seit 01. März 2020 ausgesetzt. Demnach sind Unternehmen, die in finanzieller Not sind, nicht verpflichtet einen Insolvenzantrag zu stellen.

Verlängerung der Sonderregelung bis Ende 2020

Vor Kurzem beschloss die Bundesregierung die Sonderregelung bis Ende des Jahres 2020 zu verlängern. Denn eigentlich sollte sie nur bis Ende September gelten. Voraussetzung für die Sonderregelung ist allerdings, dass Unternehmen nur im Falle einer Überschuldung Anspruch darauf haben. Dies gilt also nicht bei bereits eingetretener Zahlungsunfähigkeit. Dass die Regierung die Hilfsmaßnahmen verlängert, ist, nach dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher, der richtige Weg. „Wir müssen uns eingestehen, dass es Rückschläge geben kann und wird, beispielsweise Unternehmensinsolvenzen und auch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit“, sagt Fratzscher. Doch auch Gegenstimmen werden laut. Ökonomen warnen davor, dass durch die staatliche Unterstützung auch Unternehmen am Leben gehalten werden, die eigentlich nicht überlebensfähig sind.

DIW warnt vor sprunghaftem Insolvenzanstieg

Zwar ist die Pleitewelle vorerst ausgeblieben, aber je länger die Corona-Krise anhält, desto wahrscheinlicher ist ein baldiger Insolvenzanstieg. Obwohl sich China wieder erholt hat und dadurch die deutsche Exportwirtschaft wieder ankurbelt, werde dies allein nicht die deutsche Wirtschaft retten können, prognostiziert das DIW. Es geht vielmehr davon aus, dass in den nächsten Monaten die Zahl der Insolvenzen sprunghaft ansteigen könnte.

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Über den Autor

Autorenprofil: Lisa Goldner

Lisa Goldner

Nach ihrem Abitur 2013 entschied sich Lisa für ein Studium des Journalismus als auch der Unternehmenskommunikation und konnte durch den nahen Praxisbezug ein breit gefächertes Repertoire an Kenntnissen beider Branchen sammeln. Während des Studiums arbeitete sie als Assistenz der Öffentlichkeitsarbeit in einem öffentlich-rechtlichen Kulturbetrieb und erlernte somit auch essenzielle Aufgaben des Eventmanagements. Im Anschluss begann sie in Kiel den Masterstudiengang ”Angewandte Kommunikationswissenschaft“, in dem sie ihre Erfahrungen durch Projekte und wissenschaftliche Arbeiten besonders in den Bereichen Journalismus und Marketing ausbauen konnte. Seit Januar 2020 ist Lisa Volontärin in der Online-Redaktion von Gründer.de.