Das Wirtschaftswachstum steigt, doch viele Risiken bleiben

Corona-Prognose: Pandemie sorgt weiter für wirtschaftliche Unsicherheiten

Durch die Corona-Krise schrumpft die deutsche Wirtschaft zwar deutlich, doch der Einbruch wird laut einer Konjunkturprognose des Ifo-Instituts weniger dramatisch sein als im Jahr der Finanzkrise 2009. Auch die Zahl der Arbeitslosen erreicht keine Rekordwerte. Getrübt wird diese Prognose nur durch neue Unsicherheiten. Diese schwer vorhersehbaren Werte hängen von zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Faktoren ab.

Die Pandemie lässt die deutsche Wirtschaft nicht so stark schrumpfen wie die globale Finanzkrise 2009. Das sind die guten Nachrichten des Ifo-Instituts, die aus einer aktuellen Corona-Prognose hervorgehen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 5,2 Prozent sinken, wie die Münchner Forscher voraussagten. Im Sommer waren sie noch von minus 6,7 Prozent ausgegangenen, womit der bisherige Rekord-Rückgang aus der Finanzkrise 2009 von 5,7 Prozent übertroffen worden wäre. „Der Absturz der deutschen Wirtschaft verläuft glimpflicher als gedacht“, betonte nun der Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Unsicherheiten erschweren die Corona-Prognosen

Dafür werde das Wachstum im kommenden Jahr geringer ausfallen: Das Institut rechnet nun mit 5,1 statt 6,4 Prozent. Für 2022 wird ein Plus von 1,7 Prozent vorausgesagt. Allerdings bleibt die große Unsicherheit bei den Prognosen bestehen, weil niemand weiß, wie die Corona-Pandemie weiter verläuft. Zum Beispiel könnte ein harter Brexit die Werte beeinflussen oder aber die weltweiten Spannungen zwischen den Großmächten auf dem Handelsmarkt.

Außerdem könnte eine zweite große Infektionswelle auch zu einer erneuten Schließung von Geschäften und Betrieben führen, was die Corona-Prognosen weiter erschwert. Diese Unsicherheiten beziehen sich dabei noch nicht einmal komplett auf Deutschland. Auch wenn die Schließungen in Frankreich und Spanien kommen, wo die Infektionszahlen zurzeit besonders stark steigen, würde es die deutsche Wirtschaftsentwicklung stark beeinflussen.

Negative Auswirkungen am Arbeitsmarkt

Die Krise hinterlässt dabei auch sichtbare Spuren am Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitssuchenden wird der Corona-Prognose zufolge von durchschnittlich 2,3 Millionen im vergangenen Jahr auf 2,7 Millionen 2020 steigen. 2022 soll sie mit 2,5 Millionen über dem Vorkrisen-Niveau bleiben. Der viel kritisierte sogenannte Überschuss in der Leistungsbilanz wird nach Ifo-Berechnungen in diesem Jahr deutlich sinken, und zwar von 244 Milliarden auf 215,4 Milliarden Euro. Diese Leistungsbilanz errechnet sich aus den Exporten, Importen, Dienstleistungen und Transfers. Demnach wird der Wert sinken, da die Exporte schneller zurückgehen sollten als die Importe. Danach dürfte der Überschuss jedoch wieder zulegen und 2022 rund 290 Milliarden Euro erreichen.

Vorherige Corona-Prognosen fielen noch negativer aus

Trotz der Veränderungen am Arbeitsmarkt und wirtschaftlichen Folgen, kann das Ifo-Institut insgesamt von einer positiveren Entwicklung sprechen. Denn von März bis Juni hatten die Konjunkturforscher ihre Prognosen für das deutsche Bruttoinlandsprodukt immer weiter gesenkt. Ende März gingen sie von einem Rückgang zwischen 2,8 und 5,4 Prozent aus. Dann erwartete die Bundesregierung Ende April  für 2020 einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 6,3 Prozent, die EU folgte Anfang Mai mit einer Schätzung von minus 6,5 Prozent.

Schließlich vermutete der Internationale Währungsfonds Ende Juni zudem einen Einbruch des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 7,8 Prozent. Doch seit einigen Wochen korrigieren die Konjunkturexperten ihre Corona-Prognosen übereinstimmend wieder nach oben. Die meisten großen Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland veröffentlichten im September neue Vorhersagen, denen zufolge für 2020 noch ein Minus zwischen 4,7 und 6,2 Prozent zu erwarten ist.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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