Bitcoin Symbolbild

Foto: bigstockphoto.com

Bitcoin (BTC), diese alternative Digitalwährung, die in unserem Alltag selten eine Rolle spielt, aber bei einem Wechselkurs im schwankenden dreistelligen Bereich nicht ignoriert werden kann. Wer in Zeiten der Bankenkrise nicht mehr gut auf das Finanzwesen und Banker zu sprechen ist, mag auch hoffnungsvoll auf ein dezentrales Geldsystem schauen, das völlig ohne Bank funktioniert und bei dem nie mehr als 21 Millionen Einheiten im Umlauf sein werden. Und wer in den frühen 2000ern verpasst hat, in die Währung zu investieren, ärgert sich, wenn er Geschichten wie die des Norwegers Kristoffer Koch hört. Der damalige Student hatte 2009 zum Spaß 27 Dollar in Bitcoins investiert und die Sache danach schnell wieder vergessen. Vier Jahre später wurde er durch einen Artikel über die Wertsteigerung von Bitcoins an seine Investition erinnert. Nachdem er einen Tag brauchte, um sich an das für den Umgang mit Kryptogeld unerlässliche Passwort zu erinnern, stellte er fest, dass aus seinem Spaßkauf ein kleines Vermögen geworden war. Er tauschte einen Teil davon um und kaufte sich dafür eine Wohnung im Zentrum Oslos.

Bitcoin Halving Ende der Woche

Diese Woche nun kommt es zu einem für die Bitcoin-Welt wichtigen Ereignis: Das Bitcoin Halving. Denn am Samstag entsteht der 420,000. Block in der Blockchain. Bis dahin werden für die Erschaffung eines jeden neuen Blocks 25 Bitcoins ausgezahlt. Bis zur Berechnung weiterer 210,000 Blöcke dann nur noch 12,5. Dieses Generieren von Blöcken für die Blockchain, dem dezentralen System hinter den Bitcoins, nennt sich mining. Es stellt bis zum Tag, an dem der 21,000,000. Bitcoin erschaffen wurde, die einzige Art dar, neue Bitcoins in Umlauf zu bringen. Da jeder Block ein Protokoll bisheriger Transaktionen enthält und mit den anderen Blöcken abgeglichen wird, garantiert die Blockchain auch die Sicherheit im digitalen Geldsystems.

Zu spät für einen „Bitcoin Rush“

Was spricht dagegen, die Zeit vor dem Bitcoin Halving zu nutzen und als Bitcoin Miner so viele Bitcoins wie möglich aus Blöcken zu holen? – Diese Frage lässt sich mit zwei Worten beantworten: Die Stromkosten. Das Generieren von Blöcken ist derart rechenintensiv, dass es mit handelsüblicher Hardware so viel Zeit und Strom kostet, dass sich Mining nicht rentiert. Miner erschaffen Bitcoins daher mit spezieller Hardware und oft auch im Kollektiv, wobei dann jeder Anteile an den freigeschalteten Bitcoins erhält. Aber auch auf diese Art sinken die Einnahmen beim Mining derzeit. (Ausschließlich deutschsprachige Leser, bitte Untertitel einschalten!)

Berg- und Talfahrt seit 2013

Einer der größten Vor- und Nachteile von Bitcoins als Geldanlage sind die enormen Schwankungen, denen der Kurs unterworfen ist. Bei ihrer Einführung 2009 waren Bitcoins so gut wie wertlos, von Februar bis April 2011 lag der Wert eines Bitcoins bei etwa einem Dollar. Dann begann der Kurs zu steigen, explodierte im November 2013 kurz auf 1250 Dollar und implodierte im nächsten Monat wieder auf 600 Dollar. Seitdem hält sich der Bitcoin bei einem Wert im dreistelligen Bereich, wobei die monatlichen Schwankungen zwischen 200 und 300 Dollar liegen. Ende Juni lag der Kurs bei knapp unter 600 Dollar. Was das Bitcoin Halving nun kurz- und langfristig mit dem Kurs machen wird, ist noch nicht absehbar. Rückblickend gibt auch das Bitcoin Halving vom 28. November 2012 wenig Aufschluss über die möglichen Entwicklungen. Vier Jahre sind im Netzzeitalter eine lange Zeit und der Bitcoin bewegte sich damals im Bereich um die 12 Dollar. Ob Mining dann noch lohnt ist eine andere Frage. Da etwa 9 von 10 Bitcoin-User allerdings keine Miner sind, betrifft sie den größten Teil der Community nicht. Die Anzahl der mit Bitcoin getätigten Transaktionen jedenfalls nimmt beständig zu.

Bitcoin Transaktionen Statistik

© CC0 Public Domain/ Wikimedia Commons

Dem Gartner-Hype-Cycle zufolge, haben wir den Gipfel der überzogenen Erwartungen in Bezug auf Kryptowährung nun überschritten. Eine Phase der Ernüchterung steht an, die allerdings nicht mit einem Scheitern des Projekts Kryptogeld gleichzusetzen ist.

Wer gibt Bitcoins eigentlich wofür aus?

Wer tätigt all die Transaktionen eigentlich? Nachdem die digitale Schwarzmarkt-Plattform Silk Road 2014 zerschlagen wurde, schienen Bitcoins das Zahlungsmittel schlechtin für illegale Geschäfte im Netz zu sein. Diese waren nämlich das einzige bei Silk Road akzeptierte Zahlungsmittel. Gleichzeitig stehen Bitcoins – fälschlicherweise– im Ruf, ein komplett anonymes Zahlungsmittel zu sein, mit dem sich Transaktionen sehr leicht verschleiern lassen.
Dass es sich bei Bitcoins um Piratengold 2.0 handelt, scheint eine Studie von SBA Reasearch zu widerlegen. Für diese Studie wurden 990 Bitcoin-NutzerInnen befragt, um mehr über die Realität der Bitcoin-Nutzung zu erfahren. 5% gaben tatsächlich an mit ihren Bitcoins Drogen zu kaufen, fast ein Viertel benutzte das Kryptogeld als Einsatz bei Glücksspielen. Am meisten wurden Bitcoins jedoch für Trinkgelder und Spenden (38%) sowie zum Bezahlen virtueller Güter und Dienstleistungen (33%) gebraucht. 27,5% der Befragten benutzen Bitcoins im Rahmen von Onlineshopping, 26,5% kauften davon auch Altcoins, tauschten also Bitcoins gegen Einheiten anderer Kryptowährungen ein. Selbst wenn man davon ausgehen kann, dass Cyberkriminelle selbst dann nicht bereit sind, an einer Studie zur Bitcoin-Nutzung teilzunehmen, wenn man ihnen, wie SBA Research es hier getan hat, Anonymität verspricht, scheinen Bitcoin-NutzerInnen ihr Kryptogeld insgesamt vor allem für legale und alltägliche Transaktionen zu nutzen. 19% der Befragten nutzten Bitcoins täglich, 25% monatlich. Es fällt aber auch auf, dass Bitcoins für Dinge benutzt werden, für die viele Menschen eher widerstrebend oder aus Pflichtgefühl zahlen. Gebühren für Online-Zeitungen als Beispiel für virtuelle Güter wären ein solcher Fall, aber auch das oftmals als optional betrachtete Trinkgeld. Es stellt sich die Frage, ob NutzerInnen Bitcoin als „echtes“ Geld sehen.

Bitcoin-Geldautomat

© CC0 Public Domain/
KryptoNatasha via Wikimedia Commons

Besonders in den Großstädten weltweit ist es vereinzelt möglich, mit Bitcoins zu zahlen wie mit der jeweiligen offiziellen Währung. Die Coinmap führt für Köln, der Wahlheimat von Gründer.de, jedoch nur 8 Geschäfte auf, die Bitcoins akzeptieren. Auch das Anfang des Jahres vom Coinblog veröffentlichte Akzeptanzstellen-Verzeichnis für Deutschland ist ziemlich überschaubar. Bitcoin-Geldautomaten, die es ermöglichen Bitcoins schnell in Standardwährung auszahlen zu lassen, existieren zwar durchaus, sind derzeit aber Raritäten.

Sicherheit bleibt ein Manko

Neben der Volatilität ihres Wertes und dem Umstand, dass Bitcoins im Meatspace nur in Ausnahmefällen akzeptiert werden, ist Sicherheit ein Problem, das das Kryptogeld für den Otto Normalverbraucher unattraktiv werden lässt. In der Studie zur Bitcoin-Nutzung von SBA Research gaben 22,5% der Befragten an, schon einmal Geld aufgrund von Sicherheitsmängeln verloren zu haben. Etwa die Hälfte davon erklärte zudem, die Verantwortung für den Verlust zu tragen. In den meisten Fällen hatten Probleme mit der Hard- und Software zu den Verlusten geführt. In 18% der Fälle war es durch Malware oder Hackerangriffe zum Verlust gekommen. SBA Research fand auch heraus, dass der durchschnittliche Bitcoin-User männlich, 28 Jahre alt und mit 50%iger Wahrscheinlichkeit in der IT-Branche tätig ist. Dieser Typ des Users weiß prinzipiell, dass Sicherheit wichtig ist und unternimmt entsprechende Schritte, um sein Vermögen zu schützen. Für einen Max Mustermann, der „123456“ für ein gutes Passwort hält, eignen sich Bitcoins daher nicht.
Sie werden über einen Satz privater Keys gehandhabt, deren Verlust mit dem Verlust des Vermögens gleichzusetzen ist. Hätte Kristoffer Kochs Vergesslichkeit sich auch auf seine Private Keys erstreckt, wären seine 5000 BTC für ihn unwiderbringlich verloren gewesen.
Weniger Glück hatte der Brite James Howell, der Ende 2013 Schlagzeilen machte, weil er vergessen hatte, rechtzeitig ein Backup zu machen. Die Keys zu seinen 7,500 selbstgeminten Bitcoins lagerten auf einer alten Festplatte, die er einige Wochen zuvor entsorgt hatte. Diese liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum heutigen Tag unter einem meterhohen Müllberg auf einer Deponie in Wales begraben.

Zusammenfassend:

Das netz-historische Bitcoin Halving steht vor der Tür. Welche Auswirkung es auf den derzeit hohen Bitcoin-Kurs haben wird, ist noch nicht abzusehen.
Die Frage, ob das anstehende Bitcoin Halving ein guter Punkt sein könnte, um in das Kryptogeld zu investieren, lässt sich ebenfalls nicht so leicht beantworten. Die Zahl der monatlich getätigten Transaktionen nimmt zu, gleichzeitig führt der Bitcoin in der Offline-Welt noch immer ein Nischendasein. Aufgrund mangelnder Kursstabilität und der Technologie hinter dem Kryptogeld, ist Sicherheit bei Bitcoin auch nicht garantiert. Wo es in der analogen Welt ausreicht, gut auf sein Portemonnaie achtzugeben, muss man als Bitcoin-User auf Passwörter und Backups setzen. Für manche dürfte dies eine schwer überwindbare Hürde darstellen.
Hinter dem Bitcoin steht jedenfalls ein vielversprechendes Konzept, das in der Praxis noch einige Tücken aufweist. Weitere Entwicklungen sind abzuwarten und zu beobachten. Es bleibt spannend.

Wie sieht es bei der Gründer.de-Leserschaft aus? Nutzt Du Bitcoin oder eine andere Kryptowährung? Hast Du vor, sie zu nutzen, und was müsste, wenn nicht, passieren, damit Bitcoin & Co. für Dich attraktiv werden? Wir freuen uns wie immer über Kommentare, Anmerkungen und Feedback!

Jetzt das Gratis-Ebook "Dein digitales Business" anfordern:
Ich erkläre mich damit einverstanden, dass meine Daten zu Versandzwecken verarbeitet werden und ich weitere Informationen per e-Mail erhalten werde. Lies dazu hier bitte unsere Datenschutzerklärung.