Bewerbungsmappe stirbt aus

Die junge Generation kennt sie wahrscheinlich gar nicht mehr wirklich: Die Bewerbungsmappe. Aber wenn du etwas älter bist, dann wirst du sie sehr wohl kennen und egal ob du sie geliebt oder gehasst hast – eins ist Fakt: sie stirbt aus und das zurecht.

Nur noch die wenigsten versenden Lebenslauf und Co. per Post. Damals musste man noch mühevoll alles ausdrucken, die Zeugnisse beglaubigen lassen und eine Bewerbungsmappe zusammenstellen. Diese Mappe wurde dann ordentlich verpackt und anschließend musste man zur Post laufen, um diese dem potentiellen Arbeitgeber zuzusenden. Sind wir ehrlich: Für eine Bewerbung, bei der man nie weiß, wie die Chancen für einen stehen, ist das extrem viel Aufwand. Zumindest verglichen mit den Mühen, die man auf sich nehmen muss, wenn man sich dazu entscheidet sich online zu bewerben.

Laut den Ergebnissen einer Statistik von „bitkom“ wollen nur drei Prozent der Personaler eine physische Bewerbungsmappe auf ihrem Schreibtisch finden, wenn es darum geht, an wen der Job vergeben wird. Ganz im Gegenteil! 86 Prozent haben ausgesagt, dass sie die digitale Form der Bewerbung präferieren und es gab neun Prozent die keine Vorliebe hatten.

Digitalisierung auch bei Bewerbungen

Es wird alles immer digitaler und die ersten Betriebe sind bereits soweit, dass sie ein so genanntes papierloses Büro etabliert haben. Das bedeutet im Klartext, dass beinahe alle Vorgänge in digitaler Form ankommen, bearbeitet und abgeschlossen werden. Warum sollte also nicht auch die Bewerbung digitalisiert werden?

Die Antwort ist einfach: Es gibt keinen Grund das erkennen nun auch mehr und mehr Personaler. Die Online-Bewerbung bietet Vorteile für beide Seiten.

Der Bewerber muss nicht alles x-Mal ausdrucken, spart dadurch Zeit, Geld und im Endeffekt auch Ressourcen. Der Personaler hat alle Unterlage der Bewerber in digitaler Form vorliegen, muss nicht mehr alles händisch sortieren und die Wahrscheinlichkeit, dass etwas verloren geht, ist deutlich geringer, da die Daten oft doppelt und dreifach im Back-Up gesichert sind.

Neue Möglichkeiten der Bewerbung

Wenn du dich online bewirbst bzw. online Bewerbungen zulässt, hast du die Möglichkeit auf ganze andere Medien zurückzugreifen. Nur die wenigsten würden auf die Idee kommen eine CD bzw. DVD mit einer Video-Bewerbung in einen Umschlag zu legen. Wenn du aber online die Möglichkeit für einen Video-Upload bietest, ist es wahrscheinlich, dass du aussagekräftige Videos von Bewerbern bekommst, die dir einen viel tieferen Einblick erlauben. Das ist gut für dich als Personaler und auch gut für den Bewerber, da er so eine andere Seite von sich zeigen kann. Eine Seite, die vielleicht von Zahlen und Buchstaben nicht so lebhaft erfasst werden kann.

Es gibt mittlerweile eigene Portale

Viele große Unternehmen nutzen externe – selten auch interne – eigene Bewerbungsplattformen. Dort kann der Bewerber seinen Lebenslauf hochladen, sich beschreiben, ein individuelles Motivationsschreiben verfassen und seine Zeugnisse hinterlegen. Die eigentliche Bewerbung ist damit nur noch „ein Klick“ (One-Klick-Methode). Das erlaubt es dem Bewerber effizienter vorzugehen und du wirst mit allen wichtigen Informationen versorgt. Und sollte etwas fehlen, bietet das Internet zahlreiche Möglichkeiten sich schnell mit dem Interessenten in Verbindung zu setzen – schneller als es je ein Briefwechsel könnte.

Um den Trend an dieser Stelle mal in Zahlen zu fassen: ganze 27 Prozent der Personaler präferieren eine Bewerbung über ein solches Portal. Im Gegensatz dazu wollen aber 59 % eine E-Mail haben. Du solltest dich also klar ausdrücken, in welcher Form du Bewerbungen erhalten möchtest. Es spricht aber auch nichts dagegen, wenn du dir beide Kanäle offen hältst und am Ende selbst zusammenfasst und dich für den besten entscheidest. Ganz unabhängig davon, auf welche Art und Weise sich der Interessent bei dir beworben hat.

Die Zeiten ändern sich rasant

Tatsächlich mag diese Erkenntnis für den einen oder anderen nun überraschend kommen und das ist verständlich. Noch vor weniger als 5 Jahren sah die Welt noch ganz anders aus und nicht mal ein Drittel der befragten Personaler wollte überhaupt eine Online-Bewerbung haben. Der Schluss, den du daraus ziehen kannst, ist, dass die deutschen Unternehmen verstanden haben, dass sich die Welt modernisiert und dass sie mitziehen müssen, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen. Die Arbeitswelt verändert sich schnell und so muss sich auch der Weg der Bewerbungsweise verändern. Die Bewerbungsmappe ist zwar statistisch noch erfasst, aber tatsächlich ist sie in Deutschland schon so gut wie ausgestorben.

Wenn du in der Position bist, über Einstellungen zu entscheiden, dann ist es spätestens jetzt auch für dich an der Zeit dich mit der Bewerbung über das Internet auseinanderzusetzen und die veraltete Methode der Mappe hinter dir zu lassen. Wenn du dich einmal daran gewöhnt und den Workflow implementier hast, wird die ganze Angelegenheit auch für dich einfacher.

Trotzdem gibt es noch Probleme mit der Online-Bewerbung

Es wird regelmäßig untersucht inwieweit die Bewerbung über das Internet bzw. mit nur einem Klick möglich ist. Das Ergebnis ist, dass es doch nicht so einfach ist, wie man sich das wünscht. Vor allem die großen Konzerne tun sich schwer damit, ihre Bewerbungs-Forderungen zu vereinheitlichen, sodass es immer wieder dazu kommt, dass der eine vielleicht ein paar mehr Daten möchte und der andere vielleicht dafür an anderer Stelle etwas mehr in die Tiefe gehen möchte.

Besonders gut in Sachen Online-Bewerbungen haben sich die Unternehmen Telekom, Fresenius und die Deutsche Bahn herausgestellt. Das reicht natürlich nicht, da die Job-Landschaft sich nicht auf diese drei Unternehmen beschränkt. Sicherlich gibt es auch viele andere, die auf diesem Gebiet weit vorne sind, aber der Querschnitt zeigt, dass es summa summarum noch nicht soweit ist, dass man behaupten könnte, es handle sich um einen ausgereiften Prozess / eine ausgereifte Methode.

Die Bewerbungsmappe ist zwar von der Bildfläche verschwunden, aber die Alternative ist noch lange nicht fertig ausgebildet. Es wird Zeit brauchen, bis es hier zu einer flächendeckend guten – bis sehr guten – Lösungen kommt. Das ist bei der Vielzahl von Unternehmen auch nicht verwunderlich.