BetriebsunterbrechungsversicherungQuelle: amstockphoto - stock.adobe.com

Die Betriebsunterbrechungsversicherung deckt zwar viele Schäden ab, sie greift aber nur in bestimmten Fällen.

Die Corona-Pandemie sorgt deutschlandweit dafür, dass viele Betriebe ihre Geschäfte nicht mehr komplett abwickeln können oder sogar komplett geschlossen bleiben. Dabei laufen die Kosten weiter, obwohl nichts hergestellt und verkauft werden kann. Also kommt es zur Unterbrechung der Betriebsabläufe. Deshalb entsteht auch die Frage, ob sich diese Corona-Ausfälle mit einer sogenannten Betriebsunterbrechungsversicherung abdecken lassen. Der folgende Artikel erklärt die Bedingungen dieser Versicherung, ihre Kosten sowie die Vor- und Nachteile.

Manchmal ist es nur ein kurzer Moment, der das komplette Unternehmen in große finanzielle Schwierigkeiten bringen kann. Ein Funke oder ein technischer Defekt – und schon versagen alle Maschinen. Dann bleiben erstmal die Gewinne aus, während die Kosten für Mitarbeiter und Miete weiterhin anfallen. Auch durch die Corona-Krise mussten viele Geschäfte schließen und die weiter laufenden Ausgaben verursachen große finanzielle Probleme. Deshalb wäre es natürlich praktisch, wenn eine Versicherung diese Risiken zur Betriebsunterbrechung komplett absichern könnte.

Definition Betriebsunterbrechungsversicherung

Prinzipiell deckt die Betriebsunterbrechungsversicherung ein Ereignis ab, das der Begriff schon andeutet: die Betriebsunterbrechung. Allerdings springt sie nur bei sogenannten Ertragsausfällen ein. Es geht also nicht darum, zerstörte Gebäude oder Maschinen zu ersetzen. Sondern den finanziellen Schaden zu übernehmen, wenn im Betrieb nicht mehr gearbeitet wird. Die Höhe der Entschädigung richtet sich dabei nach den Einnahmen der letzten Jahre. Deshalb überprüft der Versicherungsanbieter im Normalfall jedes Jahr die finanzielle Ausgangslage des Unternehmens und entscheidet dann neu über die exakte Versicherungssumme.

Wichtig ist allerdings, dass die Versicherung nur greift, wenn ein Sachschaden vorliegt und dieser Schaden als Grund für die Ertragsausfälle angegeben wird. Das ist nicht der Fall, wenn Krankheiten oder Seuchen ausbrechen. Zudem gilt bei der Betriebsunterbrechungsversicherung das sogenannte Prinzip der konkreten Bedarfsdeckung. Also wird nur ein Mindestbedarf abgedeckt, damit sich der Versicherte durch die Entschädigung nicht bereichern kann.

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Voraussetzungen der Betriebsunterbrechungsversicherung

Die Betriebsunterbrechungsversicherung lässt sich grundsätzlich von jedem Unternehmen aus allen Branchen abschließen. Allerdings unterscheiden sich die Tarife je nach Berufsgruppe und Größe des Unternehmens. Die Versicherungsanbieter teilen diese Berufsgruppen wie folgt auf:

Somit prüft der Anbieter vorher, welche Deckungssummen für die jeweilige Berufsgruppe Sinn ergeben. Wenn also beispielsweise ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern und Aufträgen im Wert von mehreren Millionen Euro in der Risiko-Analyse auftaucht, wird der Tarif angepasst und der Beitrag fällt dann höher aus.

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Leistungen der Betriebsunterbrechungsversicherung

Eine Betriebsunterbrechungsversicherung springt ein, wenn sich Ertragsausfälle durch einen Sachschaden ergeben. Damit sind also die folgenden Leistungen eingeschlossen:

Wer eine Betriebsunterbrechungsversicherung abschließen möchte, muss sich jedoch noch genauer spezialisieren und sich zwischen der kleinen, mittleren und großen Versicherung entscheiden.

Die kleine Betriebsunterbrechungsversicherung

Die kleine Betriebsunterbrechungsversicherung ist oftmals Bestandteil einer Geschäftsinhaltsversicherung, die als erweiterte Betriebshaftpflichtversicherung gilt. Sie deckt nur Schäden bis zu einer Versicherungssumme von einer Million Euro ab oder bis zu der genannten Summe der Geschäftsinhaltsversicherung.

Generell sind aber bei den meisten Anbietern die folgende Risiken mit eingeschlossen:

  • Feuer, auch Blitzschlag und Explosion
  • Sturm und Hagel, beispielsweise Dachschäden
  • Leitungswasser, bei einem Rohrbruch
  • Einbruchdiebstahl und Vandalismus

Die mittlere und große Betriebsunterbrechungsversicherung

Die mittlere und die große Betriebsunterbrechungsversicherung bietet sich für höhere Versicherungssummen und größere Unternehmen an. Die folgenden Gefahren bzw. Risiken sind dadurch abgedeckt:

  • alle Gefahren der kleinen Betriebsunterbrechungsversicherung
  • Elementarschäden, also zum Beispiel Erdbeben und Überschwemmung
  • Folgekosten, durch mögliche Schichtarbeit oder Überstunden

Zusammenfassend sollte also jedes Unternehmen vorher prüfen, welche Leistungen wirklich notwendig sind und sich dann für die kleine, mittlere oder große Variante entscheiden.

Kosten für Versicherte

Die Höhe der Beiträge für eine Betriebsunterbrechungsversicherung wird individuell berechnet, also lässt sich kein pauschaler Betrag festlegen. Deshalb zahlt ein Friseursalon mit 10 Angestellten natürlich mehr als ein Ein-Personen-Catering-Unternehmen.

Es gibt dabei verschiedene Voraussetzungen, die die Kosten beeinflussen. Das sind die folgenden Faktoren:

  • Art der Betriebsunterbrechungsversicherung
  • Deckungssumme
  • Umfang der Leistungen
  • abgesicherte Schäden
  • Zusatzleistungen und Extras
  • Selbstbeteiligung
  • Dauer der Haftzeit, also die Zeit, in der der Anbieter die festgelegte Summe zahlt
  • Vertragslaufzeit
  • Mitarbeiterzahl, Umsatzhöhe und Unternehmensstandort
  • individuelle Risiko-Analyse des Betriebs

Besonders entscheidend ist dabei die Deckungssumme. Diese sollte korrekt kalkuliert werden und nicht zu hoch ausfallen. Denn es wird immer nur der nachgewiesene Schaden gezahlt, eine zu hohe Versicherungssumme macht dann keinen Sinn. Ist die Summe allerdings zu niedrig, muss der Versicherte einen Anteil selbst übernehmen. Generell lohnt es sich deshalb, bestehende Angebote ausführlich zu vergleichen, um die beste Kombination zu erhalten.

Beispielrechnung

Um die ungefähr anfallenden Kosten darzustellen, werden für eine Beispielrechnung die folgenden Voraussetzungen berücksichtigt:

  • mittlere Betriebsunterbrechungsversicherung
  • Jahresgewinn: ca. 100.000 Euro
  • Deckungssumme: 150.000 Euro
  • keine Extras und Zusatzleistungen
  • ohne Selbstbeteiligung
  • 12 Monaten Haftzeit
  • 12 Monate Vertragslaufzeit
  • Branche: Restaurant
  • drei Mitarbeiter
  • Standort: Berlin

Die Kosten des Unternehmens für eine Betriebsunterbrechungsversicherung liegen dabei jährlich bei ca. 800 Euro.

Unterschied zur Betriebsschließungsversicherung

Die Betriebsunterbrechungsversicherung wird seit Beginn der Corona-Krise oftmals mit der Betriebsschließungsversicherung in Verbindung gebracht. Doch diese Versicherungen unterscheiden sich komplett in der Ursache für die betrieblichen Ausfälle. Denn bei der Betriebsunterbrechungsversicherung muss immer ein Sachschaden vorliegen, der dann den Ertragsausfall auslöst.

Bei der Betriebsschließungsversicherung hingegen gilt die Bedingung, dass es eine „behördlich angeordnete Schließung“ geben muss. Und diese Schließung kann wiederum auch durch den Ausbruch einer Krankheit oder einer Seuche erfolgen. Somit lässt sich das Unternehmen mit einer Betriebsschließungsversicherung tatsächlich gegen die Auswirkungen einer Pandemie schützen. Allerdings sind dafür auch die vertraglich festgelegten Bedingungen entscheidend.

Betriebsschließungsversicherung: Schutz vor Auswirkungen der Corona-Krise

Vorteile der Betriebsunterbrechungsversicherung

Wer eine Betriebsunterbrechungsversicherung abschließt, kann somit von den folgenden Vorteilen profitieren:

  • Übernahme der laufenden Kosten, wenn der Betriebsablauf durch einen Sachschaden eingestellt wird
  • Übernahme der Gewinnausfälle 
  • Leistungen auch bei Teil-Störungen, denn es reicht eine Unterbrechung der Betriebsabläufe
  • individuelle Berechnung der Beitragshöhe, das minimiert das Risiko einer Über- bzw. Unterversicherung

Nachteile der Betriebsunterbrechungsversicherung

Trotz der zahlreichen Vorteile einer Betriebsunterbrechungsversicherung, sollten Unternehmer auch diese Nachteile berücksichtigen:

  • kein Versicherungsschutz bei Krankheiten oder Seuchen, sondern nur bei einem vorhandenen Sachschaden
  • komplizierte Entscheidung zwischen der kleinen, mittleren und großen Variante
  • Neuberechnung der Versicherungssumme, also müssen jährlich Beweise für Gewinne und Ausgaben vorgelegt werden

Fazit

Wenn du vor der Entscheidung stehst, ob sich eine Betriebsunterbrechungsversicherung für dein Unternehmen sinnvoll ist, solltest du deine Ausgangslage ganz genau analysieren. Denn Computer lassen sich beispielsweise schneller wieder beschaffen als besondere Produktionsanlagen in einem Chemie-Unternehmen. Deshalb gilt: Wenn deine Firma mit individuellen, komplizierten Produktionsvorgängen zu tun hat, macht eine Betriebsunterbrechungsversicherung besonders Sinn. Möchtest du dein Unternehmen hingegen auch gegen Schließungen bei Krankheiten und Seuchen absichern, empfiehlt sich die Betriebsschließungsversicherung.

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