Betriebshaftpflichtversicherung - Definition, Kosten und LeistungenQuelle: deagreez - stock.adobe.com

Die Betriebshaftpflichtversicherung kann das eigene Unternehmen vor möglichen Schäden schützen.

Ob Selbstständiger, Freiberufler oder allgemein Unternehmer: Jeder Arbeitstag bringt erhebliche Risiken mit sich und nur ein kleiner unachtsamer Moment kann große finanzielle Folgen haben. Deshalb muss sich jeder Firmeninhaber früher oder später entscheiden, ob er das Risiko eingehen will oder sich mit einer Versicherung gegen mögliche Schäden absichert. Der folgende Artikel erklärt die Betriebshaftpflichtversicherung und ihre Leistungen. Dabei werden die Vor- und Nachteile verglichen sowie die Kosten ermittelt.

Definition

In Deutschland haftet jedes Unternehmen für die Leistungen, die es erbringt. Das gilt nicht nur für den handwerklichen Bereich und die erbrachten Dienstleistungen, sondern auch für hergestellte Produkte. Kommt dabei also jemand oder etwas zu Schaden, wird der Unternehmer dafür haftbar gemacht. Das bedeutet, er muss den Schaden regulieren und somit die entstandenen Kosten übernehmen. Je nachdem wie hoch der Schaden ausfällt, können das erhebliche finanzielle Belastungen sein. Besonders Personenschäden reichen oftmals bis in den Millionenbereich.

Um sich davor zu schützen, kann jedes Unternehmen eine Betriebshaftpflichtversicherung (BHV) abschließen. Wie es der enthaltende Begriff „Betrieb“ schon vermuten lässt, deckt diese alle Haftpflichtrisiken ab, die durch betriebliche Aktivitäten entstehen. Dabei ist die BHV ähnlich aufgebaut wie eine Haftpflichtversicherung. Denn sie deckt ebenso Schäden ab, die einem Dritten durch betriebliche Aktivitäten entstanden sind. Wenn also ein Kunde zu einem Meeting ins Büro kommt und dort etwas beschädigt, greift die Versicherung.

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Voraussetzungen der Betriebshaftpflichtversicherung

Der Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung ist für die meisten Berufsgruppen freiwillig, also können sich die meisten Betriebe dafür oder dagegen entscheiden. Für einige Berufe, wie beispielsweise für Ärzte oder Steuerberater, ist die BHV allerdings gesetzlich vorgeschrieben. Insgesamt werden aber keine Privatpersonen abgesichert, sondern Unternehmen, Gewerbetreibende sowie Freiberufler und Handwerker.

Wer eine Betriebshaftpflichtversicherung abschließt, hat dabei laut Gesetz immer ein Recht auf bestimmte Mindestdeckungen im Schadensfall. Diese Voraussetzung muss jede Versicherung erfüllen und damit mindestens folgende Deckungen anbieten:

  • Personenschaden: 2 Millionen Euro
  • Sachschaden: 1 Millionen Euro
  • Vermögensschaden: 100.000 Euro

Dabei handelt es sich ausschließlich um die vorgeschriebenen Mindestsummen. Das heißt, beim Abschluss einer Versicherung lassen sich höhere Summen aushandeln.

Leistungen der Betriebshaftpflichtversicherung

Die Leistungen einer Betriebshaftpflichtversicherung sind zwar grundlegend gesetzlich festgelegt, die Zusatzleistungen können sich je nach Anbieter jedoch stark unterscheiden.

Basis-Leistungen

Jede Betriebshaftpflichtversicherung ist gesetzlich dazu verpflichtet, Risiken rund um den Betrieb und somit die betrieblichen Tätigkeiten sowie die Produkte abzudecken. Die Deckungssummen werden zwar individuell vereinbart, versichert sind aber immer die folgenden Schäden:

Personenschaden

Als Personenschaden wird ein Ereignis definiert, das Tod, Verletzung oder Gesundheitsschädigung eines Menschen zur Folge hat. Damit verbunden sind verschiedene Folge-Kosten. Zum Beispiel Schmerzensgeld, Verdienstausfall oder lebenslange Rente, sowie Arzt-, Krankenhaus- oder Rehabilitation-Kosten.

Betriebshaftpflichtversicherung - LeistungenQuelle: R. Gino Santa Maria - stock.adobe.com

Wenn ein Geschäftspartner beim Besuch im eigenen Unternehmen ausrutscht, greift die Betriebshaftpflichtversicherung.

Sachschaden

Als Sachschaden versteht man die Substanz-Schädigung oder Vernichtung von Sachen. Wenn also zum Beispiel ein Handwerker während einer Montage beim Kunden etwas beschädigt. Nicht als Sachschaden gilt hingegen das Abhandenkommen von Sachen. Wenn der Handwerker beispielsweise seine Zange beim Kunden vergisst, ist das kein Sachschaden.

Vermögensschaden

Ein Vermögensschaden liegt meistens als Folge eines Sachschadens oder Personenschadens vor. Zum Beispiel, wenn ein Elektriker etwas montiert und vergisst, ein Kabel am Boden zu kennzeichnen. Daraufhin stürzt jemand über das Kabel und verletzt sich so stark, dass er oder sie für mehrere Tage nicht arbeiten kann. So entsteht nicht nur ein Personenschaden, sondern auch ein Vermögensschaden, denn durch den Arbeitsausfall fehlen Einnahmen und Gewinne. Dieser Schaden ist dann wiederum durch eine Betriebshaftpflichtversicherung abgedeckt.

Zusatz-Leistungen

Neben den Basis-Leistungen der Betriebshaftpflichtversicherung bieten die meisten Versicherungen noch Zusatz-Leistungen an. Diese sind oftmals schon in den Grundverträgen enthalten, lassen sich jedoch auf Wunsch auch entfernen. Die folgenden Zusatz-Leistungen werden dabei angeboten:

  • Schutz vor Schadens-Ansprüchen: Forderungen gegen den eigenen Betrieb werden geprüft, die möglichen gerichtlichen Kosten übernimmt die Versicherung
  • Umwelthaftpflicht-Abdeckung: Schutz vor Schäden durch Umwelteinwirkungen, wenn beispielsweise giftige Gase austreten und angrenzende Betriebe evakuiert werden müssen
  • Produkthaftung: fehlerhafte Produktionen sind abgesichert
  • Haftung wegen Diskriminierung: Ansprüche aus dem Allgemeinen Gleichstellungs-Gesetz (AGG)

Vorteile der Betriebshaftpflichtversicherung

Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist zwar für die meisten Betriebe freiwillig, kann sich aber durchaus lohnen. Wer sich für die BHV entscheidet, kann somit von den folgenden Vorteilen profitieren:

  • Schutz vor finanziellem Ruin: Betriebe haften grundsätzlich mit ihrem gesamten Vermögen. Je nach Umfang der Schäden, könnten Forderungen ein Unternehmen also in den finanziellen Ruin führen.
  • Schutz vor privatem Ruin: Selbstständige bzw. Freiberufler haften nicht mit ihrem Privatvermögen
  • weitere Niederlassungen und Filialen sind mitversichert
  • die meisten Anbieter decken auch weitere Bereiche (Umwelt und Diskriminierung) mit ab und ersparen den Betrieben so Zusatz-Versicherungen
  • bei vielen Anbietern lässt sich die Betriebshaftpflichtversicherung mit anderen Versicherungen kombinieren, was Kosten einspart

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Nachteile der Betriebshaftpflichtversicherung

Trotz der vielen Vorteile sollten Unternehmer auch die folgenden Nachteile beachten:

  • Arbeitsunfälle sind nicht abgedeckt, dafür wird eine separate Unfallversicherung benötigt
  • Subunternehmer müssen für eigene Absicherung sorgen
  • viele Anbieter versuchen unnötige Zusatz-Leistungen mitzuversichern, um die Kosten anzuheben

Kosten der Betriebshaftpflichtversicherung

Die Kosten einer Betriebshaftpflichtversicherung richten sich vor allem nach dem zu versicherndem Risiko. Zum Beispiel existiert bei Handwerkern ein höheres Risiko als bei Inhabern eines Büros. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle. Unternehmen mit zehn Mitarbeitern müssen deshalb bei gleicher Versicherungssumme weniger bezahlen als Firmen mit 200 Mitarbeitern. Somit gibt es viele verschiedene Bedingungen, die die Versicherung beeinflussen.

Insgesamt werden bei der Berechnung der Beitragshöhe einer Betriebshaftpflichtversicherung folgende Faktoren berücksichtigt:

  • Anzahl der Mitarbeiter
  • Anzahl der Inhaber
  • Jahresumsatz
  • Betriebsart/Art der Tätigkeit
  • gewünschte Zusatz-Leistungen
  • Höhe der Selbstbeteiligung
  • Deckungssummen

Deshalb gibt es keine allgemein gültige Aussage für die Kosten, denn sie hängen von verschiedenen Faktoren ab und ergeben somit immer eine individuelle Beitragshöhe.

Beispielrechnung

Um die Kosten für eine Betriebshaftpflichtversicherung beispielhaft zu ermitteln, wird das folgende Szenario berücksichtigt:

  • Selbstständiger im Büro
  • keine weiteren Mitarbeiter
  • Personenschaden-Deckungssumme: 3 Millionen Euro
  • Sachschaden-Deckungssumme: 3 Millionen Euro
  • Vermögensschaden-Deckungssumme: 100.000 Euro
  • maximale Selbstbeteiligung: 1.500 Euro je Schadensfall
  • inklusive Umwelt-Haftpflicht: 3 Millionen Euro Deckungssumme

Die Beitragshöhe der Betriebshaftpflichtversicherung liegt in dieser Beispielrechnung bei 150 Euro bis 180 Euro pro Jahr. Die exakte Summe kann sich dabei je nach Anbieter unterscheiden.

Besonderheiten der Betriebshaftpflichtversicherung

Viele Versicherungen bieten die Betriebshaftpflichtversicherung im Kombination mit einer Berufshaftpflichtversicherung an. Die Berufshaftpflicht versichert allerdings nur eine einzige Person und ist für viele Berufsgruppen gesetzlich vorgeschrieben. Zu diesen Berufsgruppen zählen zum Beispiel Anwälte, Krankengymnasten oder Steuerberater. Diese Kombination macht damit Sinn, da der Selbstständige so nicht nur sich selbst, sondern auch das Unternehmen mit absichern kann.

Wenn also zum Beispiel ein Anwalt eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen muss, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist und er nur so seinen Beruf ausüben darf. Dann benötigt er für seine Kanzlei jedoch noch zusätzlich eine Betriebshaftpflichtversicherung, die auch seine Mitarbeiter bei Schäden abdeckt. In diesem Fall würde er eine Berufshaftpflicht- mit einer Betriebshaftpflichtversicherung kombinieren.

Fazit

Wenn du ein Unternehmen besitzt oder gründen möchtest, musst du entscheiden, ob sich ein Schutz vor betrieblichen Risiken lohnt und somit eine Betriebshaftpflichtversicherung in Frage kommt. Die wenigen Nachteile zeigen deutlich, dass die Absicherung definitiv sinnvoll ist. Wichtig ist hierbei, dass du die verschiedenen Anbieter vergleichst, denn trotz gleicher Leistungen gibt es erhebliche Preisunterschiede. Achte auch immer auf die Deckungssummen und die angegebenen Selbstbeteiligungen. Zudem lohnt es sich, mit den Anbietern zu verhandeln. Besonders dann, wenn du beispielsweise zusätzlich noch eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen möchtest. Am Ende hast du dich dann erfolgreich abgesichert und brauchst dir keine Gedanken um mögliche Schäden machen.

Krankenversicherung für Selbstständige: Privat und Gesetzlich im Vergleich

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