Vermeidungsstrategien helfen nicht bei Angst vor Fehlern und Risiko.

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Angst vor Fehlern und die damit verbundene Risikoscheu sind etwas, das nicht recht zum Bild des erfolgreichen Gründers passen will und deshalb auch nicht oft angesprochen wird. Dabei ist das Risiko von Anfang an ständiger Begleiter, während Fehler als solche unvermeidbar sind. Allerdings gibt es verschiedene Arten mit Risiken und der Angst vor Fehlern umzugehen. Die zwei Extreme sind:

1. Aus den drei Basis-Optionen „fight“, „flight“ und „freeze“ (Kämpfen, Fliehen oder Erstarren) Letztere zu wählen und Problemen völlig handlungsunfähig gegenüber zu stehen.

2. Risiken, Fehler und Versagen zu feiern, nach der Maxime „Einfach machen!“ agieren und Samuel Becketts Worte „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“, unirionisch zu leben.

Letzteres klingt erst einmal wie das Erfolgsrezept schlechthin. Aber genau das, was im ersten Fall im Vordergrund steht, fehlt hier: der Selbsterhaltungstrieb. Wer hohe Risiken eingeht, kann oft viel gewinnen, aber ab einer gewissen Fallhöhe wird es unangenehm.
Im Interview mit Gründer.de berichtet Matthew Mockridge, Mit-Initator der NEONSPLASH Paint-Party®, wie seine Mitstreiter und er in nur einer Nacht 100,000 Euro verloren. Während es Mockridge und seiner Keen Holding möglich war, daraus zu lernen und mit größtem Erfolg weiterzumachen, bedeuten solche Verluste für Andere das Aus.

Auch in Silicon Valley hat man Angst vor Fehlern und Fehlschlägen. Der Journalist und Unternehmensberater Rob Asghar rechnet in der Forbes mit den dort besonders ausgeprägten Hype ums Fehlermachen ab. „Fail fast, fail often!“, „Fail better!“ und „Fail foreward!“, seinen vor allem Lippenbekenntnisse in einem Umfeld, wo alle mit allen Mitteln versuchen, schnell möglichst große Erfolge zu verbuchen. Ein wichtiger Motivator sei hier die Angst vorm Scheitern. Er schließt sich dabei einem anderen Kritiker der Fail-Fast-Mentalität, dem Unternehmer Mark Suster an. Dieser kritisierte bereits 2010 all die Bekenntnisse zum Fehler Machen, als unnötig risikofreudig, bzw. „unverantwortlich, unethisch und herzlos“. Man könne unter dem Motto „Fail fast“ nicht auf Businesspläne und Zielgruppenanalysen als Maßnahmen zur Risikominimierung verzichten; man könne auch nicht 50,000 hart verdiente Dollar eines Investors verbrennen, um ihm dann mitzuteilen: „Wir haben Glück: Ohne über Jahre Millionen verschwendet zu haben, wissen wir jetzt, dass es so nicht klappt.“

In seinem Beitrag spricht sich Asghar letztlich aber nicht gegen Fehler und Risikofreude als solche aus, sondern gegen den unreflektierten, allzu enthusiastischen Umgang damit. Er schlägt vor, das Motto in „Embrache resilience“, zu ändern, „Mach‘ dir die Gabe wiederaufzustehen zu eigen.“

„Resilience“ entspricht dabei dem psychologischen Fachbegriff „Resilienz“. Diese Eigenschaft ist bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt und bestimmt darüber, wie gut Betreffende Rück- und Schicksalsschläge wegstecken.

Es ist also nötig einen Mittelweg zu finden, bei dem Vorsicht und Risikofreude einander nicht ausschließen. Im Krisenfall dann ist es wichtig handlungsfähig zu bleiben und weiterzumachen. Das Risiko-Problem lässt sich rational lösen, indem Du Risiken minimierst. Aber was tun, wenn Fehler und Widrigkeiten einen leicht aus der Bahn werfen? Aktuell wird noch diskutiert, ob Resilienz genetisch bedingt ist, allerdings gibt es auch hier Möglichkeiten, an seiner Haltung zu arbeiten. In diesem Beitrag möchten wir Dir daher ein paar Strategien für beide Fronten vorstellen.

Risiko – So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Schon lange vor Silicon Valley hieß es: „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“ Allerdings musst Du nicht jedes Wagnis eingehen. Vernunft und Weitsicht sind die besten Mittel, um sich gegen unnötige Risiken abzusichern. Hier sind 5 Dinge, die du zur Risikooptimierung tun kannst:

1. Mach‘ einen Plan A und mach‘ einen Plan B.

Arbeite mit einem Wenn-Dann-Szenario, gehe die Eventualitäten, die du bemerkst, durch und überlege Dir, was Du in welchem Fall tust – und was Du tun musst, um kleine und große Katastrophen zu vermeiden. Das ist auch eine gute Übung, um die Angst vorm Scheitern in den Griff zu bekommen. Es hilft Dir, vorbereitet zu sein, nicht in Grübeleien zu verfallen und das tatsächliche Risiko besser abschätzen zu können.
Gegen viele Katastrophen kannst Du Dich auch versichern (lassen). Arbeitest Du zum Beispiel vor allem am Notebook, kannst Du das Gerät im Rahmen einer Hausratsversicherung vor Diebstahl schützen oder eine spezielle Laptop-Versicherung gegen alle möglichen Schäden abschließen. Eine Sicherheitskopie der Daten, auf die es ankommt, minimiert Dein Risiko ebenfalls ganz entscheidend.

2. Schätze das Risiko ab

Versuche auf Basis solcher Wenn-Dann-Szenarien herauszufinden, wie groß das jeweilige Risiko ist. Wenn Du dann vor einer wichtigen Entscheidung stehst, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, das Risiko ist so hoch, dass Du die Konsequenzen im schlimmsten Fall nicht verkraften würdest, oder aber der Worst Case ist, trotz allem damit verbundenen Unbehagen, verschmerzbar. Wie der vernünftige Umgang mit Risiko hier aussieht, ist klar. Nicht umsonst lautet eine alte Investoren-Weisheit: „Investiere mehr, als Du zu verlieren bereit bist.“

3. Behalte die Zahlen im Blick

Um herauszufinden, ob ein Risiko finanziell tragbar ist, musst Du natürlich einen Überblick über Deine Ausgaben und Einnahmen haben . Vor einer Entscheidung kommt der Bilanzcheck, dann das Bauchgefühl.

4. Berate Dich mit Deinen Mitstreitern

Wenn Du kein Einzelkämpfer bist, hast Du wahrscheinlich Mitarbeiter oder Partner, die ihre Kompetenz unter Beweis gestellt haben und denen selbst einiges am Unternehmenserfolg liegt. Wenn Dich Dein Bauchgefühl nicht weiterbringt, lohnt es sich vielleicht, ihre Position zur anstehenden Entscheidung zu hören.

5. Lass‘ Dich rechtlich beraten

Gründen ist einer Vielzahl von rechtlichen Fragen und Fallstricken verbunden. Viele der juristisch relevanten Eventualitäten umschiffst Du, wenn Du Dich von einem auf Gründer spezialisierten Anwalt beraten lässt. Etwaige Verträge sollten ebenfalls auf rechtliche Fragen hin abgeklopft werden. Eine gute Faustregel ist es, langfristige Verpflichtungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Ein Mietvertrag etwa, der Dich auf mehrere Jahre an ein bestimmtes Büro bindet, kann Dich wenn Du in kurzer Zeit wächst oder wenn Du doch wieder Einsparungen vornehmen musst, in Schwierigkeiten bringen. Hier gilt es, Alternativen zu finden.

Churchill zu Resilienz

Resilienz – Was machst Du, wenn das Leben Dir Zitronen gibt?*

Das Gute an Fehlern und Krisen ist, dass wir aus ihnen lernen und an ihnen wachsen können. Das geht aber nur, wenn wir daran nicht zerbrechen, sondern flexibel reagieren, lernen und anpassungsfähig sind. Unsere Resilienz bestimmt, wie gut wir Krisensituationen meistern. Es gibt Hinweise darauf, dass hier auch bestimmte Gene eine Rolle spielen, aber diese sind nur ein Faktor von vielen. Intelligenz, die Fähigkeit die eigenen Gefühle zu regulieren, Selbst- und Weltbild sowie das soziale Umfeld tragen ebenfalls zur Entwicklung von Resilienz bei. Tatsächlich kannst Du bestimmte Denkmuster auch gezielt trainieren, um besser mit Problemen und Krisen fertig zu werden. An dieser Stelle möchten wir Dir nun 3 Tipps geben, mit denen Du an Deiner Krisenfestigkeit arbeiten kannst:

1. Besser mit Stress umgehen (lernen)

Ganz gleich ob angestellt oder selbstständig: Das Arbeitsleben ist stressig. Nicht jede Form von Stress ist dabei grundsätzlich schlecht. Stress, der einen in die Lage versetzt, Höchstleistungen zu erbringen und mit positiven Gefühlen einhergeht wird „Eustress“ genannt. Leider spielt sein negativer Gegenpart, „Disstress“ eine viel größere Rolle, wenn es darum geht, uns krank zu machen. Es ist daher wichtig, Ausgleich zu schaffen, um sich nicht körperlich und geistig im Dauerausnahmezustand zu befinden. Negative Emotionen lassen sich mit Sport gut in den Griff bekommen. Die Psychologen Megan Oaten und Ken Cheng untersuchten in einer Studie wie sich regelmäßiger Sport über mehrere Monate hinweg auf Studierende auswirkte. Im Vergleich zur Kontrollgruppe waren Studienteilnehmer, die drei Mal die Woche Sport machten, weniger gestresst. Sie konnten auch besser mit negativen Emotionen umgehen und verhielten sich im Alltag disziplinierter. Sie rauchten und tranken auch weniger, beides Verhalten, das zu den ungesunden Stressbewältiungsmechanismen zählt. Wenn Du noch keine Sportart für Dich entdeckt hast, aber Sport machen willst, um besser mit Stress zurecht zu kommen, solltest Du eine Sportart wählen, die Dir auch Spaß macht.

Es muss natürlich nicht unbedingt Sport sein. Hauptsache, Du kannst Dich dabei entspannen und die entsprechende Tätigkeit tut Dir gut. Dieser Tage ging die Liste des Psychologiedozenten Brett Phillips auf Twitter viral. Eine seiner Schülerinnen hatte seine 101 Punkte umfassende Liste mit Vorschlägen, um Stress zu minimieren, abfotographiert und gepostet. Jeweils fünf davon sollten Phillips Schüler aussuchen und umsetzen. Täglich Sport zu treiben ist Vorschlag Nummer 79, unter den übrigen 100 sind genug kleine Wohlfühlübungen für jeden Geschmack dabei („25. Streichle ein/e zutrauliche/n Hund/Katze“, „90. Besuche ein Ballsportmatch und schreie“), aber auch Maximen, die mittel- und langfristig hilftreich sein können. Neben Sport, wird auch vorgeschlagen, täglich Freizeit einzuplanen (Punkt 35) und Prioritäten zu setzen (Punkt 10). Dass die Liste einen viralen Hit landete, zeigt, wie nötig Menschen in der modernen Welt gute Stressbewältigungsstrategien haben. Sie zeigt aber auch, dass es nicht die eine, ultimative Methode gibt, um runterzukommen.

Wenn Du nun (besser) mit Stress umgehen lernst, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Dir der Dauerstress, den Krisen auslösen können, weniger schadet.

Falls Du wissen möchtest, wie Du trotz Stress besser schläfst, empfehlen wir Dir diesen Artikel hier.

2. Positiv Denken…

…sollte nicht mit der Fähigkeit verwechselt werden, Probleme konsequent zu verdrängen und jegliche negative Emotion zu unterdrücken. Eine bestimmte Form des Optimismus ist dem Learning nach Fehlschlägen auch abträglich, bestätigt der Motivationsexperte Stefan Frädrich. Umgekehrt hat man positives Denken bitter nötig, wenn schon Kleinigkeiten einen völlig aus der Bahn zu werfen drohen. Nur mit einer positiven Grundhaltung, kannst Du lernen, Fehler auch zuzulassen. Mit dieser Haltung fragst Du: „Was kann ich beim nächsten Mal besser machen?“, statt Dich mit Selbstvorwürfen zu überschütten, mit denen Du jegliche Zuversicht und den Glauben an Deine Fähigkeiten vernichtest.

Mache Dir also zunächst bewusst, dass Bauch und Kopf keine getrennten Systeme sind. Gedanken können Gefühle hervorrufen und Gefühle führen zu entsprechenden Gedanken. Das kannst Du Dir zunutze machen, um Dir Deinen Gemütszustand bewusst zu machen und ihn dann zu beeinflussen. Das kann Dir im Ernstfall auch helfen, Abstand von Deinen Emotionen zu bekommen und nicht kopflos zu handeln.

Erwischt Du Dich im Alltag dabei, wie Du grübelst oder Dich in überzogene Ansprüche an Dich selbst versteigst, kannst Du diesen Gedanken Einhalt gebieten. Passende, positive Leitsätze können als Gegenformeln verwendet werden. Machst Du Fehler solltest Du Dich auch nicht selbst geißeln, sondern immer fragen, was Du daraus lernen kannst und was Du tun kannst, um mit den Konsequenzen fertig zu werden. Zum positiven Denken gehört schließlich auch die Überzeugung, dass Du die Dinge aktiv zum Besseren wenden kannst.

3. Das soziale Netzwerk pflegen

Teil einer Gemeinschaft zu sein stärkt die psychische Widerstandsfähigkeit. Das verwundert wenig, immerhin sind Menschen dann in Krisenfällen nicht auf sich allein gestellt und finden in ihrer Familie, bei Freunden oder sogar in der Kirchengemeinde emotionalen Rückhalt. Es kann sein, dass Du gerade in der Gründungsphase viel zu tun hast, aber ebenso wenig, wie Du auf Ausgleich verzichten solltest, solltest Du Dein soziales Leben vernachlässigen. Ein Netzwerk zahlt sich nicht nur im Sinne von „Networking“ aus. Deine privaten Kontakte können Dich in der Krise auffangen und Dir helfen, sie zu überstehen.

Zusammenfassend:

Risiko gehört zum Leben dazu und Irren ist menschlich. Daher ist es keine Option, Risiken und Fehler immer und überall vermeiden zu wollen. Du nimmst Dir mit Vermeidungsverhalten die Möglichkeit, unternehmerisch und persönlich zu wachsen.
Risiken einzugehen zahlt sich langfristig aber nur aus, wenn Du auf Risikooptimierung und nicht alles unbedacht auf eine Karte setzt. In diesem Beitrag haben wir Dir daher 5 Vorschläge zur Risikooptimierung gegeben.

• Arbeite mit Wenn-Dann-Szenarien.
• Schätze Risiken immer erst ab.
• Verschaffe Dir einen finanziellen Überblick, bevor Du riskante Business-Entscheidungen triffst.
• Frage Deine Vertrauten um Rat.
• Sorge dafür, dass Du rechtlich auf der sicheren Seite bist.

Oder kurz: Sei nicht risikoscheu, aber vernünftig.

Da sich das Risiko, Fehler zu machen und Rückschläge zu erleben natürlich nicht völlig eliminieren lässt, ist es wichtig, bei Rückschlägen wieder aufzustehen, zu lernen und weiterzumachen. Ob Du dazu in der Lage bist, ist eine psychische Frage. Die Fähigkeit wieder aufzustehen ist nur bedingt angeboren und lässt sich trainieren. Wichtig ist es:

• Stresss ausgleichen zu können.
• Eine positive Grundhaltung zu entwickeln.
• Ein soziales Netzwerk zu haben/zu finden, das einen zumindest emotional auffängt.

Letztlich ist es wichtig, sich aber nicht auf das Risiko zu konzentrieren, sondern auf aktives Handeln und die Ergebnisse. Deine psychische Widerstandsfähigkeit hilft Dir dabei, auch während akuter Krisen handlungsfähig zu bleiben.

Wir hoffen, dass wir Dir in diesem Beitrag hilfreiche Tipps und Anregungen geben konnten. Wenn Du Feedback, Anmerkungen oder Ergänzungen hast, freuen wir uns, diese als Kommentare entgegennehmen zu dürfen. Erzähl uns, was Du bei risikoreichen Entscheidungen tust, was Dich durch Krisen gebracht hat und was Du tust, um dem Arbeitsstress zu trotzen.

*“Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach‘ Limonade draus.“

Keine Angst vor Risiken, keine Angst vor Fehlern!
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