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Nach der grundsätzlichen Regelung des Einkommensteuergesetzes sind die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht abziehbar (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG). Ausnahmen gelten nur, wenn …

… dir für deine betriebliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht  dann kannst du Aufwendungen bis zu 1.250€ im Jahr abziehen.

…das Arbeitszimmer den Mittelpunkt deiner gesamten betrieblichen Betätigung bildet   dann kannst du Aufwendungen unbeschränkt abziehen.

Doch nun kann auch das passieren:

Nicht nur du, sondern auch deine Partnerin oder dein Partner nutzen einen Raum im Haus oder der Wohnung für betriebliche Tätigkeiten. Also beide nutzen denselben Raum. Und dann? Dann kommt das am 22.02.2017 veröffentlichte Urteil des BFH zum Tragen (Urteil vom 15.12.2016, Az. VI R 53/123). Denn der BFH entschied: In diesem Fall kannst sowohl du als auch dein/e Lebenspartner/in die 1.250€ Werbungskosten für das häusliche Arbeitszimmer geltend machen. Damit verdoppelt sich (bei jeweils 35% persönlichem Steuersatz) die Steuerersparnis von 437,50 auf 875€!

Das Urteil ist deshalb so besonders, weil der BFH bislang immer von einer „objektbezogenen“ Pauschale von 1.250€ ausgegangen ist. Diese Rechtsprechung gibt er mit dem neuen Urteil auf. Jetzt spricht erausdrücklich von einer „personenbezogenen“ Pauschale.


WICHTIG

An den Kriterien für die Frage, ob es sich überhaupt um ein häusliches Arbeitszimmer handelt, ändert sich für den Fiskus nichts!


Ein Arbeitszimmer im steuerrechtlichen Sinne ist ein Raum, der nach  seiner Lage, Funktion und Ausstattung in Ihre häusliche Sphäre eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient.

Ein typisches häusliches Arbeitszimmer ist zudem ein Raum, der mit einem Schreibtisch und anderen Möbeln ausgestattet ist, die sich für eine büromäßige Nutzung eignen (z. B. Aktenschränke),und in dem sich ein PC, ein Telefon und ein Faxgerät befinden.

Vor allem aber muss es sich um einen eigenständigen Raum und nicht etwa um ein Durchgangszimmer handeln. Rechne damit, dass sich der Fiskus zumindest eine Grundriss-Zeichnung deiner Wohnung oder deines Hauses anschauen will, um zu sehen, ob das geltend gemachte häusliche Arbeitszimmer wirklich existiert.

Auch wenn du keinen solchen Raum hast, kannst du steuerlich möglicherweise profitieren. Betriebs-, Lager- und Ausstellungsräume gelten nicht als häusliches Arbeitszimmer. Die Kosten dafür fallen nicht unter die Abzugsbeschränkung von 1.250€.

Nutzt du beispielsweise eine fensterlose Abstellkammer in deiner Wohnung nur als reinen Lagerraum für deinen Betrieb, kannst du die anteiligen Kosten hierfür steuerlich geltend machen. Das gilt auch für Räume, die „nur“ an deine eigene Wohnung angrenzen. Das bedeutet:

Die Kosten dafür kannst du ebenfalls in der Höhe abziehen, in der sie tatsächlich anfallen, z. B. ein Lagerraum im Keller, der nur zur Archivierung betrieblicher Unterlagen verwendet wird.


MEIN TIPP

Das gilt auch für Räume, die einer Betriebsstätte ähnlich sind, beispielsweise Praxisräume eines Arztes, die Kanzlei eines Steuerberaters oder ein Tonstudio im Keller des Einfamilienhauses.


Die Kosten für diese Räume kannst du  in voller Höhe als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend machen, wenn sie für einen intensiven und dauerhaften Publikumsverkehr geöffnet sind

(BFH, Urteil vom 5.12.2002, Az. IV R 7/01).

Dieser Artikel wurde von BWRmed!a bereitgestellt.
Autor: Günther Stein (Unternehmer)

Selbstständig, BWR Med!a, VNR Verlag

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