4-Tage-Woche vs. 5-Tage-WocheQuelle: fizkes - adobe.stock.com

Die 4-Tage-Woche klingt im Vergleich zur 5-Tage-Woche nach viel mehr Freizeit, doch das stimmt nicht ganz.

Bei der häufig angewendeten 5-Tage-Woche heißt es fünf Tage arbeiten und zwei Tage entspannen. Doch immer mehr Unternehmen fordern nun die Einführung einer 4-Tage-Woche und sehen viele Vorteile. Auch Gründer müssen vorher entscheiden, welches System sich besser umsetzen lässt. Der folgende Beitrag zeigt die Vor- und Nachteile, erklärt den jeweiligen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub und gibt Tipps zur Umsetzung. 

5-Tage-Woche – Entstehung und Urlaubsanspruch

Wer sich fragt, warum gerade die 5-Tage-Woche heute oftmals angewendet wird, muss gedanklich ins Jahr 1908 zurückgehen. Bis zu dieser Zeit gab es generell eine 6-Tage-Woche, nur am Sonntag konnten die Arbeiter sich erholen. 1908 stellte dann eine Mühle in den USA ihr System auf eine 5-Tage-Woche um. Das heißt, auch am Samstag wurde nicht gearbeitet, da die größtenteils jüdischen Angestellten darum baten, samstags den Sabbat abhalten zu dürfen. Diesem Beispiel folgten viele weitere Firmen und in den 1930er-Jahren wurde die 5-Tage-Woche dann flächendeckend eingeführt. Sie sollte die Arbeitslosigkeit bekämpfen.

Bei der sogenannten 5-Tage-Woche werden also fünf Tage gearbeitet und zwei Tage haben die Arbeitnehmer frei. Die Arbeitsstunden liegen dabei laut Vertrag im Schnitt bei 35 bis 42 Stunden. Der gesetzliche Urlaubsanspruch liegt zudem bei 20 Werktagen. Diese Regelung soll sicherstellen, dass Arbeitnehmer pro Jahr bei der 5-Tage-Woche mindestens vier Wochen Urlaub erhalten.

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4-Tage-Woche – Entstehung und Urlaubsanspruch

Woher die Idee zur 4-Tage-Woche genau stammt, lässt sich im Gegensatz zur 5-Tage-Woche nicht genau bestimmen. Fakt ist aber, dass die kürzere Woche keinen spontanen Trend der Geschäftswelt darstellt. Denn das System wurde schon ausführlich getestet. Mit dabei waren sogar große Unternehmen, wie zum Beispiel Microsoft in Japan. Im Sommer 2019 testete die Firma das Konzept und konnte positive Ergebnisse feststellen, die Produktivität steigerte sich um 40 Prozent. Und sogar für Startups kommt die 4-Tage-Woche in Frage. Das Berliner Unternehmen „Bike Citizens“ für Fahrrad-Navigationen setzt auf eine 36-Stunden-Woche ebenfalls an vier Tagen und hat diese Regelung nach erfolgreichem Test nun komplett übernommen.

Das Grundprinzip der 4-Tage-Woche ist es also vier Tage zu arbeiten und drei Tage frei zu haben. Ob sich dadurch bei einer kurzfristigen Umstellung die gesamte Stundenanzahl pro Woche verringert, kann der Arbeitgeber selbst festlegen. Allerdings liegt auch bei der 4-Tage-Woche der gesetzliche Urlaubsanspruch bei mindestens vier Wochen pro Jahr. Das sind bei vier Arbeitstagen pro Woche dann insgesamt mindestens 16 Urlaubstage.

5-Tage-Woche – Vorteile

Vorteil 1 – mehr Zeit für mehr Leistung

Auch wenn vier Arbeitstage nicht zwangsläufig weniger Arbeitsstunden bedeuten, bleibt bei der regulären 5-Tage-Woche mehr Zeit für potenzielle Kundengespräche oder Arbeitsabläufe. Dabei kann der zusätzliche Tag zum Beispiel für mehr Umsatz oder generell höhere Verkaufszahlen sorgen. Gerade für Startups sollte der Service-Gedanke zum Aufbau von Kunden ganz oben stehen. Denn nicht alle Kunden oder Geschäftspartner lassen sich auf die nächste Woche vertrösten, somit ist der zusätzliche Tag praktisch und besonders für große sowie zeitaufwendige Projekte ein Vorteil.

Vorteil 2 – Gelassenheit durch Aufgaben-Aufteilung

Wenn am Anfang der Woche die Aufgaben verteilt werden, kann die 5-Tage-Woche innerlich für mehr Gelassenheit sorgen. Denn wenn Teile der Aufgaben nicht sofort gelingen oder wichtige Kunden nicht erreichbar sind, ist gefühlt noch mehr Zeit zur Erledigung vorhanden. Die einzelnen Tätigkeiten können in klar strukturieren Berufen dann eigenständig aufgeteilt werden, je nachdem, wie es am besten passt. Dieser Vorteil verhindert ein zu großes Stressgefühl und kann die Motivation steigern.

Vorteil 3 – Zeit für soziale Interaktion

Ein Gespräch an der Kaffeemaschine, eine verlängerte Mittagspause im Lieblingsrestaurant oder ein motivierender Austausch mit den Kollegen. Bei einer 5-Tage-Woche bleibt mehr Zeit für soziale Interaktionen mit den Kollegen am Arbeitsplatz. Natürlich darf die Arbeitszeit nicht darunter leiden, trotzdem muss nicht jede Sekunde voll konzentriert am Schreibtisch verbracht werden. Das wiederum steigert die Stimmung und kann ein Vorteil für die gesamte Arbeitsatmosphäre sein.

5-Tage-Woche – Nachteile

Nachteil 1 – mehr Zeit für Diskussionen

Wer mehr Arbeitstage und damit auch gefühlt mehr Zeit hat, der nutzt diesen Raum nicht unbedingt immer produktiv. Denn ein Nachteil der 5-Tage-Woche können zusätzliche Diskussionen oder nutzlose Meetings sein. Entscheidungen werden dabei möglicherweise verschoben, noch mehr Kollegen befragt und längst überfällige Projekte nicht abgeschlossen. Besonders im kreativen Bereich blockiert dieser Nachteil dann die Produktivität.

Nachteil 2 – wichtige Termine sorgen für Ausfälle

Ein Termin beim Zahnarzt, eine Überprüfung der Feuermelder oder der Monteur kommt vorbei und repariert die kaputte Waschmaschine. Das sind alles Termine, die bei einer 5-Tage-Woche zu einem Ausfall der Mitarbeiter führen, da sie sich nicht problemlos auf das Wochenende verschieben lassen. Dieser Nachteil wird besonders bei kleineren Unternehmen spürbar. Dort können nicht immer Kollegen einspringen, somit fehlt die Arbeitskraft für mehrere Stunden.

Nachteil 3 – Auswirkungen durch fehlende Erholung

Besonders in Berufen mit generell vielen Überstunden reichen zwei freie Tage pro Woche oft nicht für eine ausreichende Erholung. Dazu kommt in manchen Branchen noch die Arbeit bis spät in die Nacht oder eine ständige Erreichbarkeit. Dieser Nachteil der 5-Tage-Woche sorgt dann im schlimmsten Fall für Bluthochdruck oder weiteren schlimmen Folgeerkrankungen.

5-Tage-Woche - Nachteil fehlende ErholungQuelle: fizkes - adobe.stock.com

Wer sich bei der 5-Tage-Woche nicht ausreichend erholen kann, leidet unter ständiger Müdigkeit.

4-Tage-Woche – Vorteile

Vorteil 1 – Steigerung der Motivation und Gesundheit

Ein Vorteil der 4-Tage-Woche ist die längere Erholungsphase der Mitarbeiter. Allein die Aussicht sorgt schon für einen großen Motivationsschub. Das Gefühl, mehr Freizeit zu haben, kann die Bereitschaft für Überstunden an den vier Arbeitstagen steigern. Die vorhandene Zeit wird produktiv genutzt, überflüssige Zeitfresser lassen sich oftmals streichen. Und die drei Tage zur Entspannung wirken sich wiederum positiv auf die Gesundheit aus. Die Mitarbeiter bekommen mehr Zeit zum Ausschlafen, für Hobbys oder gemeinsame Zeit mit der Familie. Krankheiten lassen sich besser auskurieren oder sogar verhindern.

Vorteil 2 – Terminverschiebung auf den freien Werktag

Das Auto muss in die Werkstatt, die Küche wird geliefert oder ein Besuch beim Arzt steht an. Diese Termine lassen sich auf den freien Tag unter der Woche verschieben und stehen damit für einen wichtigen Vorteil der 4-Tage Woche. Denn der Mitarbeiter fällt so nicht stundenlang aus an den übrigen Tagen und verpasst keine wichtigen Termine in der Firma. Das erspart wiederum lange Diskussionen oder Rechtfertigungen beim Vorgesetzten und damit auch den Stress, einen Termin exakt einhalten zu müssen.

Vorteil 3 – Attraktivität der Firma steigt

Die 4-Tage-Woche ist selten und hat sich insgesamt auf dem Arbeitsmarkt noch nicht durchgesetzt. Deshalb können Startups, aber auch etablierte Firmen, dieses Angebot gut bei der Mitarbeiter-Suche mit einbringen. Denn sie erscheinen dadurch besonders innovativ und flexibel. Zum Beispiel bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften kann dieses Argument für Bewerber entscheidend sein. Zusätzlich könnte sich der Vorteil auch bei der Mitarbeiterbindung zeigen, wenn die Angestellten seltener kündigen und mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden sind.

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4-Tage-Woche Nachteile

Nachteil 1 – Zeitersparnis an der falschen Stelle

Will ein Unternehmen viel Zeit einsparen, um so die 4-Tage-Woche einhalten zu können, kann die Zeit an der richtigen Stelle fehlen und sich zum Nachteil entwickeln. Wenn zum Beispiel die kurzen Gespräche zwischen den Kollegen ausfallen müssen, kann sich das auf die gesamte Stimmung auswirken. Und wenn der fehlende Tag dazu führt, dass alle ihre Aufgaben nicht schaffen, sorgt das wiederum zu vielen Überstunden. Diese Überstunden können dann die Produktivität insgesamt bremsen, weil sich die Angestellten überfordert fühlen und auch an den freien Tagen geistig nicht abschalten.

Nachteil 2 – für manche Branchen nicht umsetzbar

So innovativ die Idee der 4-Tage-Woche auch klingt, sie ist für manche Branchen nicht immer umsetzbar. Da der Großteil der Kunden und auch die Konkurrenz das Konzept nicht nutzen, macht das System dort schnell als Nachteil bemerkbar. Ein zusätzlicher freier Tag bedeutet auch ein Tag ohne abgeschlossene Verträge, ohne Verkauf von Produkten, was die Konkurrenz wiederum ausnutzen würde.

Nachteil 3 – für Startups sinnlos

Auch für Startups ist die Umsetzung der 4-Tage-Woche generell schwierig. Besonders in der Startphase müssen Gründer mit Service und Flexibilität beim Kunden punkten. Das ist schwer umsetzbar, wenn ein kompletter Tag pro Woche direkt zu Beginn weg fällt. Ryan Carson, der Gründer der Weiterbildungsfirma Treehouse, geriet deshalb im Jahr 2015 schnell an seine Grenzen. Auf dem Kongress GrowthLab berichtete er von seinen Problemen und den Nachteilen. Durch die Umstellung musste der Gründer 65 Stunden pro Woche arbeiten. Seine Mission und seine Geschäfte litten unter der verkürzten Arbeitswoche.

Tipps – Von 5-Tage-Woche auf 4-Tage-Woche

Wer das Modell der 5-Tage-Woche in seinem Unternehmen auf die 4-Tage-Woche umstellen möchte, sollte für eine erfolgreiche Umsetzung einige Tipps beachten:

  • Das neue System kann nicht von heute auf morgen funktionieren. Deshalb ist es sinnvoll, eine Übergangsphase einzuplanen.
  • Alle Mitarbeiter sollten gemeinsam Strategien entwickeln, wie die Umstellung der 5-Tage-Woche gelingt. Es stärkt die Motivation, wenn sich die Ziele gemeinsam erreichen lassen.
  • Alle Kunden und Geschäftspartner müssen den neuen Plan der zukünftigen 4-Tage-Woche kennen.
  • In der Dienstleistungsbranche lohnt es sich ein Schichtsystem einzuführen, damit der Service und die Erreichbarkeit weiterhin gewährleistet sind.
  • Der Chef geht mit gutem Beispiel voran: 4-Tage-Woche heißt also auch an einem freien Tag keine Emails oder Anfragen an die Mitarbeiter verschicken. Denn so entsteht der Eindruck, dass auch die Mitarbeiter den freien Tag selbstverständlich als Arbeitstag nutzen sollen.

Fazit: Die Branche bestimmt das System

Die 4-Tage-Woche ist praktisch und kann unter bestimmten Voraussetzungen die Produktivität steigern. Allerdings ist sie nicht für jede Branche umsetzbar. Wenn deine Verkäufe oder die Produktion darunter leiden, dann funktioniert eine Umstellung nicht. Oder solltest du gerade ein Startup aufbauen, ist die klassische 5-Tage-Woche sinnvoller, da mögliche Kunden und Geschäftspartner deine Flexibilität und Erreichbarkeit schätzen werden. Generell macht es Sinn, die Ausgangslage genau zu analysieren. Und eine mögliche Testphase kann dann zeigen, ob alle Kollegen mit der 4-Tage-Woche produktiver arbeiten können.

Endlich weniger arbeiten: Ohne 40-Stunden-Woche zu mehr Erfolg

 

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