Liquiditätsplanung: So bleibt dein Unternehmen wirklich immer liquide!

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© CC0 Public Domain / pixabay.com

Nach Beobachtung des Insolvenzverwalters Lucas Flöther gehört eine fehlende Liquiditätsplanung mit zu den häufigsten Ursachen für eine Zahlungsunfähigkeit, die bis hin zur Insolvenz führen kann. Damit du niemals an diesen Punkt kommst, entdeckst du hier, wie du ab sofort deine Liquidität so steuerst, dass du deine Hausbank jederzeit in die kurzfristige Finanzierung einbeziehen kannst, wenn es einmal gar nicht anders geht.

 

Wozu überhaupt eine Liquiditätsplanung?

Als „guter Kaufmann“ musst du sicherstellen, dass dein Unternehmen oder Betrieb jederzeit über angemessene liquide Mittel verfügt. Das heißt nichts anderes als: Du musst Einnahmen und Ausgaben deines Betriebs koordinieren. Genau hierbei hilft dir dann deine Liquiditätsplanung.

Diese erfüllt insgesamt 3 zentrale Aufgaben:

1. Schutz vor Insolvenz
2. Schutz Ihrer eigenen Existenz
3. Möglichkeit, Kredite zu bekommen

TIPP: Hast du keine Software für deine Liquiditätsplanung, findest du ein brauchbares und einfach zu bedienendes Tool hier: https://www.fuer- gruender.de/businessplan-vorlage/ finanzplan-erstellen

 

Wodurch die Liquidität deines Unternehmens beeinflusst wird

Entscheidend für die Liquidität ist, wann und in welcher Höhe deinem Unternehmen Einnahmen zufließen oder Ausgaben abfließen.

TIPP: Bevor du mit der eigentlichen Liquiditätsplanung beginnst, verschaffe dir zunächst einen Überblick über alle Einnahmen und Ausgaben, die im Laufe eines Jahres in deinem Unternehmen normalerweise anfallen. Die wichtigsten Einnahmen und Ausgaben findest du in der folgenden Auflistung.

 

Wichtige Einnahmen, die die Liquidität deines Unternehmens positiv beeinflussen:

  • Guthaben (Das sind beispielsweise Kassenbestände und Bankguthaben. Sie sind der Grundstock der Liquidität deines Betriebs.)
  • Umsatz (Nur Umsätze, die sofort zu Einzahlungen führen, z. B. als Barzahlung, verbessern die Liquidität.)
  • Kredite (Die Vereinbarung einer Kreditlinie erhöht die Liquidität. Die Kreditlinie sollte möglichst hoch sein, damit dein Unternehmen auch unvorhergesehene Forderungen begleichen kann. Langfristige Darlehen schonen deine Kreditlinie.)
  • Sonstige Einzahlungen (Schießt du Geld in den Betrieb? Bekommst du einen Fremdkredit? Das zählt dazu. Aber auch Zinserlöse & Co. All das sorgt für einen Mittelzufluss.)
  • Steuererstattungen

 

Wichtige Ausgaben, die die Liquidität deines Unternehmens negativ beeinflussen:

  • Forderungen (Du hast Waren per Rechnung verkauft? Bis diese bezahlt wird, hast du eine Forderung, aber noch kein Geld. Die Kosten im Betrieb aber laufen weiter. Das muss berücksichtigt werden.)
  • Kosten, die zum Mittelabfluss führen (z. B. Mieten, Löhne und Gehälter, Werbekosten, Fahrzeugkosten, Zinsen für Kredite, Abgaben, Steuern oder für Material.)
  • Investitionen (z. B. Kauf von Maschinen und Fahrzeugen, Büroausstattung, Soft- und Hardware , plus Nebenkosten wie Versicherungen, Fracht, Verpackung, Gebühren etc.)
  • Deine Umsatzsteuerzahllast
  • Verbindlichkeiten
  • Einkauf und Lager
  • Weitere Steuerzahlungen (wie Gewerbesteuer, Nachzahlungen, auch Einkommensteuer und Privatentnahmen)

 

So erstellst du eine Liquiditätsplanung

Stelle dir aus deiner Buchhaltung (oder lass dir von deinem Steuerberater eine entsprechende Aufstellung geben) alle wichtigen Einzahlungen und Auszahlungen zusammen. Neben den Vorjahreswerten trägst du deine Planwerte für das laufende Jahr in die Liquiditätsplanung ein.
So hast du die Möglichkeit, deine Planwerte auf Plausibilität zu überprüfen.

 TIPP: Eine Musterübersicht steht auf www.selbststaendig-heute.de zum Download für dich bereit.

 

Langfristige Planung der Einnahmen und Ausgaben

Bei der Liquiditätsplanung solltest du dir zunächst Gedanken über die voraussichtliche Situation deines Unternehmens in den kommenden 3 bis 5 Jahren machen. Dafür genügt es, wenn du einige wichtige Eckdaten als Jahreswerte darstellst, z. B. Umsatz, Kosten oder Investitionen. So kannst du schnell sehen, ob es möglicherweise einen Engpass geben wird.

 

Kurzfristige Planung: Gehe ins Detail

Der Schwerpunkt jeder Liquiditätsplanung liegt auf der Planung des laufenden bzw. kommenden Jahres. Die kurzfristigen Liquiditätsplanungen stellst du für jeden Monat auf. Wie ein informativer Liquiditätsplan aussehen kann, erfährst du auf www.selbststaendig-heute.de, wo ein Muster für dich zum Download bereit steht.

Wichtig:

  • Plane so, dass die verfügbare Liquidität deines Unternehmens positiv ist.
  • Nutze die Kreditlinie deines Unternehmens höchstens zu 50 bis 60 % aus. So hast du ein ausreichendes Polster für unvorhergesehene Ausgaben.
  • Ist die Liquidität negativ, musst du die Einnahmen erhöhen oder deine Auszahlungen reduzieren, sofern die Kreditlinien nicht ausreichen.

 

Wenn ein Liquiditätsengpass eintritt

Bei einem sich abzeichnenden Liquiditätsengpass ist es wichtig, dass du Lösungsansätze parat hast. Folgende 14 Maßnahmen können Liquiditätsengpässe beseitigen oder zumindest reduzieren:

 

  1. Prüfe die Zahlungsziele für die Kunden deines Unternehmens und verkürze sie gegebenenfalls.
  2. Vereinbare grundsätzlich bereits bei Auftragserteilung eine Anzahlung. Sie ist insbesondere dann angebracht, wenn dein Unternehmen selbst Vorleistungen erbringen muss (z. B. Einkauf von Rohstoffen, um einen Auftrag zu erfüllen). Die Anzahlung sollte dann im Idealfall mindestens die Vorleistungen deines Unternehmens finanzieren.
  3. Vereinbare Teilzahlungen je nach Projektfortschritt statt vollständiger Bezahlung am Ende.
  4. Biete den Kunden Skonto für schnelle Bezahlung an.
  5. Wandel teure Kontokorrentkredite in langfristige Darlehen mit günstigeren Zinssätzen um.
  6. Vereinbare mit der Hausbank eine Erhöhung der Kreditlinie.
  7. Prüfe, ob Investitionen mit öffentlichen Förderprogrammen unterstützt werden können (www.kfw.de).
  8. Prüfen, ob öffentliche Förderprogramme Liquiditätsengpässe überbrücken können (z. B. KfW- Unternehmerkredit).
  9. Optimiere das Forderungsmanagement dahingehend, dass du offene Forderungen zeitnah und konsequent verfolgst.
  10. Stelle alle Ausgaben auf den Prüfstand.
  11. Verringere hohe Lagerbestände durch Sonderaktionen.
  12. Prüfe die Option, Betriebseinrichtungen zu verkaufen und später zurückzuleasen (Sale and lease back).
  13. Verkaufe offene Forderungen an Factoring-Unternehmen.
  14. Vereinbare Ratenzahlungen mit Lieferanten.

 

TIPP: Sicher dir das wichtige Vertrauen deiner Hausbank schon in guten Zeiten durch aktive und transparente Information.

 

 

Dieser Artikel wurde von BWRmed!a bereitgestellt.
Autor: Günter Stein, selbstständiger Unternehmer und Chefredakteur von „Selbstständig heute“

Selbstständig, BWR Med!a, VNR Verlag

 
 
 

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