Viele denken bei einer guten Geschäftsidee an einen plötzlichen Geistesblitz, der aus dem Nichts kommt und einem ein fertiges Geschäft serviert. Meiner Erfahrung nach ist dies nicht der Fall. Solche Einfälle sind höchstens die erste Sprosse auf einer Leiter, die zu einer runden Idee führt. Und häufig wechselt man am Weg nach oben sogar auf eine völlig andere Leiter oder nimmt am Ende dann doch den Aufzug.

Das Finden von Ideen ist kein geheimnisvolles Mysterium, das auf Zufällen und Geistesblitzen beruht, die aus dem Nichts kommen. Vielmehr ist es ein systematischer Prozess, der sehr dem Forschen ähnelt. Es geht darum den Fokus unseres Gehirns auf die richtigen Dinge auszurichten und nach guten Ideen zu forschen. Es hat also viel damit zu tun, sich bewusst dazu zu entscheiden nach guten Ideen zu forschen, anstatt auf Geistesblitze aus dem nichts zu warten.

In der Folge werde ich dir, so kompakt wie mir aktuell möglich, einen systematischen vierstufigen Weg vorstellen, damit du deinen Ideen sowohl genügend Raum als auch genügend Struktur geben kannst.

Schritt 1: Eröffne ein Ideenlabor.

Der erste und wichtigste Schritt ist aufkommende Ideen nicht einfach zu verwerfen, sondern ihnen Raum zu geben. Oftmals müssen Ideen im Hinterkopf eine Weile reifen. Wir eröffnen daher ein Ideenlabor und du wirst bewusst zum Ideenforscher.

Dazu brauchen wir kein großes Geld. Unser Labor ist ein Notizbuch. Denn ein guter Forscher führt Buch. Sei offen und verwerfe keinen noch so kleinen Einfall, sondern notiere ihn. Manchmal führen die sonderbarsten Einfälle bei dritter Betrachtung doch noch zu einer runden Idee.

Das mag dir als kleiner Schritt erscheinen, aber unterschätze nicht welch positive Wirkung es hat, wenn du bewusst ein Ideenlabor eröffnest. Unser Gehirn liebt experimentelle Aufgaben. Und es liebt Struktur. Der Begriff Ideenlabor ist daher sehr hilfreich, weil er das Forschende und das Experimentelle unterstreicht. Du kannst in dein Labor Ideen aufnehmen, diese mit anderen Ideen kombinieren, daraus wieder Neue ableiten und so weiter. Es ist ein Ort, um Dinge kreativ zu probieren und runde Geschäftsideen zu finden hat mehr mit probieren und reagieren zu tun, als du glaubst.

Tipps für dein Ideenlabor

  • Verwende ein Blanko Notizbuch (nicht liniert oder kariert). Völlig leere Seiten schränken dich am wenigsten ein.
  • Führe es immer mit dir. Dadurch hältst du deinen Fokus dauerhaft offen.
  • Ein farbiges Bändchen hilft schnell die nächste leere Seite zu finden.
  • Gebe deinen Ideen Struktur.

Der folgende Aufbau hat sich in meiner Arbeit als einfach und effektiv erwiesen:

 

Schritt 2: Lege deine Ideeneinkaufsliste an.

Nun, da du ein Ideenlabor eröffnet hast, in dem du aufkommende Ideen strukturiert festhalten kannst, geht es darum den Rahmen zu kreieren, in welchem du Ideen finden willst. Du möchtest ja nicht irgendwelche Ideen finden, sondern Ideen, die zu dir passen.

Wir geben deinem Gehirn also ein Geländer, an dem es sich bei der Suche orientieren kann. Dazu befüllen wir die drei folgenden Schubladen mit den Zutaten, die unsere Wunschidee enthalten soll. Ich weiß, in Kreatitivätsworkshops wird gelehrt man solle ja nicht in Schubladen denken, sondern möglichst out-of-the-box, um gute neue Ideen zu finden. Ich fand diesen Hinweis aber nie besonders hilfreich.

Wie soll man denn bitte gezielt außerhalb der Box denken?

Gezieltes außerhalb der Box denken funktioniert nicht. Das ist als würdest du versuchen außerhalb deines Gehirnes zu denken. Außerdem wollen wir ja eine zu dir passende Ideen finden. Eine Schublade mit Wünschen ist daher notwendig. Es ist der Rahmen in den deine Idee passen soll. Das zwingt dein Gehirn dazu viel fokussierter und fantasievoller zu denken. Wir legen quasi eine Einkaufsliste an, mit der wir dann in den Ideensupermarkt fahren.

Fülle dazu die drei folgenden Schubladen mit den wichtigsten Zutaten:

 

Schritt 3: Erkenne Marktbedürfnisse und Trends.

Eine Idee, die du gerne machst, die aber keiner haben will, ist keine Geschäftsidee, sondern ein Hobby. Wir müssen unser Forschungsgebiet also nach außen ausweiten und prüfen, ob die Idee am Markt denn überhaupt gefragt ist.

Runde und rentable Ideen liegen genau in der Schnittmenge dieser zwei Forschungsgebiete. Genau dort, wo du mit innerer Freude ein äußeres Bedürfnis am Markt bedienen kannst, liegt deine Berufung. Dort liegen runde Ideen.

Es geht also darum im Alltag hellhörig zu sein für Marktbedürfnisse und Trends.

Dazu gehören zwei Schritte: Reibung erkennen und Trends erkennen.

Reibung erkennen:

Reibung entsteht immer dann, wenn Kundenbedürfnis und Angebot nicht zusammenstimmen, sondern aufeinanderprallen. Wann immer du eine solche Diskrepanz erkennst, solltest du hellhörig werden und es in deinem Ideenlabor notieren. Diese Reibung kann sehr unauffällig sein. In den seltensten Fällen schreien Kunden heraus, was sie wollen, weil sie es ja oft selbst nicht wissen.

 

Folgende Fragen können dir dabei helfen Reibung zu erkennen:

  • Wo plagt sich jemand?
  • Wer beschwert sich und worüber?
  • Was könnte man einfacher machen?
  • Was ist viel zu teuer?
  • Was ist kompliziert zu beschaffen?
  • Was ärgert mich so richtig an manchen Produkten?

 

Trends erkennen:

Die zwei folgenden Online-Tools können dir zudem dabei helfen Trends frühzeitig zu erkennen.

  • Quora
    Was liegt derzeit im Trend? Worüber denkt die Community momentan nach?
    Auf Quora können Sie das Geschehen entspannt verfolgen.
    www.quora.com
  • Trendosaur
    Wenn du wissen willst, welches Produkt gerade beginnt richtig trendy zu werden und bald völlig durch die Decke geht, bist du hier richtig. Trendosaur scannt abertausende Anzeigen und Onlineshops und zeigt dir in unterschiedlichsten Kategorien, die bald angesagtesten Produkte. Selfie-Sticks hat Trendosaur gerüchteweise schon Monate, bevor der Trend losging, vorausgesagt.
    www.trendosaur.co

 

Schritt 4: Lerne gängige Geschäftsmodelle kennen.

Es gibt verschiedene Konzepte, die bei erfolgreichen Unternehmensgründungen immer wieder zum Einsatz kommen. Diese Konzepte lassen sich oft auf andere Branchen und Märkte übertragen. Ich möchte dir fünf davon nun als Schablone an die Hand geben. Vielleicht ist eines davon ja für dich stimmig übertragbar.

Modell 1: Job zur Berufung

Das mit Abstand am häufigsten angewandte Modell ist den Job zur Berufung zu machen. Die überwiegende Mehrzahl der Gründer geht diesen Weg der Synergie. Das heißt, du baust auf bisheriges Knowhow auf und eröffnest ein Unternehmen in derselben Branche, in du im Angestelltenverhältnis gearbeitet hast.

Die Vorteile davon liegen auf der Hand. Du kannst auf Bestehendes aufbauen. Du beginnst nicht auf der grünen Wiese, sondern hast bereits ein Fundament, auf das du aufbauen kannst. Du hast Knowhow, Erfahrung und womöglich einen bestehenden Kundenstamm, den du  in die Selbständigkeit mitnehmen kannst.

Sollte dir die Tätigkeit aber schon im Angestelltenverhältnis keinen Spaß gemacht haben, kommst du dadurch vom Regen in die Traufe. Nur weil du nun dein eigener Boss bist, wird die Tätigkeit nicht spannender. Du gewinnst dann nur eine Reihe weiterer organisatorischer Tätigkeiten hinzu.

Wenn du das was du tust aber gerne machen und wenn es mit dir stimmig ist, dann ist dies der direkteste und einfachste Weg zur eigenen Unternehmung.

Modell 2: Leidenschaft zur Berufung

Das zweite Modell folgt dem Motto Hobby zum Beruf machen. Hobbies sind ein guter und stimmiger Startpunkt für eine runde Idee. Häufig erlauben es solche Ideen auch klein und nebenbei zu starten. Man muss seine Zeit nicht groß umschichten, denn das Hobby übt man ja ohnehin aus.

Wenn eine so entstandene Idee als Vollzeiterwerb angestrebt wird, ist aber besonders hohes Augenmerk auf die finanzielle Tragfähigkeit zu legen. Es ist ein großer Unterschied, ob du fünf selbst gestrickte Pullover im Monat an Freunde verschenkst oder davon finanziell leben möchtest.

Modell 3: Mittelmänner ausschalten

Dieses Konzept basiert auf der einfachen Tatsache, dass eine Verkürzung der Lieferkette zu reduzierten Preisen führt. Günter Faltin ist einer der bekanntesten Gründer, der sich dieses Konzept zunutze gemacht hat.

Er kauft Darjeeling Tee direkt im Herkunftsland und verkauft diesen in 1-Kilo Großpackungen an den Kunden weiter. Er nennt das die Teekampagne (www.teekampagne.de). Dadurch, dass er den Großhändler und Einzelhändler umgeht, kann er den Tee zu wesentlich günstigeren Preisen anbieten.

Er hat also die Mittelmänner zwischen Kunde und Hersteller reduziert. Mittlerweile hat das Kampagnenkonzept auf andere Produkte übergegriffen. Es gibt Olivenölkampagnen, Gewürzkampagnen, Energiesparlampenkampagnen und so weiter.

Modell 4: Abos anbieten

Ein dem Kampagnenkonzept ähnliches System ist das Abokonzept. Du bietest dem Kunden etwas, das er häufig braucht, als Abo an. Du vereinfachst ihm die Beschaffung, da er nicht jedes Mal erneut bestellen muss und verschaffst ihm bessere Konditionen, da er größere Mengen bestellt, indem er sich an dich bindet. Als Unternehmer erhältst du dafür größere Bestellmengen und eine vereinfachte Abwicklung, da sich die Bestellungen alle gleichen.

Ein Beispiel hierfür ist www.blacksocks.com, wo Sockenabos angeboten werden. Andere Beispiele sind auch Gemüseabos, die vor die Türe geliefert werden.

Modell 5: Franchise

Als Alternative zur Neugründung mit einer eigenen Idee gibt es die Möglichkeit fertige Unternehmenskonzepte zu übernehmen.

Sunpoint Sonnenstudio, Segafredo Zanetti Bar, Palmers, Town & Country Haus, Unimarkt, Vodafone Shop, Mc Donalds sind Beispiele dafür.

Vorteil ist, du baust auf ein bestehendes Netzwerk auf und profitierst vom Marketing des Franchisepartners. Nachteil ist, dass du viele unternehmerische Freiheiten opferst und Gebühren an den Franchisegeber entrichten musst. In der Regel hast du auch einen anteiligen Investitionskostenbetrag vorzuschießen. Es gibt aber Systeme die mit relativ wenig Eigenmittel auskommen und durchaus im Trend liegen. Es gibt einige gute Portale im Netz, die die unterschiedlichen Franchisesysteme vergleichen.

www.franchise.de

www.franchiseportal.at

So gehst du systematisch auf Geschäftsideensuche:

  • Eröffne ein Ideenlabor und werde bewusst zum Ideenforscher.
  • Lege deine persönliche Ideeneinkaufliste an und denke gezielt in der Schublade.
  • Beobachte Marktbedürfnisse und Trends und gleichen aufkommende Ideen damit ab.
  • Prüfe bewährte Gründungskonzepte auf Anwendbarkeit für sich.

Wenn du diesen einfachen Weg spielerisch und offen gehst, werden sich schnell die ersten Ideen zeigen. Wichtig ist diese aufkommenden Ideen nicht zu verwerfen, sondern sie zu notieren und möglichst im Hinterkopf zu behalten.

Ein wachsamer und mit Ideen gefüllter Hinterkopf ist die wirkungsvollste Waffe am Weg zu einer stimmigen und rentablen Geschäftsidee. Wenn du nur eine Sache von meinem Beitrag hier mitnimmst, dann das:

Verwerfe deine Ideen niemals, sondern behalten sie im Hinterkopf.

 

Über den Autor:

Reinhold Lackner ist Gründerberater und Experte für Onlinemarketing. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht aus der Unternehmensgründung wieder das zu machen, was sie sein sollte: Ein Abenteuer. Nach Jahren in Führungspositionen in der freien Wirtschaft gibt er nun in seiner Gründerberatung Unternehmensgründern einen Werkzeugkoffer an die Hand, um Geschäftsideen zu finden, zu entwickeln und rentabel umzusetzen. Reinhold Lackner lebt und arbeitet am Attersee in Österreich.

www.ideenchecker.com

 

Quellen:

  • Bilder: www.ideenchecker.com
  • Günter Faltin: Kopf schlägt Kapital, dtv, 2012
  • Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg: Smart Business Concepts, 2016
  • http://www.notizbuchblog.de/, 2016