Braucht Motivationstipps

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Einer der Vorteile am Gründerdasein ist die selbstbestimmte Arbeit. Einer der Nachteile am Gründerdasein ist, dass es selbstbestimmte Arbeit ist, für die sich Betreffende/r jeden Morgen aufs Neue selbst motivieren muss. Wenn Du zu denen gehörst, die sich wirklich jeden Tag beschwingt und ohne sich ablenken zu lassen an die Arbeit machen, bitten wir Dich, die nachfolgenden Tipps einfach zu überspringen und uns in den Kommentaren Dein Geheimnis zu verraten. Der heutige Beitrag indessen ist für alle, die sich zumindest hin und wieder zu den weniger spannenden Arbeiten zwingen müssen und sich fragen, wie sie an Motivation kommen, wenn ihnen diese einmal fehlt.

Welcher Motivationstyp bist Du?

Wenn Du Dich fragst, wie Du Dich motivieren kannst, musst Du wissen, was Dich antreibt. Tust Du, das, was Du tust…

…wegen dem Geld?
…um der sozialen Anerkennung willen?
…weil es Dir Spaß macht?
…aus Angst vor den Konsequenzen, wenn Du es nicht tust?
…weil Du besser sein willst als die Konkurrenz?
…weil Dich die Aufgabe interessiert?
…weil Du vorwärts und nach oben willst?
…aus ganz anderen, eigenen Motiven?

Es ist wichtig, dass Du Dich gut genug kennst und Dir über Deine Motive im Klaren bist. So weißt Du, dass Dein Ziel 100% zu Dir passt und welche Motivationstechniken auf den Weg dahin den größten Erfolg versprechen. In der Wissenschaft werden nämlich zwei Formen von Motivation unterschieden:

Extrinsische Motivation

„Extrinsisch“ lässt sich in etwa mit „von außen kommend“ übersetzen. Extrinsische Motivation liegt immer dann vor, wenn wir handeln, weil uns eine Belohnung winkt. Wir schauen also nach außen, um in Bewegung zu kommen und zu bleiben. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn wir ins Fitnessstudio gehen und das nicht tun, weil wir unseren Trainingsplan lieben wie ein Hamster sein Laufrad, sondern weil wir einfach „nur“ gut aussehen und gesund bleiben wollen. Auch Unabhängigkeit, Geld und Prestige sind extrinsische Motive.

Intrinsische Motivation

Umgekehrt liegt intrinsische Motivation dann vor, wenn der Handlungsanreiz aus dem Verhältnis zwischen uns und unserer Aufgabe entsteht. Bei Sport wäre das dann der Fall, wenn wir unsere Traumsportart gefunden haben, die uns einfach Spaß macht und bei der Bewegung zu Freude wird. Leidenschaft, Interesse und Neugier sind weitere intrinsische Motive. Wir befassen uns dann mit einer Aufgabe, weil wir mehr wissen wollen und weil sie uns fesselt.

Die Mischung macht’s

Am Beispiel des Hamsters lässt sich auch gut zeigen, dass es keine Motivationsform gibt, die an sich besser wäre: An dem, was man tut, nie Spaß zu haben ist tragisch, aber ein motivierter Hamster kann in nur einer Nacht bis zu 9 km zurücklegen und ist am Ende doch kein Stück vorwärts gekommen. In der Regel neigen wir zwar eher zur einen oder anderen Motivationsform, wirklich gut tun Tätigkeiten uns jedoch nur, wenn sich intrinsische und extrinisische Motivatoren überschneiden. Der Punkt, an dem Arbeit sich nicht mehr wie Arbeit anfühlt und einen gleichzeitig vorwärts bringt, ist ideal. Arbeiten im Flow macht glücklich. Aber wie kommt man überhaupt in Bewegung?

5 Dinge, die Du für mehr Motivation tun kannst

Da es unterschiedliche Motivationstypen gibt und Menschen so unterschiedlich sind wie die Aufgaben, denen sie sich widmen, lässt sich die Frage nach der richtigen Motivationstechnik nicht allgemeingültig beantworten. Es gibt aber bewährte Methoden und Ansätze, mit denen Du Dich motivieren kannst.

1. Halte Dir Dein Ziel vor Augen

Selbstbestimmt zu arbeiten bedeutet eine Mission zu haben. Das Wissen darum gibt Dir die Kraft, Dich auch durch die unerfreulichen Aufgaben zu kämpfen. Im Interview erklärt uns der Motivationsexperte Stefan Frädrich: „[D]ie Motivation erhalten wir uns unterm Strich immer dadurch, dass wir uns auf das für uns höchstmögliche Sinnziel fokussieren, also fragen: ‚Was ist der Sinn dessen, was wir tun? Warum stehen wir morgens auf? Wo wollen wir strategisch hin? Was sind die nächsten großen Meilensteine?‘ – und uns wie mit einem inneren Kompass immer wieder darauf ausrichten.“ Er verweist auch auf die beim Neuro-Lingustischen Programmieren angewandte Selbstmotivationstechnik, sein Ziel zu visualisieren und es sich in den schillerndsten Farben auszumalen. Diese Methode kann auch unabhängig vom Motivationstypen angewandt werden, einzige Voraussetzung ist, dass Du Dich mit Deinem Ziel auch wirklich identifizieren kannst.

2. Setze Dir Etappenziele

Hier überschneiden sich Motivations- und Organisationsfähigkeit. Ehrgeizig gesetzte Ziele führen dazu, dass wir zunächst vor einem Berg an Arbeit stehen, der unbezwingbar hoch zu sein scheint. Allein aus organisatorischen Gründen ist es nötig, die Hauptaufgabe in viele Teilaufgaben zu zerlegen und diese auch an Deadlines zu binden. Die S.M.A.R.T.-Formel, wie Projektmanager sie kennen, ist hier eine Hilfe. Mit ihr legst Du realistische Ziele fest, deren Ergebnisse am Ende messbar sind. Indem Du kleine Aufgaben erledigst, die Dich Deinem Ziel nachweislich näher bringen, erlebst Du auf Deinem Weg immer wieder, dass es sich lohnt zu handeln. Wenn Du das verinnerlichst, stärkt das Deine Selbstwirksamkeitswerartung, was sich positiv auf Deine Selbstmotivationsfähigkeit auswirkt. Kleine Erfolge halten Dich so am Laufen und Du kannst sie Dir auch immer dann vor Augen halten, wenn Dein innerer Zweifler wider alle Vernunft zu laut wird.

3. Belohne Dich

Gerade extrinsisch motivierte Menschen sind auf Belohnungen angewiesen. Bei ehrgeizig gesetzten Zielen lassen die Früchte unserer Arbeit naturgemäß auf sich warten. Deshalb lassen sich Etappen- und Tagesziele auch mit Belohnungen kombinieren. Während intrinsisch motivierte Menschen von der Belohnung als solcher nicht im selben Maße angespornt werden, können auch sie von dieser Methode profitieren. Wenn wir uns Erholung und Freizeit als Belohnung in Aussicht stellen, können wir mit gutem Gewissen entspannen, abschalten und Energie tanken.

4. Das Schlimmste zuerst

Dem US-amerikanischen Schriftsteller Mark Twain wird fälschlich ein skurriles und doch recht inspirierendes Zitat zugeschrieben: „Iss morgens als allerersten einen lebendigen Frosch und Dir wird für den Rest des Tages nichts Schlimmeres mehr passieren.“ (Eat a live frog first thing in the morning and nothing worse will happen to you the rest of the day.”) Was klingt wie eine Mischung aus fernöstlicher Küche und Voodoo-Zauber, kann Dir wirklich den Tag retten – sofern Du die Anweisung nicht wörtlich verstehst.

Wenn wir die lästigsten und unerfreulichsten Aufgaben erledigen, sobald wir sie vor uns haben, können sie uns nicht mehr verfolgen. Die unschönen Aufgaben können uns dann auch nicht in einer Prokratiniationsschleife fangen. Das erfordert Disziplin, frisst aber weniger Energie, als über einen längeren Zeitraum mit dem inneren Schweinehund ringen zu müssen. Mit der Aussicht, dass nach diesem schlimmen Wegstück wieder angenehmere Dinge auf Dich warten, rettest Du Dir, gerade wenn Du vor allem intrinsisch motiviert bist, den Arbeitstag.

5. Stelle Dich der Angst vorm Scheitern

Die Angst vor Fehlern und vorm Scheitern kann einen lähmen. Wenn Du merkst, dass Du chronisch unmotiviert bist, solltest Du auf jeden Fall nach den Ursachen suchen und diese nach Möglichkeit beseitigen. Solltest Du erkennen, dass Du deshalb nicht ins Handeln kommst, weil Du fürchtest etwas falsch zu machen hast, kannst Du mit Wenn-Dann-Szenarien arbeiten. „Wenn ich A tue, kann B oder C geschehen. B ist gut, dann tue ich D, C ist schlecht, dann muss ich E tun usw.“, ist das Schema für ein solches Szenario. So weißt Du, was Du im Normalfall und im Störfall zu tun hast. Mit einem solchen Szenario hast Du Deinen Befürchtungen auch ein Gesicht gegeben und bist Dir der tatsächlichen Risiken und Fallstricke bewusst geworden. Vielleicht kommt Deine Angst auch vom Gefühl, überfordert zu sein. In diesem Fall, kannst Du Deine Zielsetzung noch einmal überdenken (siehe Punkt 2).

Das schützt Dich natürlich nicht davor, irgendwann dann doch Fehler zu machen. Die Kunst ist es, dann produktiv mit den eigenen Fehlern umgehen zu können. Frage Dich: „Was muss ich jetzt tun? Was sollte ich in Zukunft (nicht) tun?“ Die wenigsten erfolgreichen Menschen erleben schon mit ihrer allerersten Idee den Durchbruch und Irren ist einfach menschlich. Wenn Du nicht aufstehen und weitermachen kannst, weil Du Dir Vorwürfe und Schlimmeres machst, versuche nicht zu hart zu Dir zu sein. Eine gute Faustregel ist es, sich selbst nie schlechter zu behandeln als ein bester Freund es tun würde. Das hilft Dir an dem Mindset zu arbeiten, das Du brauchst, um motiviert(er) zu sein.

Was tun, wenn die Motivation alle ist?

Wenn Du selbst für das Anwenden von Motivationstricks zu unmotiviert bist und trotzdem etwas erledigen willst/musst, musst Du Dich, wie bereits angedeutet, auf zwei andere Dinge berufen: Organisation und Disziplin. Das ist nicht so attraktiv wie die Arbeit im Flow, aber die Arbeit wird erledigt. „Einfach machen!“, ist das Erfolgsmantra der Disziplinierten.

Willst Du Deiner Disziplin auf die Sprünge helfen, bietet es sich an, die Ablenkungsmöglichkeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Das kannst Du mit einer aufgeräumten Umgebung tun und indem Du störende Reize ausblendest. Oropax, Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung und Browser Add-Ons, mit denen sich Zeitfresser-Seiten auf Zeit blocken lassen sind nützliche Hilfen. Auf die Idee zu kommen, eine aufgeräumte Umgebung zu schaffen, statt den Frosch zu essen, ist allerdings ein Prokrastinations-Klassiker.

Ein durchgeplanter Arbeitstag, bei dem zum Beispiel für bestimmte Aufgaben bestimmte Zeiten festgelegt sind, hilft Dir ebenfalls produktiv zu sein ohne Dich jedes Mal neu motivieren zu müssen. Wenn Du nach Plan arbeitest und ein wenig Selbstdisziplin an den Tag legst, arbeitest Du Aufgaben stumpf ab, statt Dich für sie entscheiden und motivieren zu müssen. Das spart Energie. Ähneln sich Deine Pläne Tag für Tag können so auch Gewohnheiten und Routinen entstehen. Dann musst Du Dich kaum noch motivieren, weil bestimmte Abläufe selbstverständlich geworden sind.
Scheint es unmögliche Willensanstrengung zu erfordern, Arbeiten zu erledigen und die Dinge lange liegen bleiben, kann es besser sein, zum Arzt zu gehen. Je nach Leidensdruck und Einschränkungen durch chronisches Aufschieben, kann auch ein Fall von krankhafter Prokrastination vorliegen. Die Psychologen der Universität Münster haben daher vor einigen Jahren eine Prokrastinationsambulanz eingerichtet. Auf ihrer Seite findet sich ein kostenloser Selbsttest. Bei diesem werden auch Hinweise auf andere Störungen, die sich negativ auf den Antrieb und die Selbstkontrolle auswirken, ausgewertet. In einen solchen Fall hat das Beheben der Blockade Priorität.

Zusammengefasst:

Die meisten Menschen müssen sich motivieren, wenn sie bestimmte, oft unerfreuliche Aufgaben erledigen wollen. Das gelingt mal mehr und mal weniger gut. Wenn man sich als gesunder Zeitgenosse nur schwer motivieren kann, kann man umso organisierter und strukturierter an Aufgaben herangehen, um mangelnde Motivation auszugleichen. Auch Selbstdisziplin ist etwas, das fehlenden Antrieb bis zu einem gewissen Punkt ersetzen kann. Die 5 vorgestellten Motivationstipps helfen Dir allerdings mit mehr Drive an die Dinge ranzugehen. In diesem Sinne: Das Ziel fokussieren und auf geht’s!

Wenn Du Dich für die Frage nach Produktivität und Motivation interessierst, empfehlen wir auch die folgenden Interviews:

„DU WEIßT NIE, WO DEIN LIMIT IST“ – Christian Bischoff im Interview mit Gründer.de

„Wieder aufstehen und Dinge durchziehen, das ist eine Unternehmer-Schlüsselfähigkeit“ – Matthew Mockridge im Interview mit Gründer.de